Elsas Nacht(b)revier

Am Anfang wurde das Universum erschaffen. Das machte viele Leute sehr wütend und wurde allenthalben als Schritt in die falsche Richtung angesehen. [Douglas Adams]

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Konzert

Ich bin nicht gerade das, was man einen Musikenthusiasten nennen würde, aber wenn halt mal grade Kirchenkonzert ist, gehe ich hin. Mir sehr entgegen kam, dass es sich um reinen Chorgesang plus eine Sopranistin handelte, die, ich darf das so sagen, mindestens deutschlandweiten Rang einnehmen kann von der Qualität ihrer Stimme - und das sage ich erst recht, weil ich Sopran überhaupt nicht leiden kann, er also - eingedenk des Spruchs eines Freundes, dass blonde Frauen viel perfekter aussehen müssen als schwarzhaarige, um aufzuschließen, - ein solcher Sopran also wirklich schon annähernd perfekt sein muss, um mich nicht zu nerven.
Wir bekamen ein Programm des Gotteslobes geboten, von der Renaissance bis in die Neuzeit, bis hin zu eingängigen Gospeln. Menschliche Stimmen preisen seit Anbeginn der Zeiten Gottes Größe. Und ich dachte mir noch, was wollt ihr eigentlich alle mit eurem antitheistischen Wahn, ihr Schmidt-Salomons und Dawkins-Nasen, Säkular-Rumnerver, wollt ihr etwa Händel, Mozart, Rossini, Choräle, Messen, jubelnde, preisende Gospel, innig-zarte Anbetungen, mächtige, herrliche Männerchöre, dazu alle Tradition in der Bildenden Kunst, wollt ihr die gesamte menschliche Kultur - oder sagen wir mal das, was daran tiefe, echte Schönheit hat - , in die Jauchegrube kippen, nur weil ihr zu blöd seid, die wirkliche Bedeutung von Religion zu verstehen?
saoirse - 27. Apr, 23:45

! ! !

Harki (anonym) - 28. Apr, 00:15

Ja, klar. Gerne noch ein "!" hinter die drei von Saoirse.

Das ist schön auf den Punkt gebracht, und Ihr Christen habt natürlich das ganze panzerbrechende Wuchtgeschoß der abendländischen Zivilisation und der Tradition hinter Euch. Um im martialischen Bilde zu bleiben: dagegen werden dann etwelche Atheismus-Bestseller oder der ganze Schrott in der Anti-Klerikalia-Ecke jeder größeren Buchhandlung zu schlichtem Schrott. Zu Papp-Maché-Schilden.

(Wenn's mal für den Einzelnen so einfach wär. :-( )

---

Zur Haarfarbe der Sängerin: Ach komm, der Typus ist nun wirklich grausam dekonstruiert worden -- das Schicksal hat Rache genommen. Hatte ich ja anderswo gesagt: Wenn man heute von weitem eine Blondine sieht, weiß man gleich, daß sie mit 80%iger Wahrscheinlichkeit über 60 ist.
ElsaLaska - 28. Apr, 00:28

@harki

Ich würds gerne weiter fassen wollen, Religion hört für mich als ausgebildete Yoga-Lehrerin auch nicht gerade mit dem Christentum auf. Nur in dem Konzert, es war halt grade mal eines mit vorwiegend christlichen Liedern und ich bin ja Christin, wurde mir das nochmal so knallhart bewusst, als ich diese Engelschöre hörte und mir dachte: Ey, was wollt ihr eigentlich, ihr ganzen antireligiösen Fanatiker. Mir gehts um Religion als ein konstituierendes Element für menschliche Kultur, egal jetzt um welche Religion es sich genau handelt. Die spielt eigentlich keine Rolle, finde ich. (Oder, hier im Abendland von den Wurzeln her natürlich schon das Christentum, und im Eintrag natürlich auch angesprochen, klar).
Hingabe spielt eine Rolle, Demut, das Wissen, von Gott auf einen Platz gestellt worden zu sein, um ihn ausfüllen zu können. Ohne das könnten wir einpacken. Das wurde mir heute wieder deutlich.
fbtde - 28. Apr, 08:05

Ich gehe beruflicherweise häufig ins Konzert, auch in Kirchenkonzerte. Manches ist sehr gut, einiges ausgezeichnet, weniges bemüht. In der Musikgeschichte finden sich schon diese und jene Werke, die das, was Du zu meinen scheinst, ziemlich endgültig ausdrücken - die Bach'schen Passionen, Verdis Requiem sind nur Beispiele. Unsagbares kann man eben musikalisch sagen, so dass es jeder verstehen kann (wenn er sich davon ergreifen lässt).

Talakallea Thymon - 28. Apr, 10:27

Ich verstehe nicht, was das eine mit dem anderen zu tun hat. Deinen Worten zufolge dürfte ein Atheist also mit einer Bachkantate, einer Mozartmesse oder dem "Deutschen Requiem" nichts anzufangen wissen? Ein Atheist vermag also Kunst, die aus religiöser Motivation geschaffen wurde, eben deshalb nicht zu genießen, weil sie aus dieser Motivation geschaffen wurde? Oder habe ich da was falsch verstanden? Wenn ich es aber richtig verstanden habe, dann ist mein eigener Genuß beim Hören der Johannespassion also -- ein Irrtum? Und ich als Atheist habe beim Anhören keine Ahnung? Was ich empfinde, ist also falsch?

Oder bedeutet es, daß Bach seine Musik nicht geschaffen hätte, wenn er Atheist gewesen wäre, und daß man der Religion also für diesen Schatz dankbar sein muß und sie nicht schmähen darf? Glaub das mal nicht: Bach war Handwerker, und sein Handwerk die Musik. Er war ein tiefreligiöser Mensch, aber eben auch ein hochmusikalischer. Ich wage zu behaupten, daß er als Atheist vielleicht andere, keinesfalls aber schlechtere Musik geschrieben hätte.

ElsaLaska - 28. Apr, 11:15

Es geht nicht um d i c h, Tallakallea. Es geht darum, wie irgendwelche Hassprediger versuchen, den Menschen einzureden, eine Welt ohne Religion sei "humaner" oder "gewaltfreier" oder was weiß ich noch alles.
Damit negieren sie die kulturstiftende Wirkung jeglicher Religion, sie negieren überhaupt das, was erhaben ist im Menschen. Und nein, es ist ziemlich müßig, sich vorzustellen, wie sich die Musik ohne die Religion entwickelt hätte. Ich vermute mal gar nicht.
Talakallea Thymon - 28. Apr, 11:27

Nun, das läßt sich jetzt nicht mehr feststellen. Ich möchte aber darauf hinweisen, daß beträchtliche Strömungen der Musikgeschichte sich außerreligiösen Wurzeln verdanken: Aus stilisierten Tanzsätzen entstand die Suite und (in letzter Konsequenz) die Symphonie; die Gattung des Konzerts entstand aus dem Reiz, den eine Gegenüberstellung von Tutti und solistischem Ensemble bewirkt; und die Geburt der Oper verdankt sich einer irrtümlichen Nachahmung oder Wiederbelebung, indem man nämlich glaubte, die antiken Dramen seien komplett gesungen worden.

ElsaLaska - 28. Apr, 11:44

Das würde ich gerne bestreiten. Was ist an Tanzsätzen nicht religiösen Ursprungs? Was ist an antiken Dramen nicht religiösen Ursprungs? Ihre Wurzeln liegen ganz klar im kultischen Bereich.
Und Tanz in seiner jeglichen Form entstammt von seiner Grundlage her rituellen Tänzen innerhalb sakraler Handlungen.
Ohne Religion keine Kultur, das ist nunmal so. In welche Richtung sich das dann weiterentwickelt, natürlich, das ist optional. Ab einer bestimmten Stufe ist das religiöse Fundament nicht mehr nötig, um Kunst zu betreiben.
inge lütt (anonym) - 28. Apr, 17:41

in sachen oper

Ja, das ist ja eine immer wieder gerne kolportierte Anekdote, dass die Oper an sich die Wiederbelebung des antiken griechischen Dramas werden sollte.
Aber was war das antike griechische Drama?
Genau.
Gottesdienst. Zu Ehren von Dionysos.
Und weil das so war, war der Theaterbesuch natürlich eine Pflichtveranstaltung, vor der sich - zumindest die Männer, so weit sie nicht versklavt waren - nicht drücken konnten.
Dafür wurde dann aber auch Verdienstausfall gezahlt.
Das wär's doch noch.
Ich gehe ins Theater, schaue fromm und werde auch noch bezahlt.
Sun-ray - 29. Apr, 23:20

"Ohne Religion keine Kultur, das ist nunmal so. In welche Richtung sich das dann weiterentwickelt, natürlich, das ist optional. Ab einer bestimmten Stufe ist das religiöse Fundament nicht mehr nötig, um Kunst zu betreiben."

Gewagte Behauptung - mehr aber auch nicht.
ElsaLaska - 30. Apr, 19:59

Dass das Fundament nicht mehr nötig ist? Natürlich gibt es auch atheistische Kunst, ich glaube nicht, dass ich das verifizieren muss.
Im andern Fall, also das Kultur nicht aus religiöser Betätigung entstanden sein soll, vermisse ich deine Gegen-Argumente.

Oder nein, ich vermisse sie eigentlich nicht. Die Art und Weise deines Hereinpolterns hier scheint mir nicht drauf hinzuweisen, dass du irgendwas Relevantes zu sagen hast.
Sun-ray - 1. Mai, 02:20

Tja, wo vertrautes Selbstpoltern usus ist,
bleibt in der Tat wenig Raum zum Hinhören und -sehen -
noch weniger zum Verstehen und Verstehenwollen.
Was du nicht vermisst, brauchst du wirklich nicht -
noch nicht. Und wo und wie du gebraucht wirst,
entzieht sich dir dadurch zwangsläufig ebenfalls.
Es geht nicht um Stacheln, weißt du.
Schon gar nicht um deren elegantes Spitzfeilen.
Aber jeder tändelt halt solange mit ihnen herum,
bis der wesentliche Groschen irgendwann fällt.

Du meinst, im Fall von Kritik Anspruch auf eigene
Nichtverifizierung und dir auf deiner derzeitigen Ebene
einleuchtende Gegenargumente zu haben?
Ich sag's mal so: Wirklich interessant wird's erst dann,
wenn man nicht mehr solch konformen Denkbahnen folgt.
Mein Theologie-Prof lächelte seinerzeit stets gelassen
zu meinen entsprechenden Denkansätzen und Anliegen
und beschied mich mit: Lassen Sie uns lieber über Wichtiges reden.
Damals reagierte ich ebenfalls
nicht selten unmutig und überheblich.
Mittlerweile weiß ich, was er meinte.
Kam allerdings wie jeder andere auch
nicht um's selber Entdecken herum.

In diesem Sinne dir weiterhin alles Gute
sun-ray
ElsaLaska - 1. Mai, 02:24

Auja, lass uns füreinander beten.
Talakallea Thymon - 28. Apr, 11:53

Oh ja, klar! Und ich bestehe aus dem Staub einer Supernova. Und Milch ist aus Mineralien, Kohlendioxid und Wasser gemacht (über den Umweg von Gras und Kuh). Und Dieselkraftstoff besteht aus Urwäldern.
Man muß nur lange genug zurückgehen, dann findet man immer was.

ElsaLaska - 28. Apr, 13:16

Eh nein, man muss sich nur die Kulturgeschichte der Menschheit ansehen, dann findet man was.
*gg*
Tiberius (anonym) - 28. Apr, 16:02

G.K. Chesterton

An dieser Stelle möchte ich gerne auf Chesterton verweisen:

"Was immer von antiken Hymnen und antiken Tänzen Europas unverfälscht erhalten geblieben, was immer von den Festen für Phoebus oder Pan ungehindert auf uns gekommen ist, findet sich in den Festen der christlichen Kirche. Wer das Ende jener Kette, die wirklich zu den heidnischen Mysterien zurückreicht, zu greifen bekommen will, der sollte zu Ostern nach einer Blumengirlande oder zu Weihnachten nach einem Würstchenstrang greifen. Alles andere in unserer Welt ist christlichen Ursprungs, selbst dasjenige, was ganz und gar antichristlich aussieht. Christlichen Ursprungs ist die Französische Revolution. Christlichen Ursprungs ist die Zeitung. Christlichen Ursprungs sind die Anarchisten. Christlichen Ursprungs ist die Naturwissenschaft. Christlichen Ursprungs ist auch der Angriff auf das Christentum." G. K. Chesterton

Valete!
Tiberius

Sun-ray - 29. Apr, 23:29

Mir stellt sich angesichts deiner ausgeprägten
Gegensatzkontrastierung eher die Frage,
wem du eigentlich was zu beweisen müssen glaubst.
Formulierungen wie diese
"Und ich dachte mir noch, was wollt ihr eigentlich alle
mit eurem antitheistischen Wahn ..... jubelnde .....
innig-zarte ..... mächtige, herrliche .....
tiefe, echte Schönheit ...... Jauchegrube ..... nur weil ihr zu blöd seid, ...."

mögen zwar tiefen Einblick in zugrundeliegendes
Profilierungsbedürfnis gewähren, auf das Phänomen
Mensch-Phantasie-Kunst-Hingabe werfen sie jedoch
wenig erhellendes Licht.

ElsaLaska - 30. Apr, 18:02

"auf das Phänomen Mensch-Phantasie-Kunst-Hingabe werfen sie jedoch wenig erhellendes Licht."

Das war auch GAR NICHT meine Intention.
*teilt eine Runde Bullshitbeutel aus*

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