Elsas Nacht(b)revier

Am Anfang wurde das Universum erschaffen. Das machte viele Leute
sehr wütend und wurde allenthalben als Schritt in die falsche Richtung angesehen. [Douglas Adams]

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Immer wieder inspiriert und beeindruckt

bin ich von zuckerwattes konsequent geführtem Traumtagebuch (hier nur ein Beispieleintrag) und wie ich so sinniere, fiel mir doch der allererste Traum überhaupt ein, an den ich mich erinnern kann. Ich werde wohl drei oder vier Jahre alt gewesen sein. Es ist ja überhaupt interessant, wenn man sich überlegt, bis wohin man zurückschreiten kann in der Erinnerung. Von wo ab das Bewusstsein wirklich einsetzt. Vorher war man ja nur ein krähendes Etwas mit körperlichen Bedürfnissen. Ab der ersten Erinnerung, dem ersten erinnerten Traum wird es ernst.
Inwiefern, hab ich allerdings nie ergründet.

Jedenfalls mein erster erinnerter Traum war ein Alptraum und spielte - wo sonst - in der Schlosserwerkstatt meines Vaters. Ein fürchterlich düsteres, von Öl und Antirostspray durchtränktes Gelass, das immer hätte umgebaut werden sollen. Zu einem Wohnzimmer. Damals hing noch eine uralte Drehmaschine unter der Decke, die über riesige beigefarbene Keilriemen (?) lief. Das ganze Haus bebte, wenn gedreht wurde.
Dabei habe ich das nie als bedrohlich empfunden, es war ja meine zweite Heimat. Ich durfte Giftflaschen sortieren, Nägel einschlagen, Werkzeug sortieren, Skizzenblocks bekritzeln, mit diesen flachen, breiten Zimmermannsbleistiften, die mit dem Messer geschärft werden.
Also weiß der Deibel, wieso ich darüber alpträumte.

Die Werkstatt wurde von einem anderen Mann gekapert, mein Vater war weit und breit nicht mehr in Sicht. Er stellte Eisenkäfige mit dicken Gitterstangen darin auf und ich fragte mich, zu welchem Zweck. Und vor allem nahm ich wohl schon als Kind wahr, dass das hier nicht die ursprüngliche Bestimmung der Werkstatt, sondern eine Zweckentfremdung war. Nun gut, in diesen Käfigen also hielt er bunte Wellensittiche. Grüne, blaue vor allem sind mir in Erinnerung. Und ich dachte noch: Was ist das für ein Scheißkerl, setzt die Vögel da rein.
Aber der Hammer kam erst noch. Er nahm vor meinen Augen einen Packen Zeitungspapier, zündete ihn an und warf das brennende Papier zu den Vögeln in den Käfigen, die daraufhin elendig umkamen.
Das war wohl mein erster Alptraum in meinem ganzen Leben.

Im Nachhinein, entschlüsselt, interpretiere ich das so, dass ich diese verdammte Werkstatt hätte renovieren lassen sollen, einen Durchbruch zur Küche hin machen und ein geschmackvolles Loft darin einrichten sollen.

Dann hätten aber wiederum die Schwalben keine Nistmöglichkeit mehr, für die jedes Frühjahr extra Türen und Fenster geöffnet werden. Wenn das Frühjahr besonders kalt geraten ist, wird auch mal fürsorglich geheizt/der Ofen angezündet.
Merkwürdigerweise passen die schwarz-weißen Schwalben hervorragend da hinein.

Die bunten Exoten dagegen in Käfigen geschlagen und ausgeräuchert, eben nicht.

Hm.
zuckerwattewolkenmond - 30. Jan, 01:40

Wenn die Träume so weit zurückliegen, ist es schwierig herauszufinden, wodurch sie angeregt wurden, weil das so viele kleine Details in der Umgebung oder Befindlichkeiten sein können.
Allerdings glaube ich, dass man als Kind wohl mehr beängstigende Träume hat, als als Erwachsener und vielleicht, ganz zu Beginn des erwachenden Bewußtseins, Träume noch nicht so recht von der Wirklichkeit unterscheiden kann, wie es anscheinend am Ende des Lebens ebenso ist.
Außerdem habe ich irgendwo mal gelesen, dass Kinder angeblich relativ häufig von vergangenen Leben träumen sollen, bis die Erinnerung langsam verblasst.

ElsaLaska - 30. Jan, 01:46

Ja, da kann man wohl nicht mehr viel deuten, Hinweise auf ein altes Leben gibt es sicher auch nicht, es sei denn, ich wäre an diese blöde Werkstatt geschmiedet - wo ich mich doch hin und wieder öfter auf einer Dachterrasse am Tigris sehe, aber ich finde es erstaunlich, wie lebhaft ich diesen Traum immer noch erinnere. Der Alp bestand darin, dass ein böser Mann bunte Vögel sterben ließ, während mir (bzw. interessanerweise meinem idealen Ich) in dem zweiten bösen Alptraum, der mich nie verlässt (als ich 18) war, doch recht prosaisch die Kehle durchgeschnitten wurde (morgen zu bloggen).
Auch das im Rückblick ein Markstein. Die bunten Vögel ausgeräuchert, mein ideales Ich gekillt, naja. Kein Wunder.
:)
Allegra - 30. Jan, 10:32

hui was fuer ein traum !!!! *laesst sich zu keiner interpretation hinreissen...hat einfach zu wenig ahnung von der traumdeutung*

aber als ich deinen text las, fiel mir etwas ganz anderes ein....eine art "bauernregel" aus meiner heimat *ist ein landei und kommt aus einem 7000 seelenort*, die da besagt:

"wo schwalben nisten, wird niemals feuer ausbrechen"...will heissen: schwalben checken das irgendwie frueher mit dem brand....und nisten nirgends, wo es spaeter zum feuer kommt"

*wurde in unserem haus bewiesen, denn als in meinem elternhaus vor ewigen zeiten mal der adventskranz in flammen stand und das ganze wohnzimmer verkohlte, da gab' bei uns vorher auch nirgends schwalben* ;-)))

Moritz Papa (anonym) - 30. Jan, 11:09

Irgendwie ein gruseliger Traum, ob sich die Bedeutung nach so langer Zeit allerdings noch erschliessen lässt? Ich denke eher nicht.
Mich hat der Traum allerdings an einen unserer Nachbarn erinnert als ich noch klein war. Ein Schreiner, der sich offenichtlich einen Spaß draus machte uns Kleinkinder zu schockieren. Ein Kinderschreck im Wortsinn. Er hat uns jedenfalls immer gedroht, er würde uns mit seiner Kreissäge auseinandersägen. Heute lache ich drüber, aber damals hat mich das schwer beeindruckt.

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ElsaLaska - 7. Aug, 23:40
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