Elsas Nacht(b)revier

Am Anfang wurde das Universum erschaffen. Das machte viele Leute
sehr wütend und wurde allenthalben als Schritt in die falsche Richtung angesehen. [Douglas Adams]

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Daß Philosophiren sterben lernen heisse

"Es ist ungewiß, wo der Tod unserer wartet: laßt uns also allerwegen seiner warten. Die Vorbereitung zum Tode ist die Vorbereitung zur Freyheit. Wer sterben gelernet hat, hat ein Sklave zu seyn verlernet. Derienige, welcher recht eingesehen hat, daß der Verlust des Lebens kein Unglück ist, weiß in seinem Leben von keinem Unglücke. Die Kunst zu sterben befreyet uns von aller Unterwürfigkeit, und allem Zwange."
Michel de Montaigne: Essais.
rosmarin - 6. Mai, 00:08

nach der dritten krebsdiagnose einer dritten freundin....werfen sich grad fragen auf

svashtara - 7. Mai, 09:41

Ich habe gestern den ganzen Tag

über diese Sätze nachgedacht. Und konnte zu keinem Ergebnis kommen, ob ich zustimmen kann oder nicht. Das Sterben zu einer Kunst zu erheben kommt mir nämlich mindestens genauso eigenartig vor, wie diese konsequente Bannung aus der Gesellschaft.
Letztlich kommt es vermutlich ausschließlich darauf an, woran man persönlich glaubt.

Schreibman - 7. Mai, 13:40

Trotzdem

gefällt mir auch dieser Satz von Montaigne: "Wenn ihr das Leben genutzt habt, könnt ihr gesättigt und befriedigt scheiden. Und wenn ihr nichts damit habt anfangen können, wenn ihr es nutzlos vertan habt, da kann es euch doch erst recht gleichgültig sein, wenn es weg ist; was wollt ihr denn noch damit?"

Karlos (anonym) - 7. Mai, 19:10

Ist das Sterben ein Sterben?

Oder ist es nur ein Wechsel von einer Daseinsform
in eine Andere?
Das Universalprinzip von Böttner
(http://www.universal-prinzip.de/gesamtframe1.htm)
mag man belächeln, aber wird nicht aus unserer Asche
neues Leben entstehen, in dem wir auch dann
präsent sind?
ElsaLaska - 8. Mai, 00:39

Hallo Karlos,
danke für deinen Einwurf. Philosophiegeschichtlich geht es jedoch nicht tatsächlich darum, was einmal aus uns wird, sondern darum, dass Philosophie-treiben definiert wird durch "Sterben lernen", insofern die Seele vom Körper getrennt werden soll. Der Zugang zur strikten theoretischen Weisheit eröffnete sich für die "Alten" durch die Negierung der körperlichen Gelüste, tugendhaftes Streben, Verneinung der Begierden etc. Also etwas ganz altmodisches. Es war zur Zeit der Antike durchaus in Ordnung, dass die Seele nicht auf einem Komposthaufen verdampft, sondern wieder ins Göttliche eingeht. Ich erfinde das nicht, sondern es ist tatsächlich der rote Faden als Ziel für die Philosophie durch die ersten fünf Jahrhunderte und weiter. Der menschlichen Seele wurde zu dieser Zeit noch einen höheren Stellenwert eingeräumt als den, den sie jetzt innehat (?). Mit der schieren Asche wäre wohl zu der damaligen Zeit niemand d'accord gegangen, jedenfalls nicht als Medium, um noch irgendwie präsent zu sein;-)
Schreibman - 8. Mai, 12:45

Asche zu Asche

Lieber Karlos, aus meinem letzten Aschenbecher wird kein Phönix auferstehen, da bin ich mir ziemlich sicher. Wenn er geleert ist, geht's ab in die Hölle, wo ich bestimmt jede Menge alte Bekannte wiedertreffe. Bis dann, mein Lieber. Grüezi in die Schweiz
SCHLAGLOCH - 14. Mai, 18:02

Kunstgriff

Warum wünschen wir uns ein Weiterleben nach dem Tod, im Jenseits. Unser Leben auf der Erde ist unvollkommen und beschwerlich, dies wird trotz Fortschritt so bleiben. Wer ist der Mann, der uns ein Paradies verspricht, das nicht von dieser Welt ist. Wenn wir hier gut arbeiten und fleißig sind, dann können wir uns ein irdisches Paradies einrichten. Das himmlische Paradies ist nicht überprüfbar. Ist die Sehnsucht nach einem Himmel in unserem Gehirn oder Genen verankert oder wurde diese Sehnsucht durch Erzählungen geweckt. Ist es die Angst vor dem Nichts, dass unser Hirn zu diesem Kunstgriff greift .

Gruss schlagloch.

Tiberius (anonym) - 14. Mai, 22:08

Kunstgriff

Salve Schlagloch!

Du stellst entscheidende und absolut nachvollziehbare Fragen. Ich frage mich das auch und kann bislang folgende Antwort anbieten:

Tatsächlich ist das "himmlische Paradies" so wie die "Unsterblichkeit der Seele" empirisch nicht beweisbar, es kann aber tatsächlich vernünftig sein, sowohl das eine als auch das andere anzunehmen. Hier gilt es allerdings Wissen und Gewißheit zu unterscheiden. Eine guten Einstieg zu diesem Thema bietet Platons Dialog Phaidon: Sokrates setzt auseinander, warum er den Tod ob seiner unsterblichen Seele nicht fürchtet.

Die Angst vor dem Nichts fordert nur unsere Liebe zum Sein heraus. Diese Liebe aber kann uns zu einem tieferen Verständnis des Seins führen. Die Liebe selbst ist eine unbedingte Bewegung auf etwas hin, die Angst aber - wenn man ihr irrationales Moment berücksichtigt - ist eine unbedingte Bewegung von etwas weg. Ich halte es für zutiefst unvernünftig, um nicht heidnisch zu sagen, aus Angst oder Unwissenheit zu glauben. Vernünftig aber scheint es mir, den Glauben auf Liebe und Vorwissen zu gründen.

Vale!
Tiberius
inge (anonym) - 16. Mai, 22:30

"Die Liebe selbst...

...ist eine unbedingte Bewegung auf etwas hin, die Angst aber - wenn man ihr irrationales Moment berücksichtigt - ist eine unbedingte Bewegung von etwas weg."

Kinder, Kinder, was kann man hier für gescheite Sätze lesen.

ElsaLaska - 17. Mai, 00:23

Gell, der Tiberius, das ist schon ein Wahnsinnskerle ... Ich mein das ganz ernst, und frage mich manchmal, wie er sich ausgerechnet auf mein Blog verirren konnte. Ringrazio Dio dafür. Ich will ihn nicht mehr missen.
Tiberius (anonym) - 17. Mai, 11:46

Du machst mich verlegen, liebe Elsa. Es ist schön das wir uns gefunden habe. Und auch ich möchte Dich nicht mehr missen.

Tiberius

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ElsaLaska - 7. Aug, 23:40
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ElsaLaska - 7. Aug, 23:36
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schneck06 - 7. Aug, 23:36
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ElsaLaska - 7. Aug, 23:32
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fbtde - 7. Aug, 23:30

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