Elsas Nacht(b)revier

Am Anfang wurde das Universum erschaffen. Das machte viele Leute sehr wütend und wurde allenthalben als Schritt in die falsche Richtung angesehen. [Douglas Adams]

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Mittwoch, 30. April 2008

Bei der Lektüre von McGraths Entgegnung

auf " Gotteswahn" stieß ich auf eine Stelle, die von den Amischen handelt. McGrath schreibt, dass Dawkins sich "permanent ekelerregend herablassend über die Amischen äußere".
Das muss er auch tun, angesichts dieses Glaubens bleibt ihm auch gar nichts anderes übrig.
Oder, wie McGrath völlig richtig schreibt: "Wenn die Menschen auf dieser Welt Jesus von Nazareth ähnlicher wären, würde das Thema "Gewalt" tatsächlich der Vergangenheit angehören. Diese Antwort scheint Dawkins jedoch nicht zu behagen."

Dieser Eintrag handelt von den Amischen, und nicht von fundamentalistischem Atheismusgequallere über "notorisch gewälttätige Gläubige und einer besseren Welt ohne Religion". Ich dachte, ich erwähne das schonmal vorab mit einem leichten Warnton in der Stimme (was gleichzeitig sehr schön beweist, dass ich völlig jenseits der hehren Jesus-Nachfolge stehe, wie die Amischen und die Mennoniten sie praktizieren. Ich bin halt ein Weib, und obendrein kein gutes, um es mit der Hl. Teresa zu sagen).

Die Amischen sind ja diese malerischen fundamentalistischen Protestanten, die in Pennsylvania mit Pferdekutschen herumfahren, keine Kühlschränke besitzen, keine Knöpfe an den Kleidern tragen wegen Furcht vor daraus resultierenden Eitelkeiten - bekannt geworden durch den Film mit Harrison Ford "Der einzige Zeuge". Falls noch nicht gesehen, ansehen.
Es ist ein Teil der ersten Freikirche überhaupt unter Bischof Menno (1496 - 1561), die nach Amerika ausgewandert ist, einige finden sich auch noch in Deutschland und in der Schweiz, wo sie aber nicht durch Pferdekutschen auffallen. (Es gibt einen gemäßigteren Zweig, die wohl Strom benutzt und auch Kühlschränke und elektrische Herde sowie Autos, aber keinesfalls Fernseher). Sie werden als Erwachsene getauft und nehmen die Nachfolge Jesu RADIKAL ernst.
Von den deutschen Mennoniten, die ich kenne, hat sich keiner für einen gottlosen Krieg missbrauchen lassen, und es steht, Dawkins zum Trotz, sehr zu befürchten, dass sie sich auch niemals zu einem Krieg FÜR Gott missbrauchen lassen würden. Ich kenne ziemlich viele Geschichten von deutschen Mennoniten im Zweiten Weltkrieg, die zuschauten, dass ihnen ein Bein, ein Arm oder sonstwas abfror, um niemanden anderen töten zu müssen, wenn sie sich nicht gleich mit der Waffe in der Hand in die Gliedmaßen schossen -beliebt war auch, sich die Finger selbst wegzuschießen - einen mennonitischen Kameraden darum zu bitten, kam jedenfalls aus naheliegenden Gründen nicht allzusehr in den Betracht der Möglichkeit.

Man sieht, sie nehmen es mit der Gewaltlosigkeit radikal ernst, so ernst, dass sie im Zweifel lieber sich selbst verletzten, als jemand anders.
Deshalb war es mir auch völlig klar, dass nach dem Attentat von Pennsylvania, bei dem ein verwirrter (?) Mann in eine mennonitische Schule eindrang und fünf Mädchen erschoss (dabei aber wohl vorhatte, die Mädchen erst zu missbrauchen), - und auf das sich McGrath auch bezieht - die komplette, gesamte Gemeinschaft weder Wut, noch Abscheu, noch Hass äußerte (etwas, was den meisten Christen - ich nehme mich da nicht aus - Amstetten! - kaum gelingt), sondern beharrlich Vergebung anmahnte.
Und so kam es, dass HEILUNG geschah, nicht nur bei den Eltern der Opfer, sondern insbesondere auch bei der Witwe des Schützen, die das Glück im Unglück hatte, an Mennoniten geraten zu sein, die selbst dann noch die unbedingte Jesus-Nachfolge antreten, wenn ihre Kinder von einem Gestörten niedergemetzelt werden, der - ausgerechnet auch noch! - "aus Wut auf Gott" gehandelt hat (was sich wohl in irgendwelchen Zeugnissen noch fand).
Dementsprechend wurde auch der Sarg des Täters von den amischen überlebenden Opfern und Betroffenen mit Blumen geschmückt. (Tolles Pferdekutschenbild).

Ich weiß nicht mehr genau, warum ich diesen Eintrag begonnen habe - ich glaube, ich wollte es einfach nur noch mal erwähnt haben.

Marc Aurel

ist tatsächlich von allen antiken Philosophen der einzige, den ich wirklich gerne persönlich kennen gelernt hätte.
*langweilt sich über der Pyrrhonischen Skepsis*

...

„Bemerkenswerterweise sind in Italien 62 Prozent der Befragten dafür, dass die Bibel in der Schule gelehrt wird. Dagegen gab es sogar Widerstände im Klerus. Ich selbst habe die Bibelkunde in der Schule immer unterstützt, und an meiner Seite wusste ich viele Mitstreiter aus dem Laienstand, mitunter sogar Nichtgläubige oder Menschen fern von jedem religiösen Interesse. Es bleibt wahr, was Umberto Eco dazu sagte: Warum müssen unsere Kinder alles über die Helden Homers wissen, aber nichts über Moses?”
(Der päpstliche Kulturminister zu einer Studie über Bibellektüre in verschiedenen Ländern auf Radio Vatikan).


Aber von Homer wissen sie doch auch nichts mehr!
(Und von der Bibel sowieso nicht, das merkt man ja immer an den tollkühnen Zitierungen, mit denen einem immerhin schon Erwachsene bei Maischberger zupflastern wollen).

GE-NERVT.

Vom Wetter. Ich wollte eigentlich eine hübsch heidnische (?) Maibowle* zaubern mit meinem üppigst wuchernden Waldmeister et al. und den Abend im Freien verbringen - und jetzt sintflutartige Regenfälle, eisige Kälte und überhaupt ... Mach ich es mir eben mit der "Kurzgefassten Verteidigung der Heiligen Inquisition" von H.C. Zander hinterm warmen Ofen gemütlich.
Und komm morgen wenigstens frühs raus zum Himmelfahrts-Gottesdienst. ...

lt. Wikipedia wurde Maiwein allerdings erstmals in einem Kloster dokumentiert, um 854.

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