Elsas Nacht(b)revier
Am Anfang wurde das Universum erschaffen. Das machte viele Leute
sehr wütend und wurde allenthalben als Schritt in die falsche Richtung angesehen. [Douglas Adams]
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Also ehrlich mal
Aber eins find ich wirklich bemerkenswert: Wenn die katholische Kirche so richtig rumsaute mit Inquisition und Gemetzel um den Ex-Kirchenstaat und Giftanschlägen und Prunk und Protz, und Mord und Totschlag, deshalb flippen die Leute heute noch aus. Wenn sie sich heute für die Erhaltung jeglichen Lebens einsetzt, und das kann man nunmal nur in aller Konsequenz tut, sonst bricht einem die ganze Hütte halt über dem Kopf zusammen und wenn eine Linie bröckelt (Lebensschutz vor der Geburt) bricht an anderer Stelle der Damm (vielleicht doch ein bisschen Sterbehilfe, in Ausnahmefällen?), dann weichen die Positionen auf (unabhängig davon, was ich genau jeweils davon halte, ich bin keine katholische THEOLOGIN, verfüge aber über ein Gewissen ohne dass ich darüber erst promovieren muss) - und dann ist es auch wieder ganz fürchterlich zum Ausflippen. Also rummorden gibt ganz schlechte Kritiken ( diese VERBRECHER), strikt fürs Leben einsetzen aber auch (diese repressiven alten Säcke), ja weißte ... Die katholische Kirche mag eine Zumutung sei, die extrem unoriginelle Dauer- Polemik gegen sie ist es auch.
Wer sagt das? Wenn es an der Entscheidung was zu meckern gibt, dann gibt es auch was zu meckern, allerdings geht es mir nicht um die Entscheidung oder sonstwelche fürchterliche Verbrechen, sondern allein um diese schlichte Aussage, daß sie das Wort "katholisch" mißbraucht hätte, weil sie als katholische Theologin diese Ansicht vertritt.
Ich meine, ich kenne eine Menge Katholiken, die treu zu ihrer Kirche stehen, die aber auch Dinge propagieren, die mit ihrer katholischen Konfession nicht in Übereinstimmung sind. Ob sie das nun auf einem Parteitag tun oder unter Arbeitskollegen ist erstmal unrelevant. Natürlich sagen sie in der Regel nicht, wenn sie z.B. Werbung für Kondome machen: "Ich bin katholischer Christ." Aber ich finde, sie sollten es sagen! Und zwar nachdrücklich! Damit die alten Männer an der Spitze endlich einmal merken, daß sie nicht geliebt werden, weil sie so hoch vergeistigt und unfehlbar sind, sondern daß sie geliebt werden, OBWOHL sie manchmal nur Schwachsinn reden. Und dann dürfen sie sich überlegen, wer wohl katholischer ist, sie oder ihre verirrten katholischen Schäfchen.
Und so lange die katholische Kirche sich weiter wie ein Elefant im Porzellanladen aufführt, wird auch diese anödende Dauerpolemik kein Ende nehmen. (Mir wäre es auch lieber, wenn ich mal ein paar überlegtere Worte von denen lesen würde, an denen ich nichts auszusetzen hätte - aber wahrscheinlich werden die nicht in der Zeitung gedruckt. )
Ich finde die Positionen der katholischen Kirche zu Sterbehilfe und Abtreibung nicht aus purem Idealismus gut und weil ich strikte Lebensschützerin wäre, sondern weil das die wenigen Gegenstimmen sind, die noch laut werden (auch wenn sie als schwachsinnige Greise bezeichnet werden), wenn es darum geht, dass nicht alles gegen Geld verfügbar gemacht werden soll ("verbraucht und benutzt wird", wie es weiter oben hieß). Denn dass Stammzellenforschung nicht aus purer Liebe zur Menschheit geschieht, jedenfalls sofern diese Menschheit nicht zufällig gerade Eigner von großen Pharmakonzernen ist und teure Patente hält, dürfte auf der Hand liegen (obwohl natürlich immer wieder das Gegenteil behauptet wird: die ganzen Krankheiten, die man heilen könnte ... Zivilisationskrankheiten. Natürlich auch Erbkrankheiten. Und wenn man mir schon mit Aids und Kondomen kommt: Der Punkt sind doch nicht die verbotenen Kondome - keiner benutzt Kondome deshalb nicht, weil sie verboten wären vom Papst. Das ist doch Augenwischerei. Der Papst sagt auch, habt keinen außerehelichen Sex. Und alle halten sich ja dran, oder?)
Dass mit Pille (übrigens viel zu teuer) und Abtreibungen auch richtig schön viel Geld gemacht wird, ist glaube ich auch nicht ganz von der Hand zu weisen. Und zu Dignitas hatte ich auch schon was geschrieben. Insofern sehe ich die Haltung der katholischen Kirche auch weniger repressiv, sondern als ein Stück Widerstand gegen den Turbokapitalismus, der selbst vor der Ausbeutung menschlichen Lebens nicht halt macht (warum sollte er auch ...). Und genau das kreide ich jemandem, der eine Doktorarbeit über das menschliche Gewissen geschrieben hat, schlicht und einfach an. Noch dazu, wenn sich diejenige in einer Partei befindet, deren C angeblich für christlich stehen soll.
Ich kann
Im übrigen finde ich es schon wichtig, daß es warnende Gegenstimmen zu solchen Themen gibt, die ein bißchen ein Gleichgewicht und ein Abwägen in die Sache bringen, allerdings glaube ich auch, daß gewisse Entwicklungen nicht aufzuhalten sind. Das Leben ist Veränderung, nichts kann festgehalten, mitgenommen oder aufgehalten werden. Die Frage dabei ist hauptsächlich, ob wir es schaffen, daß diese Entwicklung für die Menschheit positiv oder negativ verläuft. Doch durch ein Festhalten am Status Quo und völliger Ablehnung wird hier nichts verbessert, im Gegenteil - ich denke, daß dadurch diese Entwicklung in die unerwünschte Richtung sogar beschleunigt wird, weil uns halt immer das einholt, was wir nicht sehen wollen.
Ich habe den Artikel nochmals genau nachgelesen: Es heißt darin: Kardinal Meisner zeigte sich vor allem darüber empört, dass Frau Schavan in ihrer Parteitagsrede ausdrücklich „ihre Eigenschaft als katholische Theologin in die Waagschale“ geworfen habe, obwohl sie sich inhaltlich gegen die Position der katholischen Kirche gestellt habe: Das sei „ein Missbrauch des Wortes ,katholisch' für eine von durchsichtigen Forschungsinteressen motivierte Kampagne“.
Kardinal Meisners Vorwurf geht aber dahin, dass Frau Schavan ZUERST sich auf ihren katholischen Status berufen hat, BEVOR sie sich gegen die herrschende katholische Morallehre stellte. So lese ich es jedenfalls. Da finde ich seinen Tadel durchaus legitim. Er spricht vom Missbrauch des Wortes katholisch "für durchsichtige Forschungsinteressen" ( da lese ich "Turbokapitalismus" mit rein, also jedenfalls materielle oder neutraler gesagt "nichtspirituelle" Interessen). Ich meine schon, das kann und darf er empört kritisieren. Ansonsten würde er mit zweierlei Maß messen - die einen (Kleinen) sollen sich bitte an die Kirchengesetze halten und verantwortlich mit Sex und Zeugung und so weiter umgehen, die katholische Theologin in hochdotierter Stellung aber darf unter Hinweis auf ihren Status Forschung und Wirtschaft zudienern und kirchliche Positionen aufweichen? Nö. Dann würde ich mich nämlich als kleine Katholikin, die sich redlich bemüht, ziemlich verarscht fühlen.
Auch noch nachvollziehbar?
Nö, nicht nachvollziehbar.
Bei Anette
Es geht daher ja auch nicht darum, welche Stellung sie in dieser Debatte bezieht (persönlich würde ich vermuten, daß sie vor der Kanzlerin eingeknickst ist) - das ist ihr gutes Recht, eine andere Meinung als die katholische zu vertreten -, sondern was diese Stellung für das "Ich-bin-katholisch"-Label von Anette Schavan bedeutet.
Würde Kardinal Meisner da nicht klar abgrenzen (was ihm zugegebenermaßen ja auch liegt), würde und könnte es von der Gegenseite mit Recht heißen: Ja, aber Eure Vertreterin im Kabinett sieht das ganz anders - und die ist doch auch gutkatholisch, nicht wahr? (Das ist genau die Situation, in der die evangelische Kirche hier ist: Egal was einzelne sagen mögen: Wolfgang Huber sieht es wie Frau Merkel, und damit spricht die evangelische Kirche mit mehr als einer Zunge.)
Ich würde auch nicht unbedingt
:)
Ich würde jedem Gläubigen, egal ob Neuheide, Katholik, Evangelischer oder Muslim, der in der Öffentlichkeit steht und mit VERWEIS (zu dem ihn niemand gezwungen hat) auf seinen Glauben materielle, weltliche, unspirituelle Interessen bedient, die nichts, aber auch gar nichts mit der Hingabe an ein göttliches Wesen und dessen Gebote, sondern lediglich mit einer Kniebeuge vor der WELT und deren Machthaber zu tun haben (ohne dass ich das jetzt wirklich beurteilen kann bei Frau Schavan ) an den Karren fahren und ihm die in meinen Augen berechtigte Frage stellen, was DAS denn bitte für ein Glaube, für eine Spiritualität sein soll, die sich Lobbyinteressen der Politik und der Wirtschaft beugt.
Das Thema ist für mich völlig losgelöst von Katholizismus zu sehen und nicht auf dieses Feld eingeschränkt.
Tut mir jetzt AUCH LEID.
Und was bitte
Ich finde es auch toll, dass du das ausgerechnet von Kardinal Meisner verlangst, Frau Schavan lieben zu müssen. Aber ich kann nicht in ihn reingucken.
Oh,
Jedenfalls scheine
Es ist mir auch wurscht. Jeder ist vor sich selbst verantwortlich. Ich habe aber trotzdem kein Problem mit Kardinal Meisner - im Gegenteil. Der Katholizismus ist schließlich keine Waldorfschule. :-)
Nun ja, wie wir
Ich normalerweise