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Sonntag, 25. Januar 2009

Das Farnese-Komplott [152]

Während ich noch darüber rätselte, wer die Tauben ausgesandt haben und ob es ich um eine simple Falle handeln könnte, geriet mir eine ansehnliche Rolle von beschriebenem Pergamentpapier in die Hände, von der ich nicht mehr wusste, aus welchem Regal, welchem Schrankfach oder welcher Vitrine ich sie gezogen hatte.
Ich strich sie glatt und überflog die erste Seite, die in einer zierlichen, aber gestochen klaren Handschrift auf volgare abgefasst war. Meine Aufmerksamkeit wurde durch die Tatsache erregt, dass es sich um eine Frau handelte, die sich freimütig als Verfasserin bekannte und Caterina de Santis nannte. Caterina hatte ihre Eltern bei der Belagerung von Konstantinopel 1453 verloren und fand sich in der Blüte ihrer Jahre als Mündel des Kirchenstaates wieder. Sie sei, so berichtete sie, umfassend in den alten und neuen Sprachen unterrichtet worden, im Stande, verschlüsselte Botschaften zu dechiffrieren und verfügte daneben über profunde Kenntnisse in den sieben freien Künsten, das hieß Grammatik, Rhetorik, Logik, Mathematik im weiteren Sinne, Musik und Astronomie. Mir fiel ihr trockener Stil auf. Der Tatsache, dass ihr Vormund Kardinal Galeazzo Orsini für eine umfassende, für eine Frau in der damaligen Zeit durchaus ungewöhnliche Ausbildung gesorgt hatte, maß sie nicht allzuviel Bedeutung bei. Jedoch sei es der Verdienst des Kardinals gewesen, dass er sie in das Bett des venezianischen Condottiere Bartolomeo Colleoni gelegt habe, eines ebenso leidenschaftlichen und glühenden Liebhabers wie brillanten Heerführers, der ihre Ausbildung vervollkommnet habe, in dem er sie im rechten Gebrauch von Rapier und Schwert und in den Techniken militärischer Strategie und Taktik unterwies. Zur Zeit, zu der ihr Bericht begann, also im Jahre 1477, schien sie jedoch unzufrieden mit ihrer Situation. Nach dem Tode Colleonis 1475 hatte sich Kardinal Orsini wohl auf die Schicklichkeit besonnen und beschlossen, sie mit einem seiner zahlreichen Neffen zwangszuverheiraten. Wollte ich den Worten Caterinas Glauben schenken, so handelte es sich um eine impotente Kanaille mit sadistischen Gelüsten, ein Produkt jahrhundertelanger Inzucht mit schiefem Maul und Allmachtsphantasien, die - hier wurde Caterina sehr deutlich - sich auf einen angeborenen körperlichen Missstand zurückführen ließen, was Größe und Ausstattung seines "Gemächts" betraf.
Kurz und gut, um das Jahr 1477 herum war Caterina eine hochintelligente, umfassend gebildete Frau, Papst Sixtus IV., einem della Rovere, - und das sagte Eingeweihten bereits alles - und dem Kirchenstaat zu absoluter Loyalität verpflichtet und dabei in höchstem Maße sowohl körperlich als auch intellektuell unbefriedigt - schlicht, Bessres gewohnt.
Insofern wird man verstehen, dass die Mission, mit der sie der Kirchenstaat dann betraute, eine willkommene Abwechslung für eine in jeder Hinsicht unterforderte Frau bedeutete.
Kardinal Orsini hätte diesen Umstand und alle Gefahren, die er mit sich brachte, vorhersehen können. So fand ich jedenfalls. Caterina hat nie ein Wort darüber verloren. Das war auch nicht nötig. Im Jahre 1477 sollte sich jedenfalls ihr Schicksal wenden, soviel hatte ich verstanden, und deshalb schmuggelte ich die Pergamentrolle auch unter meinem Habit aus der Bibliothek hinaus und in die Einsamkeit meiner Zelle, um die Zeit bis zu einer eventuellen Antwort auf meine Brieftaubenbotschaft zu überbrücken.

>Das Farnese-Komplott [151]


>>Das Farnese-Komplott [1]

Aus einem Artikel

von Heinrich Wefing in der ZEIT Nr. 3 vom 8. Januar 2009 mit dem Titel "Wir und die anderen. Der Verfassungsrichter Udo Di Fabio über die Grenzen der Religionsfreiheit". [Eine Besprechung zum Buch von Di Fabio mit dem Titel: Gewissen, Glaube, Religion]:

"Er [Di Fabio] plädiert ... dafür, die 'wohlwollende Neutralität' des Staates gegenüber den Kirchen zwar beizubehalten, sich aber auch nicht von den Sinnstiftungsressourcen der Religion abzuschneiden. Denn so viel er auch kann: Sinn zu stiften vermag der säkulare Staat nicht. Oder er wird totalitär. [!!!]
Das Vertrackte ist nun allerdings, dass sich der freiheitliche Staat auf der Suche nach Sinnressourcen nicht jeder Religion zuwenden kann. Anschlussfähig sind nur Religionen, so Di Fabio, 'die kein Problem darin sehen, dass der Mensch, und zwar jeder Mensch, mit seiner Würde, seiner Freiheit und seinem Anspruch auf Rechtsgleichheit im Mittelpunkt der Rechtsordnung steht.'
Das bedeutet keine amtliche Unterscheidung zwischen guten und schlechten Religionen [hier hätte ich persönlich Anführungszeichen setzen mögen, Herr Wefing], auch keine subtile Diskriminierung des Islam. Vielmehr geht es Di Fabio um die Markierung einer doppelten Grenze: gegen alle Fundamentalismen, die im Namen eines Gottes individuelle Freiheiten bestreiten. Und gegen eine religiöse Indifferenz des Staates, der er es aufgibt, seine kulturellen Wurzeln zu pflegen. Wer will, mag das konservativ nennen. Vor allem aber ist es eine anregende Position, die die Brüche unserer Gegenwart kühl in den Blick nimmt."

cantare

Persönliche Vorsätze...
Naja, mit einem Wort: Weniger. Möglichst enthalten...
Zwetschgerich (Gast) - 27. Nov, 15:28
Fastenzeit Advent
Ad Str: 1917 ist nicht ganz richtig. Schon Pius X....
Zwetschgerich (Gast) - 27. Nov, 15:20
Liegekreuz
Hier http://1.bp.blogspot.com/_ QL25W80JzPY/StME5VYqTAI/AA AAAAAAAx4/OC4Mt9JZ9WU/s160 0-h/Erntedank.jpg gibt...
Braut des Lammes (Gast) - 27. Nov, 14:46
"Ab wann die verloren...
"Ab wann die verloren gingen wird nicht gesagt, obwohl...
str (Gast) - 27. Nov, 11:55
Ja, das stimmt. Jeder...
Ja, das stimmt. Jeder Sonntag unterbricht das Fasten....
str (Gast) - 27. Nov, 11:41
Der Süßkram...
Der Süßkram sollte sowieso erst am 25. Dezember...
str (Gast) - 27. Nov, 11:36
Früher (TM) hat...
Früher (TM) hat die adventliche Fastenzeit sogar...
Braut des Lammes (Gast) - 27. Nov, 10:04
@Sarah
Woher hast du denn gehört, dass es einen zweiten...
Birgitt Kerz (Gast) - 27. Nov, 09:44

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