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Dienstag, 1. Juli 2008

Das Farnese-Komplott [151]

Ich klappte das Buch mit einem Knall zu, öffnete das bleiverglaste Fenster und warf es mit weitem Schwung hinunter in den Kräutergarten. Wo es ein paar Tauben aufschreckte und im Mistbeet liegenblieb.
Große Verführungskraft gepaart mit einem gehörigen Maß an Skrupellosigkeit und der Bereitschaft, für die Ziele der Familie, die oft genug im Laufe der Jahrhunderte mit dem römischen Klerus verknüpft waren, nicht nur das eigene Schicksal, sondern auch dasjenige anderer preiszugeben ...
Ich hob grimmig lächelnd den Blick und suchte den Horizont nach Landmarken ab. Berge, Hügel, irgendetwas, was mir einen Anhaltspunkt geben könnte. Im Westen hielt sich an heißen Tagen ein dunstiger Schleier, es konnte das Meer sein, genausogut aber auch ein großer See. Die Klostergebäude selbst vereinten alle Baustile in sich, die Kirche allerdings typisch romanisch. Sicherlich gab es eine Chronik in der Bibliothek, Aufzeichnungen aus der Geschichte, irgendetwas, was mir vielleicht einen Hinweis geben könnte über umliegende Ortschaften. Also wendete ich mich vom geöffneten Fenster ab und machte mich auf die Suche.
Es dauerte nicht mal eine Stunde, bis ich alle Folianten, alle Quartbände und alle Lose-Blatt-Sammlungen der nicht sehr umfangreichen Bibliothek gesichtet hatte. Ich saß schweißverklebt, staubbedeckt und mit Spinnweb, toten Insekten und Wollmäusen dekoriert erschöpft auf dem Cottoboden und dachte darüber nach, wie ich die Vitrine aufbrechen könnte, in der noch einige Schriften unter Verschluss lagen, als mich wildes Geflatter und Gegurre am Fenster aufblicken ließen - die Tauben. Aufdringlich trippelten sie hin und her, her und hin, ruckten mit den Köpfen und gingen mir auf die Nerven. Ich stand ächzend auf, packte den Schrubber, um sie zu vertreiben und hielt mitten in der Bewegung inne: Es waren Brieftauben. Pontifikale Brieftauben, um genau zu sein, denn sie trugen am Ring das päpstliche Siegel mit den Buchstaben CG darunter. Tauben aus Castel Gandolfo, dem päpstlichen Sommersitz? Dann könnte der dunstige Schleier am Horizont vom Albaner See stammen! Ich ließ den Schrubber langsam sinken und streckte geduldig lockend meine Hand aus, schaffte es, eine zu fassen und drehte sie behutsam auf den Rücken. Mit angehaltenem Atem löste ich die Kapsel an ihrem Fuß. Obwohl mir die Hände zitterten gelang es mir, sie zu öffnen. Die Botschaft, die sie enthielt, trieb mir das Blut hoch in den Kopf, meine Wangen prickelten, meine Knie gaben nach. Ich setzte mich auf den Fußboden und starrte darauf, bis mir der Blick verschwamm:

Pone me ut signaculum super cor tuum ut signaculum super brachium tuum quia fortis est ut mors dilectio dura sicut inferus aemulatio lampades eius lampades ignis atque flammarum aquae multae non poterunt extinguere caritatem nec flumina obruent illam si dederit homo omnem substantiam domus suae pro dilectione quasi nihil despicient eum.*

Die aufgeregten Tauben weckten mich aus meiner Erstarrung. Ich stand auf und begann fieberhaft Schreibzeug zu suchen, um zu antworten.

> Das Farnese-Komplott [152]

<Das Farnese-Komplott [150]

<<[1]
________________________________________________
Lege mich wie ein Siegel auf dein Herz, wie ein Siegel auf deinen Arm. Denn Liebe ist stark wie der Tod und Leidenschaft unwiderstehlich wie das Totenreich.Ihre Glut ist feurig und eine Flamme des HERRN, sodass auch viele Wasser die Liebe nicht auslöschen und Ströme sie nicht ertränken können. Wenn einer alles Gut in seinem Hause um die Liebe geben wollte, so könnte das alles nicht genügen. Hohelied 8, 6 f.

Über die Kyrenaiker

"Dass man dies aber nicht weiß [was Glück bzw. Lust ist] und dass man gerade hier den größten Täuschungen ausgesetzt ist, wird ersichtlich an H e g e s i a s , der mit seinem Hedonismus so wenig glücklich wurde, dass er sich zu einem Pessimisten entwickelte, der den Ehrentitel "Sterberat" erhielt, weil er in seinen Vorträgen ständig zum Selbstmord aufforderte, bis Ptolemaios Lagu seine Todespropaganda polizeilich einstellte."

Hirschberger: Geschichte der Philosophie.

Kann jemand Türkisch?

Für "hürriyet gänswein" stehe ich auf Platz 2 der Google-Ergebnisse. Andere träumen ja von so was.
Jetzt ist aber das Problem, dass auf Platz 1 ein vielversprechend aussehender Artikel der Hürriyet aus Mai 2008 steht, in dem sie ihm offenbar mindestens durch Einbau eines entsprechenden Fotos ein Verhältnis andichten wollen (Ich denke, im türkischen Denken gibt es große Schwierigkeiten mit dem Konstrukt des freiwilligen Zölibats - Jahrhundertelang vertraute man da auf die schlichte Fakten schaffende Methode der Kastration?).
Außerdem ist ein super Foto von Benedetto mit extraterrestrischer Sonnenbrille dabei.

Ich bin ja eine hartgesottene Leserin

von Vatikanthrillern - und man muss dazu auch recht hartgesotten sein, wie ich zugebe - , und habe in dieser Richtung schon einiges gelesen, was ich einfach nur so grottenschlecht fand, dass es schon wieder lustig war, wenn man sich einen schrägen Sinn für Humor bewahrt hat. Und den habe ich. Sowohl gegenüber hilflosen Versuche wie gegenüber verzweifelten Versuche, die katholische Kirche zu schmähen. Am traurigsten sind natürlich die sowohl hilflosen wie verzweifelten Versuche, als echter Katholik sollte man dann auch beten, aber ich habe dringendere Anliegen als diese.
Es gab auch mal eine Persiflage als Blog-Novela dazu, allerdings habe ich mich nie so weit verstiegen, böse Kardinäle in Damenstrümpfe zu stecken und einer Domina die Stiefel lecken zu lassen oder sich ein kleines Piranha-Becken zu halten, in dem in Anfällen von bösartiger Lust dann kleine bepelzte Wesen versenkt werden. (Philipp Vandenberg!). Ja, ich gehöre sogar zu den Menschen katholischen Glaubens, die Dan Brown durchaus so etwas wie Bewunderung für einen an sich ideenreichen Plot mit phantasievollen Wendungen zollen können, aber ich bin ja auch noch nicht so lange dabei (bei den Katholiken).
Wobei ich jetzt eher den Plot von Illuminati meine als den von Da Vinci Code. Mal ehrlich, die Rede des Camerlengo, die ist schon erstklassig, da hat jemand mit Leidenschaft geschrieben und nicht einfach irgendwas dahingeschlunzt. Aber wie komme ich auf dieses Thema? Ich hatte mir heute mal typische show-downs in Vatikanthrillern angesehen, speziell den ORT und das WIE, also wie der Bösewicht zur Strecke gebracht wird, um der poetischen Gerechtigkeit Genüge zu tun. Und dabei stieß ich auf Steve Berrys Urbi et Orbi, erschienen bei blanvalet. Hat auf den ersten Blick alles, was ein durchschnittlicher Vatikanthriller so braucht: Fatima, Die Liste der Malachias-Päpste kommt vor, ein codierter Text, ein smarter Papstsekretär (!) und all so was. Die beste Profilerin Italiens ermittelt - achnee, das war der andere Thriller - also egal, irgendeine toughe Frau ermittelt halt mit, schnickschnack und so weiter. Und dann folgende, untoppbare Schmarrn-Stelle, die man tatsächlich nur als Katholik mit Freude an der Brachialsatire voll würdigen kann:
[Es geht um die vom Vatikan geheimgehaltene und zu vertuschende "zehnte Botschaft von Maria aus Medjugorje" - Spoiler: Katholische Leser, die sich bereits über Dan Brown schon bis zur Ohnmacht empören konnten, bitte nicht weiterlesen, das ist es nicht wert. Achtung jetzt:]

"Das zehnte Geheimnis von Medjugorje. Er faltete die Seite auf und las die Botschaft erneut.
Fürchte dich nicht, ich bin die Mutter Gottes und fordere dich auf, meine Botschaft der ganzen Welt bekannt zu geben. Höre gut zu und merke auf das, was ich dir sage. Die Menschen müssen besser werden. Demütig müssen sie um Vergebung ihrer Sünden bitten, der schon begangenen wie der zukünftigen. Verkünde in meinem Namen, das ein schlimmes Strafgericht die Menschheit heimsuchen wird; nicht heute und nicht morgen; aber bald, wenn sie meinen Worten nicht glaubt. All dies habe ich schon den Gesegneten von La Salette enthüllt, dann in Fatima, und heute wiederhole ich es, weil die Menschheit gesündigt und das Geschenk, das Gott ihr gab, mit Füßen getreten hat. Die Zeit der Zeiten und das Ende aller Enden wird kommen, wenn sich die Menschheit nicht bekehrt; und wenn alles so bleibt etc.etc...
Warum verfolgt ihr den Mann und die Frau, die anders lieben als andere? Solche Verfolgung missfällt dem Herrn. Wisse, dass das Sakrament der Ehe allen ohne Einschränkung zu teil wird. Verbote entspringen der Torheit des Menschen, nicht dem Wort Gottes. Gottes Auge ruht wohlgefällig auf den Frauen. Ihr Dienst wurde zu lange verboten und dieses Verbot missfällt dem Himmel.Die Priester Jesu sollten glücklich sein und das Leben in seiner Fülle kennen. Die Freude der Liebe und der Elternschaft sollte ihnen nicht verwehrt werden. Der Hl. Vater ist gut beraten, wenn er dies versteht. Meine letzten Worte sind die wichtigsten: Wisse, dass ich mich aus freiem Willen entschied, die Mutter Gottes zu sein. Die Entscheidung für ein Kind liegt bei der Mutter, und niemand soll hier eingreifen. Gehe nun hin und verkünde die Botschaft!. Etc Etc.

Ist das nicht klasse? Gottes Wille ist eine Mischung aus dem Geschwätz von Drewermann und Alice Schwarzer! Das ist so herrlich, dass ich mich kaum zu fassen weiß.
Und das war der Moment, wo ich mir dachte, okay, Vatikanthriller? Das kriegst du besser hin.
In MEINEM Vatikanthriller baue ich nämlich noch Eva Herman und Johannes Baptist Kerner mit ein!

*klopft sich auf die Schulter*

Ich hatte den Grappa abgelehnt, an dem Lorenzo und Zeno sich gütlich taten und lieber noch eine Flasche Rosato geöffnet. Außerdem hatte ich mir aus Lorenzos Arbeitszimmer einen Atlas besorgt und neugierig die Nordafrika-Karte aufgeschlagen, während Zeno sich bei Lorenzo wortreich darüber beklagte, ihn nicht längst eingeweiht zu haben. Lorenzo hörte nur mit halbem Ohr hin. „Sie müssen im Osten von Algerien schauen. Sehen Sie Constantine, das ist eine größere Stadt, und dann nordwestlich nach Mila suchen ...“
Zeno verfiel derweil in einen Monolog über den misslichen Umstand, dass es sich sein Freund nun mit allen und jedem verdorben habe, eine Monografie über Opus Dei hätte seiner Meinung nach ausgereicht, dann wüsste man wenigstens, wo man die Strippenzieher zu suchen habe. Aber so!
„Ich hab’s!“, rief ich und tippte mit dem Finger auf Mila, das antike Milevum. „Das soll Ihr Bistum sein?“
„Genaugenommen sind es nicht mal Ruinen, es ist nur noch der Überrest einer Stadtmauer mit viel Sand drumherum“, erklärte Lorenzo grinsend.
„Klingt zauberhaft. Fast schon poetisch!“
„Es kommt noch besser. Einer meiner Vorgänger war päpstlicher Nuntius am Hofe von Kublai Khan, und, hier hat die Kongregation Sinn für subtilen Humor bewiesen, der manichäische Ketzer Faustus wurde um 350 dort geboren, ein ziemlich widerspenstiger Typ, der weder das Alte Testament, noch den Mythos um Jesu Geburt und seine Auferstehung anerkennen wollte. Augustinus hatte seine liebe Not mit ihm.“
Zeno klopfte ein paar Mal mit den Fingerknöcheln auf die Tischplatte. „Hallo? Könntest du bitte deine kirchengeschichtliche Vorlesung verschieben, ich bemühe mich, die Hintergründe eines Attentats zu klären!“
Ich klappte schuldbewusst den Atlas wieder zu und setzte mich in eine aufrechte Position.


Das ist einfach auch geil recherchiert, das muss man schon sagen.

...

und benötigte dringend einen kleinen caffè. Mindestens hundert italienische Großfamilien mussten genau zur selben Zeit den gleichen Gedanken gehabt haben. In diesem Fall galt es, sich irgendwie ins Getümmel zu werfen und zu hoffen, dass ein netter junger Mann hinter der Theke Dienst hatte, der einem den ganzen Mamas gegenüber vorzog. Höfliches Anstellen führte so gut wie nie zum gewünschten Ziel. Also drängte ich mich mit meinen Kassenzettel nachdrücklich durch den Pulk, mit einem halben Auge auf den Flachbildschirm über der Theke. Ein uniformierter Wetterfrosch von Rai Uno informierte mich darüber, dass die zu erwartenden atmosphärischen Verhältnisse unser aller Vorstellungsvermögen betreffend hervorragenden Wetters sprengen würden, was im Klartext bedeutete, dass ganz Mittelitalien ab morgen in einer Erbsensuppe versinken würde, die ihresgleichen suchte.

Ich weiß ja nicht mal, ob die Grammatik wirklich stimmt, aber inhaltlich war das ein echter anobella.
*vergnügt sich*

Maaadonnnaaaaa...

Die römische Inquisition war auch für ihre äußerst planlose Vorgehensweise bekannt, das spiegelt sich in der gesamten Konstruktion der Erzählung leitmotivisch wider :)

*vertreibt sich grad die Zeit im Blog-Archiv auf das Vortrefflichste*

cantare

Persönliche Vorsätze...
Naja, mit einem Wort: Weniger. Möglichst enthalten...
Zwetschgerich (Gast) - 27. Nov, 15:28
Fastenzeit Advent
Ad Str: 1917 ist nicht ganz richtig. Schon Pius X....
Zwetschgerich (Gast) - 27. Nov, 15:20
Liegekreuz
Hier http://1.bp.blogspot.com/_ QL25W80JzPY/StME5VYqTAI/AA AAAAAAAx4/OC4Mt9JZ9WU/s160 0-h/Erntedank.jpg gibt...
Braut des Lammes (Gast) - 27. Nov, 14:46
"Ab wann die verloren...
"Ab wann die verloren gingen wird nicht gesagt, obwohl...
str (Gast) - 27. Nov, 11:55
Ja, das stimmt. Jeder...
Ja, das stimmt. Jeder Sonntag unterbricht das Fasten....
str (Gast) - 27. Nov, 11:41
Der Süßkram...
Der Süßkram sollte sowieso erst am 25. Dezember...
str (Gast) - 27. Nov, 11:36
Früher (TM) hat...
Früher (TM) hat die adventliche Fastenzeit sogar...
Braut des Lammes (Gast) - 27. Nov, 10:04
@Sarah
Woher hast du denn gehört, dass es einen zweiten...
Birgitt Kerz (Gast) - 27. Nov, 09:44

la bocca

 

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