Elsas Nacht(b)revier

Am Anfang wurde das Universum erschaffen. Das machte viele Leute sehr wütend und wurde allenthalben als Schritt in die falsche Richtung angesehen. [Douglas Adams]

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Das ist dann die letzte Form der

endgültigen Entmündigung des Bürgers. Verbrämt unter dem Schutzmantel des "selbstbestimmten, würdigen, freiheitlichen Todes".
Wunderschön.
Jeder Henker im Mittelalter war humaner.
Gut, nachdem es nun Automaten gibt, um sexuelle Bedürfnisse, Hunger und Durst, auch das Ersuchen nach Geld zu befriedigen, warum nicht noch ein Automat für das Sterben.
Ich hatte meinen Schülerinnen neulich noch das Fremdwort "Nihilismus" erklärt, aber ich habe es offensichtlich verharmlost. Ich hätte ihnen sagen sollen, dass das keine exotische philosophische Strömung war, sondern genau das ist, womit wir täglich konfrontiert werden.
Ich habe in meinem Leben zwei Hunde einschläfern lassen müssen, die ebenfalls die berühmten zwei Spritzen bekamen.
Jeder Bolzenschuss in die Stirn ist humaner.
Aber das Schöne ist, es wird wieder genug Freiheits- und Würdefanatiker geben, die aus welchen Gründen auch immer (zu feige, selbst Hand an sich zu legen? Angst vor der absoluten körperlichen Vernichtung auf Zuggleisen?) so bescheuert sind, und diesen Automaten promoten.
Aber was lamentiere ich herum. Es ist wundervoll, wenn alles, was machbar ist, gemacht werden kann. Das ist Fortschritt im Namen der Freiheit und Würde des Menschen.
So etwas kann nur Leuten einfallen, die bisher jegliche Konfrontation mit dem Tod tunlichst vermieden haben.
Harki (anonym) - 29. Mrz, 01:58

Im 2. Band ("Unter dem Sturmgott") der Tetralogie "Das Meer der Frauchtbarkeit" von Yukio Mishima gibt es eine merkwürdige Passage. Der Roman spielt im Japan des Hochmilitarismus, also in den 30ern. Es wird ein fiktives patriotisches Traktat dieser Zeit abgedruckt: "Die Geschichte vom Göttersturmbund". Auf den ersten 30 Seiten desselben ist von einem Aufstand konservativer Ritter der frühen Meiji-Zeit gegen die Modernisierung dieser Zeit die Rede: Sie wissen, der Aufstand wird scheitern, schon weil sie sich weigern, Feuerwaffen zu verwenden. Dennoch schlagen sie los - und scheitern natürlich schon an der ersten Kaserne.

Und dann über 20 Seiten das Kapitel: "Der Aufstieg zum Himmel". Eine detaillierte Schilderung, wie sich jeder einzelne von ihnen umbringt. Teils nach klassischem Ritus, den Mishima dann bekanntlich selbst durchexerziert hat, indem ihm sein Gefährte den Kopf abschlägt, teils, indem sie sich aus der Not heraus (weil eben gerade kein Gefährte da ist) nach dem vorgeschriebenen Schnitt in den Bauch selbst die Kehle durchschneiden. Das kann man als Nicht-Japaner nur bekifft lesen...

ElsaLaska - 29. Mrz, 02:08

Was lernen wir daraus, bei allen Schrecknissen?
Setze deinem Leben SELBST ein Ende, wenn es denn wirklich sein muss, das ist wahrer Stolz und wahre Würde, aber lass dir nicht von durchgeknallten Politikern und zugrundegehenden Gesellschaften einen Sterbeautomat verkaufen oder dich von schweizer Geldhaien zweifelhaft human dignitat zu Tode spritzen.
Und am allerbesten wäre, dem HERRN die Entscheidung zu überlassen, denn niemand weiß, auch du selbst nicht, wozu es am Ende gut ist, dass du dein Leiden aushältst. Und vergiss nie, es gibt immer noch andere Menschen, die mehr aushalten müssen als du selbst.
Dieser Kommentar ist nicht pauschal gemeint und soll auch nicht einzelne Menschen herabsetzen, die so verzweifelt sind, dass sie keinen Ausweg mehr wissen, (ich hoffe, sie finden Hilfe oder Trost) sondern ist gegen die Gesellschaft gerichtet, die für Geld und für Macht nur noch alles stumpf abnickt.
Harki (anonym) - 29. Mrz, 02:40

"Dieser Kommentar ist nicht pauschal gemeint und soll auch nicht einzelne Menschen herabsetzen, die so verzweifelt sind,"

Nein, nein, das ist schon nicht falsch rübergekommen... Das sind im Grunde Dinge, in die man sich nicht einmischen kann. Weder mit Durchhalte-Sprüchlein noch mit Weichspüler-Wohlfühlparolen. Vor allem eben nicht mit letzteren.

Und die Art, wie nun diese Maschine angepiesen wird, ist wirklich so widerlich reklame-artig. So wie man vor 100 Jahren in den USA den elektrischen Stuhl als wunderbare Neuerung verkauft hat. Da wird der Tod entwürdigt, indem er zu einer Dienstleistung auf Knopfdruck gemacht wird, aus dem Quellekatalog.

Okay, von einem christlichen Standpunkt müßte man das anders verhandeln, aber das ist nicht ganz meine Welt. Was mich stört, ist diese scheußliche Sedierungs-Ästhetik.

sumuze - 29. Mrz, 03:19

Sorry, aber wer

über Sterben redet, ohne die Angst vor dem Schmerz darin vorkommen zu lassen, ist nichts als ein blutarmer Pennäler, der sich in die Hosen machen wird, wenn's anfängt, wirklich weh zu tun.

"Nichts Schöneres weiß ich mir an Sonn- und Feiertagen als ein Gespräch von Krieg und Kriegsgeschrei, wenn hinten, weit in der Türkei, die Völker aufeinander schlagen." (Wortlaut vielleicht nicht ganz korrekt)

Wer einmal einem 'humanen' Bolzenschuß zugesehen hat, wird anders denken als du. Hoffe ich, zumindest. Und das Sterben in der Literatur ist sicherlich immer sehr kommod. Ob in Japan oder wo auch immer.

ElsaLaska - 29. Mrz, 11:11

Sumuze, ich war regelmäßig dabei, wenn Schweine geschlachtet (oder Hühner, Karnickel etc.), das wegen des Bolzenschusses. Wenn der richtig platziert und gekonnt ausgeführt wird, fällt das Schwein einfach um, in Sekundenschnelle.

Dass jemand einen SelbsttötungsAUTOMATEN promotet, finde ich geisteskrank. Ich weiß ehrlich gesagt nicht, wieso dieser Politiker noch frei herumläuft.

Man muss das nicht christlich verhandeln. Aber wenn nicht gesehen wird, dass das mit "humanem Sterben" rein gar nichts zu tun hat, dann frage ich mich schon, wie weit wir eigentlich sind und wohin wir noch kommen.

Literarischer Tod ist natürlich wieder eine ganz andere Sparte :-). Glücklicherweise.
ElsaLaska - 30. Mrz, 03:11

Moderater im Ton, aber hart in der Sache gibt sich die Vorsitzende der Deutschen Hospiz- und Palliativbewegung dazu:
"Benötigt würden nicht immer wieder neue Ideen zur Realisierung einer aktiven Sterbehilfe oder einer besseren Organisation der Selbsttötung. Notwendig sei stattdessen der weitere Auf- und Ausbau der Hospiz- und Palliativversorgung in Deutschland, um den Schwerstkranken und Sterbenden ihre Schmerzen und Ängste zu nehmen und ein Sterben in Würde zu ermöglichen."
(via kath.net)

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