Elsas Nacht(b)revier

Am Anfang wurde das Universum erschaffen. Das machte viele Leute sehr wütend und wurde allenthalben als Schritt in die falsche Richtung angesehen. [Douglas Adams]

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Ich möchte gerne mal wissen,

wieso ich mit Platon besser auskomme als mit Aristoteles. Während Platon schwebt, zurrt Aristoteles fest. Platon pustet Pusteblumen, Aristoteles mauert ein Fundament. Platon scheint mir frei, Aristoteles gebunden.
Platon dichtet, Aristoteles doziert. Ich wäre lieber wie Aristoteles, aber Platon spricht mich auf allen Ebenen an.
*langweilt sich über der Nikomachischen Ethik*
Tiberius (anonym) - 25. Apr, 10:41

Salve Elsa!

Deine Einschätzung teile ich in jeder Hinsicht. Es ist, als ob Platon und Aristoteles Rücken an Rücken stehen würden.

Wenn ich die Abhandlungen über die Seele - bei Platon "Phaidon" und bei Aristoteles "De Anima" - miteinander vergleiche, dann scheint mir die gegensätzliche Perspektive deutlich zu sein. Das Anliegen ist aber auch zu verschieden.

Platon erklärt, daß es vernünftig ist, auf ein Leben nach dem Tod zu hoffen, daß wir, was wir nicht beweisen können, doch glauben dürfen.

Aristoteles hat mit dieser Hoffnung nichts am Hut. Sein Blick gilt der Empirie und dem Beweis: der Wissenschaft. Seine Vorstellung von der Seele geht nicht über das Diesseitige hinaus und will es auch nicht. Nicht umsonst tritt Aristoteles für eine strenge Trennung von Glauben und Wissen ein.

Einen Vergleich auf der Ebene des Begriffs der Seele halte ich deshalb auch nicht für sinnvoll. Die Anliegen, die diesen Begriff prägen, sind einfach zu unterschiedlich. Beide Ansätze sind von hohem Wert. Auf Platon jedoch könnte ich nicht verzichten.

Vale!
Tiberius

ElsaLaska - 26. Apr, 02:22

Tiberius, schön, dass du dazu etwas sagst.

Ich habe mich zu erinnern versucht, wann ich zum ersten Mal mit Philosophie in Berührung kam, leider kann ich den Zeitpunkt nicht mehr exakt bestimmen. Es war wohl in der Schule, da erklärte uns ein Lehrer, wohl im Deutschunterricht, das Höhlengleichnis von Platon. Es hat mich sofort für Philosophie eingenommen. Was für eine tolle Sache, dachte ich mir, völlig bezaubert von der Schlüssigkeit des Gedankens und den intensiven Bildern, die Platon benutzt, um ihn auszudrücken. Ich dachte, alle Philosophen würden vielleicht so sprechen und dass das eine wunderbare Sache sein müsse. In der Oberstufe las ich Jaspers, Heidegger, Sartre, Karl Marx, Trotzki und Lenin, Kierkegaard und Nietzsche. Ich weiß noch, dass man sich die Texte regelrecht erarbeiten musste, besonders Marx und Heidegger zum Beispiel. Und legte meinen Ehrgeiz darein, bis ich die Lust verlor. Und jetzt, wo ich mich wieder damit beschäftige, merke ich einfach, dass von allen nur Platon seinen Zauber für mich bewahrt hat. Vielleicht, weil ich oft denke, dass Schlichtheit und Schönheit die besten Indikatoren für Wahrheit sind.

Nikodemus (anonym) - 26. Apr, 18:07

Einfache Antwort:

Ich weiß auch nicht, warum es mir ähnlich geht. Vermutlich ist Platon besonders für Christen eben sehr ansprechend. Bei scheint es manchmal die Tiefendimension zu Einsichten zu geben, die in der Bibel oder nur angestoßen oder durch sie aufgeworfen werden.
ElsaLaska - 27. Apr, 00:16

Ich war ja noch keine Christin in dem Sinne, als mich Platon angesprochen hat. Der "Vorwurf", dass Platon durchaus heidnische Wurzeln hat, greift ja. Aber offensichtlich ist er auch hervorragend mit christlichem Denken besonders vereinbar.
:)

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