etwas im Internet zu sagen, weil man dann automatisch Zustimmung von der falschen Seite bekommt oder von übereifrigen political-correctness-Fanatikern blöd angemacht wird.
Ich habe in Bezug auf die deutsche Vergangenheit alle meine Hausaufgaben gemacht, im Gegensatz zu manch anderen.
Ich kriege auch heute noch die Krise, wenn ein Mann wie Tucholsky dafür hergenommen wird, um Nazisprache in einer Satire zu rechtfertigen, wie von einigen Dummköpfen neulich auch getan (nein, ich mein nicht dich, castagir, vielleicht sind wir da speziell anderer Meinung gewesen, aber für blöd halte ich dich ganz und gar nicht und der Moment,
als ich die italienischen Zeitungen aufschlug und mich extrem unwohl dabei fühlte, ich glaube, den kann man nachvollziehen, mehr braucht es nicht. Danke. Hätten sies in der Titanic gedruckt, von mir aus. Haben sie aber nicht. Wahrscheinlich wars ihnen zu schlecht.)
Jedenfalls, kurz vor und während des Zweiten Weltkriegs haben jede Menge Leute gelitten. Allen voran natürlich Deutsche jüdischen Glaubens (oder polnische Staatsbürger jüdischen Glaubens oder russische und so weiter). Ganz vorn.
Daneben gab es auch noch ein paar andere Opfer, um die man sich scheren sollte, wie ich meine. Nicht in erster Linie, aber mal so anmerken und berücksichtigen wär okay. Sinti und Roma, Kommunisten, fundamentale Christen, Behinderte, kurz und gut, alles was halt nicht so ins Nazischema vom blonden Recken passte und was von der Ideologie her konträr war. Unter anderem wurden auch Deutsche aus den Randgebieten (Frankreich, Polen, Österreich, Tschechien) von kernigen deutschen zentral ansässigen Volksgenossen verfolgt und angespuckt, ob mit Arierpass oder ohne. Ich erwähne das nur. Stichpunkt: Die Menschen jüdischer Konfession sind zwar in der Mehrzahl, aber sicher nicht ALLEINE die Opfer bei dieser ganzen Sch --- ose gewesen.
Nachdem wir, oder ich sag mal Nazideutschland, denn ich fühl mich tatsächlich nicht zugehörig ( nachdem meine Familie selbst zwar nicht gerade ausgelöscht wurde, aber gelitten hat), Europa also in Schutt und Asche gelegt hatte, war es ganz okay, dass Deutschland auch an Israel Reparationszahlungen leistete. Ist Reparationszahlung hier der richtige Begriff? Wohl nicht. Entschädigung, Wiedergutmachung, was auch immer.
Was ich jetzt nicht ganz so toll finde, ist, wenn von diesem Geld und dem großartigen (deutschen) Standpunkt "Nie wieder Krieg!" ausgehend Israel Waffen von den USA kauft, um Libanon zu bombardieren.
Die Situation in Nahost ist sicher naja, ein Expertenthema.
Aber ich möchte gerne mal anmerken, dass ich nicht einverstanden damit bin, dass von meinen Steuergeldern Israel seinen Krieg finanziert.
Sie sollen ihr Geld haben, darum geht es nicht. Sie sollen es aber einsetzen, um irgendeine Lösung zu finden. Wegen mir mit Nato-Truppen oder via Verhandlungen oder was auch immer. Diese Terrorismus-Keule, die da immer gefahren wird, fand ich schon bei den USA so unglaubwürdig. Übrigens krieg ich auch bei der beständigen Nazi-Keule die Krise. Die wird ja auch gerne verteilt. Wann immer man etwas unorthodoxes postet - ohne jeglichen Bezug zu Politik oder Geschichte - , kommt gleich der Verweis aufs Dritte Reich. Von Leuten, die keinen blassen Schimmer davon haben, was da wirklich abgegangen ist. Natürlich und gerade auch von Leuten, die sich ihrer Familie nicht gewiss sein konnten, klar.
Und ich stehe schon in Schuld. Nein, ich stehe nicht in Schuld, ich bin mir im Klaren und bewusst, was im 20. Jahrhundert in Deutschland abgelaufen ist, auch wenn meine Familie daran nicht mitgewirkt hat. Aber gewiss möchte ich nicht weiterhin und auf ewige Zeiten deshalb in die Pflicht genommen werden, weil Israel einen unsäglichen Krieg provoziert - weder finanziell noch moralisch - , weil "wir" ja schließlich historische Verantwortung für dieses Staatengebilde zu tragen hätten. Und wenn diese meine Grundhaltung
verlogen ist, dann soll es halt so sein. Dennoch glaube ich zu wissen, dass niemand Interesse an Krieg hat und alle in Frieden leben wollen. Nehmen wir die Hisbollah vielleicht mal aus. Aber solange wir fröhlich das alles finanzieren und die USA sowieso, solange wird es auch keine Lösung geben.
In Wirklichkeit hat von denen, die etwas bewegen könnten in diesem Konflikt, doch gar niemand Interesse daran, Frieden zu schaffen. Und wie immer, c'est la guerre!, bleiben Frauen und Kinder dabei auf der Strecke.
Während ein paar Leute weltweit schön ihre Schäfchen ins Trockene bringen.