Elsas Nacht(b)revier

Am Anfang wurde das Universum erschaffen. Das machte viele Leute sehr wütend und wurde allenthalben als Schritt in die falsche Richtung angesehen. [Douglas Adams]

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Boykott der Olympiade in Peking

Die chinesische Regierung wütet derzeit in Tibet, die Exilregierung spricht von etwa 100 Toten. Hier eine Stellungnahme des Dalai Lamas auf tibet.de
Es KANN nicht sein, dass in einem solchen Land eine Olympiade abgehalten wird. Ich werde mir nicht eine einzige Sendung dazu anschauen und SÄMTLICHE Lebensmittel und Produkte boykottieren, auf denen zu lesen steht, sie stammten von einem "offiziellen olympischen Sponsor".
Turbokapitalismus Hand in Hand mit menschenverachtenden UNRECHTSREGIMES - warum nehmen wir das einfach so hin?
Es ist mir bewusst, dass selbst der Dalai Lama sich gegen einen Olympia-Boykott ausspricht, aber hier gilt die freie Entscheidung meines Gewissens, und das sagt: Die olympischen Spiele in Peking sind die perverseste Verdrehung des olympischen Gedankens seit den Spielen 1936 in Berlin.
creature - 15. Mrz, 10:47

volle zustimmung meinerseits!

mehrLicht - 15. Mrz, 11:56

...es wäre aber vermessen, einen Boykott nur wegen der aktuellen Lage in Tibet zu befürworten. China unterdrückt seit Jahren und Jahrzehnten Menschenrechtler und Querdenker, beschattet, foltert, zensiert und lügt sich das Land in der Öffentlichkeit offiziell golden.
Sicher war der olympische Gedanke immer der, über den Sport ein humanes Miteinander zu fördern. Aber wer würde ernsthaft in einem Stadion 100m-Rekordmarken knacken wollen, wenn man genau weiß, dass der eingeübte Jubel nur die Schreie der Dissidenten zu übertönen versucht?

Tipp zum weiterlesen

Nachtrag:
Die Netzeitung vermeldet gerade auch andere Meinungen zu dem Thema, Amnesty etwa lehnt einen Boykott ab. - Übrigens befürwortete auch Reporter ohne Grenzen einen Boykott, zog dies aber nach einem Besuch in China zurück. Perfekte Blendung, nehme ich an. Und hoffentlich hat die Peking-Ente geschmeckt.
ElsaLaska - 15. Mrz, 15:41

Das ist mir echt egal, was diese Heulsusen von Amnesty meinen oder denken. Ich werde diese Olympiade ignorieren - und ich hatte das schon VOR den Unruhen in Tibet vor (siehe Eintrag hier: http://elsalaska.twoday.net/stories/4418985/). Das Wasser, das Land, den Boden und die eigene Bevölkerung vergiften, und nicht zu vergessen die christliche Untergrundkirche dort - Bischöfe gefangenhalten und foltern.
Olympia - nein danke!
chinesisch (anonym) - 31. Mrz, 17:32

Ein sehr empfindliches Gewissen

Klar, es ist gut für Gewissen der Europärer des Mittelstandes. Schön und gut, leider hilft ein Boykott weder dem Chinesen noch Tibet.

Denn, ein Boykott wird allen Chinesen im Gefühl verletzen und sie so zu sagen westfeindlich und nationalistisch werden lassen, was sie aber eigentlich so nicht sind. Aber eine Isolotion und eine Selbsterhebung der westlichen Menschen, die als God und Richter auftreten möchten, wird diese Tendenz einleiten. Dabei sind die Han-Chinesen durchaus offen für die Bedürfnisse der Tibeter, schließlich kennen sie ja das Problem. Und den Tibetern hilft es nicht, dann Eure Unterstützung des Separatismus wird nur das Problem radikalisieren lassen. So läßt das Problem nicht mehr durch Verhandlung lösen, sondern durch Gewalt. Dabei verbirgt der aufkeimende Nationalismus der jungen Tibeter und der zu erwartenden nationalistischen Reaktion der Han-Chinesen ein großes Konfliktpotential, das vielleicht mehr Gewalt fordert. Und alles nur der Preiz für ein zartes Gewissen der Europärer.
ElsaLaska - 2. Apr, 00:23

schöne Rede, schöne Polemik. Ich sehe nur nicht, wo hier irgendjemand zur Gewalt aufgerufen hat. Und weißt du, so blumig deine Rede über das zarte Gewissen der Europäer ist, die GEWALT, das ist etwas, das niemand durch Coca Cola Boykott realisiert. Die GEWALT, auf die du referierst, die war schon da auf dem TIEN ANMEN, da musste kein fehlgeleiter Westler irgendwas DAZU TUN.
Harki (anonym) - 2. Apr, 00:51

Ja, ich hatte mir schon gedacht, daß da noch 'ne gereizte Antwort kommen würde, und Gott sei Dank sie kam.

Das ist der überzüchtete Nationalismus einer ehemals selbst kolonisierten Nation. Ich möchte China nicht zu nahe treten, aber ich halte es für maßlos überschätzt, wie übrigens neuerdings auch Rußland wieder. Gut, weites Feld... Jedenfalls finde ich Japan viel zivilisierter als China. Ist ja auch egal.

Was aber nicht egal ist, ist die Peinlichkeit, sich auf die "Harmonie" als Ideal des Zusammenlebens zu berufen. Das ist die Attitüde von Gurkenvolks-Dikaturen in Bingo-Bongo-Land, und das wird China noch lernen müssen.
ElsaLaska - 2. Apr, 12:01

Harmonie ist einfach nur ein chinesisches Wort, das zur dortigen Sprachkultur gehört genau wie bei uns die bekannte "german angst" oder so. Es hat poetisch-sprachliche genau wie religiöse Wurzeln.
Wenn sie wirklich konsequent mit ihrem Erbe umgingen, hätten sie den Tien Anmen sofort umbenannt.
Sie machen sich lächerlich.
zuckerwattewolkenmond - 15. Mrz, 12:09

Was mir ja zusätzlich sehr unangenehm

aufgefallen ist, sind die Berichte darüber, wie in Peking Obdachlose und anderes "Gesindel" von den angestammten Plätzen und den Straßen vertrieben wird und wie man versucht der Bevölkerung einzutrichtern, sich anständig zu benehmen und sich ordentlich anzustellen, um so einen guten Eindruck zu machen. Man kann es auch übertreiben. Über einen Boykott muß ich allerdings nicht nachdenken, da ich eh nie Olympia schaue.

Harki (anonym) - 15. Mrz, 13:15

Ich überlege mir auch noch, was zu tun sein - ganz individuell und ohne zur Teilnahme an politischen Kampagnen zu neigen. Das hier
SÄMTLICHE Lebensmittel und Produkte boykottieren, auf denen zu lesen steht, sie stammten von einem "offiziellen olympischen Sponsor".
schiene mir eine für jedermann praktikable Lösung. Nicht nur, aber auch wegen Tibet.

Nun, "Amnesty International" ist mit Kommunisten immer sehr milde umgegangen. Wenn die sich gegen einen Boykott aussprechen, ist das ein Argument für einen Boycott, scheint mir...

des - 15. Mrz, 15:12

Boykott

Nachdem ich diesen blöden Spruch von Jacques Rogge heute gelesen habe
Er wolle sich nicht zu Tibet äußern, er sei nicht genau über die dortigen Proteste informiert, und es sei nicht die Aufgabe des IOC, die Menschenrechtssituation dort zu verbessern ... werde ich die Sponsoren auch boykottieren.
Nicht Aufgabe des IOC, die Menschenrechtssituation zu verbessern? Ja, ist es denn zu glauben? Aber China eine weltweite Plattform zu geben, auf der sie sich als ein Bilderbuchland präsentieren und uns alle mit Potemkinschen Dörfern verarschen können, während sie zum Himmel schreiende Menschenrechtsverletzungen in China selbst und in Tibet begehen, das ist die Aufgabe des IOC, ja? Nee, nicht mit mir.

ElsaLaska - 15. Mrz, 15:42

Du siehst das falsch, des :-)
Die Aufgabe des IOC ist es, Geld zu raffen. Und das kann man nun mal prima mit China. Besser als mit Bangla Desh jedenfalls ...
Talakallea Thymon - 17. Mrz, 09:53

die menschenrechtssituation in China ist ja nun wirklich nichts neues -- da fragt man sich doch, wie es überhaupt dazu hat kommen können, daß die ausrichtung der spiele China übertragen wurde. und jetzt ist das geschrei groß. na, das hätte man sich früher denken können. und: ist doch klar, daß alle unterdrückten minderheiten und andersdenkende angesichts der westlichen aufmerksamkeit infolge der spiele morgendluft wittern. das hätte sich China denken können, daß das nicht ohne reibereien abgeht. am ende wird nämlich nichts aus der profilierung. ein desaster wird's, für China wie für alle, die in den nächsten wochen und monaten den olympischen schwung für aufsässigkeiten glauben nutzen zu können -- insofern war die entscheidung, China die ausrichtung zu übertragen, vielleicht so verkehrt gar nicht. geradezu lausbübisch womöglich die überlegungen, die dazu geführt haben. am ende wird China sich blamiert haben und eine weitere unübersehbare schramme auf der ohnehin schon recht zerschlissenen weißen weste haben.

inge lütt (anonym) - 17. Mrz, 10:24

Wie war das noch ...

... vor 25 Jahren?
Olympische Spiele in Moskau mit Abwesenheit der Delegationen zahlreicher "Weststaaten".
Grund: Afghanistan.

Wo ist der Unterschied?

a) Die 80-er Jahre waren engagierter. Vielleicht lag das an den Schulterpolstern und den Scheißfrisuren, aber die 80-er Jahre waren engagierter.

b) Afghanistan war ein prima Augenblick, es "dem Osten" mal so richtig zu zeigen. Moskau hatte wirtschaftlich auch nicht gerade viel auf der Pfanne, jedenfalls nicht so viel, dass es die USA geschmerzt hätte.

c) Sportfunktionäre brauchen nur eine Wirbelsäule, um so richtig bequem in ihren Amtssesseln zu sitzen. Aber kein Rückgrat.

*

Die Sache mit dem Sponsorenboykott finde ich super.
ElsaLaska - 17. Mrz, 13:38

Den Eindruck, dass die 80er Jahre engagierter waren, habe ich oft auch.
Den Olympiaboykott damals fand ich, wenn ich mich recht erinnere, gar nicht gut. Ich empfand das als Tragödie, dass man sich nicht versuchte, an Russland anzunähern, so ähnlich wie jetzt eben viele denken, es sei eben gerade wegen der Menschenrechtssituation wichtig, dass China sich öffnet und die Spiele stattfinden. Ich denke, wir müssen aufhören, bei solchen offensichtlichen Schweinereien zu zögern und immer erstmal die Feuilletondebatten durchzuexerzieren. Jeder kann was tun.
Talakallea, ich glaube nicht, dass es irgendeinen menschenfreundlichen Hintersinn bei der Vergabe der Spiele an China gab oder ein politisches Kalkül, ich glaube, es ging einfach nur ganz schlicht um das eine: Um möglichst viel Geld.
Talakallea Thymon - 17. Mrz, 18:14

@Elsa: war auch eher sarkastisch gemeint. so viel hintersinn gibt es heutzutage in der politik nicht mehr.

Harki (anonym) - 17. Mrz, 23:23

Na, die Parallelen Moskau-Boykott / möglicher Peking-Boykott sind aber doch wirklich ganz dünn gesäht - damals, als alles besser war, war noch kalter Krieg, es gab zwei Machtblöcke. Man hat noch ein bißchen an die "Olympische Idee" geglaubt.

Heute ist die Herrschaft des Kommerzes in der Sphäre "Olympia" eine unangefochtene, das IOC hat alle Masken fallengelassen. Schamlos. Die Winter- und die Sommerspiel, sind nun - dem Gedanken der Olympiade als Zeitrechnung hohnsprechend - alle zwei Jahre, zeitversetzt zur besseren Vermarkung. *kotz*

Mir gefällt einfach die Idee vieler kleiner Privatboykotte:

Das mit dem Nicht-Kaufen von Sponsoren-Produkten.

Vielleicht mal die Glotze abschalten und sich selbst bewegen, jeder nach seinen Möglichkeiten. Das ist allemal näher am "Olympische Gedanken" als der Doping-Kommerz-Mist im Fernsehen. Jeder, der sich eine halbe Stunde anstrengt - laufen, walken, radfahren, was auch immer - und dann beim fünftenmal festellt, daß es schon etwas leichter fällt, hat mehr für den olympischen Gedanken des "Schneller, höher, weiter" getan als ein IOC-Funktionärs-*rsch in seinem ganzen Leben. Unter dem Strich. :)

Und wenn er sich nicht bewegen mag, dann soll er sich halt vorher engagiert die EM angucken, die ist wenigsten offen kommerziell ohne Schmier-Pathos. Und überhaupt: Was ist Olympia gegen die EM? :)

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Amyklai - 16. Mrz, 00:26

Peking – was tun?

Die FAZ titelt heute: „Tote... [weiter]

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