Elsas Nacht(b)revier

Am Anfang wurde das Universum erschaffen. Das machte viele Leute sehr wütend und wurde allenthalben als Schritt in die falsche Richtung angesehen. [Douglas Adams]

elsalaska[at]tiscali[punkt]it

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Montag, 2. April 2007

Man schickt mir eine Mail mit dem Betreff

"Britney Spears naked pussy", dazu einen versteckten Link auf malconted.org/images/xxx0815.
Was glaubt ihr, was ich tue?
Hecheln, geifernd, lechzend und sabbernd da drauf drücken?
Auf Britney Spears naked pussy?
(Welcome neuer Suchbegriff Top Rang 1 mit 5789 Treffern.)
Ich will euch mal was sagen...
Diese Franziskanersache hat wirklich nur deshalb so gut funktioniert, weil Franziskus in seinem Tal da herumhing und niemand was von ihm wollte. Der hat seine Kirche aufgebaut, musste sich kurz von seinem Vater lossagen - Gott, wer kennt das nicht?
Niemand hat ihn mit Osama bin Laden oder Britney Spears naked pussy konfrontiert. Deshalb klappte das auch so wunderbar mit der Heiligkeit und dem Einssein mit Gott.
Erzählt mir was anderes, aber ihr habt keine Argumente!

Für jemanden, der bald nach Rom fährt

03-01-07_1645
Im Januar (da ist auch Vollmond, ganz unten in den Zweigen hängend noch gewesen)

02-04-07_1951
Aktuelles Datum (alles superdunkel, ich weiß. Handyfotografie at its best)

09-03-07_2006

Die Pflanzenbestimmung

ist eine großartige Wissenschaft, die sehr viel Freude macht.
Ich entdecke täglich tolle neue Pflanzen. Außerdem habe ich festgestellt, dass ich keinen Eukalyptusbaum im Garten stehen habe, sondern einen Australischen Gummibaum, auch wenn er eher wie ein Eukalyptus aussieht und eben nicht wie ein Gummibaum. Jede Menge Feldulmen stehen herum - nicht gerade mediterrane Bepflanzung, würde ich sagen, und keine einzige Pinie, die ich als solche identifizieren konnte. Alles irgendwelche buckligen Kieferabarten. Das hat mich freilich enttäuscht. Aber die Vorbesitzer haben irgendwie auch keine Ahnung von einem Garten gehabt. Die Trauerweide (!!!) ist gleich eingegangen wegen Trockenheit, zwei Birken sowieso, wie komme ich denn bitte auf die Idee, Trauerweiden und Birken zu setzen.
Auf meiner persönlichen Wunschliste steht ein Granatapfelbaum - sie werden hier in jedem Alter verkauft, auch mehrere Hundert Jahre alt, so wie Olivenbäume - Einzelstücke natürlich - an so was traue ich mich nicht ran. Erstens wegen des stolzen Preise von 4000 oder gar 5000 Euro pro Exemplar, zweitens geht mir dann das Teil nachher noch kaputt, das wär ärgerlich.
Fürs erste täte es auch ein schöner Wacholder, eine ECHTE Pinie, keine Feige mehr, ich habe jetzt DREI Bäume und hoffe dann doch mal, wenigstens eine einzige ernten zu können.
Eine sehr wohlschmeckende Frucht ist übrigens die Mispel (nicht Mistel), wird beim Türken in Deutschland als Napsoli (?) in den Wintermonaten verkauft, und erstmals trägt mein Mispelbaum auch ziemlich viele davon.
Heute kamen zwei äußerst mafiös aussehende Typen ans Hoftor herangefahren und wollten mir Broccoli- und Blumenkohlsamen verkaufen - ich hab abgewinkt. Für mein gärtnerisches Talent tun es grad mal drei Sorten Salbei (heute erstanden) und zwei kleine Oleander.
Gegen einen zweihundertjährigen vom LKW gefallenen Granatapfelbaum hätte ich dagegen nichts einzuwenden gehabt.
Dann stehen hier überall diese herrlichen Khakibäume herum, kein Mensch erntet Khaki/Sharonfrucht, wahrscheinlich, weil sie überhaupt nach nichts schmecken, aber im Winter sehen sie herrlich aus, wenn die leuchtend orangegelben Früchte in den kahlen Zweigen hängen.
Ich weiß jetzt übrigens, warum ich mit dem Santa-Sana durcheinandergekommen bin, ich wollte Bohnenkraut - santoreggia - kaufen und ein Kraut, das ich nicht kenne, nennt sich auf Italienisch santolina oder umgekehrt santalino (?), das hab ich aber schon im Garten und kann nichts damit anfangen. Ein heillose santasanto-Verwirrung bei den Kräutern ist das und la santabarbara heißt auch noch auf Italienisch - Die Pulverkammer.
Da wirds dann schon mal eng.

Parasiten auf der Spur

Schon längere Zeit wundere ich mich darüber, wieso mein Bier immer so schnell leer, das Weinglas immer in der Neige steht, ohne dass ich auch nur eine Idee hätte, davon besonders viel getrunken zu haben.
Irgendwo sitzt einer mit einem riesigen Rüssel und säuft meine Getränke leer, diesen Verdacht habe ich längst.
Hier ist er:
>> Der Dickmaulrüssler. Ein gefürchteter Schädling.

Von wegen Blätter, Blüten, Knospen!

*guckt skeptisch in ihr Glas*

Bepi Tosolini

konnte mit seinem Namen gar nichts andres machen als Grappa. In der Tat macht Bepi Tosolini den besten Grappa, den man sich vorstellen kann. 02-04-07_2018

Wie der Name "I Legni" schon sagt, reift dieser Grappa in Barrique-Fässern, hat eine carameldunkle Farbe und, nein- ich hab nicht die ganze Flasche gleich ausgetrunken, der freundlichste Barista aller Zeiten hat mir einfach eine leere mitgegeben, weil er den Eindruck hatte, dass ich mir den Namen Bepi Tosolini eventuell nicht mehr merken kann (nach nur einem kleinen Bier und einem leckeren Grappa, zu dem er mir übrigens ein kleines Schälchen mit Bitterschokolade nonchalant dazu stellte). Aus dem "Beipackzettel": Noten von Honig und frischen Mandeln, Sultaninen, warme Vanilletöne, einen Farbton von Amber.
Und jetzt kommt's: Für einen doppelten I Legni von Bepi Tosolini habe ich 3 Euro 50 gezahlt.
Inklusive Bitterschokolade und einem sehr freundlichen und flirtbereiten Barista.
Mamma mia, das Leben ist schön.

Aber der Tag fing sowieso gut an. Zum Kaffee bei strahlendem Sonnenschein kam Armando herbeigewandert, wir plauderten ein bisschen und es sieht also so aus, dass seine Chemotherapie wohl hervorragend anschlägt, er hat sogar vier Kilo zugenommen in den letzten Monaten. Geschrei von weiter oben - man suchte den Nonno. Ich hakte mich bei ihm unter und wir gingen langsam meine Straße zurück, da kamen uns auch schon sein Sohn und ein äußerst flotter Besucher entgegen, der, als er uns beide sah, lauthals ausrief:
Alle suchen Armando - und ich sag euch was, es war doch klar wo er sich rumtreibt - bei den schönen Frauen!
Damit bewies der Besucher mal wieder echt italienische Subtilität - nicht etwa Plumpheit. Dieses Kompliment kam nämlich dreifach zugute: Dem Mann selbst, weil er so ein feines Kompliment machen kann, mir natürlich, weil ich als schöne Frau tituliert wurde (die schöne Frau trug allerdings eine olivfarbene BW-Joggingshose und ein verflecktes weißes Männerhemd - naja, aber vielleicht haben die Italiener ja einfach die Schnauze voll von Hüfthosen und overstylten Frauen - wahrscheinlich aber eher nicht und es war einfach nur ein nett gemeintes Kompliment *gg*), und - das Allerwichtigste an diesem speziellen Kompliment: Er bescheinigte dem alten, kranken Armando noch diese besondere Virilität, die für jeden italienischen Mann einfach zum Wohlbefinden und zum persönlichen Stolz gehört: eben sich noch da herumtreiben zu können, wo die schönen Frauen sind, das wird kultiviert in jedem Alter, ist aber ein besonders wichtiges Kompliment für ältere Männer jenseits der 70. Dabei zählt eben auch eine Vierzigjährige - es muss nicht gleich eine Zwanzigjährige sein, ein über 70jähriger mit einer immerhin schon Vierzigjährigen am Arm wird trotzdem die vollständige bewundernde Anerkennung seiner Geschlechtsgenossen finden. Le belle donne. Immer wichtig.

Na gut. Darauf ging ich Kräuter kaufen auf einem sympathisch provisorisch dafür hergerichteten Acker und parlierte mit der Verkäuferin, die sich beeindruckt über mein Kräuterwissen zeigte (inklusive Lob, Lob ist wichtig. Brava!).

Was ich denn hier so täte?
Ach, ich könnte von hier aus arbeiten und hätte mich auch nicht so besonders gut gefühlt die letzten Monate, bräuchte Erholung, ich wäre nicht besonders gesund gewesen - wollte ich EIGENTLICH sagen. Aber statt sana-gesund sagte ich: ich war NICHT SANTA! nicht heilig!
Und ich musste ja sowas von lachen, ein solcher Versprecher ist mir wirklich in meiner ganzen Laufbahn nicht passiert.

Und dazu einen Vollmond wie eine Blutorange über den Hügeln.

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