Elsas Nacht(b)revier

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DHiKA-Beweisführung II

Die chronologisch gesehen nächste Folge mit der Nr. 5 aus Staffel I, in der es um Gott geht, ist in dieser Hinsicht ziemlich interessant, weil Dr. House hier eine Nonne behandelt. (Deutscher Titel: Nur die Braut Christi?) Seine Kenntnis über die katholische Konfession ist respektabel. Er weiß nicht nur über die Heiligenverehrung Bescheid (Scipio hat mir Stelle von einer deutschen Seite gemailt, deshalb ist sie zur Abwechslung mal auf deutsch):

"Sie war nicht ihr ganzes Leben eine gute Katholikin. Als sie den Herzstillstand hatte, musste ich ihre Bluse
öffnen um sie zu reanimieren und habe dadurch zweierlei kennen gelernt: Nonnen haben durchaus schöne Brüste und sie hat ein Tattoo auf der Schulter. Und zwar ein Stinktier. Doch vielleicht ist es ja das heilige Stinktier von Josef.",


er kann auch die Todsünden aufzählen: "House: So, we’ve got pride, anger, envy, gluttony…. That’s four out of seven deadly sins in two minutes. Do you people keep records of these things? Is there a Cathlympics?"

Und während Cameron in dieser Folge gegönnt wird, explizit ausformuliert zu sagen: Ich glaube nicht an Gott! (Foreman: At least she’s got God on her side. Cameron: I don’t believe in God.) erhalten wir diese klare Aussage von House in keinster Weise. Dies hat auf jeden Fall Hinweischarakter!

An dieser Stelle zum Beispiel, als Wilson vom göttlichen Willen spricht, lautet die Antwort nicht, es gäbe keinen göttlichen Willen oder so etwas wie göttlicher Wille sei Humbug oder nicht existent - nein, es kommt als Antwort: Es ist (aber) nicht mein Wille. (Wilson: Maybe it’s just divine will. House: It’s not my will. [takes a couple of Vicodin] )

Als nächstes fragt Schwester Augustine nassforsch endlich nach dem, was uns ja schließlich interessiert!

Augustine: Why is it so difficult for you to believe in God?

House: What I have difficulty with is the whole concept of belief. Faith isn’t based on logic and experience.

Augustine: I experience God on a daily basis, and the miracle of life all around. The miracle of birth, the miracle of love. He is always with me.

House: Where is the miracle in delivering a crack-addicted baby? Hmmm? And watching her mother abandon her because she needs another score. The miracle of love. You’re twice as likely to be killed by the person you love than by a stranger.

Augustine: Are you trying to talk me out of my faith?

House: You can have all the faith you want in spirits and the afterlife, and heaven and hell, but when it comes to this world, don’t be an idiot. ‘Cause you can tell me you put your faith in God to put you through the day, but when it comes time to cross the road, I know you look both ways.

Augustine: I don’t believe He is inside me and is going to save me. I believe He is inside me whether I live or die.

House: Then you might as well live. You’ve got a better shot betting on me than on Him.

Augustine: When I was 15, I was on every kind of birth control known to man, and I still got pregnant. I blamed God. I hated Him for ruining my life, but then I realized something. You can’t be angry with God and not believe in him at the same time. No one can. Not even you, Dr. House.

Wichtig ist hier, dass House nirgendwo sagt, dass es Gott gar nicht gibt, oder wenigstens, dass er überhaupt nicht an Gott glaubt. Er spricht über seine Schwierigkeit zu glauben, weil Glaube nicht auf Logik und Erfahrung beruht. Seine Antwort "Where is a miracle in delivering a crack addicted baby etc." verneint nicht Gott. Es ist Kritik an menschlicher "Liebe". Am Schluss der Szene fordert er Augustine auf, lieber auf ihn zu setzen als auf Gott. Dies ist aber keine Ablehnung, Verleugnung oder Verneinung der Existenz Gottes, sondern eine Aufforderung, auf ihn zu vertrauen statt auf Gott. Es impliziert vielmehr, dass House an die Existenz Gottes glaubt, aber mit ihm in eine Art Wettbewerb eingetreten ist. Um an Gott zu glauben, muss man ihn nicht lieben. Man kann ihn auch hassen. Schwester Augustine bringt das auf den Punkt:
You can't be angry with God and not believe in him at the same time. No one can.
Und das scheint mir ein ganz wesentlicher Punkt in Houses Verhältnis zu Gott zu sein. Ich kann niemanden hassen, bekämpfen, mit ihm in einen Wettkampf treten, wenn ich nicht überzeugt davon bin, dass es ihn gibt.

Gut, wir befinden uns in Staffel I, Folge 5, es kann ja noch eine klarere Aussage kommen, aber bis jetzt ist Dr. House, falls er ein Atheist sein sollte, ein extrem lausiger und impotenter Atheist.

Beweisführung I
[Zur Arbeitsthese]
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[Zurück zu Teil II: Zur Vorgehensweise]
[Zurück zu Teil III: Begriffsklärung Atheist]
scipio (anonym) - 21. Mai, 22:03

Da kommen

wir doch schon ein ganzes Stück weiter, oder nicht?

"What I have difficulty with" - naja, die Schwierigkeit kennen wir doch auch alle.

ElsaLaska - 22. Mai, 07:13

Ich wollte ja nicht psychologisieren, aber im Kommentarbereich darf ich das schonmal. House ist hochgebildet, intellektuell, polyglott und an der Grenze zum Genie. Er kennt unglaublich viele Einzelheiten über den römisch-katholischen Glauben (also ICH könnte die Todsünden nicht aufzählen! Außerdem ist ja da noch das berühmte Zitat mit dem Verweis auf Thomas von Aquin). Er hat ein Theodizeeproblem. Und er hat einen Strauß mit Gott auszufechten, ich vermute, wegen seines Beines. Und weil Gott am längeren Hebel sitzt. Er IST schonmal in die Knie gegangen, als er in dieser berühmten Folge ein Baby im Mutterleib operierte.
Er wird früher oder später wieder in die Knie gehen und konvertieren oder sich bekehren. Vielleicht nicht innerhalb der Serie, aber der Charakter ist darauf angelegt. House ist latent katholisch. Entweder er wurde so erzogen oder er fühlt sich intellektuell davon hingezogen. Dass man glauben kann und wie das geht, fällt ihm schwer. Weil Liebe ihm schwer fällt. Das ist eigentlich alles.

Geil, oder?

fbtde - 22. Mai, 09:23

Latent katholisch. . . sowas zum Frühstück.
Ich glaube, die Figur ist so angelegt, dass sie das gewiss nie zugeben würde. Aber man kann ja nie wissen. *gg*
scipio (anonym) - 22. Mai, 11:49

Fällt die Liebe ihm schwer?

Er kümmert sich ja um einiges mehr um seine Patienten, liebt sie mehr als die andern, die mit ihrer Diagnose schnell bei der Hand sind - kann man das nicht sagen?

Was ihm dann schwerfällt, ist: das "Liebe" zu nennen und überhaupt drüber zu sprechen. Ist aber auch durchaus was Urkatholisches.
ElsaLaska - 22. Mai, 14:34

Sie fällt ihm schwer, soweit sie einem mit panischer Beziehungsangst und völligem Mangel an bedingungsloser Selbsthingabe - nicht zur Verwechseln mit Obsession, obsessiv ist immer nur das Ego - fallen kann.
Außerdem habe ich es jetzt geschafft, dass ich auch noch von ihm träume, gerade beim Mittagsschläfchen eben.
Auf streng katholischer Basis selbstverständlich ...
:-)
Dybart Simpson (anonym) - 22. Mai, 21:01

Theodizee mit Dr. House

Höchst interessant, denn ziemlich ähnlich sehe ich das auch. Das Theodizeeproblem an dieser Stelle ist offensichtlich. (Wobei ich es etwas platt fände, es nur auf das Bein zu beziehen.) Allerdings ziehe ich daraus andere Schlüsse:
1. Seine Äußerungen zum Crackbaby ist keine Kritik an "menschlicher Liebe", sondern an Gottes Liebe, der das geschehen läßt.
2. Wer ein Problem mit der Liebe/Gerechtigkeit/Allmacht Gottes hat, entscheidet sich meistens dafür, dass die Idee "Gott" zwar ganz schön war, aber nicht funktioniert. Deshalb wird sie dann aufgegeben.
3. House kämpft also gegen die Idee von Gott, weil sie aus seiner Sicht falsch ist. Und zwar gänzlich.
ElsaLaska - 22. Mai, 21:46

1. Seine Äußerungen zum Crackbaby ist keine Kritik an "menschlicher Liebe", sondern an Gottes Liebe, der das geschehen läßt.
> theodizeeproblem. Kein Erweis für oder gegen den Glauben an die Existenz Gottes. Das theodizeeproblem haben sowohl Gläubige als auch Ungläubige.

2. Wer ein Problem mit der Liebe/Gerechtigkeit/Allmacht Gottes hat, entscheidet sich meistens dafür, dass die Idee "Gott" zwar ganz schön war, aber nicht funktioniert. Deshalb wird sie dann aufgegeben.
>>Ja klar, spekulativ. Das hab ich zwar eben im Kommentarbereich auch gemacht, doch klar gesagt, ich psychologisiere jetzt mal nur , aber die zitierte Stelle ganz oben erlaubt diesen Rückschluss überhaupt nicht. DORT steht nichts von irgendeiner Entscheidung, ,dass Gott ganz schön sei, aber nicht funktioniert. Nee neee neee. Am Text bleiben bitte! Da steht ganz genau: You’re twice as likely to be killed by the person you love than by a stranger.
Das referiert nicht auf die schöne Idee Gottes, die dann verworfen wird, das refereriert drauf, das Gott vielleicht ebenso wie jeder Mensch eine Person ist, die diejenigen tötet, die sie am meisten liebt. Oder eben auch nur auf die Kritik an menschlicher Liebe, wie ich zuerst vorschlug.

3. House kämpft also gegen die Idee von Gott, weil sie aus seiner Sicht falsch ist. Und zwar gänzlich.
> Ungültiger FehlSchluss aus der von mir bereits verworfenen Prämisse 2. So funktioniert das nicht!
Dybart Simpson (anonym) - 22. Mai, 21:24

Ich wollte ews eigentlich alles schön ausformulieren, aber in den nächsten Tagen komme ich nicht dazu. Also dann ganz plump das Argument auf den Tisch: House stört Foreman in der Kapelle: “Na, ist deine telepathische Unterhaltung mit deinem Bekannten beendet?” (Formulierung aus Eru ar i Ambar).
Das englische Original dagegen deutlicher: "You done talking to your imaginary friend?" (Haben Sie die Unterhaltung mit Ihrem eingebildeten Freund beendet?").
(Family 3x21)
Hier bezeichnet House Gott klar als "eingebildet", also in Wirklichkeit nicht existent.

ElsaLaska - 22. Mai, 21:52

Nicht akzeptiert.
Was ich oben schon sagte, dass es sich abzeichnet, dass House Gott hasst, dann kann genausogut der Akzent auf (falscher, eingebildeter) FREUND anstatt auf eingebildet liegen. Da warte ich mal, bis ich an Staffel 3 bin.
Ach ich vergass zu erwähnen, von Haus aus bin ich Literaturwissenschaftlerin*gg*
Dybart Simpson (anonym) - 22. Mai, 22:12

Nun, das "imaginary friend"-Konzept ist (wohl ähnlich wie die Zahnfee) Teil des amerikanischen Kindheitsmythos.
http://en.wikipedia.org/wiki/Imaginary_friend
Dabei geht es ganz klar darum, daß der Freund in Wahrheit nicht exisitiert und nicht, daß er in Wirklichkeit ein falscher Freund ist.
Außerdem wird diese Interpretation dadurch gestützt, daß unter anderm Dawkins diese Formulierung für Gott benutzt.
http://en.wikipedia.org/wiki/Imaginary_Friend
fingerfoot (anonym) - 22. Mai, 22:22

Also ich psychologisiere jetzt auch mal:
Irgendwann, spätestens gegen Ende der Staffel 3, prangt auf deiner Homepage auch ein "House"-Banner...

Dybart Simpson (anonym) - 22. Mai, 22:28

Staffel 3 ist zuende...
ElsaLaska - 23. Mai, 11:41

Wo gibts denn ein gutes?
Dybart Simpson (anonym) - 22. Mai, 22:27

>Am Schluss der Szene fordert er Augustine auf, lieber auf ihn zu setzen als auf Gott. Dies ist aber keine Ablehnung, Verleugnung oder Verneinung der Existenz Gottes, sondern eine Aufforderung, auf ihn zu vertrauen statt auf Gott. Es impliziert vielmehr, dass House an die Existenz Gottes glaubt, aber mit ihm in eine Art Wettbewerb eingetreten ist.

Diese Äußerung impliziert keineswegs, daß House an Gott glaubt. Viel mehr Sinn macht die Äußerung sogar, wenn er nicht an Gott glaubt. Dann bedeutet sie nämlich: setzen sie auf mich, dann sind ihre Chancen größer, denn bei Gott sind sie gleich Null, weil es ihn nicht gibt.

Zugegeben, man kann sie auch aus der "House hasst Gott"-Perspektive erklären, aber eine Implikation ist hier keineswegs gegeben.

ElsaLaska - 23. Mai, 00:45

Ich bin grad sehr schlecht drauf. Sehr schlecht. Diese Tafel mit den Punkten House vs. Gott ... Das war Chase, nicht House.
Ich sehe grad mein ganzes Konzept den Bach runter gehen. Ich denke, ich muss jetzt eine Runde Gedanken unter Schmerzen gebären (Nietzsche) ...
Mann, bin ich grad schlecht drauf.
:/
Dybart (anonym) - 23. Mai, 10:59

Hm, ich denke das ist es nicht wert.
Das ganze hat nur dann Sinn, wenn es Spaß macht. Wenn es dazu führt, sehr schlecht drauf zu sein, sollten wir es beenden. Oder zumindest eine längere Pause machen.

Wir sind hier schliesslich nicht in der Diagnostischen Abteilung des Princeton-Plainsboro...
ElsaLaska - 23. Mai, 11:43

Aber die Aufforderung auf ihn zu setzen anstatt auf Gott sagt jedenfalls ganz eng gefasst nicht aus, dass er Gott ablehnt, verneint, oder leugnet. Es steht nicht da: Setzen Sie auf mich, weil es Gott nicht gibt. Außerdem wäre er bescheuert, eine Nonne davon überzeugen zu wollen, dass es Gott nicht gibt.

Der imaginary friend ist gewichtiger ... Aber gemach. Ich muss erstmal eine Runde Ball gegen die Wand werfen ...

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