Elsas Nacht(b)revier



Francois Gérard: St. Térèse d'Avila

"Amongst our weaponry are such diverse elements as fear, surprise, ruthless efficiency, an almost fanatical devotion to the Pope, and nice red uniforms!" [Monty Python.]



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"Das Netz der virtuellen Ewigkeit.Tod und Gedenken im Internet." In: Die Tagespost vom 29. November 2012.

"Der Friede auf Erden fängt zwischen Männern und Frauen an. Marias "Fiat" und Josefs "Serviam". Engel führten sie zum außergewöhnlichsten Ehebund der Weltgeschichte. In: Vatican-Magazin Dezember 2012.

"Der Marathon-Mann" - mein Porträt von S. E. Bischof Tebartz-van Elst. In: Vatican-Magazin Dezember 2012.

"Versperrter Himmel, öffne dich!" Über die Wallfahrt der totgeborenen Kinder zu Unserer lieben Frau von Avioth. In Vatican-Magazin November 2012.

"Ein französischer Vorläufer des heiligen Franziskus - zum 800. Todestag des Hl. Felix von Valois." In: Die Tagespost vom 3. November 2012

"Die Macht der Mystikerinnen" anlässlich der Heiligsprechung von Anna Schäffer. In: Die Tagespost vom 20. Oktober 2012

"Was für eine Frau!" Zur Vereinnahmung der hl. Hildegard von Esoterikerin und Feministinnen. In: Die Tagespost vom 9. Oktober 2012

Über den Kapuzinerpater Martin von Cochem zu seinem 300. Todestag. In: Die Tagespost vom 29. September 2012

"Die Kirche-ein Krimi?" in: Die Tagespost vom 30. August 2012.

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"Im Vorhof des Himmels" Die hl. Edith Stein und ihr Seelenführer, der Erzabt von Beuron. In: Vatican-Magazin August-September 2012

"Durch Gottes Gnade ein Kind der Kirche" - Edith Stein, Erzabt Raphael Walzer von Beuron und die Enzyklika Mit brennender Sorge. In: Die Tagespost vom 9. August 2012.

Der Cammino di San Francesco-Heiligtümer im Rieti-Tal. In: PUR-Magazin Juli.

Die Opfer der Bundeswehr. Mein Interview mit dem Afghanistan-Veteranen R. Sedlatzek-Müller. In: Die Tagespost, Ausgabe vom 14. Juni 2012

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"Wie eine lodernde Feuersäule Die heilige Veronika Giuliani" In: Vatican-Magazin Mai 2012

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"Ich fühle mich als Frau in der Kirche nicht diskriminiert" Ein Interview mit mir von Petra Lorleberg für kath.net

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Neue Kolumne über geistliche Paare: "Mann-Frau-Miteinander-Kirchesein" In: Vatican-Magazin Ausgabe Januar 2012

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"Ein Schatz, der fast zu groß für diesen Erdball ist". In: Liebesbriefe für die Kirche. Hrsg. Noe, Biermeyer-Knapp. Bestellbar hier.

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Norcia - der Geburtsort des heiligen Benedikt: "Als sich der Erdkreis verfinstert hatte" In: Vatican-Magazin August-September 2011

In englischer Übersetzung online hier: When the world had darkened<

Der Vatikan und die Blogger - Beginn einer wunderbaren Freundschaft.

Poetische Pilgerorte-Reisen ins mystische Mittelitalien. Erschienen im MM-Verlag.


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Das Farnese-Komplott

Sonntag, 25. Januar 2009

Das Farnese-Komplott [152]

Während ich noch darüber rätselte, wer die Tauben ausgesandt haben und ob es ich um eine simple Falle handeln könnte, geriet mir eine ansehnliche Rolle von beschriebenem Pergamentpapier in die Hände, von der ich nicht mehr wusste, aus welchem Regal, welchem Schrankfach oder welcher Vitrine ich sie gezogen hatte.
Ich strich sie glatt und überflog die erste Seite, die in einer zierlichen, aber gestochen klaren Handschrift auf volgare abgefasst war. Meine Aufmerksamkeit wurde durch die Tatsache erregt, dass es sich um eine Frau handelte, die sich freimütig als Verfasserin bekannte und Caterina de Santis nannte. Caterina hatte ihre Eltern bei der Belagerung von Konstantinopel 1453 verloren und fand sich in der Blüte ihrer Jahre als Mündel des Kirchenstaates wieder. Sie sei, so berichtete sie, umfassend in den alten und neuen Sprachen unterrichtet worden, im Stande, verschlüsselte Botschaften zu dechiffrieren und verfügte daneben über profunde Kenntnisse in den sieben freien Künsten, das hieß Grammatik, Rhetorik, Logik, Mathematik im weiteren Sinne, Musik und Astronomie. Mir fiel ihr trockener Stil auf. Der Tatsache, dass ihr Vormund Kardinal Galeazzo Orsini für eine umfassende, für eine Frau in der damaligen Zeit durchaus ungewöhnliche Ausbildung gesorgt hatte, maß sie nicht allzuviel Bedeutung bei. Jedoch sei es der Verdienst des Kardinals gewesen, dass er sie in das Bett des venezianischen Condottiere Bartolomeo Colleoni gelegt habe, eines ebenso leidenschaftlichen und glühenden Liebhabers wie brillanten Heerführers, der ihre Ausbildung vervollkommnet habe, in dem er sie im rechten Gebrauch von Rapier und Schwert und in den Techniken militärischer Strategie und Taktik unterwies. Zur Zeit, zu der ihr Bericht begann, also im Jahre 1477, schien sie jedoch unzufrieden mit ihrer Situation. Nach dem Tode Colleonis 1475 hatte sich Kardinal Orsini wohl auf die Schicklichkeit besonnen und beschlossen, sie mit einem seiner zahlreichen Neffen zwangszuverheiraten. Wollte ich den Worten Caterinas Glauben schenken, so handelte es sich um eine impotente Kanaille mit sadistischen Gelüsten, ein Produkt jahrhundertelanger Inzucht mit schiefem Maul und Allmachtsphantasien, die - hier wurde Caterina sehr deutlich - sich auf einen angeborenen körperlichen Missstand zurückführen ließen, was Größe und Ausstattung seines "Gemächts" betraf.
Kurz und gut, um das Jahr 1477 herum war Caterina eine hochintelligente, umfassend gebildete Frau, Papst Sixtus IV., einem della Rovere, - und das sagte Eingeweihten bereits alles - und dem Kirchenstaat zu absoluter Loyalität verpflichtet und dabei in höchstem Maße sowohl körperlich als auch intellektuell unbefriedigt - schlicht, Bessres gewohnt.
Insofern wird man verstehen, dass die Mission, mit der sie der Kirchenstaat dann betraute, eine willkommene Abwechslung für eine in jeder Hinsicht unterforderte Frau bedeutete.
Kardinal Orsini hätte diesen Umstand und alle Gefahren, die er mit sich brachte, vorhersehen können. So fand ich jedenfalls. Caterina hat nie ein Wort darüber verloren. Das war auch nicht nötig. Im Jahre 1477 sollte sich jedenfalls ihr Schicksal wenden, soviel hatte ich verstanden, und deshalb schmuggelte ich die Pergamentrolle auch unter meinem Habit aus der Bibliothek hinaus und in die Einsamkeit meiner Zelle, um die Zeit bis zu einer eventuellen Antwort auf meine Brieftaubenbotschaft zu überbrücken.

>Das Farnese-Komplott [151]


>>Das Farnese-Komplott [1]

Dienstag, 1. Juli 2008

Das Farnese-Komplott [151]

Ich klappte das Buch mit einem Knall zu, öffnete das bleiverglaste Fenster und warf es mit weitem Schwung hinunter in den Kräutergarten. Wo es ein paar Tauben aufschreckte und im Mistbeet liegenblieb.
Große Verführungskraft gepaart mit einem gehörigen Maß an Skrupellosigkeit und der Bereitschaft, für die Ziele der Familie, die oft genug im Laufe der Jahrhunderte mit dem römischen Klerus verknüpft waren, nicht nur das eigene Schicksal, sondern auch dasjenige anderer preiszugeben ...
Ich hob grimmig lächelnd den Blick und suchte den Horizont nach Landmarken ab. Berge, Hügel, irgendetwas, was mir einen Anhaltspunkt geben könnte. Im Westen hielt sich an heißen Tagen ein dunstiger Schleier, es konnte das Meer sein, genausogut aber auch ein großer See. Die Klostergebäude selbst vereinten alle Baustile in sich, die Kirche allerdings typisch romanisch. Sicherlich gab es eine Chronik in der Bibliothek, Aufzeichnungen aus der Geschichte, irgendetwas, was mir vielleicht einen Hinweis geben könnte über umliegende Ortschaften. Also wendete ich mich vom geöffneten Fenster ab und machte mich auf die Suche.
Es dauerte nicht mal eine Stunde, bis ich alle Folianten, alle Quartbände und alle Lose-Blatt-Sammlungen der nicht sehr umfangreichen Bibliothek gesichtet hatte. Ich saß schweißverklebt, staubbedeckt und mit Spinnweb, toten Insekten und Wollmäusen dekoriert erschöpft auf dem Cottoboden und dachte darüber nach, wie ich die Vitrine aufbrechen könnte, in der noch einige Schriften unter Verschluss lagen, als mich wildes Geflatter und Gegurre am Fenster aufblicken ließen - die Tauben. Aufdringlich trippelten sie hin und her, her und hin, ruckten mit den Köpfen und gingen mir auf die Nerven. Ich stand ächzend auf, packte den Schrubber, um sie zu vertreiben und hielt mitten in der Bewegung inne: Es waren Brieftauben. Pontifikale Brieftauben, um genau zu sein, denn sie trugen am Ring das päpstliche Siegel mit den Buchstaben CG darunter. Tauben aus Castel Gandolfo, dem päpstlichen Sommersitz? Dann könnte der dunstige Schleier am Horizont vom Albaner See stammen! Ich ließ den Schrubber langsam sinken und streckte geduldig lockend meine Hand aus, schaffte es, eine zu fassen und drehte sie behutsam auf den Rücken. Mit angehaltenem Atem löste ich die Kapsel an ihrem Fuß. Obwohl mir die Hände zitterten gelang es mir, sie zu öffnen. Die Botschaft, die sie enthielt, trieb mir das Blut hoch in den Kopf, meine Wangen prickelten, meine Knie gaben nach. Ich setzte mich auf den Fußboden und starrte darauf, bis mir der Blick verschwamm:

Pone me ut signaculum super cor tuum ut signaculum super brachium tuum quia fortis est ut mors dilectio dura sicut inferus aemulatio lampades eius lampades ignis atque flammarum aquae multae non poterunt extinguere caritatem nec flumina obruent illam si dederit homo omnem substantiam domus suae pro dilectione quasi nihil despicient eum.*

Die aufgeregten Tauben weckten mich aus meiner Erstarrung. Ich stand auf und begann fieberhaft Schreibzeug zu suchen, um zu antworten.

> Das Farnese-Komplott [152]

<Das Farnese-Komplott [150]

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Lege mich wie ein Siegel auf dein Herz, wie ein Siegel auf deinen Arm. Denn Liebe ist stark wie der Tod und Leidenschaft unwiderstehlich wie das Totenreich.Ihre Glut ist feurig und eine Flamme des HERRN, sodass auch viele Wasser die Liebe nicht auslöschen und Ströme sie nicht ertränken können. Wenn einer alles Gut in seinem Hause um die Liebe geben wollte, so könnte das alles nicht genügen. Hohelied 8, 6 f.

Mittwoch, 2. Mai 2007

Das Farnese-Komplott [150]

Die Tage vergingen. Eingebunden in den strikten Ablauf von Gebets- und Arbeitszeit im klösterlichen Rhythmus verlor ich ein Ziel nicht aus den Augen: Zu fliehen. Wenn es mir doch nur gelingen würde, eine Nachricht zu schicken, eine SMS, ein Fax, einen Brief - aber daran war nicht einmal zu denken. Das Kloster verfügte weder über Festnetztelefon noch Internet. Um einen Brief heraus zu schmuggeln, brauchte ich eine Verbündete - und die hatte ich nicht. Meine Arbeit bestand darin, in einem formlosen grauen Gewand, dessen Stoff mir juckende Ekzeme auf den Schulterblättern und Hüften verschaffte, die Böden zu wischen.
Über die geografische Lage des Klosters wusste ich immer noch nicht genau Bescheid, vermutete aber, dass es sich in einem Unterkreis des Infernos befinden musste, den Dante vergessen hatte, zu beschreiben. Je länger ich darüber nachdachte, desto plausibler schien mir diese Vorstellung. Erklärte sie doch schließlich auch, warum Bianca, die große strega, mächtigste Seherin, die die Familie Farnese je hervor brachte, nicht längst schon meinen Aufenthaltsort ausfindig gemacht hatte. Wenn nicht sogar Konsens im Hause Farnese bestand, mich hier auf ewig verrotten zu lassen. Wieso man mir überhaupt eine solche Wichtigkeit beimaß, versuchte ich vergeblich zu begreifen. Gut, wenn Micheles Plan aufgehen und Lorenzo erst zum Kardinal erhoben, danach der nächste Santissimo Padre auf dem Heiligen Stuhl werden sollte, müsste er zunächst Estefanio aus dem Weg räumen. Doch nicht mich! Für mich gab es in dieser Zeit keinen Zweifel: Vielleicht spielte Lorenzo tatsächlich mit dem Gedanken, seine Ämter und Würden niederzulegen, aber während dem Anschlag auf den verstorbenen Papst und die Krise danach hatte sich doch deutlich abgezeichnet, dass er immer nur im Interesse seiner Familie und der Kirche handeln würde.
Auf derlei Art drehten sich meine Gedanken während dieser Tage und Wochen im Kreis.
Es wurde auch nicht besser, als ich schließlich, ich war gerade in der Bibliothek beschäftigt und unbeobachtet, in den verstaubten Regalen einen historischen Adelsalmanach entdeckte. Verfasst von einem gewissen Luca della Torre im Jahre 1898.

Ich warf den Putzlappen in den Eimer, wischte mir die Hände an meiner Schürze ab und öffnete den Wälzer unter dem Buchstaben F.
Der Eintrag über die Farnese befand sich dort an erster Stelle.

... in der männlichen Linie (dokumentiert) zurückgehend auf das 11. Jahrhundert, Stammsitz Castrum Farneti, bei Orvieto. Die Farnese nehmen für sich in Anspruch, ihre Abstammung von der weiblichen Seite her bis auf das altrömische Patriziergeschlecht der Claudier zurückverfolgen zu können (Familienlegende, nicht verlässlich dokumentiert). Weiter soll eine wenig bekannte Sibylla - neben den zehn berühmten - , die eine Felsgrotte in den Abruzzen bewohnte, zu den weiblichen Ahninnen zählen. Das Geschlecht der Farnese hat, bemerkenswerterweise ohne über all zu vielen Landbesitz zu verfügen, nicht nur mächtige Inquisitoren, berühmte Kardinäle und einige Päpste gestellt, sondern auch zahlreiche Seherinnen, Hebammen und weise Frauen hervorgebracht. Man sagt den Farnese, sowohl den Männern wie Frauen, große Verführungskraft nach, gepaart mit einem gehörigen Maß an Skrupellosigkeit und der Bereitschaft, für die Ziele der Familie, die oft genug im Laufe der Jahrhunderte mit dem römischen Klerus verknüpft waren, nicht nur das eigene Schicksal, sondern auch dasjenige anderer preiszugeben ...

Ich klappte das Buch mit einem Knall zu, öffnete das bleiverglaste Fenster und warf es mit weitem Schwung hinunter in den Kräutergarten.

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< Das Farnese-Komplott [149]

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Freitag, 19. Januar 2007

Das Farnese-Komplott [149]

„Sie werden mich nie wieder so anstarren. Haben Sie mich verstanden? Sie halten den Blick gesenkt, wenn wir miteinander reden“, zischte er und wich dann aufatmend zurück. „Salvatore. Ein talentierter junger Mann würde ich sagen. Hat Biss. Wie einst sein Vater.“ Wieder dieses meckernde Lachen.
Ich schaute auf meine gefalteten Hände, was ihn zu besänftigen schien. „Estefanio, unser frischgebackener Heiliger Vater, hat in seiner Jugend nichts anbrennen lassen. Salvatore ist eine weitere Frucht seiner Lenden, Lorenzos Halbbruder, wenn Sie so wollen, nur dass niemand von seiner Existenz weiß – außer mir – und Ihnen! ... Sie sollen den Blick nicht erheben!“ Er machte eine drohende Handbewegung. „Sie haben doch nicht geglaubt, ich wüsste nicht, wer Lorenzos wirklicher Vater ist?“
Ich schüttelte probehalber den Kopf, um zu testen, ob meine Halswirbel ihn noch tragen würden.
Michele ging, augenscheinlich beruhigt von meiner Demut, hinüber zum Fenster, setzte sich halb auf das Fensterbrett aus Travertin und ließ das rechte Bein baumeln.
„Der angemessene Platz für eine Farnese-Frau ist im Kloster. Natürlich bringen wir keine Frauen um, schon gar nicht, wenn sie unseren Namen tragen, auch wenn Sie nur adoptiert sind. In unserer Familie regelt man die Dinge auf diskrete Art und Weise.“
„Ein Messerangriff im Petersdom auf Ihren- wie soll ich sagen - offiziellen Sohn ist nicht gerade das, was ich als diskret bezeichnen würde“, widersprach ich angeekelt, aufs Geratewohl drauflos ratend.
„Vielleicht haben Sie Recht. Aber das Ergebnis war ganz in unserem Sinne. Die Popularität unserer Familie stieg in unaufhaltsame Höhen, für die Erhebung Lorenzos zum Kardinal wird in vielen Gemeinden Italiens regelmäßig gebetet und, Sie erinnern sich vielleicht, wir stellen den neuen Papst.“
„Ich erinnere mich sehr gut!“, antwortete ich sarkastisch und bemühte mich, in Richtung Fenster zu kommen, um frische Luft zu schnappen und nicht ohnmächtig zu werden. „Der Mordanschlag in Lourdes auf den verstorbenen Heiligen Vater geht also auch auf Ihr Konto?“
Michele schlug beflissen ein Kreuz und murmelte ein Gebet für Estefanios Vorgänger im Amt. „Das sind Leute, derer wir uns nur bedienen müssen. Überaus hilfreich. Estefanio wird als Nächster fallen. Vielleicht haben Sie den Eindruck, er sei ein konservativer, harscher Mann?“
Den hatte ich durchaus nicht. Estefanio war ein zäher Lump, aber konservativ, nein, dieses Gütesiegel konnte ihm wohl niemand zugestehen, der ihn näher kannte. Ein Renaissancemensch – durchaus. Dabei aber skrupellos offen und ohne die heuchlerische Bigotterie, die Michele an den Tag legte. Ich schwieg also.
„Nachdem ich Papa Pietro aus dem Weg habe, wird Lorenzo seine Pflicht erfüllen. Daraus erklärt sich Ihr Aufenthalt hier. Mein Sohn, auch wenn nicht mein eigen Fleisch und Blut, wird ohne weitere Ablenkungen – durch SiE zum Beispiel, - einen willfährigen Papst abgeben. Danach mache ich den Weg frei für Salvatore, der mir gute Dienste geleistet hat. Und da Sie nun eine Farnese sind – machen Sie sich mit Salvatore vertraut. Alles was ihm noch fehlt ist die Legitimation durch unseren Namen, den Estefanio ihm durch seine unvergleichliche Ignoranz verweigert hat. Ich baue auf Sie, insbesondere weil unser guter Salvatore eine Belohnung verdient hat und- das wird es leichter für Sie machen - , er ist Lorenzo sehr ähnlich.“

Das war eine Lüge. Eine gottverdammte Lüge. Wenn irgendein Mensch auf dieser Welt Lorenzo nicht ähnlich war, dann war es diese Schimäre Salvatore mit seinen kalten Fischaugen und seinen ekelhaften schleimigen Fingern. Ich schlug die Hände vor mein Gesicht und begann zu weinen. Nicht wegen der Hoffnungslosigkeit meiner Situation, sondern weil ich all das nicht gleich erkannt hatte. Weil ich geglaubt hatte, Lorenzo sei dazu fähig, mir all dies anzutun. Weil ich nicht die Gewissheit gehabt hatte, er habe mit all dem nichts zu schaffen. Weil ich ihn, wie ich befand, auf diese Art und Weise verraten hatte. Weil ich, wie ich erst im Nachhinein bemerkte, nicht mehr bei klarem Verstand war.
Michele lehnte sich in das Fensterkreuz zurück und genoss meinen Anblick, rückhaltlos und ohne ein Zeichen von Scham oder schlechtem Gewissen.

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Das Farnese-Komplott [148]

Wieviele Tage vergingen, weiß ich nicht, denn die Läden in meiner Kammer blieben geschlossen und ich konnte sie nicht öffnen, weil die Fenster vergittert waren. Die Wunden an meinem Kopf vernarbten erstaunlich schnell – an der linken Schläfe blieb ein dicker Wulst zurück, weil sich niemand die Mühe machte, mich mit Salbe oder Jod zu versorgen. Das wäre nicht das Schlimmste gewesen, wenn man mir meine Haare gelassen hätte, um die Narben zu verdecken. Doch kaum, dass ich wieder aufrecht sitzen konnte, kam eine Nonne in grauem Habit und scherte mir den Kopf.
Das, und die ganze Atmosphäre, das Morgen- und Abendgeläut einer kleinen Kirchenglocke schienen mir ein Indiz dafür, dass ich mich irgendwo auf dem Land in einem Kloster befand. In welchem und wie weit es bis nach Rom war, wollte mir niemand sagen.

Ich bekam drei Mal am Tag eine Scheibe Brot und einen Krug Wasser, so dass ich mir ausrechnen konnte, vielleicht schon seit drei Tagen in Gefangenschaft zu sein, als mir meine griesgrämige Wärterin Besuch ankündigte. Sie steckte mich in einen ebenfalls grauen Habit aus furchtbar kratzendem Wollstoff und öffnete feierlich Fenster und Fensterläden. Draußen schien die Sonne und mir schossen die Tränen in die Augen, so geblendet war ich und so sehr gehungert hatte ich nach diesem Anblick, der mich wie ein Blitz traf, nach dem stumpfen Dahinvegetieren der letzten Tage im düsteren Schein der Kerzen. Besuch, das bedeutete, irgendjemand würde mit mir sprechen, mich wie ein Mensch behandeln. Wenn ich so etwas wie Hoffnung verspürte in diesem Augenblick, obwohl mir die Bedeutung dieses Wortes nicht mehr geläufig schien, dann hoffte ich, dass Lorenzo käme. Damit ich ihn davon überzeugen konnte, dass ich seinen Namen nicht einmal mehr dachte, wenn das wirklich sein Wunsch war.

Erst viel später wurde mir klar, wie nahe ich in diesem Moment daran gewesen bin, den Verstand zu verlieren. Dass ich ihn nicht verlor, verdanke ich einzig und allein die Tatsache, dass die Türe sich schließlich öffnete und ein Mann auf der Schwelle stand, mit dem ich beim besten Willen nicht gerechnet hatte und dessen Erscheinen mir einen regelrechten Schock versetzte.
„Buon giorno! Wie ich sehe, bekommt Ihnen der Aufenthalt in unserem Kloster außerordentlich gut“, begrüßte mich Michele Farnese mit leicht näselnder Stimme und ohne mir in die Augen zu sehen. „Besonders erfreut bin ich darüber, dass Sie sich endlich entschlossen haben, Ihr Haar zu tragen, wie es sich für eine Frau ziemt. Es würde mich zwar interessieren, ob Anastasio noch etwas retten könnte“, er lachte meckernd, „aber ich nehme an, selbst der große Maestro persönlich würde bei diesem Anblick kapitulieren. Sie haben sich eingelebt?“
Er zog seine goldene Taschenuhr aus der Anzugweste, klappte sie auf und betrachtete das Zifferblatt, als erwarte er von ihm eine Antwort auf seine Frage.
„Warum haben Sie mich nicht einfach umgebracht?“ , entgegnete ich und versuchte, den Würgereiz in meiner Kehle zu unterdrücken. Die Stelle, an der Lorenzos Finger zugedrückt hatten, war immer noch wund. Ich massierte mir mechanisch den Kehlkopf.
„Ich muss mich für Salvatore entschuldigen, er war wohl etwas übereifrig bei ihrer ersten Begegnung.“
Salvatore? Ich schaute Michele aus trüben Augen an. Der machte prompt das Zeichen gegen den bösen Blick.
Dann trat er auf mich zu und schlug mir ins Gesicht.


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Donnerstag, 18. Januar 2007

Das Farnese-Komplott [147]

Vielleicht wäre ich noch länger zwischen den Falten der schweren Vorhänge umhergeirrt, die die Welten voneinander trennen. Wenn nicht ein klägliches Wimmern, das nicht abreißen wollte, mir den Weg hinaus gewiesen hätte. Weder konnte ich mich bewegen, noch vollständig die Augen öffnen, die wie verklebt von dem roten Schleier schienen, der sich über mein Gesichtsfeld gelegt hatte. Mit jedem Blinzeln fuhr ein höllischer Schmerz über meine ganze linke Kopfseite, mein Mund war angefüllt mit einer dicklichen, zähen Masse - ein Knebel, wie ich allmählich feststellte - und das Wimmern war mein eigenes. Ich war nicht allein.
Angestrengt versuchte ich die verschwimmenden Konturen des Mannes zu fixieren, der auf mich herabschaute. Er trug einen weißen Priesterkragen, das dunkle Haar fiel ihm weich in die Stirn und seine toten Augen musterten mich ohne jedes Mitgefühl.
Ich mühte mich, seinen Namen zu erinnern, der mir immer wieder zu entschlüpfen drohte wie ein schöner, exotischer Fisch.
Seine Finger näherten sich meinem Mund, um brutal das Klebeband abzureißen und den Knebel herauszunehmen.
"Lorenzo?!", keuchte ich und schnappte krampfhaft nach Luft.
Der vertraute Schwung seiner Lippen verzog sich zu einer bösen Karikatur des Lächelns, das ich kannte.
"Sie werden lernen, diesen Namen nicht einmal mehr zu denken", flüsterte er an meinem Ohr, während sich seine Hand um meine Kehle schloss.


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Donnerstag, 16. November 2006

Das Farnese-Komplott [146]

Für Autos war immer noch kein Durchkommen, dafür war die Ponte Vittorio Emmanuele voller Pilger auf dem Weg zur città del Vaticano. „Evviva Pietro secondo!” skandierten sie, machten Fotos oder telefonierten lautstark mit den Daheimgebliebenen. Die Stadt summte, als stünde sie unter Strom. Ich bewegte mich im Zickzack, um schneller voranzukommen und warf einen sehnsüchtigen Blick nach oben, wo Helikopter kreisten, um den Luftraum zu überwachen. Bis zur Kapelle der Schweizer Garde, in der ich mich mit Lorenzo in knapp 45 Minuten treffen wollte, war es noch ein gutes Stück Weg. Die ausgelassene Stimmung auf den Straßen unterschied sich deutlich von der Laune, die in Biancas Wohnung geherrscht hatte – offensichtlich war die Prophezeiung des Malachias bei den Touristen und Einwohnern Roms kein Thema.

Zunächst war ich froh gewesen, unter freiem Himmel zu sein und einfach loslaufen zu können, aber je näher ich meinem Ziel kam, desto intensiver begann ich darüber nachzudenken, was ich Lorenzo eigentlich sagen wollte. Spätestens seit seiner Assistenz während des Konklaves und seinem Auftritt auf der Loggia des Petersdoms lag seine wahre Bestimmung für mich auf der Hand. Der neue Papst war ein Farnese, die Verflechtungen dieser Familie und ihre uralte Tradition ließen es schlichtweg nicht zu, dass einer der ihren sich vor der Pflicht davonstahl und einer abseitigen Idee wie der Eröffnung einer Trattoria oder der Niederlegung sämtlicher kirchlicher Ämter nachhing. Mit den Schüssen in Lourdes war eine Ära zu Ende gegangen, weltpolitisch gesehen und auch ganz privat. Ich glaube nicht daran, dass Lorenzo sich den Mechanismen, die seither zu greifen begannen, vollständig entziehen wollte – oder konnte.
Die Kirche San Martino degli Svizzeri duckte sich außerhalb der vatikanischen Mauern im Schatten des Apostolischen Palastes und erglühte im Schein der Abendsonne in einem warmen Terracottarot. Einen kurzen Moment lang befürchtete ich, das Portal sei verschlossen, aber die schwere Holztüre schwang mit einem protestierenden Jaulen auf und entließ mich in das düstere, weihrauchgeschwängerte Innere. Instinktiv strebte ich dem Altar des Sankt Martin zu, vor dem ein paar Dutzend Kerzen in schwarzen, gußeisernen Halterungen brannten und den Fürbitten der Gläubigen Nachdruck verleihen sollten. Ich glitt in eine der unbequemen Bänke und versuchte die Nonne zu ignorieren, die hinter mir halblaut ein Gesätz des Rosenkranzes betete.
„Entschuldigung Signora, ich glaube, Sie warten auf jemanden, der in diesem Leben nicht mehr kommt!“, flüsterte eine vertraute Stimme an meinem Ohr.
„Was-“ Ich hatte mich halb umgedreht und schaute direkt in das Gesicht von Schwester Elisabetha. Ihre Augen waren winzig klein hinter den dicken Brillengläsern und sie blinzelte nicht. Das war die letzte Wahrnehmung, die ich hatte, bevor meine Welt mit einem dumpfen Schlag und einer Explosion von Schmerz hinter meinen Augen zu versinken begann.

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Mittwoch, 15. November 2006

Das Farnese-Komplott [145]

Sobald die Nachricht vom aufsteigenden weißen Rauch die Runde gemacht hatte, kam der Verkehr in Roms Innenstadt vollständig zum erliegen. Die Kameras sämtlicher TV-Sender dieser Erde schwenkten von der Sixtinischen Kapelle zur Mittelloggia des Petersdoms. Immer mehr Menschen strömten auf die Piazza San Pietro, sie schwenkten Fahnen, Transparente, trugen ihre Kinder auf den Schultern und umarmten die diensthabenden Polizisten, die, in gelöster Stimmung aber durchaus wachsam, über den Platz patrouillierten.
Erwartungsvolle Stille breitete sich aus.
Giulia hatte angefangen, an ihrem Daumennagel zu knabbern, Bianca saß mit überkreuzten Beinen völlig regungslos. Ladislav und Francesco hatten sich Zigarillos angesteckt und pafften schweigend vor sich hin.
Endlich betrat eine Gruppe von Klerikern die Loggia, prüfte das Mikrofon und trat schließlich beiseite, um einem einzelnen, hochgewachsenen und dunkelhaarigen Mann Platz zu machen - Lorenzo - der mit fester und klarer Stimme ein Dankgebet intonierte.
"Dass mich der Teufel hole!" Zeno sprang auf und kniete sich vor den Bildschirm. "Lorenzo ist doch kein Kardinalsdiakon! Die haben Ratzinger gewählt, das Habemus papam wäre seine Aufgabe gewesen!"
Bianca hob gebieterisch die Hand. Zeno verstummte unter gemurmeltem Protest.
Sein Freund strich sich derweil mit einer typischen, mir sehr vertrauten Geste die Haare aus der Stirn, holte tief Luft, den Blick auf einen Punkt am Horizont gerichtet und sprach langsam und konzentriert die traditionelle Formel:
"Annuntio vobis gaudium magnum!"
Wieder ein tiefer Atemzug, dann breitete er mit großer Geste die Arme aus. "Habemus papam!"
Im weichen, italienisch gefärbten Latein fuhr er, nachdem sich der Jubel der Menge wieder gelegt hatte, eindringlich fort: "Eminentissimum ac Reverendissimum Dominum Estefanium Sanctae Romanae Ecclesia Cardinalem Farnese-" Nur ein kurzes Blinzeln verriet seine tiefe Bewegung, während im Hintergrund schon Estefanio die Loggia betrat, gekleidet in ein weißes Gewand, die kostbare Stola mit den Bildnissen von Petrus und Paulus bestickt um die Schultern.
"-qui sibi nomen imposuit - Petrus II.!"
Das Glas, das Bianca umfaßt gehalten hatte, zersprang in tausend Scherben. "Bei allen Hunden der Hölle! Hat der alte Trottel denn völlig den Verstand verloren?"
"Die Prophezeiung des Malachias! Der letzte verheißene Papst!" Ladislav bekreuzigte sich dreimal hintereinander, während Giulia den Kopf in Händen vergrub und leise wimmerte.
"Dann wird die Sieben-Hügel-Stadt zerstört werden und der furchtbare Richter wird sein Volk richten", zitierte Ladislav auf meinen verstörten Blick hin. "Mit Petrus II. endet die Reihe der künftigen Päpste, die Malachias im Jahre 1590 vorhergesagt hat."
Ich suchte hektisch nach einem Taschentuch und wickelte es notdürftig um Biancas zerschnittene Hand.
Von der Loggia des Petersdoms aus spendete Estefanio Kardinal Farnese, nun also Petrus II., der jubelnden Stadt und dem vor die Bildschirme gebannten Erdkreis seinen apostolischen Segen.

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Samstag, 23. September 2006

Das Farnese-Komplott (144)

Am nächsten Tag geschah es, es war ein Mittwoch und die Kardinäle seit zwei Tagen in der Sixtinischen Kapelle eingeschlossen, dass wir uns in trauter Runde vor Biancas Flachbildschirm (von Siemens) einfanden. Soeben war weißer Rauch aufgestiegen, was von dem italienischen Berichterstatter fast schluchzend bestätigt wurde. Giulia, mit angezogenen Beinen und barfuß in einem Sessel kauernd, griff nervös zu ihrer latte macchiato (von segafredo), Bianca und Ladislav schauten einander bedeutungsvoll an.
Francesco Leitmayr zupfte beiläufig ein zwei Fusseln von seiner lässig zerknitterten Leinenhose (Benetton) und Zeno zückte sein Motorola Razr V3-Handy und fotografierte vom Fernseher den aufsteigenden Rauch ab, wahrscheinlich um ihn an Piersanti via MMS (besonders günstige Kontingente bei TIM Italia) zu versenden. Ich nippte gespannt an meinem Ramazotti und nestelte nervös am Kragen meines Dolce & Gabbana Hemdes. Die Wahl der Kardinäle war erfolgreich gewesen, gleichzeitig konnte man beobachten, wie immer mehr Menschen auf den Petersplatz strömten – Fahnen schwenkend, Rosenkränze um die Handgelenke gewickelt, teils mit Schirmen ausgestattet, um sich der Gluthitze (Kachelmann Wetterdienst) zu erwehren. Ich schlug vor, ebenfalls auf den Petersplatz zu gehen, der sich nicht einmal einen Kilometer von Biancas Wohnung befand (laut Google Earth), aber die anderen winkten müde ab (Red Bull verleiht Flügel) – niemand hatte Lust, sich aus der kühlen Wohnung zu bewegen und die Unbequemlichkeiten und das Gedränge auf dem Petersplatz auf sich zu nehmen. Zeno klappte sein Handy mit mürrischem Gesichtsausdruck zu: Offensichtlich war es unmöglich, eine Verbindung zu erhalten – alle Netze bereits überlastet. Bianca glitt mit katzenhaften Schritten zu ihrem Kühlschrank hinüber und öffnete bedächtig eine Flasche Ferrari Spumante.

„Jetzt komm schon, amore“, quengelte ihr Liebhaber, der lässig die Beine auf den gläsernen Couchtisch gelegt hatte, „sie haben Ratzinger gewählt – du hast es doch gesehen, oder?“ Bianca schaute ihn mit rätselhaftem Gesichtsausdruck durch ihre Gleitsichtbrille von Fielmann an und zuckte dann mit den Schultern. Die Stimme des Reporters im TV überschlug sich fast, es war wie bei der Weltmeisterschaft (FIFA Weltmeisterschaft 2006). Ich nestelte eine Pall Mall rosso aus der praktischen Hardbox und bot Zeno eine an. Dankbar griff er zu. Wir schwiegen. Ich war mir nicht ganz sicher, aber trotz ihrer Opposition zu Estefanio wäre Ratzingers Wahl für Bianca und Giulia so etwas wie eine persönliche Niederlage gewesen, nur so ein Gefühl, das mich anflog. Biancas Gesichtsausdruck blieb undeutbar. Auf eine grimmige Art und Weise schien sie zufrieden – und ich war mir sicher, dass sie wusste, wer in wenigen Minuten auf der Loggia des Apostolischen Palastes erscheinen und den Urbi-et-Orbi-Segen sprechen würde. Unten auf den Straßen wurden bereits Böller entzündet –Ladislav zappte geschwind durch die internationalen news channels: In allen Sprachen dieser Welt die gleiche, fast atemlose vorgetragene Nachricht: Der Rauch ist weiß! Die Kardinäle haben gewählt!

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Mittwoch, 30. August 2006

Das Farnese-Komplott (143)

„Ich rufe wegen den Emails an, sind Sie zurecht gekommen?“, fragte ich sachlich und kippte mit zitternden Fingern den Rest Cognac, um mir sofort wieder nachzuschenken, während Lorenzo zu einem wort- und, wie ich vermutete, gestenreichen Klagegesang anhob. „Überhaupt nicht. Ich habe es vorgestern fertig gebracht, Spaghetti anbrennen zu lassen! Der Leiter des Metropolitan Museum of Art hat mich als revisionistischen Dogmatiker bezeichnet und il tedesco Francesco Leitmayr wiegelt Giulia gegen mich auf. Rogler hat mir einen Sudoku-Band geschenkt, weil er dachte, ich müsse mich mal wieder entspannen. Estefanio beginnt zu lachen, wenn er mich nur von weitem sieht. Oberst Seltzmann hat mir nahe gelegt, eine kugelsichere Weste zu tragen, weil er sonst nicht mehr für meine Sicherheit garantieren kann und jeden Abend sitzt irgendeine Krücke von Kardinal bei mir herum und macht Stimmung für oder gegen Estefanio. Michele ruft mich am Tag drei Mal an, um mich an meine Sohnespflichten zu erinnern und mir vorzuheulen, was für eine große Ehre es bedeutet und wie stolz er darauf ist, dass ich morgen in der Sixtinischen Kapelle assistieren werde. Zwei Farnese im Konklave, davon einer papabile, das habe es seit dreihundert Jahren nicht mehr gegeben, ich solle das nicht vergessen. Weshalb er heute auch noch eine ausführliche Mail zu dem Thema schickte und anschließend zum vierten Mal anrief, um mich zu fragen, ob ich sie auch erhalten habe. Der vatikanische Supermarkt hat geschlossen für die Dauer der Wahl und ich ernähre mich seit gestern von pappigen tramezzini mit undefinierbarem Belag und piadina mit altem Käse. Ansonsten - danke der Nachfrage.“
Ich hatte atemlos gelauscht. „Sind Sie betrunken?“
„Nein. Nun, vielleicht ein klitzekleines bisschen. Und Sie?“
„Kein Gedanke. Es war heiß, es gab Champagner, aber das verliert sich ja bei diesen Temperaturen. Gut, Ladislav, ich soll Sie von ihm grüßen, hatte Cognac mitgebracht, der ist jetzt-", ich hielt die Flasche gegen das Licht, „auch schon leer. Das wird morgen sicher ein anstrengender Tag für Sie. Ich wollte mich nur kurz melden und eh, wenn alles soweit in Ordnung ist – ist es doch? Ja, dann, ich will Ihnen nicht den Nachtschlaf rauben.“
Lorenzo räusperte sich.
„Den Löwenanteil an der Beute haben Sie bereits“, sagte er leise.
„Unsinn. Ich an Ihrer Stelle fände auch keine Ruhe mehr nach all diesen schrecklichen Ereignissen, das ist doch ganz normal. Trinken Sie noch einen Grappa! Wie geht es Ihrem Arm?“
„Oh, es ist ein Farnese-Arm – wichtig ist, dass er funktioniert, egal wie es ihm geht!“, antwortete er mit einem bitteren Unterton.
„Sie sind kindisch. Die meisten Mitglieder Ihrer Familie sind sehr herzliche und gefühlvolle Menschen und – vielleicht auf manchmal etwas merkwürdige Art und Weise -, um Ihr Wohlergehen besorgt“, versetzte ich.
Zu meiner Überraschung hörte ich, wie er auflachte: „Ich weiß genau, wie Sie jetzt aussehen. Sie haben diese Falte über der Nasenwurzel, den einen Arm in die Hüfte gestemmt und schürzen tadelnd die Lippen.“
Ich stimmte nach einem kurzen Moment der Irritation in sein Lachen ein.
„Sie – haben mir gefehlt“, hörte ich ihn sagen. „Während der Wahl darf ich niemanden anrufen und danach werden die Netze völlig zusammen brechen, deshalb – egal an welchem Tag der neue Papst ausgerufen wird, ich werde am Abend gegen 20 Uhr in der Kapelle der Schweizer Garde auf Sie warten, jenseits der vatikanischen Mauer, direkt hinter dem Apostolischen Palast, fragen Sie Bianca nach dem Weg, ich kann es kaum er-“
Ein Rauschen, ein Klicken, dann war die Leitung tot. Obwohl ich es noch mehrmals versuchte, kam ich nicht mehr durch.
Vielleicht hatten sie alle Verbindungen wegen des Konklaves gekappt, überlegte ich. Nachdenklich stellte ich das Telefon zurück in die Station, besann mich anders und wählte aus einer Eingebung heraus Estefanios vatikanische Nummer. Sie war frei und ich legte nach dem ersten Klingelton sofort wieder auf. Doch keine Generalmaßnahme wegen der Wahl.
Ich schlang mir die Arme um den Leib und trat auf die Terrasse hinaus, einerseits glücklich über den Verlauf des Gesprächs und andererseits – mit einem zutiefst unguten Gefühl.

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cantare

Selbst wenn ich viele...
Selbst wenn ich viele Entscheidungen des Verteidigunsministeriums.. .
Claudia Sperlich (Gast) - 21. Mai, 07:36
Liebe Moralisierende
wir zitieren einfach mal Elsas Bloggerkollegen Manfred,...
Lisje Türelüre aus der Klappergasse (Gast) - 21. Mai, 00:23
Danke für die Blumen
ich finde einfach unsere Friedenstauben sollten sich...
Ester (Gast) - 20. Mai, 23:44
@ester
Es bringt dem Weltfrieden ungefähr genau so viel,...
ElsaLaska - 20. Mai, 23:05
@ester
>>aber ich finde im ganzen Neuen Testament nichts,...
ElsaLaska - 20. Mai, 23:03
In der Nachfolge Christi...
das hört sich ja so klasse an, aber gehört...
Ester (Gast) - 20. Mai, 22:55
@imrahil
Vermutlich bewundere ich Soldaten und Soldatinnen deshalb...
ElsaLaska - 20. Mai, 21:58
Ich wollte mich eh ab...
Ich wollte mich eh ab Freitag zurückziehen. Diese...
Il capitano - 20. Mai, 20:01
@fidelis
Du, beschwer dich halt einfach bei den Politikern,...
ElsaLaska - 20. Mai, 19:52
@il capitano
Sei doch nicht immer so empfindlich ... :D
ElsaLaska - 20. Mai, 19:40
Ne, also jetzt hast du...
Ne, also jetzt hast du mich für die nächsten...
Il capitano - 20. Mai, 19:39
@Fidelis
Nein, ich wünsche mir eine riesige Verteigungsarmee...
Il capitano - 20. Mai, 19:09

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