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Der Regenbogen als nicht-vokalisierte Himmels-Schrift.

Sowas passiert beim Schreiben. Das ist das Schöne. Ich weiß vorher nie, auf welche merkwürdigen Gedanken ich komme. Dieser hier hat mir aber so gut gefallen, dass ich ihn hier einkopieren muss, es ist immer noch die Diskussion "Religiösität und Spiritualität", zu der wir uns mittlerweile verzettelt haben, aber ist egal, hier mein Kommentar:

Das Beispiel "Gewitter" ist ein sehr schönes. Neulich lag ich nachts wach und es gab gerade eines. Die Empfindungen, die dabei hochstiegen, hatten überhaupt nichts mit moderner Naturwissenschaft zu tun. Natürlich "weiß" ich, das irgendwie warme auf kalte Luftmassen stoßen, es folgt eine elektrische Entladung und die produziert wohl eine Schallwelle (oder so ähnlich jedenfalls). Ich lag also da und dachte bei mir: Ist ja schön, dass wir uns das ganze physikalisch erklären können, aber verstehen wir deshalb schon das ganze Phänomen? Ich meine, nein. Wusstest du zum Beispiel, dass bei Gewitter vermehrt Stickstoff in die Erde gebracht wird, was eine Art natürliche Düngung für den Boden bedeutet? Man kann das ja messen. Aber die Schönheit und die Sinnhaftigkeit des ganzen Phänomens ist damit doch noch überhaupt nicht erfasst. Wenn ich einen Regenbogen sehe, dann ist das für mich nach wie vor ein Spektakel, eine Sensation, auch wenn ich schon als Kind "gelernt" habe, dass dies lediglich ein Phänomen ist, das durch die Brechung von weißem Licht verursacht wird, welches sich dann in seine Spektralfarben zerlegt. Habe ich damit den Regenbogen verstanden? Es geht mir dabei nicht um "Glaube", sondern um einen speziellen, einen poetischen Blick auf die Welt, der eben nichts für selbstverständlich nimmt.
Die Größe und Schönheit des Weltganzen kann keine Naturwissenschaft "erklären". Und weil du die moderne Physik ansprichst - gerade die moderne Physik, die Quantenphysik gerät zusehends in Bereiche, in denen die herkömmlichen physikalischen Gesetze gar keine Geltung mehr haben. Die Ratlosigkeit ist spürbar, und man behilft sich mit allen möglichen gedanklichen Konstrukten (oder man gibt freimütig zu, dass man sich nun in Bereichen bewege, die zu den wissenschaftlichen Grenzgebieten gehören und womöglich eher sich mit den Erkenntnissen der Mystiker decken als mit denen der althergebrachten Naturwissenschaften).
Die Naturwissenschaften können uns nicht von dem Wunder des Seins trennen, das geht nur dann, wenn wir ernstlich glauben (!), sie bildeten unsere Wirklichkeit ab. De facto kann keine Naturwissenschaft erklären, und sie wird es auch nie können, wie Materie Bewusstsein hervorbringen kann.

Dass sie bestimmte Abläufe beschreiben kann, einverstanden. Wenn ich den Lichtschalter umkippe und einen Stromkreis schließe, dann leuchtet die Glühbirne auf. Der Ablauf ist klar. Aber warum das so ist, das kann niemand erklären - oder hat dir schon jemand mal schlüssig die Natur des elektrischen Stroms erklärt? Schwierige Sache, oder? Selbst wenn ich weiß, plus, minus, Leitung, Erdung - es bleibt ein Wunder.

(Trotzdem ist es selbstverständlich noch nicht das, was in der eingangs aufgeführten Definition mit "übernatürlich" beschrieben werden möchte - es ist insoweit noch "natürlich").

Und ich meine, wir sollten unsere Altvorderen auch nicht für irgendwie beschränkt halten, denn ich denke, dass sie a) viel mehr wussten als wir heute so denken (Beispiel von neulich, dass die Erde eben keine Scheibe war) und b) dass sie die Erfahrung der schekhinah wohl unterscheiden konnten von einem einfachen Gewitter, das entsteht, weil es vorher sehr heiß war. Ich kann mir aber gut vorstellen, dass sie empfänglicher für bestimmte Erfahrungen waren aus z. B. dem Grund, den Michael auch schon angeführt hat mit dieser Untersuchung von Linke , nach der beim Lesen von nicht-vokalisierter Schriftsprache andere Hirnbereiche trainiert werden. Korreliert übrigens auch mit meiner Gewitter- und Regenbogengeschichte: Ich kann den Regenbogen sehen, an diese Brechung von weißem Licht denken und abhaken. Ich kann ihn aber auch als nichtvokalisierte Himmels-Schrift ansehen, zu der ich, nach ausgiebigem Stauen, wichtige Ergänzungen selbst machen muss. Das wäre die Methode der Dichter, Musiker und Philosophen (und Mystiker). *gg*

Das ist wirklich...

...ein sehr schöner Kommentar, Elsa! Und ein Lichtblick in einer sonst streckenweise frustrierenden Diskussion! Danke, ganz von Herzen! :-)

Linny - 14. Dez, 22:31

Die andere Seite der Nacht.

Nachts auf freiem Feld finde ich ein Gewitter gar nicht mehr so wundervoll. Ich verstehe wenig von Euren Diskussionen, habe aber das Gefühl, dass Ihr oft nur das Sonntagsgesicht der Schöpfung zu erklären versucht. Wenn Ihr in Hütten frieren müsstet, welchen Weg würden Eure Herzen dann wählen?

scipio (Gast) - 15. Dez, 08:54

Stammen nicht ...

... viele der romantisierenden und verklärenden "Erklärungsversuche" aus Zeiten ohne Zentralheizung, von Völkern ohne Antibiotika, aus Ländern ohne Nahrungsmittelüberschuß, aus Epochen mit kurzen Zwischenkriegszeiten?
ElsaLaska - 15. Dez, 16:53

Liebe Linny,
die meisten grundlegenden Fragen der Menschheitsgeschichte wurden von Frierenden in Hütten gestellt - Fragen wie, wo komme ich her und wo gehe ich hin. Muss ich sterben und wozu? Es waren sogar einige KZ-Insassen dabei, die versucht haben, sich an die Dinge des Lebens zu erinnern, die wesentlich sind.
Wenn ich aufhöre, über Religion, Philosophie, die Schönheit der Existenz unseres Universums und das Wunder der Tatsache, dass ich BIN wo ich ebensogut NICHT SEIN könnte, nachzudenken, also schlicht über das Wo komme ich her und wo gehe ich hin, und dann damit erst wieder anfange, wenn ich im Warmen bin und im Whirlpool sitze, was meinst du, wenn das wirklich so wäre, wo würden wir entwicklungsmäßuig dann eher stehen? Bei den Morlocks oder bei den Eloi?
LG
Elsa
Linny - 15. Dez, 20:06

Trotzdem Ja zum Leben sagen?

Liebe Elsa,
es gibt da ein Buch des Psychologen Viktor Frankl, wie er als Insasse das Konzentrationslager erlebt. Am Anfang hat er noch der Liebe seiner Frau gedacht, am Ende machte es ihm nichts mehr aus, seine Suppe zu löffeln, derweil ihm im Nebenbett die Leiche eines Freundes anstarrte. Tagelang hätten sie im Konzentrationslager nur über Essen geredet. An nichts anderes konnten sie denken, als an Essen.
Eine Freundin von mir will seit dem Krebstod ihres Vaters nichts mehr von Gott wissen. Und ich mag ihr gegenüber auch nicht mehr von Gott sprechen, weil, ich habe meinen Vater ja noch.
Herzlichst
Linny
ElsaLaska - 15. Dez, 20:24

Liebe Linny,

ich kenne Viktor Frankl zwar, aber ich weiß einfach nicht, was du mir sagen willst.
Ich habe an Gott geglaubt, als mein Vater noch lebte, ich glaubte an Gott, als mein Vater starb und jetzt habe ich einen toten Vater und glaube immer noch an Gott.
Gott selbst ist für Christen ja Mensch geworden und musste sterben - insofern verstehe ich immer den Zusammenhang nicht, wenn Menschen nichts von Gott wissen wollen, nur weil jemand hat sterben müssen ("nur" deshalb, weil wir alle sterben müssen, ohne Ausnahme). (D.h. ich verstehe deine Freundin selbstverständlich aus der Perspektive ihres Leides und ihrer Trauer schon, aber ich verstehe den intellektuellen Zusammenhang irgendwie nicht: Die Realität von Krankheit, Leid, Sterben und Tod negiert ja nicht die Schönheit von Liebe und Geburt, von Schöpfung und dem Wunder des Kosmos und sie negiert auch nicht Gott.
Natürlich sitze ich aber tatsächlich nicht immerfort da und finde alles einfach nur wundervoll - so ist es ja auch nicht.
LG
Elsa
Linny - 16. Dez, 17:57

Wortreiches Schweigen.

Liebe Elsa,

der Tod Deines Vaters berührt Dich wohl viel mehr als ein Regenbogen, trotzdem schreibst Du über den Regenbogen. So etwa lässt sich mein Unbehagen vielleicht in Worte fassen. Wenn wir an das "Wunder" der Demenz denken, dass Erwachsene wieder zu Kleinkindern werden, was gehen uns dann Blitz und Donner an? Dennoch werde ich im Archiv Deines überreichen Blogs wohl kaum ein Wort darüber finden, wie Du Dir Dein Altern im Sinne Gottes vorstellst. Die Einsamkeit, dass Menschen auf der Straße durch Dich hindurch schauen...
Mag sein, meine Freundin hat nichts gegen Gott. Es sind vielleicht die "Sonntagspredigten", die ihr den Kirchgang verleiden.
Der Erfolg des Christentums überall auf der Welt liegt meiner Meinung nach in der Auferstehung von den Toten, in der Verheißung, Mama und Papa wiedersehen zu dürfen. Was ist das dröge Nichts des Zen gegen den Traum, durch einen Tunnel zu schweben, an dessem Ende schon all die Lieben stehen und uns zuwinken? Driving Home for Christmas.
Könnten wir Menschen aber wirklich an solche Verheißungen glauben, würde auf den Friedhöfen weniger schwarz getragen werden, glaube ich. Stattdessen legen viele Christen ihre Trauerkleidung nie mehr ab.
Was ich mit alledem ausdrücken will: Regenbogen sind schön und gut, aber sind unsere Tränen nicht viel mehr der Diskussion wert?

Herzlichst
Linny
ElsaLaska - 16. Dez, 18:13

Liebe Linny,
es könnte andere Gründe haben, dass ich nicht über meine Trauer hier schreibe, meinst du nicht?

Und was unsere Tränen angeht ... ich habe keine Lust darüber zu schreiben. Wieso ist das eigentlich so schwer auszuhalten, wenn andere über die Schönheit der Welt schreiben?
Linny - 17. Dez, 11:37

Das Leben ist schön.

Liebe Elsa,

hier über unsere Verlusterfahrungen zu schreiben, das wäre ja, als würden wir auf offener Straße in Tränen ausbrechen und die Leute behelligen! Man würde einen Bogen um uns machen, glaube ich. Ich habe mal gelesen, dass das Umfeld einer Frau ungefähr ein halbes Jahr Zeit gibt über eine Vergewaltigung hinweg zu kommen, bevor es dann auch mal wieder gut zu sein hat. Ansonsten gerät die Frau in den Verdacht, sich "hineinzusteigern". Bei Verlusterfahrungen dürften ähnliche Fristen gelten.
Es gab hier von der Hospitzbewegung eine Plakataktion, wo in Grabsteine Sätze des alltäglichen Smalltalks gemeißelt waren: "Auf Mallorca ist es jetzt sicher sehr schön." Warum nicht auch mal über den Tod sprechen? mit diesem Slogan wurden ehrenamtliche Sterbebegleiter gesucht. Der Erfolg dürfte sich in Grenzen gehalten haben. Wo wir doch oft genug bereits bei den Professionellen statt auf Seelsorger auf Kirchenbeamte treffen. Jene Szene aus dem "Geisterhaus", wo Glenn Close im Beichtstuhl daran verzweifelt, sich für ihre pflegebedürftige Mutter aufzuopfern. Der Geistliche daraufhin nur gelangweilt: "Der Herr wird es dir im Himmel zurechnen, mein Kind."
Dass das Schöne schwer auszuhalten ist, das ist einfach nicht wahr! Neulich bekam ich einen tollen neuen Fernseher. Und just als der Techniker mir die Funktionen erläuterte, waren Kinder mit Hungerbäuchen zu sehen... Man konnte die Erleichterung greifen, als wir nach einer Schamfrist den Kanal wechselten.
Bitte, liebe Elsa, bleibe der positive Mensch, der Du bist.

Herzlichst
Linny
ElsaLaska - 17. Dez, 22:25

Liebe Linny,

>>hier über unsere Verlusterfahrungen zu schreiben, das wäre ja, als würden wir auf offener Straße in Tränen ausbrechen und die Leute behelligen! Man würde einen Bogen um uns machen, glaube ich.>>
Oh nein. Das glaube ich nicht. Ich glaube, entweder käme ein sehr gut gekleideter, distinguierter Mensch auf uns zu und nähme uns mit in ein Café, oder es käme eine Mittelschicht-Hausfrau auf uns zu und nähme uns in den Arm oder ein Obdachloser käme, und böte uns einen Schluck Branntwein an. Alles, was wir HIER erwarten können, sind einesteils mitfühlende Kommentare (natürlich wohltuend) und andererseits dämliche, besserwisserische Hasseinträge (verzichtbar).
Deshalb vertraue ich mein tatsächliches Innenleben auch lieber echten Menschen an als dem Blog.
Dafür bitte ich um Nachsicht. Aber die Leute kommen auch ohne dass man seine Seele total bloßlegt schon auf miese Drecksideen - jedenfalls im Internet.
LG
Elsa

susi (Gast) - 19. Dez, 21:03

"Die Ratlosigkeit ist spürbar, und man behilft sich mit allen möglichen gedanklichen Konstrukten (oder man gibt freimütig zu, dass man sich nun in Bereichen bewege, die zu den wissenschaftlichen Grenzgebieten gehören und womöglich eher sich mit den Erkenntnissen der Mystiker decken als mit denen der althergebrachten Naturwissenschaften)."

Die Ratlosigkeit von Laien gegenüber jeder tiefergehenden wissenschaftlichen Erkenntnis ist normal. Es ist normal, dass neue Erkenntnis das bisher sicher geglaubte in Frage stellten. Wissenschaft und insbesondere Naturwissenschaft definiert sich durch die Methode. Ein guter Wissenschaftler weiss, wo der Unterschied zur subjektiven Erfahrung eines Phänomens beginnt. Naturwissenschaftlich arbeiten heisst objektivierbar, reproduzierbar zu arbeiten und zu publizieren und seine Ergebnisse der öffentlichen (Fach-) Diskussion und Überprüfbarkeit preiszugeben. Diese Methode hat (wir wissen es seit Heisenberg) Grenzen. Mit naturwissenschaftlichen Methoden Erkenntnisse zu gewinnen ist harte Arbeit gepaart mit Talent, Glück, günstigen Umständen und - wenn materieller Erfolg eintreten soll (auch ein Physiker muss was essen) - geschickter Promotion. Wissenschaftler bewegen sich immer im Grenzgebiet - da wo Wissen aufhört fangen die Wissenschaftler an Wissen zu schaffen (hard work!).

Der Hauptunterschied zu den Mystikern ist: mystische Erfahrung ist von ihrem Anspruch her nicht objektivierbar, für andere nicht reproduzierbar, sie ist subjektiv.

Wenn ein Chemiker die Funktionsweise der Untereinheiten der Aquaporin-Proteine (Wassereinstromkanäle in den Wurzeln der Maipflanze) versucht zu klären in Bezug auf eine konkrete Fragestellung und wenn ein Mystiker eine Maipflanze incl. Wurzeln bestaunt ist das einzig gemeinsame die Maispflanze. Evtl. ist der Chemiker manchmal auch ein Mystiker.

ElsaLaska - 22. Dez, 01:22

"Wenn ein Chemiker die Funktionsweise der Untereinheiten der Aquaporin-Proteine (Wassereinstromkanäle in den Wurzeln der Maipflanze) versucht zu klären in Bezug auf eine konkrete Fragestellung und wenn ein Mystiker eine Maipflanze incl. Wurzeln bestaunt ist das einzig gemeinsame die Maispflanze. Evtl. ist der Chemiker manchmal auch ein Mystiker."
Das klingt nach einer wundervollen Synthese. (?)

Klasse Text!

Liebe Susi,

das ist ein wirklich genialer Text, der mir aus dem Herzen und aus der alltäglichen Erfahrung spricht! Wäre es okay, wen ich den mit Link hierher auch auf meinem Blog einstellte? Das wäre wirklich großartig!
susi (Gast) - 24. Dez, 16:17

"Die Ratlosigkeit ist spürbar, und man behilft sich mit allen möglichen gedanklichen Konstrukten (oder man gibt freimütig zu, dass man sich nun in Bereichen bewege, die zu den wissenschaftlichen Grenzgebieten gehören und womöglich eher sich mit den Erkenntnissen der Mystiker decken als mit denen der althergebrachten Naturwissenschaften)."

Die Ratlosigkeit von Laien gegenüber jeder tiefergehenden wissenschaftlichen Erkenntnis ist normal. Es ist normal, dass neue Erkenntnis das bisher sicher geglaubte in Frage stellten. Wissenschaft und insbesondere Naturwissenschaft definiert sich durch die Methode. Ein guter Wissenschaftler weiss, wo der Unterschied zur subjektiven Erfahrung eines Phänomens beginnt. Naturwissenschaftlich arbeiten heisst objektivierbar, reproduzierbar zu arbeiten und zu publizieren und seine Ergebnisse der öffentlichen (Fach-) Diskussion und Überprüfbarkeit preiszugeben. Diese Methode hat (wir wissen es seit Heisenberg) Grenzen. Mit naturwissenschaftlichen Methoden Erkenntnisse zu gewinnen ist harte Arbeit gepaart mit Talent, Glück, günstigen Umständen und - wenn materieller Erfolg eintreten soll (auch ein Physiker muss was essen) - geschickter Promotion. Wissenschaftler bewegen sich immer im Grenzgebiet - da wo Wissen aufhört fangen die Wissenschaftler an Wissen zu schaffen (hard work!).

Der Hauptunterschied zu den Mystikern ist: mystische Erfahrung ist von ihrem Anspruch her nicht objektivierbar, für andere nicht reproduzierbar, sie ist subjektiv.

Wenn ein Chemiker die Funktionsweise der Untereinheiten der Aquaporin-Proteine (Wassereinstromkanäle in den Wurzeln der Maipflanze) versucht zu klären in Bezug auf eine konkrete Fragestellung und wenn ein Mystiker eine Maipflanze incl. Wurzeln bestaunt ist das einzig gemeinsame die Maispflanze.
susi (Gast) - 24. Dez, 16:27

@BLUME:
ja, gerne aber bitte die zweite version (ohne den satz: "Evtl. ist der Chemiker manchmal auch ein Mystiker."

@ELSALASKA:
nein, keine synthese. bitte den satz löschen, wenn er diesen eindruck erweckt, das soll er nicht!

nochmal: "Naturwissenschaftlich arbeiten heisst objektivierbar, reproduzierbar zu arbeiten und zu publizieren und seine Ergebnisse der öffentlichen (Fach-) Diskussion und Überprüfbarkeit preiszugeben."

man fördert das gegenseitige missverstehen enorm, wenn man diesen gewaltigen unterschied nicht begreift.

@ Susi

Vielen Dank, die zweite Version erscheint ab dem 4. Januar hier:
http://religionswissenschaft.twoday.net/stories/5410514/main

Selten eine so gute und präzise Unterscheidung gelesen, denn der Problemanzeige kann ich aus manchmal bitterer Erfahrung nur zustimmen! :-)
susi (Gast) - 27. Dez, 20:01

@Blume

danke für die blumen. es ist das desillat aus unzähligen diskusionen einer gläubigen naturwissenschaftlerin mit ihren theologen-freunden. ich finde die art wie sie das thema angehen, zumindest wie ich ihrem blog entnehmen kann, sehr sinnvoll und fruchtbar, weiter so.
Noah (Gast) - 28. Dez, 16:33

Susi

Zitat:
"Der Hauptunterschied zu den Mystikern ist: mystische Erfahrung ist von ihrem Anspruch her nicht objektivierbar, für andere nicht reproduzierbar, sie ist subjektiv."

Ken Wilber bspw. bestreitet das, und betrachtet auch Mystik und die "kontemplative Wissenschaft" als eine empirische (irgendwie tut dies auch Matthieu Ricard, wenn er sich wohl auch nicht Mystiker nennt).

Jeder kann - mit Kenntnis, Übung und Zeitaufwand - den Weg der Mystik gehen. Desgleichen bedarf der Weg der Wissenschaft Kenntnis, Übung und Zeitaufwand. Die meisten Menschen glauben lediglich der Wissenschaft, und nennen es Wissen; wer schon baut sich einen Teilchenbeschleuniger in den Garten und studiert 5 Jahre Quantenphysik, um einen wissenschaftlichen Zeitungsartikel zu verifizieren?

Wie ich selbst dazu stehe, lasse ich hier mal offen. Und natürlich verstehe ich, was Sie meinen. Dennoch möchte ich die Frage in den Raum stellen, ob die Trennungen wirklich so scharf vollzogen werden können...

ElsaLaska - 28. Dez, 17:19

Hallo Noah,
ähnlich geht es mir, und auch ohne dabei Susi in der Sache widersprechen zu können oder zu wollen, dennoch meine auch ich, dass sich Mystik und Naturwissenschaft in Annäherung befinden. Wenn man schaut, woraus Materie wirklich besteht: letztlich wäre die Maispflanze lediglich eine Form von Energie, sagen sowohl Esoterik als auch moderne Physik, - was ja schon unvorstellbar krass ist - , wie wollte man da noch Grenzen ziehen und wie lange können wir das noch? (Wie gesagt, ohne Susis Aussage inhaltlich angreifen zu wollen, sie steht und sie steht gut).

@ Noah & Elsa

Einerseits stimmt es natürlich, dass ein naiver Realismus auch innerhalb der Naturwissenschaften auf dem Rückzug ist, z.B. werden Grenzen der menschlichen Erkenntnis heute viel weitgehender reflektiert. Aber ich denke, gerade damit ein fruchtbarer Dialog zwischen Naturwissenschaft und Theologie bzw. Philosophie gelingen kann, ist eine immer wieder sorgsame Unterscheidung, wie sie Susi vorgenommen hat, so wichtig. Wenn man an die Feinthemen ranwill, braucht man m.E. besonders scharfen Zoom, sozusagen! ;-)

Deswegen sind wir (also mindestens Elsa und ich) ja auch beide vom Lüke-Artikel so angetan. Ich finde, er leistet genau das - eine bis in die Begrifflichkeit hineingehende Abgrenzung zwischen biologischen und theologischen Aussagen, über die dann weitergearbeitet werden kann. Mancher wird das als sophistisch empfinden, aber ich denke, auf so sorgsame Reflektionen kommt es (auch) an.
Noah (Gast) - 31. Dez, 11:52

Lieber Michael, liebe Elsa,

nun hatte ich eine lange, ausführliche Antwort verfasst, aber beim Absenden hat es sie zerschossen...

Also beschränke ich mich nun darauf, euch allen einen guten Rutsch und ein glückliches neues Jahr zu wünschen!

ElsaLaska - 3. Jan, 18:36

Zu Michael nochmal.

Wie gesagt, das ist alles richtig und wir verdanken gerade jetzt wieder dem Lüke - Artikel eine präzise Abgrenzung und somit Klarstellung, was welche Wissenschaft leisten kann und was nicht, in unser aller Interesse. Gut, richtig und wichtig.
Wenn ich aber das Gesamtbild betrachte, so scheinen mir solche Artikel einfach aufgrund einer illegitimen Zuspitzung notwendig geworden, von einer Naturwissenschaft, die sich zur Weltanschauung erheben möchte und von einer (Nicht)-Theologie, die die Naturwissenschaft negieren möchte. Diese Zuspitzung war von vornherein weder in philosophischer Hinsicht noch aus naturwissenschaftlicher Warte legitim, und wir müssen nun re-agieren, in einem negativen Sinn, um den Diskurs wieder auf eine Basis stellen zu können (die wohl aber sowieso nur bei Menschen guten Willens greift). In einem solchen Debatten-Klima sind leider keine Bücher mehr möglich wie etwa die von Fritjof Capra in den Siebziger-Achtziger Jahren des letzten Jahrhunderts. Nicht, dass ich Capra für das Nonplusultra halte, ich setze ihn nur als Beispiel für etwas, aber der aktuelle Diskurs ist nicht mehr konstruktiv, er ist passiv-agressiv in dem Sinne, dass man sich gegen alle möglichen Vereinnahmungen wehren muss, gegen unaufgeklärte Vulgäraufklärung, gegen Ideologie jedwelcher Sorte, sich nach dieser und gegen jene Seite versichern - ich weiß nicht, ob du verstehst, was ich damit meine - und es hat den Anschein, als ginge das auf Kosten mutiger, innovativer und visionärer neuer Ansätze.
Ich meine das auch nicht so pessimistisch, wie es jetzt klingt und keinesfalls als Totalkritik, aber es ist einfach ein merkwürdiges Gefühl, das ich manchmal mit der ganzen Sache habe.
LG
Elsa

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