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Elsas Nacht(b)revier

Francois Gérard: St. Teresa [d' Avila]



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Aktuelle Veröffentlichung im November-Heft Vatican-Magazin, S. 35, über die Beinhäuser von Alken und Hallstatt: Über allem aber triumphiert der Überwinder von Sünde und Tod.

Aktuelle Veröffentlichung in:
Wenn Er anklopft. 12 Bekehrungs-geschichten, herausgegeben von B. Kerz, MM-Verlag

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Alles könnte so einfach sein.

Das Interesse für einen marktfähigen katholischen "Sakralthriller" ist da - ein vergleichsweise gehaltvoller Plot und dessen Idee, die sich aus dem Online-Blognovela-DanBrownkarikierenden Nonsense-Farnese-Komplott entwickelt hat, schon länger.
Um die Story ein bisschen abwechslungsreicher zu gestalten, gibt es historische Einschübe, die sind auch neu. Die Personen für die historischen Szenen sind da, ich weiß, was passieren soll und was ich zu schreiben habe. Ich schreibe also los. Und brauche irgendeinen Namen für ein Kloster in Konstantinopel. Google hilft nicht wirklich weiter und während ich ewig rumgoogle, hätte ich in einem Bruchteil der Zeit mir einfach einen Namen erfinden können. Gut, also beschließe ich, dass es im Konstantinopel des 8. Jahrhunderts ein Hl. Erzengel-Michael-Kloster geben wird. Klingt auch schön orthodox. Ich könnte jetzt weiterschreiben. Da fällt mir ein, dass sich der Erzengel-Michael Kult vielleicht erst später verbreitet haben könnte? Die erste Quelle, die ich bei Google dazu finde, sagt mir zwar, dass die Zeit passt, aber der Hl. Michael eher von Briten und Iren oder Sachsen verehrt worden ist, also der Kult quasi von Norden runterkam.
Grunz. Nehm ich halt das Dreifaltigkeitskloster. Gab es eigentlich die Auffassung von der Trinität zu der Zeit schon? Ich google lieber nicht nach dem zuständigen Konzil, sondern lege mich auf "Erlöserkloster" fest, das muss jetzt einfach passen. Patriarch Germanos I. langweilt sich auf seiner Dachterrasse. Ein Rabe kommt angeflogen und setzt sich auf die Brüstung. Die Idee gefällt mir, es ist eine schöne kleine Szene, die zeigen soll, wie liebenswürdig dieser bald Siebzigjährige eigentlich ist. NUR - gab es in Konstantinopel denn Raben?
Egal, spricht mir Leibowitz auf Twitter Ermutigung zu, solange der Patriarch kein Handy benutzt, merkt doch eh keiner was.
Ein Handy benutzt er keines, aber das Vogelfutter, das er dem Raben hinstreut, ist nach meiner Eingebung Hirse. Hirse haben schon die Kelten angepflanzt. Doch eingedenk der Tatsache, dass ich neulich einen Mittelalter-Roman in der Hand hatte, in dem man Mais aß, bin ich sehr vorsichtig. Hirse müsste aber auf jeden Fall gehen von der Zeit her. Nur, fällt mir dann ein, vielleicht ist Hirse ja in Griechenland und Kleinasien völlig unbekannt? Vielleicht gedeiht es da gar nicht?
Mittlerweile habe ich keine Lust mehr, auch noch nach der Verbreitung von Hirse zu googeln, ich will eigentlich nur meine kleine Szene erzählen. Und dauernd kommt mir irgendein Sachverhalt in die Quere, den ich erst noch verifizieren muss, es ist zum Kinder-aus-Putzwolle-kriegen ... (Authentisches umgangssprachliches Bild, neulich von der Nachbarin beim Kartenspielen aufgeschnappt, als sie am Verlieren war).
Deshalb wollte ich mal nachfragen, ob vielleicht rein zufällig ein Student der Byzantinistik hier mitliest? Nein?
Andreas (Gast) - 22. Okt, 21:56

Ja, Elsa, da merkt man halt, daß ...

... Schreiben ein Knochenjob ist. Was erwartest Du denn? Wenn schon Brigitte-Redaktionsdohlen zwei Wochen Zeit aufwenden, um fundiert über den Hackfleisch-Feminismus der römischen Männerkirche schreiben zu können, obwohl das Heft nach einer Woche in die Tonne fliegt, dann wirst Du für Deinen reaktionären Kirchenroman halt noch etwas mehr Zeit aufwenden müssen.

Rezensenten sind übrigens sehr dankbar, wenn man ein paar Klöpse einbaut. Mach aus dem Erlöser-Kloster doch lieber das El-Corazón-Kloster (alle tangoundflamencotanzenden Brigitteleserinnen werden begeistert sein). Den Patriarchen könntest du Banderas I. nennen, aus dem Raben wird ein Koi, und der schwimmt in des Patriarchen japanischen Gartenteich, der ein Geschenk des Kaisers von China ist. Gefüttert wird der Koi multikultikorrekt mit Couscous, womit sogar ein Rückbezug auf die Hirse statthaft wäre.

Der Patriarch hat natürlich eine Geliebte, die heißt dann Aysche und sieht aus wie aus Tausendundeinernacht: Der fleischgewordene Smoothie, saftig wie die Dattel der Palme und schön wie das Kraut der Rüben.

Elsa, habe Mut zur Poesie!!!

ElsaLaska - 22. Okt, 22:00

Couscous

besteht aus grobem Weizengrieß (ohne danach gegoogelt zu haben).
*schaut dich schlecht gelaunt an*
Andreas (Gast) - 22. Okt, 22:10

Ach Elsa, hättest Du doch ...

... nur gegoggelt! Couscous wird laut Wiki "aus befeuchtetem und zu Kügelchen zerriebenem Grieß von Weizen (Hartweizengrieß), Gerste oder Hirse hergestellt".

Und selbst wenn's falsch gewesen wäre, so hätte es jedem Besserwissirezensenten zur Freude gereicht.

*brigittelesemäßig softfrustriert ob Elsas Unbill*

ElsaLaska - 22. Okt, 22:12

Ich hab NOCH NIE

Couscous aus Hirsegrieß gegessen. Never! Wiki fabuliert.

Was sagt Wiki zur Verbreitung von Hirse im kleinasiatischen Raum um 700 n. Chr.?
ElsaLaska - 22. Okt, 22:28

Und außerdem bin ich nicht Dan Brown

dem ja sogar geglaubt werden würde, dass Maria Magdalena sich während ihrer Schwangerschaft ausschließlich von MAISPOULARDEN ernährte ...
Ich sehe schon die Rezension des führendsten Byzantinisten der Päpstlichen Akademie in der Tagespost vor mir: Der neue katholische SAKRALTHRILLER von Elsa Laska ist der hanebüchenste Unsinn aller Zeiten! HIRSE und RABEN in Konstantinopel um 700, warum nicht gleich eine Geliebte für den Patriarchen, die Ayshe heißt!

*wirft die Arme gen Himmel*

Andreas (Gast) - 22. Okt, 22:48

Das, Elsa, sollte man nicht so ...

... eng sehen. Die Sache verhält sich doch so: Da gibt's lt. Wiki irgendein vorsintflutliches Fladenbrot aus Hirse. Fladenbrot. Was sagt uns das?

"Ist denn Fladenbrot, Geliebte im Herrn, nicht Speise den Türken? Und sind die Türken nicht Einwohner Istambuls? Und ist Istambul nicht die Stadt, deren Vorstadt einst Konstantinopel war? Und ist es nicht in Wahrheit darob würdig und recht, daß der Patriarch seinen Koi mit Hirse füttert? Darum schreibt Elsa: Der Patriarch füttert seinen Koi mit Hirse".

(aus der 17. apokryphen Predigt des Patriarchen Banderas I. zum Erntedankfest: BKV Bd. 4xyz Suppl.)
ElsaLaska - 22. Okt, 23:01

"Wer aber festhält an der Auffassung, dass Hirse ein Nahrungsmittel in der altehrwürdigen und alleine in der Nachfolge Christi stehenden Kirche von Ostrom sei - und wenn er nur davon spräche, es sei Nahrung der oströmischen FISCHE, oder Lurche, oder Olme, oder von allem dass da kreucht und fleucht auf dem Boden, den der HErr alleine gesegnet hat, der sei als Ketzer Gott dahingegeben. Anathema sit!"

(Anonymer Byzantinist XXI. Jh., Wider die Hirse-Häresie in der zeitgenössischen Belletristik, auch: Contra Hirsetici feminae convertitae (sic).)
Maria Magdalena (Gast) - 22. Okt, 23:18

Maispuoularden - pfffffff

Hiermit sey bezeuget, dass ich in den Zeithen, da ich guther Hoffnung gewest, einen arghen Widerwillen gegen jeglich Speis entwickelt, worin Geflügel oder Wildpret ethalten sey.
ElsaLaska - 22. Okt, 23:21

Du klingst lutherisch,

verdächtig lutherisch, liebe Maria Magdalena ... :-)
Maria Magdalena (Gast) - 23. Okt, 03:26

Daneben!

Das war bei Mozart abgekupfert, und der war gewiss kein Lutheraner:

Solche hergelaufne Laffen
Die nur nach den Weibern gaffen,
Mag ich vor den Teufel nicht.
Denn ihr ganzes Thun und Lassen
Ist, uns auf den Dienst zu passen,
Doch mich trügt kein solch Gesicht.
Eure Tücken, eure Ränke,
Eure Finten, eure Schwänke,
Sind mir ganz bekannt.
Mich zu hintergehen,
Müßt ihr früh aufstehen,
Ich hab' auch Verstand.
Drum, beym Barte des Propheten!
Ich studiere Tag und Nacht,
Ruh nicht, bis ich dich sch' tödten,
Nimm dich, wie du willst, in acht.
Miss_Eugenie (Gast) - 22. Okt, 23:29

ha, endlich

kann ich mal meine Expertise als Islamwissenschaftlerin einbringen: nein, Hirse wurde in Kleinasien nicht gegessen...

ElsaLaska - 22. Okt, 23:33

Öh?

Echt nicht? Um 700 n. Chr. auch nicht? Auch nicht als Vogelfutter?
:-)
Miss_Eugenie (Gast) - 23. Okt, 00:04

Ich

bin ziemlich sicher, werde dem aber morgen nochmals nachgehen!
ElsaLaska - 23. Okt, 00:11

Das wär super! Vielen herzlichen Dank!
Miss_Eugenie (Gast) - 23. Okt, 00:19

kein Problem. Eine schöne Ablenkung von meiner eigentlichen Arbeit. ;-)
Miss_Eugenie (Gast) - 23. Okt, 11:07

zu voreilig

war ich gestern wohl - die Kollegenschaft ist gespalten, was die Hirse angeht... Tendenz eher: gab's. Ich forsche mal weiter.
Miss_Eugenie (Gast) - 23. Okt, 11:36

und zum dritten

Unsere Osmanisten sind der Meinung, Hirse hätte aus importiert werden müssen (also eher zu teuer für Vogelfutter); angebaut wurden in Kleinasien Weizensorten. Ich hoffe, die Hirse- bzw. Weizenszene kommt gaaanz groß raus im Roman ;-)
fbtde - 23. Okt, 05:52

Allein das kurze, knackige "Grunz" machte das Vorbeischauen in aller Frühe zu einer hübschen Angelegenheit.

Miserere mei - 23. Okt, 11:27

Es könnte so einfach sein

Da sich die Kirche nicht klar zur ihrer Tradition bekennt, entstehen eben Irritationen, die nicht einfach zu beseitigen sind. "Gaudium et spes" ist eben heute nur noch "Gaudium".

str (Gast) - 24. Okt, 11:31

Off topic, anyone?
mcp (Gast) - 23. Okt, 11:35

Ich hätte jetzt fast geschrieben: Lass Dich von deiner Muse knutschen. Das hilft bei mir immer. Danach habe ich meine besten Einfälle, während andere noch ihre Zigarette rauchen.

Gottseidank fiel mir noch rechtzeitig ein, dass dieser Vorschlag in deinem Falle irgendwie unanständig wäre.

Gibt es eigentlich ein männliches Seitenstück zur weiblichen Muse, oder haben die Männer diese liebliche Figur wieder einmal exklusiv okkupiert?

Aber zugegeben: Der "Museist" klingt nicht wirklich hilfreich. Oder?

Anobella - 23. Okt, 16:16

also den historischen fakten werde ich NICHT hinterherforschen.

*grunzt

fingerfoot (Gast) - 24. Okt, 00:10

Warum nimmste nicht einfach Döner, Elsa.
Das Fleisch ist in jedem Falle prähistorisch.Und Tiere würde ich sowieso nicht erwähnen, da kriegst Du garantiert mit irgend einem Tierschutzverein Ärger.
Mein Vorschlag: "Er biss voller Gottvertrauen in einen Döner."

Anobella - 24. Okt, 11:07

*belegt ihre F10-Taste mit dem Kommentartext "Ist das sauber recherchiert?"

FingO (Gast) - 24. Okt, 13:20

Ich finde jedenfalls Dein Unterfangen toll und werde für Dich beten (und am Ende des Schaffens einen kleinen Obulus für Dein Werk ausgeben :) ) . Nicht nur, weil es mehr Cathsploitation-Literatur geben muß, sondern eben auch Deine Liebe zum Realismus. Das spricht nämlich auch für Liebe zum Detail. Vielleicht kannst gibt es in der Blogozese den einen oder anderen Historiker, der das ganze proofreaden kann?

Aber opfer die Geschichte nicht dem historischen Realismus. Ein Freund von mir, auch Physiker und auch katholik, wollte Hard-SF schreiben und dabei sehr realistisch bleiben. Irgendwann mußte er sehen, daß er dazuerfinden mußte, sonst schreibt er über die Jetzt-Zeit. Und das wollte er dann doch auch nicht machen.
Ich finde es wichtig, daß die vom Autoren geschaffene Sekundärschöpfung in sich konsistent ist. Dann ist es nämlich auf jeden Fall realistisch! Also: mach Dich sozusagen deshalb nicht verrückt.

Berichte jedenfalls öfter mal vom vorankommen!

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