Das Farnese-Komplott (143)
„Ich rufe wegen den Emails an, sind Sie zurecht gekommen?“, fragte ich sachlich und kippte mit zitternden Fingern den Rest Cognac, um mir sofort wieder nachzuschenken, während Lorenzo zu einem wort- und, wie ich vermutete, gestenreichen Klagegesang anhob. „Überhaupt nicht. Ich habe es vorgestern fertig gebracht, Spaghetti anbrennen zu lassen! Der Leiter des Metropolitan Museum of Art hat mich als revisionistischen Dogmatiker bezeichnet und il tedesco Francesco Leitmayr wiegelt Giulia gegen mich auf. Rogler hat mir einen Sudoku-Band geschenkt, weil er dachte, ich müsse mich mal wieder entspannen. Estefanio beginnt zu lachen, wenn er mich nur von weitem sieht. Oberst Seltzmann hat mir nahe gelegt, eine kugelsichere Weste zu tragen, weil er sonst nicht mehr für meine Sicherheit garantieren kann und jeden Abend sitzt irgendeine Krücke von Kardinal bei mir herum und macht Stimmung für oder gegen Estefanio. Michele ruft mich am Tag drei Mal an, um mich an meine Sohnespflichten zu erinnern und mir vorzuheulen, was für eine große Ehre es bedeutet und wie stolz er darauf ist, dass ich morgen in der Sixtinischen Kapelle assistieren werde. Zwei Farnese im Konklave, davon einer papabile, das habe es seit dreihundert Jahren nicht mehr gegeben, ich solle das nicht vergessen. Weshalb er heute auch noch eine ausführliche Mail zu dem Thema schickte und anschließend zum vierten Mal anrief, um mich zu fragen, ob ich sie auch erhalten habe. Der vatikanische Supermarkt hat geschlossen für die Dauer der Wahl und ich ernähre mich seit gestern von pappigen tramezzini mit undefinierbarem Belag und piadina mit altem Käse. Ansonsten - danke der Nachfrage.“
Ich hatte atemlos gelauscht. „Sind Sie betrunken?“
„Nein. Nun, vielleicht ein klitzekleines bisschen. Und Sie?“
„Kein Gedanke. Es war heiß, es gab Champagner, aber das verliert sich ja bei diesen Temperaturen. Gut, Ladislav, ich soll Sie von ihm grüßen, hatte Cognac mitgebracht, der ist jetzt-", ich hielt die Flasche gegen das Licht, „auch schon leer. Das wird morgen sicher ein anstrengender Tag für Sie. Ich wollte mich nur kurz melden und eh, wenn alles soweit in Ordnung ist – ist es doch? Ja, dann, ich will Ihnen nicht den Nachtschlaf rauben.“
Lorenzo räusperte sich.
„Den Löwenanteil an der Beute haben Sie bereits“, sagte er leise.
„Unsinn. Ich an Ihrer Stelle fände auch keine Ruhe mehr nach all diesen schrecklichen Ereignissen, das ist doch ganz normal. Trinken Sie noch einen Grappa! Wie geht es Ihrem Arm?“
„Oh, es ist ein Farnese-Arm – wichtig ist, dass er funktioniert, egal wie es ihm geht!“, antwortete er mit einem bitteren Unterton.
„Sie sind kindisch. Die meisten Mitglieder Ihrer Familie sind sehr herzliche und gefühlvolle Menschen und – vielleicht auf manchmal etwas merkwürdige Art und Weise -, um Ihr Wohlergehen besorgt“, versetzte ich.
Zu meiner Überraschung hörte ich, wie er auflachte: „Ich weiß genau, wie Sie jetzt aussehen. Sie haben diese Falte über der Nasenwurzel, den einen Arm in die Hüfte gestemmt und schürzen tadelnd die Lippen.“
Ich stimmte nach einem kurzen Moment der Irritation in sein Lachen ein.
„Sie – haben mir gefehlt“, hörte ich ihn sagen. „Während der Wahl darf ich niemanden anrufen und danach werden die Netze völlig zusammen brechen, deshalb – egal an welchem Tag der neue Papst ausgerufen wird, ich werde am Abend gegen 20 Uhr in der Kapelle der Schweizer Garde auf Sie warten, jenseits der vatikanischen Mauer, direkt hinter dem Apostolischen Palast, fragen Sie Bianca nach dem Weg, ich kann es kaum er-“
Ein Rauschen, ein Klicken, dann war die Leitung tot. Obwohl ich es noch mehrmals versuchte, kam ich nicht mehr durch.
Vielleicht hatten sie alle Verbindungen wegen des Konklaves gekappt, überlegte ich. Nachdenklich stellte ich das Telefon zurück in die Station, besann mich anders und wählte aus einer Eingebung heraus Estefanios vatikanische Nummer. Sie war frei und ich legte nach dem ersten Klingelton sofort wieder auf. Doch keine Generalmaßnahme wegen der Wahl.
Ich schlang mir die Arme um den Leib und trat auf die Terrasse hinaus, einerseits glücklich über den Verlauf des Gesprächs und andererseits – mit einem zutiefst unguten Gefühl.
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Ich hatte atemlos gelauscht. „Sind Sie betrunken?“
„Nein. Nun, vielleicht ein klitzekleines bisschen. Und Sie?“
„Kein Gedanke. Es war heiß, es gab Champagner, aber das verliert sich ja bei diesen Temperaturen. Gut, Ladislav, ich soll Sie von ihm grüßen, hatte Cognac mitgebracht, der ist jetzt-", ich hielt die Flasche gegen das Licht, „auch schon leer. Das wird morgen sicher ein anstrengender Tag für Sie. Ich wollte mich nur kurz melden und eh, wenn alles soweit in Ordnung ist – ist es doch? Ja, dann, ich will Ihnen nicht den Nachtschlaf rauben.“
Lorenzo räusperte sich.
„Den Löwenanteil an der Beute haben Sie bereits“, sagte er leise.
„Unsinn. Ich an Ihrer Stelle fände auch keine Ruhe mehr nach all diesen schrecklichen Ereignissen, das ist doch ganz normal. Trinken Sie noch einen Grappa! Wie geht es Ihrem Arm?“
„Oh, es ist ein Farnese-Arm – wichtig ist, dass er funktioniert, egal wie es ihm geht!“, antwortete er mit einem bitteren Unterton.
„Sie sind kindisch. Die meisten Mitglieder Ihrer Familie sind sehr herzliche und gefühlvolle Menschen und – vielleicht auf manchmal etwas merkwürdige Art und Weise -, um Ihr Wohlergehen besorgt“, versetzte ich.
Zu meiner Überraschung hörte ich, wie er auflachte: „Ich weiß genau, wie Sie jetzt aussehen. Sie haben diese Falte über der Nasenwurzel, den einen Arm in die Hüfte gestemmt und schürzen tadelnd die Lippen.“
Ich stimmte nach einem kurzen Moment der Irritation in sein Lachen ein.
„Sie – haben mir gefehlt“, hörte ich ihn sagen. „Während der Wahl darf ich niemanden anrufen und danach werden die Netze völlig zusammen brechen, deshalb – egal an welchem Tag der neue Papst ausgerufen wird, ich werde am Abend gegen 20 Uhr in der Kapelle der Schweizer Garde auf Sie warten, jenseits der vatikanischen Mauer, direkt hinter dem Apostolischen Palast, fragen Sie Bianca nach dem Weg, ich kann es kaum er-“
Ein Rauschen, ein Klicken, dann war die Leitung tot. Obwohl ich es noch mehrmals versuchte, kam ich nicht mehr durch.
Vielleicht hatten sie alle Verbindungen wegen des Konklaves gekappt, überlegte ich. Nachdenklich stellte ich das Telefon zurück in die Station, besann mich anders und wählte aus einer Eingebung heraus Estefanios vatikanische Nummer. Sie war frei und ich legte nach dem ersten Klingelton sofort wieder auf. Doch keine Generalmaßnahme wegen der Wahl.
Ich schlang mir die Arme um den Leib und trat auf die Terrasse hinaus, einerseits glücklich über den Verlauf des Gesprächs und andererseits – mit einem zutiefst unguten Gefühl.
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ElsaLaska - 30. Aug, 23:24





