Elsas Nacht(b)revier



Francois Gérard: St. Térèse d'Avila

"Amongst our weaponry are such diverse elements as fear, surprise, ruthless efficiency, an almost fanatical devotion to the Pope, and nice red uniforms!" [Monty Python.]



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Aktuelle Veröffentlichungen

"Die Vollblutfrau, die den Erlöser liebte: Kronzeugin des Osterereignisses: Die Geschichte von Jesus und Maria Magdalena." In: Vatican-Magazin April 2012

"Ich fühle mich als Frau in der Kirche nicht diskriminiert" Ein Interview mit mir von Petra Lorleberg für kath.net

"Die virtuelle Engelsburg hat standgehalten" in: Die Tagespost vom 22. März 2012

"Die Sowjets traten, rissen, schlugen, brannten - aber immer wieder haben die Litauer ihren Kreuzeshügel aufgebaut". In: Vatican-Magazin März 2012

"Katholische Bloggerszene stiftet Ehe" Interview mit Phil und Hedda in: Die Tagespost vom 13.März 2012

Und Du wirst mal Kardinal!" Prags Erzbischof verkörpert das Durchhaltevermögen der tschechischen Christen. In: Die Tagespost vom 18. Februar 2012

"Wo Liebe ist, ist Eifersucht nicht weit: Alfons Maria de Liguori und Schwester Maria Celeste Crostarosa, Gründer des Redemptoristenordens". In: Vatican-Magazin Ausgabe Februar 2012

Neue Kolumne über geistliche Paare: "Mann-Frau-Miteinander-Kirchesein" In: Vatican-Magazin Ausgabe Januar 2012

Unsagbar kostbare Göttlichkeit - Gold, Weihrauch und Myrrhe: Die Gaben der Heiligen Drei Könige. In: Die Tagespost vom 5. Januar 2012

"Wo die Pforten des Himmels offen sind. Loreto in den italienischen Marken". In: Vatican-Magazin Dezember 2011

"Ein Schatz, der fast zu groß für diesen Erdball ist". In: Liebesbriefe für die Kirche. Hrsg. Noe, Biermeyer-Knapp. Bestellbar hier.

Der Papst meines Lebens - Vatican-Magazin spezial zum Papstbesuch

Norcia - der Geburtsort des heiligen Benedikt: "Als sich der Erdkreis verfinstert hatte" In: Vatican-Magazin August-September 2011

In englischer Übersetzung online hier: When the world had darkened<

Der Vatikan und die Blogger - Beginn einer wunderbaren Freundschaft.

Poetische Pilgerorte-Reisen ins mystische Mittelitalien. Erschienen im MM-Verlag.


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Veröffentlichungen

Samstag, 12. Mai 2012

Vatican-Magazin Maiheft 2012

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Das Maiheft steht wie immer auch im Zeichen Mariens.
Die Titelgeschichte stammt von Martin Mosebach: "Die Lourdes-Madonna. Offenbarung in Gips" und kann hier online gelesen werden.

In der Rubrik disputa findet sich - ebenfalls online einsehbar - ein nachgerade literarischer Essay von Guido Rodheudt: "Hurra, wir versinken – und die Bordkapelle spielt dazu. Über den Untergang des Kultischen in der Kultur des Abendlandes."

Und noch ein Hinweis auf "Dr. Schlauberger" Alexander Kisslers Glosse über den "berückenden Einfall" als Motto für den Katholikentag die Wendung "einen neuen Aufbruch wagen" zu benutzen. Online hier zu lesen.

In meiner Serie "Heiligtümer der besonderen Art" schreibe ich diesmal über Città di Castello, Umbrien, und die heilige Veronika Giuliani mit dem Versuch, deren vehemente Leidensmystik ein wenig für uns Heutige aufzuschließen.

Mehr zum Inhalt des aktuellen Heftes mit der Möglichkeit, virtuell darin herumzublättern, findet sich hier.

Montag, 7. Mai 2012

Marienmonat Mai.

Anlässlich des Marienmonats veröffentliche ich einen Artikel von mir über den zweitwichtigsten Wallfahrtsort Italiens, nach Rom: Loreto mit dem Santuario della Santa Casa.
Zuerst erschienen im Vatican-Magazin Ausgabe Dezember 2011:

Wo die Pforten des Himmels offen stehen. Von Barbara Wenz.

In dem italienischen Reiseführer „101 Dinge, die man ein Mal in seinem Leben in Le Marche getan haben sollte“ – Le Marche nennt sich die Provinz, in der Loreto liegt – wird empfohlen, sich dem Wallfahrtsort zu Fuß zu nähern, am Besten von Süden kommend, und einige Zeit vor der Schwarzen Madonna im Heiligen Haus zu verweilen. Es ist ein weltlicher Reiseführer. Die Aufführung Loretos darin zeigt, dass der Marienwallfahrtsort an der Adria, zweitwichtigster für Italien und einer der bekanntesten der Welt, auch für Touristen – und nicht nur für Pilger - einen eigenen Reiz hat.
Wie der Solitär eines edlen Diadems erhebt sich die auffällige Silhouette der Kirchenkuppel über die madonnenmantelblaue Adria. Alleine der Ausblick vom Felssporn, auf dem die Altstadt von Loreto um das Heiligtum erbaut wurde, ist eine Reise wert. Die Bastion des Kirchenbaues wird vom Norden her vom natürlich gewachsenen Bollwerk des kreidefelsigen Monte Conero beschirmt. An einem sonnigen Tag leuchtet das durchsichtige Lapislazuli des Meeres mit dem dichten Smaragdgrün der Pinienwälder auf dem Conero um die Wette. Drinnen, in der Basilika werden wir diese Edelsteinfarben noch einmal bewundern können – auf den Fresken an den Wänden oder oben in der bemalten Kuppel. Und es wird noch Gold hinzukommen, das Gold der Heiligenscheine, Kronen, Kreuze und Tabernakel in den Kapellen, die das Haus der Heiligen Familie mit seiner Marmorummantelung von Bramante wie ein Perlenkranz umgeben. Dazu kommen Tausende von Votivgaben, teils prächtige silberne Votivherzen, uralte Textilien und Kunstwerke, Modernes wie quietschbunte Trikots von Radrennfahrern, die diese als Dank für einen ersehnten Sieg gestiftet hatten. Unzählige Pokale von Sportvereinen, eine Marmortafel von der italienischen Fliegerstaffel: Unsere liebe Frau von Loreto ist auch Schutzpatronin der Luft-, Ballon- und Raumfahrt. Von Charles Lindbergh wird gesagt, dass er eine kleine Statuette der Muttergottes von Loreto auf seinem Atlantikflug mit sich trug, die Apollo 9 Mission hatte ihre Medaille an Bord.

Auf dem kolonnadenumbauten Vorplatz der Basilika drängen sich Pilgergruppen aus aller Welt um zu singen, zu beten, in der Santa Casa die Heilige Messe zu feiern. Rund vier Millionen konsekrierte Hostien werden in Loreto, das mit Altötting und Nazareth verschwistert ist, pro Jahr ausgeteilt, die Gesamtbesucherzahl beläuft sich auf circa 4,5 Millionen. Doch nicht nur Katholiken pilgern zur Schwarzen Madonna – seit dem Fall des Eisernen Vorhangs kann man hier manchmal Gläubige der orthodoxen Kirchen sehen. Sollte eine solche Gruppe gerade die Basilika betreten, empfiehlt es sich, ihr zu folgen. Wenn man Glück hat, entfaltet sich nämlich ein fast überirdisch anmutendes Geschehen: Wie junge russische Frauen, alle mit verhülltem Haar, angeführt von einem schwarzgekleideten Popen mit goldenem Brustkreuz, vor der Schwarzen Madonna stehen und - unter fortwährendem Bekreuzigen und Verbeugen - in polyphonal schwebenden Stil uralte Marienhymnen anstimmen. Ob Altkirchenslavisch oder Griechisch gesungen, drücken diese Hymnen eine überbordende Freude an und mit der heilige Jungfrau aus: „Freue dich, höher als alle himmlischen Kräfte bist du. Freue dich, alle Chöre der Engel übersteigst du. Freue dich, geehrter bist du als die Cherubim. Freue dich, unvergleichlich herrlicher bist du als die Seraphim. Freue dich, Freude der Engel.“
Überhaupt – die Engel!
Engel haben das Häuschen aus Nazareth durch die Lüfte getragen, und, nach einem Umweg über Dalmatien im Jahre 1294 auf dem damals noch mit Lorbeerbäumen bewachsenen Hügel abgesetzt. Das hat ihnen ein ordentliches Lob von Johann Gottfried Seume eingebracht, der in seinem Reiseaufzeichnungen schriebt: „Die Gegend von Loreto ist ein Paradies von Fruchtbarkeit, und die Engel müssen ganz gescheite Leute gewesen sein, da sie nun einmal das Häuschen im gelobten Land nicht behaupten konnten, dass sie es durch die Luft aus Dalmatien hierher bugsiert haben.“
Auf den Fresken in der Markus-Sakristei lässt Merlozzo da Forli seine bonbonfarbenen Engel in prächtig gefältelten Gewändern und barfuß durch gemalte Fenster hereinschweben. Er hat das meisterhafte Werk um 1493 vollendet. Aus dem selben Jahr stammt der berühmte Logbucheintrag des Christopher Kolumbus, der mit drei Karavellen in einen schweren Sturm geriet. In höchster Not gelobte er der heiligen Gottesmutter zwei Wallfahrten, die er finanzieren werde, die Pilger sollten per Los unter seiner Besatzung ausgewählt werden. Für die erste, ins spanische Guadalupe, fiel das Los auf ihn selbst. Im Logbucheintrag vom 14. Februar 1493 berichtet er weiter:
„Dann wurde noch einmal gelost,denn man wollte auch einen Pilger zur Heiligen Maria von Loreto schicken, das in der Mark Ancona im Kirchenstaat gelegen ist, zu dem Gotteshaus, wo Unsere Liebe Frau viele große Wunder getan hat und immer noch tut, und das Los fiel auf einen Matrosen aus El Puerto de Santa Maria, er hieß Pedro de Villa,und der Admiral versprach, ihm die Reisekosten zu erstatten.“ Ob letztlich wieder die Engel ihre Finger im Spiel hatten? Kolumbus und seine Mannschaft haben diesen schweren Sturm in der Karibik jedenfalls glimpflich überstanden.
Myriaden von niedersteigenden Engeln beim Anblick von Loreto aus der Ferne habe jedenfalls der heilige Joseph von Copertino im Jahre 1657 gesehen - und ist dabei vor schierem Entzücken selber zum Scheunendach eines Bauernhofes hinaufgeschwebt. Auf seine Frage, was für ein himmlischer Ort das denn sein könne, erklärten ihm die Mitreisenden, dass dort das Haus der Heiligen Familie aus Nazareth stünde. Da rief er aus: „Kein Wunder, dass die Engel des Paradieses in so großer Zahl herabsteigen, wenn der Herr des Paradieses dort herabgestiegen ist, um Mensch zu werden. Seht doch, wie dort die göttlichen Erbarmungen herabregnen!“

Doch was steckt nun hinter der frommen Legende vom „Fliegenden Haus“, von Engeln aus dem Heiligen Land herbeigetragen? Ist es möglich, dass sich ausgerechnet in Loreto das Haus befindet, in dem der Erzengel Gabriel der blutjungen, gläubigen Jüdin Maria den englischen Gruß entboten hat? Die Mauern, innerhalb derer die Macht Gottes über die Jungfrau kam, der Heilige Geist sie überschattet hat. Der Sohn des lebendigen Gottes seine Kindheit verbrachte?

Im Jahre 1219 konnte Franziskus von Assisi noch nach Nazareth pilgern, um dort das Haus, in dem das Wort Fleisch geworden ist, zu verehren. Er muss es also zu diesem Zeitpunkt noch vorgefunden haben. Angeblich bauten bereits die ersten Apostel die Wohnkammer mitsamt der Verkündigungsgrotte zu einer Kirche mit einem Altar aus und die Überlieferung besagt, dass die schwarze Madonna aus Zedernholz vom Evangelisten Lukas angefertigt wurde. Der „unbekannte Pilger“ aus Piacenza berichtet für das Jahr 570 jedenfalls: „Das Haus der heiligen Maria ist eine Kirche, und von ihren Kleidern hat man dort viele wohltätige Einflüsse.“ Ricoldo da Montecroce hat es im Jahre 1289 ebenfalls noch gesehen, zwei Jahre vor der geheimnisvollen Translation, und er schreibt dazu, er habe in Nazareth eine Kirche in Trümmern gesehen, doch die Verkündigungskammer sei erhalten geblieben, weil der Herr ein Zeichen für Marias Demut habe setzen wollen.
1291 hatten die Muslime die christlichen Herren endgültig aus dem Heiligen Land vertrieben – vermutlich hat man deshalb die drei Mauern vor der Grotte abgebaut und abtransportiert, da man eine Verwüstung dieses urchristlichen Heiligtums befürchtete. Tatsächlich passen diese Mauern nach ihren Abmessungen genau vor diese Höhle. Ein weiteres, relevantes Indiz dafür, dass das Haus wirklich aus dem Heiligen Land stammt, sind die roten Stoffkreuze, die man bei einer Untersuchung in den 1960er Jahren zwischen den Steinen fand, von je her Abzeichen der Kreuzfahrer ins Heilige Land. Noch mehr Hinweise geben die hebräischen Schriftzeichen und das griechische Graffiti auf den Ziegelsteinen: „O Jesus Christus, Sohn Gottes“.

In einem Artikel von Padre Giuseppe Santarelli mit dem Titel „Nazareth and Loreto. The Grotto and the house of the Madonna“ heißt es, dass der Leibarzt von Leo XIII. und Pius X. im Jahre 1900 unter dem Siegel der Verschwiegenheit an den späteren Bischof von Dijon berichtet, dass er in den Vatikanischen Archiven Dokumente entdeckt habe, die belegten, dass eine vornehme Familie aus Konstantinopel mit Namen Angeli (Engel!) das Häuschen vor den Muslimen gerettet und nach Loreto gebracht hätte, um dort einen Schrein für die Verehrung der Muttergottes zu errichten. Fünf Jahre später habe er diese Information an einen seiner Schüler weitergegeben. Tatsächlich bestätigt dies das Folio 181 genannte Dokument des Codex Chartularium culisanense. Dort geht es um „die heiligen Steine des Hauses der heiligen Jungfrau und Gottesmutter“, die im Jahre 1294 im Besitz von Nikeforo Angeli gewesen seien, dem Herrn von Epirus, heute Albanien, und verwandt mit dem Kaiser von Konstantinopel. Diese „heiligen Steine“ seien zusammen mit einer Marienikone und weiteren kostbaren Gegenständen an Philip von Anjou, den Sohn des Königs von Neapel, gesandt worden, der mit Ithamar, der Tochter von Nikeforo, verlobt war. Die Hochzeit wurde im Oktober 1294 gefeiert. Das passt erstaunlich gut zur lokalen Überlieferung, nach der das Heilige Haus in der Nacht vom 9. auf den 10. Dezember in Loreto „gelandet“ sei. Ein Brautgeschenk der besonderen Art also, herbeigetragen von den Angeli, den Engeln.
Deshalb wird in Loreto auch noch bis heute die „Translation“ der Santa Casa und das Patronatsfest Unsere liebe Frau von Loreto am 10. Dezember gefeiert, zwei Tage nach dem Hochfest der Unbefleckten Empfängnis der Jungfrau und Gottesmutter Maria am 8. Dezember, das für Italiener eine große Bedeutung zur Eröffnung der vorweihnachtlichen Zeit besitzt: Spätestens jetzt werden Privathäuser, Geschäfte und Straßenzüge mit festlicher Beleuchtung geschmückt.
Auch wenn der Sohn Gottes in Bethlehem, und nicht in Nazareth geboren wurde, so haftet doch dem Heiligtum um die Santa Casa etwas Weihnachtliches an. In diesen Mauern erschien der Verkündigungsengel, hier ist der Sohn des lebendigen Gottes, der Erlöser der Menschheit, ins Fleische empfangen worden, das größte aller Wunder, das sich jemals auf dieser Erde ereignete. Hier ist das Wort Fleisch geworden – Hic verbum caro factum est – bekräftigt die Inschrift auf dem Altar.
Das Häuschen duftet nach dem Öl heiliger Leuchter, sein Inneres ist durchtränkt vom wunderbaren Aroma tiefen Gebets: Menschen aus allen Nationen stehen andächtig staunend, andere zieht es vor Verehrung und Demut auf die Knie. Wieder andere küssen die Ziegelsteine, streichen mit den Fingerspitzen darüber oder lehnen ihre Stirn dagegen – allein mit dem Auge kann man diesen geheimnisvollen Ort nicht erfassen: empfangen vom Heiligen Geist, geboren von der Jungfrau Maria. Ja, ebenso Ehrfurcht gebietend wie schön ist dieser Ort, das Haus Gottes, an dem die Pforten des Himmels offen stehen!

Donnerstag, 19. April 2012

Sieben Jahre Benedikt XVI. - Teil 3

Der Mann, der wie kein anderer mein Leben veränderte.

Es existiert ein Beitrag von mir "Keep on rockin - rock of St. Peter. Der Papst meines Lebens" anlässlich des fünfjährigen Thronjubiläums des Heiligen Vaters für das Vatican-Magazin Ausgabe April 2010. Ein Auszug:

>>Ich entdeckte Ratzinger, den brillanten Theologen, und Benedikt, den geistlichen Führer, dessen Verkündigung klar und transparent auf jenen weist, den er nach römisch-katholischer Auffassung hier auf Erden vertritt.

Einen Mann, der seinen Glauben an Gott vernünftig begründen und intellektuell rechtfertigen kann. Mehr noch, einen poetischen Dogmatiker oder gar einen dogmatischen Poetiker: „... die Narrheit des Wahren heiteren Herzens ohne Abstrich zu wagen scheint mir die Aufgabe für heute und morgen, der wahre Kern des Weltdienstes der Kirche.“ Sollte Joseph Ratzinger auf den Spuren des großen Bohumil Hrabal wandeln, dem wilden Poeten des Wunderbaren der Tschechen, ihrem sanften Sänger des Skurrilen?

„Nur die Augen des Herzens verstehen die Erfordernisse einer großen Liebe, die fähig ist, die Totalität des Menschseins zu erschöpfen“, schrieb nicht etwa Saint-Exupéry, sondern Benedikt zum vierzigsten Jahrestag der Veröffentlichung von „Humanae vitae.“ <<

Hier ist also der Link zur pdf-Fassung.

Dienstag, 17. April 2012

Ich fühle mich als Frau in der Kirche nicht diskriminiert.

Ein Interview mit mir zur Rolle der Frau in der katholischen Kirche, geführt von Petra Lorleberg, veröffentlicht auf kath.net.

Hier in Gänze zu lesen.

Donnerstag, 22. März 2012

"Die virtuelle Engelsburg hat standgehalten"

Mein Artikel über die anhaltenden Attacken von Anonymous Italia auf die offiziellen Seiten des Heiligen Stuhls, www.vatican.va, erscheint heute in der Printausgabe der Tagespost.

Wer die Tagespost als ePaper abonniert hat, konnte ihn schon gestern Nachmittag lesen.
Probeabonnements hier.

Freitag, 16. März 2012

Mann-Frau-Miteinander-Kirchesein

Mein Artikel im Vatican-Magazin Januar 2012.

Von Barbara Wenz.

Hello, again, ich sag’ nur hello again ... Knapp einen Monat nach dem Besuch Benedikts XVI. in Deutschland hatte uns bereits der graue kirchenpolitische Alltag wieder – in Form des Positionspapieres des Katholischen Deutschen Frauenbundes (KDFB) mit dem Titel „Partnerschaftlich Kirche sein!“ und der Forderung nach dem Diakonat für die Frau, verfasst am 15. Oktober 2011. In diesem Licht betrachtet besaß das Predigtwort des Papstes im Olympiastadion Berlin am 22. September nicht nur konstatierenden, sondern direkt vorausweisenden Charakter: Manchen erscheine die Kirche nur mehr als eine der vielen Organisationen in einer demokratischen Gesellschaft, nach deren Maßstäben und Gesetzen sie auch zu behandeln sei. Dann käme auch keine Freude mehr auf, vielmehr verbreiteten sich Unzufriedenheit und Missvergnügen, weil man die eigenen oberflächlichen und fehlerhaften Vorstellungen, die eigenen ‚Kirchenträume’ nicht verwirklicht sehe.

Das Papier des KDFB bezieht sich auf einen Antrag der ZdK vom April 2011 und insbesondere auf das Hirtenwort der deutschen Bischöfe „Zur Stellung der Frau in Kirche und Gesellschaft“ aus dem Jahre 1981. Darin setzen sich die deutschen Oberhirten dafür ein, dass „die Kirche zu einem Modell für das gleichwertige und partnerschaftliche Zusammenleben und –wirken von Männern und Frauen“ wird.
Man könnte dieser Aussage glatt entnehmen, dass dies seit fast 2000 Jahren komplett misslungen sei? Wie wäre es denn einmal mit der positiven Darstellung dessen, was Männer und Frauen in der Kirche seit ihrem Anbeginn längst umbrochen, revolutioniert und grundstürzend eingebracht haben, durch ihr glutvolles, Funken sprühendes Zusammenleben und Zusammenwirken?

„Kirche“ ohne Artikel, das scheint ein Laden zu sein, der trist vor sich hin monothematisiert. KDFB, kfd, ZdK, BDKJ und noch mehr possierliche Kürzelbünde konstatieren auf ökologisch unbedenklichem grauen Papier, dass es an buntem, offenem Miteinander, Gleichberechtigung, Mitgestaltungsmöglichkeiten fehle. Sie beschlussfassen, verabschieden, fordern, gesprächsprozessieren. Zum Zölibat, zum Kommunionempfang für wiederverheirate Geschiedene, zur Frauenweihe. Da wird vulgärtheologisch gelaubsägt, populistisch gehämmert, selbstmitleidig gebatikt, dreist geflickschustert. Selbstverständlich Kirche sein lautet das Motto, selbstverständlich Mehrheit statt göttliche Wahrheit: Ja eben, in der Tat „Demokratisch Amen!“, wie es anlässlich der Freiburger Vigil quer in Brusthöhe auf dem Shirt einer katholischen Jugendfunktionärin zu lesen stand. Vermutlich an dieser prominenten Stelle, damit der ihr gegenüberstehende Papst es auch ohne Lesebrille gefälligst entziffern möge.

Die Agenda vom partnerschaftlichen Miteinander in „Kirche 2011“ scheint sich jedenfalls vor allem darin zu erschöpfen, dass manche Männer ein Amt haben und alle Frauen auch eines wollen und bekommen sollen.
Was genau soll an dieser Forderung nun „partnerschaftlich“ sein? Sie klingt ungefähr so aufregend, geisterfüllt und inspiriert wie ein Artikel aus der Rodong Singmun, der nordkoreanischen Arbeiterzeitung.
Dabei hat die Kirche in ihrer zweitausendjährigen Geschichte ebenso poetisch-glutvolle wie effektive geistliche und geistsprühende Paare hervorgebracht, die dem Lauf der Kirchengeschichte auf Gott hin einen je neuen Kernspin beigebracht haben: Franziskus und Klara, Teresa von Avila und Johannes vom Kreuz, Franz von Sales und Johanna Franziska von Chantal, Hieronymus und Paula von Rom, Benedikt und Scholastika, ungezählte heilige Ehepaare und noch viele mehr, von denen wir heute nichts mehr wissen, weil sie keine berühmten Namen trugen.
Zumeist wird das viel zitierte Wort des Paulus im Zusammenhang mit der Forderung nach „moderner“ Partnerschaftlichkeit vulgo „Frauenweihe jetzt!“ angeführt: „Es gibt nicht mehr Juden und Griechen, nicht Sklaven und Freie, nicht Mann und Frau.“ (Gal 3,28). Unbequemere Passagen aus den Paulus-Briefen werden dagegen historisch-kritisch als spätere Hinzufügungen eines fremden Autoren deklariert, um das Gesamtbild wieder für die kirchenpolitische Agenda passend zurechtzuschneiden.

Doch um das Pauluswort von der Einheit der Geschlechter in Christo richtig zu erfassen, genügt ein Blick unter das Kreuz am Karfreitag. Der Herr und Erlöser hat nämlich nicht nur Seine heilige Kirche eingesetzt, er hat sogar noch in seiner Todesstunde den Männern und Frauen darin eine Weisung für die Zukunft mitgegeben, die wegen der Schlichtheit ihrer Worte vielleicht zu selten in ihrer tiefen und universalen Bedeutung verstanden wird. Jesus Christus selbst war Beziehung – zu Gott seinem Vater, zu seinen Jüngern und Aposteln, die er ermahnt hat, wie Brüder untereinander zu sein (Matthäus 12, 46-50).
Ein einziges Mal hat er eine Beziehung zwischen zwei Personen gestiftet, als er Maria unterm Kreuz anspricht:„Frau, siehe dein Sohn!“ Und zum Lieblingsjünger gewandt, sagt: „Siehe, deine Mutter!“ (Johannes 19, 26-27). Diese beiden Anrufe, die uns das Johannesevangelium überliefert hat, zählen zu den Sieben Letzten Worten Jesu am Kreuz, denen von alters her eine tiefe geistige Bedeutung zugemessen wurde.
Häufig wird diese Stelle so ausgelegt, dass Jesus seine Mutter Maria nach seinem Tode nicht als nunmehr kinderlose Witwe ohne männlichen Beistand zurücklassen wollte, eine Situation, welche die damalige Gesellschaft als prekär betrachtete. Da Er sonst nichts besaß auf Erden – Seine Kleider waren bereits an die Soldaten verteilt worden – kann man diese Stelle als eine Art Verfügung zur materiellen Versorgung für diejenigen Hinterbliebenen auffassen, die Ihm besonders nahe standen. Selbstverständlich hat sie auch einen theologischen, vor allem mariologischen Gehalt, der in jüngster Zeit von Johannes-Paul II. in seiner Enzyklika Redemptoris mater und der damaligen Kommentierung von Joseph Kardinal Ratzinger herausgestellt worden ist: Maria als Mutter aller Gläubigen und Mutter der Kirche.
Auf einer weiteren Ebene könnte man Maria und Johannes unterm Kreuz auch als Prototyp sehen, als erstes Modell für all die erfolgreichen geistlichen Paare, ob nun als Heilige anerkannt oder nicht, welche die Kirche im Laufe der folgenden Jahrhunderte noch hervorbringen sollte: Mann und Frau einander zugetan in einer geläuterten Form von Liebe, erlöst von Begierden und Egoismen. Seite an Seite und Schulter an Schulter stehend im gemeinsamen Blick auf das Kreuz, das Ostergeheimnis des Erlösers, um so, durch ihre innige Gemeinschaft zur Verherrlichung Seines mystischen Leibes, der Kirche, beizutragen.

Der katholische Philosoph Dietrich von Hildebrand aus der phänomenologischen Schule Edmund Husserls vertiefte sich in seinem Schaffen insbesondere in das Mysterium der Liebe und der menschlichen Gemeinschaft. Dabei hat er nicht nur eine wunderbare Schrift über die Ehe vorgelegt, sondern es auch unternommen, den Geist der caritas in Kategorien wie bräutliche Liebe, eheliche Liebe, Geschwisterliebe usw. zu unterteilen. Das, was er „freundschaftliche Liebe“ nennt, dürfte dem, was sich etwa zwischen einem Franziskus und einer Klara abgespielt hat, am nächsten kommen: „Zwei Personen stehen gleichsam ‚schräg nebeneinander’, wie in einem Halbkreis, so dass sich ihre Schulter, d. h. die rechte Schulter des einen und die linke Schulter des anderen, berühren. In dieser Haltung können sie sich einander zuwenden und gleichzeitig weit vor sich hin blicken, ohne ihre Position zu verändern. Die Personen verbleiben beim Erleben der Freundesliebe prinzipiell auf ihrem eigenen Boden, aber durch tiefes Sich-Verstehen vereint, bauen sie aufeinander und treffen sich in bestimmten Wertbereichen ... Die Freundesliebe kann zur heiligen Liebe in Christus werden.“ (S. T. Zarzycki: Spiritualität des Herzens. Die philosophisch-theologischen Grundlagen bei Dietrich von Hildebrand.)

Es ist ein wundervolles Bild, das von Hildebrand hier zeichnet. Trifft es nicht, geistlich gesprochen, auch auf Johannes und Maria unterm Kreuz stehend zu und die heilige Liebe, die sie in Christus vereinte?
Mit dem Pfingstwunder über vierzig Tage später konnte noch niemand rechnen, mit der Auferstehung Jesu am Sonntag nach der Kreuzigung schon gar nicht. Die Apostel und Jünger waren geflohen, hatten sich zerstreut, versteckt. Petrus hatte den Herrn drei Mal verleugnet, Judas Ischariot sich erhängt. Und der unschuldige Sohn Gottes hing wie die jämmerlichste und verdammenswerteste aller Kreaturen zwischen zwei Verbrechern nackt und blutüberströmt am Kreuz. Obwohl Er unmenschliche Ängste und Qualen durchlitten haben, selbst so randvoll mit Schmerz gewesen sein muss, fällt sein liebender Blick auf diese beiden Menschen: Maria, die Ihn – nicht nur für die neun Monate ihrer Schwangerschaft - immer unter ihrem Herzen trug und Johannes, der an Seiner Seite lag beim Letzten Abendmahl.
Hier stehen nicht ein Mann und eine Frau, die verzweifelt sind, weil eine großartige neue Bewegung mitsamt ihrem Gründer gescheitert ist, sondern ein Mann und eine Frau, die Gott mit all ihrer Kraft lieben und den Menschensohn wie sich selbst. Diese beiden werden den irrsinnigen Mut aufbringen, in den Tagen, die da noch kommen sollen, Schulter an Schulter gewendet und dabei gleichzeitig weit vor sich hin blickend, die verstreute Herde zu sammeln und zu einen. Sie tun dies, so möchte es der Erlöser der Welt, in ihren weiblichen und männlichen Eigenschaften: als Mutter und als Sohn – eine Beziehung, die wie keine andere, wenn sie gelingt, von lauterster Freundschaft und fürsorgender Liebe zwischen Mann und Frau geprägt ist.
Nein, das ist nicht nur aus reiner Sorge um die soziale Stellung der beiden geschehen, es hat einen spirituellen, geheimnisvollen Hintergrund. In den Jahrhunderten, die folgten, sollten sich, nach dem Muster von Maria und Johannes, ungezählte Männer und Frauen zusammen finden, im Blick auf das Kreuz, nicht nur in einem „partnerschaftlichen Miteinander“, sondern in tief empfundener Freundschaft und sublimer Liebe, die ihre gegenseitige persönliche Beziehung erlöst, transzendiert, überhöht und geistlich fruchtbar machen wird.
Das soll nicht heißen, dass sie keine Versuchungen hatten, dass ihre jeweilige Beziehung stets hehr und vollendet gewesen ist. Es soll heißen, dass sie es geschafft haben, trotz aller Anfechtungen, die irdische Liebe nun einmal so mit sich bringt, den Frieden und das Staunen über Gott, der die Liebe ist, durch ihre innige Gemeinschaft nach außen zu strahlen, ja der ganzen Kirche zum Geschenk zu machen.

Wie heißt es im Schluss des Schreibens der römischen Glaubenskongregation an die katholischen Bischöfe zur Zusammenarbeit von Mann und Frau in der Kirche und in der Welt:„Die Kirche weiß um die Macht der Sünde, die in den Einzelnen und in den Gesellschaftssystemen am Werk ist und manchmal dazu führen könnte, die Hoffnung auf das Gutsein von Mann und Frau zu verlieren. Aber auf Grund ihres Glaubens an den gekreuzigten und auferstandenen Christus weiß sie noch mehr um die Kraft der Vergebung und der Hingabe trotz aller Wunden und Ungerechtigkeiten. Der Friede und das Staunen, auf die sie die Männer und Frauen von heute mit Vertrauen hinweist, sind der Friede und das Staunen, die im Garten der Auferstehung unsere Welt und die ganze Geschichte erleuchtet haben mit der Offenbarung: ‚Gott ist die Liebe’ (1 Joh 4, 8-16).“
Unterzeichnet wurde dieses verständnisinnige, fast lyrisch anmutende Dokument, dessen Lektüre sich in Gänze lohnt, im Jahre 2004 von Kardinal Ratzinger und Erzbischof Amato.

Partnerschaftlich Kirche sein – das ist doch längst eine von Gott gewollte Erfolgsgeschichte, die bereits vor fast zweitausend Jahren an einem Karfreitag begonnen hat – eben nicht auf der Grundlage von Amt und Weihe, sondern auf dem Fundament von Liebe und Beziehung im gemeinsamen Blick auf den Erlöser am Kreuz und Seine Auferstehung.

Dienstag, 13. März 2012

Die bandiera turca im Dom zu Osimo.

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Ein Artikel für das Vatikan-Magazin Ausgabe November 2010.

Die bandiera turca im Dom zu Osimo. Von Barbara Wenz.

Die ersten Christen des antiken Städtchens Auximum – dem heutigen Osimo -, in der Mark bei Ancona, brauchten gegen eine fast übermächtige heidnische Tradition allen Beistand, den sie bekommen konnten. Die Altstadt ist von einem System von Katakomben durchzogen, in denen Abbildungen des Mithras und Hinweise auf den Bacchus-Kult gefunden wurden. Der Dom ist über einem Äskulaptempel, auf der höchsten Erhebung des Stadtgebietes, errichtet. In der Domkrypta werden die Überreste von ganzen vier stadteigenen Märtyrern verehrt. Selbst die Fassade des duomo zeugt von dem geistlichen Kampf, der hier getobt hat. Eine Freitreppe führt empor zum dreibogigen Portikus. In einem der Türbögen winden sich zwei riesige Schlangen, in einem anderen kann man das Lamm Gottes und Petrus mit den Himmelsschlüsseln erkennen. Die große Rosette links des Portikus ist gleich von einem ganzen bestiarium umringt: Steinerne Löwen, Gnome, Sirenen und allerhand Fabelwesen wurden wie ein dämonisches dreidimensionales Zifferblatt rundum angebracht. Die „Außenabwehr“ für die im Dom versammelte Gemeinde wird komplettiert durch eine herrliche Lunette seitlich des Portikus, in der als Halbrelief die Gottesmutter mit dem Kind und die zwölf Apostel zu sehen sind. Zwei davon reichen Salbtöpfe als Zeichen für die Vollmacht der Kirche, dem mystischen Leib Jesu, das Evangelium in Seinem Namen zu verbreiten - die sancta mater ecclesia in nuce.
Alle Vorsorgemaßnahmen zur Abwehr des Bösen scheinen funktioniert zu haben. Die Gemeinde blühte und gedieh, der Dom konnte mehrmals umgebaut und renoviert werden. Und schließlich hat der Heilige Geist sogar den hl. Joseph von Copertino nach Osimo geführt. Abgehoben in die Ewigkeit ruht er in der Krypta von San Francesco, unterhalb des Domes gelegen, in seinem von Engelshänden getragenen Schneewittchensarg (vgl. Beitrag im Vatikan-Magazin Januar 2010).

Doch auch im Dom der Stadt gibt es Wunderbares, Heiliges und Erstaunliches zu sehen. Da wäre die Kruzifixkapelle, eine der fünf Seitenkapellen des Doms. In ihr hängt ein wundertätiges Holzkreuz, der Korpus Jesu ist ebenfalls aus Holz, bemalt in den Tönungen menschlicher Haut. Es stammt aus dem 12. Jahrhundert und ist typisch für diese Zeit. Statt eines hölzernen Lendenschurzes trägt er eine rockartige Stoffbahn um die Hüften, er ist mit vier, nicht mit drei Nägeln ans Kreuz geheftet; das heißt, die Füße stehen parallel.
Die lokale Überlieferung sagt, dass am 2. Juli 1797 mehrere Kirchenbesucher beobachteten, wie Christus am Kreuz die Augen öffnete und wieder schloss. Das Wunder hielt mehrere Tage an und wurde von 127 kirchlichen und weltlichen Gemeindemitgliedern bezeugt. Zu dieser Zeit wüteten die Soldaten Napoleons in Italien gegen die Zivilbevölkerung. Entführung, Vergewaltigung, Mord und Totschlag waren an der Tagesordnung. Hinzu kam die Entweihung und Verwüstung von Kirchen und Klöstern - für die gläubigen Italiener besonders unerträglich - sowie die Verfolgung von Priestern, Ordensleuten und geistlichen Würdenträgern. In der Tat befand sich der damalige Erzbischof von Osimo, Kardinal Guido Calcagnini, im Exil in Ferrara, als ihn die Anfrage der Bürgerschaft erreichte, ob man nicht künftig wenigstens alle fünf Jahre eine Prozession abhalten solle, um auch die nachfolgenden Generationen an dieses erschütternde und wunderbare Ereignis zu erinnern. Der 2. Juli ist seither ein besonderer Festtag in Osimo.

Unter dem Chor mit der Apsis liegt die Krypta aus dem 12. Jahrhundert, ein kleines Meisterwerk von Mastro Filippo mit insgesamt 16 Säulen, die sich allesamt voneinander unterscheiden. Nicht nur, dass ihre Würfelkapitelle verschiedene Muster tragen, ihre Höhe wächst auch von Süden nach Norden an, während sich gleichzeitig der Abstand zwischen ihnen vergrößert. Die dort aufgestellten Sarkophage stammen zum Teil aus dem 4. Jahrhundert und beherbergen die Überreste von San Leopardo, dem auch der Dom geweiht ist und der nach alter Tradition der erste Bischof von Osimo gewesen sein soll, außerdem die Relikte von Diocletius, Sinnisius, Florentinus und Maximus, den Märtyrern von Auximum.

Beim Verlassen des Domes sticht ein riesiger barock gestalteter Gedenkstein ins Auge. An der Wand daneben hängt ein über fünf Meter langes rot-weißes Banner, das mit Halbmonden bedeckt ist. Die Geschichte dieses Beutestücks - der bandiera turca - ist eine Heldentat und wert, erzählt zu werden. Einige Jahrhunderte lang wurde die italienische Adriaküste immer wieder von türkischen Piraten heimgesucht. Im Jahre 1723 war ihr Anführer ein aus Palermo entflohener Mann namens Raies Amurat, der an der italienischen Ostküste Schrecken und Terror unter den einfachen Leuten verbreitete. Die Türken konnten an den flachen Stränden der Marken besonders gut anlanden und starteten Raubzüge ins Landesinnere. Sie plünderten, vergewaltigten, sengten und mordeten, obwohl die marchigiani kaum etwas besaßen als ein Stückchen Land, eine Kate und eine Handvoll Kinder. Ganz besonders an den Kindern hatten Amurats Leute Interesse, aber auch an den Frauen. Für Christensklaven gab es in Nordafrika, vor allem in Algerien, einen gigantischen Markt.
Einige Historiker schätzen, dass durch muslimische Piraten in zweieinhalb Jahrhunderten circa 1,25 Millionen Christen – nicht nur im Mittelmeerraum – in Gefangenschaft gerieten. Die Frauen in die Harems, die Männer auf die Ruderbänke der Galeeren, die Kindersklaven zur freien Verwendung.
Beliebt war auch das Fordern von Lösegeld für Gefangene aus begüterteren Familien. Orden wie die Mercedarier sahen ihre Hauptaufgabe darin, Geld für diejenigen Christen in muslimischer Gefangenschaft zu sammeln, deren Angehörige zu arm waren, um sie loskaufen zu können – oder sich notfalls selbst als Austauschgeisel zur Verfügung zu stellen.
Insbesondere die päpstliche Flotte widmete sich schon aus Tradition dem Kampf gegen muslimische Piraten: Im neunten Jahrhundert von Papst Johannes VIII. formell etabliert, hatte sie bereits 849 bei der Seeschlacht von Ostia gegen die sarazenischen Invasoren einen großartigen Sieg erlangt. 1571 errang sie als Teil der Heiligen Liga den unwahrscheinlichen Sieg über die Flotte des Osmanischen Reiches. Von den eroberten türkischen Galeeren konnten damals etwa 12.000 bis 15.000 christliche Rudersklaven befreit werden, Angaben je nach Quellenlage.
Unser Raies Amurat hatte deshalb ausgesprochenes Pech, dass der Kommandant eines der päpstlichen Schiffe, der Trireme „San Pietro“, ein Einwohner von Osimo war: Conte Francesco Guarnieri, ein Malteserritter noch dazu. Conte Guarnieri war also äußerst interessiert daran, die Heimat seiner Väter und Vorväter piratenfrei zu halten und sein Volk zu beschützen. Tatsächlich gelang es ihm nach einer Schlacht auf hoher See, das Piratenschiff zu entern. Angesichts der immerhin zehn Kanonen und den zwei Dutzend Wurfmaschinen, mit denen es ausgerüstet war, eine anerkennenswerte Leistung. Doch dem Conte gelang noch mehr: Während des folgenden Schwertkampfes auf dem Schiff verwundete er Amurat am Bein und nahm ihn und die Überlebenden seiner Mannschaft gefangen. An Bord fanden sich auch entführte Christen, darunter drei Knaben, die als Schiffsjungen arbeiten mussten.
Als frommer Kommandant eines Schiffes der päpstlichen Flotte und treuer Sohn der Stadt Osimo übergab der siegreiche Conte die erbeutete Türkenstandarte in einer feierlichen Zeremonie der Hl. Thekla, der Schutzpatronin der Stadt. Zweihundert Jahre lang stellte die dankbare Bevölkerung das Banner zur Erinnerung an dieses Bravourstück regelmäßig im Dom aus. Heute hat es, im Zuge der Renovierungsarbeiten, einen dauerhaften Platz in der Nähe des Ehrenmals aus dem Jahre 1766 für Conte Guarnieri gefunden.
Dort hängt die bandiera turca wie ein Senklot, das in die Zeiten der großen - und kleinen - christlichen Siege für die Rettung des Abendlandes hinabreicht. Auch wenn ihr heute kaum noch jemand zuhören mag, so kann sie doch nicht aufhören, davon zu erzählen.

Donnerstag, 8. März 2012

Vatican-Magazin Ausgabe März 2012

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In der aktuellen Ausgabe kann hier virtuell geblättert werden.
Unter dem gleichen Link findet sich wieder eine interessante Auswahl von online lesbaren Artikel:

Von wegen „Vaticanleaks“! von Guido Horst (Editorial)

Zum Jahr des Glaubens
„Selbstgespräche sind noch lange kein Dialogprozess“
Beten statt sitzen, knien statt Memoranden schreiben. Das Fünf-Punkte-Programm von Prälat Wilhelm Imkamp: Wie ein Aufbruch in der Kirche wirklich gelingen kann.
Ein Interview mit dem Wallfahrtsdirektor von Maria Vesperbild von Regina Einig (Titel)

Die „Hermeneutik der Reform“ und die Religionsfreiheit
Eine Diskontinuität, die eine tiefere Kontinuität ans Tageslicht bringt
Sowohl der Heiligen Schrift als auch der apostolischen Tradition war der „katholische Staat“ unbekannt
von Martin Rhonheimer (disputa)

Einer, der ins Elend zog
Nikolaus von Flüe – der Familienvater, den Gott in die Einsamkeit berief
von Mario Galgano (Wenn Gott ruft)

Kortmanns Credo
von Alexander Kissler (Dr. Schlauberger antwortet)

Und in der Druckausgabe gibt es von mir wieder ein "Heiligtum der besonderen Art": Der Berg der Kreuze in Litauen.

Kostenlose Probehefte können hier bestellt werden.

Donnerstag, 1. März 2012

Als sich der Erdkreis verfinstert hatte.

Aus meiner Serie "Heiligtümer der besonderen Art"für das Vatican-Magazin August-September 2011. [Über die Benediktiner von Norcia gibt es jetzt einen wunderschönen Dokumentarfilm, auf den ich bereits im Blog hingewiesen hatte. Hier zum Youtube-Link nochmals.]

Norcia - der Geburtsort des heiligen Benedikt. Als sich der Erdkreis verfinstert hatte.
Von Barbara Wenz.

In der dunklen Krypta der Basilika San Benedetto in Norcia, Umbrien, befindet sich eine Stätte, welche für die katholische Kirche und für das ganze christliche Abendland von unermesslicher Bedeutung ist. Eine kleine Apsis im linken Seitenschiff markiert den Ort, an dem der heilige Benedikt und seine Zwillingsschwester, die heilige Scholastika, vor gut 1500 Jahren das Licht der Welt erblickten. In dieser Welt war es allerdings finster geworden: der Glanz des römischen Imperiums erloschen, ringsum herrschte Chaos, Gewalt, Barbarei –mithin der völlige Zusammenbruch politischer, juristischer und sozialer Sicherheiten. Doch die gleißende Strahlkraft des authentisch gelebten Evangeliums befand sich bereits auf dem Wege, dem geschüttelten Kontinent spirituelle Erste Hilfe zu leisten: Lange bevor Columban und seine iro-schottischen Brüder zur Mission des Festlandes aufbrachen, schifften sich von Syrien aus eine Handvoll Wüstenväter nach Italien ein und stießen ins Landesinnere bis ins heutige Umbrien vor. Unweit von Norcia siedelte eine dieser Gemeinschaften unter der Leitung des heiligen Spes, der im Jahre 510 starb. Höchstwahrscheinlich hat Benedikt, geboren um 480, diese ursprünglich syrischen Zönobiten gekannt, denen sich immer mehr Einheimische anschlossen. Der junge Benedikt dagegen wurde zunächst zum Studium nach Rom geschickt. Wer weiß, wie sich die Geschichte der Kirche und des Abendlandes entwickelt hätte, wenn er dort nicht direkt mit den Auswüchsen des vollständigen politischen, moralischen und geistlichen Verfalls konfrontiert worden wäre.
Zunächst suchte er Zuflucht bei Asketen in den Sabiner Bergen, dann zog er sich für einige Jahre als Höhleneinsiedler zurück, bevor ihn der Ruf der Mönche von Vicovaro ereilte, die ihn zum Abt haben wollten – und sich als äußerst undankbar erwiesen. Weil ihnen seine Vorschriften als zu streng erschienen, versuchten sie den frisch gebackenen Abt zu vergiften – jedoch entwich das Gift als Schlange aus dem Becher, bevor Benedikt davon trinken konnte. Etwas Ähnliches passierte ihm auch mit einer anderen Gemeinschaft in Subiaco, die er auf der Basis der strengen Pachomius-Regel führte. Vielleicht waren es diese Erlebnisse, die ihn dazu brachten, dass er endlich im Jahre 540 seine eigene, ausbalancierte regula Benedicti niederschrieb - und somit das westliche Mönchstum und die benediktinische Klosterkultur begründete.

Diese Klöster waren „Brennpunkte höchster Kultur, des geistigen Eifers, der Lebenskunst, der Bereitschaft zum sozialen Handeln – mit einem Wort, ein Netz von Zentren hoch entwickelter Zivilisation, die aus den bewegten Fluten der sie umgebenden Barbarei herausragten. Der hl. Benedikt ist ohne jeden Zweifel der Vater Europas. Die Benediktiner, seine Söhne, sind die Väter der europäischen Zivilisation.“ (aus: Grégoire, Moulin, Oursel: Die Kultur der Klöster).

Die kirchliche Tradition hat dieser Stätte in Norcia immer Verehrung bezeugt. Wer über die malerische Piazza San Benedetto gelaufen, das Portal der Basilika aus dem 14. Jahrhundert mit seiner ziseliert gearbeiteten fast weißen Rosette, der Lunette mit Madonna und Kind, flankiert von zwei Anbetungsengeln, bewundert und die Statuen von Benedikt und Scholastika, die über dem Eingang angebracht sind, gegrüßt hat, steigt hinab an jenen Ort mit der kleinen Apsis, zu dem die Pfahlwurzel des einstmals christlichen Baumes Europa reicht. Seit dem Jahre 2000 bezieht diese tiefreichende Wurzel wieder frisches, geistliches Wasser – in Form einer kleinen Gemeinschaft, die sich mit glühendem Herzen und voller Seeleneifer der regula ihres Gründervaters verschrieben hat.

Erstmals seit die Coelestiner 1810 durch die Napoleonischen Gesetze von dort vertrieben wurden, wird hier wieder sieben Mal am Tag das Stundengebet gesungen, auf Latein und nach der alten Form, in der auch die Hl. Messe gefeiert wird. Die Benediktiner von Norcia haben ein Apostolat zur Pflege beider Formen vom Heiligen Stuhl erhalten, doch der Ortsbischof von Spoleto-Norcia hatte vor einem Jahr angeordnet, dass in religiösen Häusern nur noch eine einzige Sonntagsmesse gefeiert werden solle. So wurde die Messe in der außerordentlichen Form zur Konventsmesse; die ordentliche Form wird dennoch weitergepflegt, wenn die vier Priester der Gemeinschaft in die umliegenden Bergdörfer hinaufsteigen, um dort Gemeindemessen zu zelebrieren.

Gegründet in Rom mit zunächst nur drei Angehörigen, einem Appartment als „Konvent“ und einer tragbaren Hauskapelle, besteht diese Gemeinschaft heute aus 19 Mönchen, davon vier Priester und zwei Novizen. Der Prior, Father Cassian Folsom, schätzt das Durchschnittsalter seiner Mitbrüder auf etwa 28 Jahre. Beeindruckend.

Fünf Jahre, nachdem Father Cassian mit seinen Brüdern vom Bischof nach Norcia berufen wurde, wird ein Deutscher Papst, der sich Benedikt XVI. und sein Pontifikat unter das Patronat desjenigen Mannes stellt, dessen Wirken das christliche Abendland in volle Blüte getrieben hat. Hier in Norcia also wieder Benediktiner, die in einer Zeit des großen Glaubensabfalls in Europa den Geist ihres Gründers neu entzünden. Dort in der Ewigen Stadt, die der heilige Benedikt damals angewidert verlassen hatte, ein weißhaariger Mann Ende Siebzig, im Herbst seines Lebens, der nicht aufhört, die außer Rand und Band geratenen Erben einer großen Zivilisation, die von ihrer Abkunft nichts mehr wissen will, daran zu erinnern, wer sie sind, wo sie herkommen und wohin die Reise gehen muss, wenn sich nicht die brutalen ideologischen Experimente des 20. Jahrhunderts wiederholen sollen. Bereits anlässlich seiner ersten Generalaudienz am 27. April 2005 kam der Papst auf den heiligen Benedikt von Nursia zu sprechen, und erklärte, gemäß dessen Regel, dass der Liebe zu Christus nichts vorzuziehen sei, bevor er ihn um seine Fürsprache für ihn und uns alle anrief, an der zentralen Stellung Christi in unserem Dasein festzuhalten. Der frisch gekürte Papst hatte wohl nicht nur eine Erläuterung seiner Namenswahl im Sinn, sondern er wollte sich vergewissern, sozusagen beide Beine fest auf den Boden stellen, um unverrückbar denjenigen in den Blick zu nehmen, in dessen Namen er künftig dem spirituellen Wachkoma-Patienten Europa immer wieder und wieder gut zureden würde.

Es geschieht eher selten, dass dieser sanftmütige und bescheidene Papst zu drastischen Bildern und feurigen Worten greift – wenn er es tut, dann geht es um Dinge, die ihn zutiefst umtreiben, mit brennender Sorge erfüllen. Dazu gehört insbesondere der geistliche Zustand des modernen Europa, äußerlich zwar politisch geeint, aber von der inneren Aushöhlung bedroht. In seiner Botschaft zum Weltjugendtag 2011 in Madrid warnte er jüngst wieder vor der drohenden Gottesfinsternis im Westen, vor einer starken laizistischen Denkströmung, die Gott aus dem Leben der Menschen und der Gesellschaft ausgrenzen wolle. Dies aber, so lehre die Erfahrung, führe nicht zu einem Paradies auf Erden, sondern zu einer Hölle von Spaltung, Egoismen und Hass. Joseph Ratzinger, Geburtsjahrgang 1927, hat eine davon selbst erlebt. Er weiß, dass er die Ernte der Saat, die er ausbringt, nicht einfahren wird. Er kann nur das tun, was der heilige Benedikt zu seiner Zeit auch getan hat. Auch jener wurde angefeindet, man trachtete ihm sogar nach dem Leben. Doch wie der heilige Benedikt auch, ist unser Papst ja nicht allein. Und an der Geburtsstätte seines Patrons betet und singt eine außergewöhnliche Gemeinschaft, die junge Männer aus allen Ecken und Enden der Welt - Europa wie Übersee - anzuziehen vermag. Die Sonntagsmesse in der außerordentlichen Form ist zwar nicht schlecht besucht, aber das Kirchenschiff auch nicht gerade gefüllt. Zu den öffentlich mitsingbaren Gebetszeiten – wie Vesper und Komplet – finden sich meist nur eine Handvoll Getreue, zumeist auch recht junge Gläubige, in der Krypta ein.

Draußen, auf den Stufen der Basilika dagegen, tummelt sich das pralle Leben. Für Touristen, Rentner, Schüler ist sie ein beliebter Treffpunkt. Manchmal treibt ein unerwarteter Regenschauer eine aufgeregte und fröhlich scherzende Schar in das leere Kirchenschiff hinein. Wenn dann gerade unten in der Krypta die Non gebetet wird, durchzieht die Basilika über die Lautsprecher ein sphärischer, hauchzarter Gesang. Die jungen Mönche singen uralte lateinische Psalmen, durchwirken das Kirchenschiff mit einer Ahnung vom himmlischen Jerusalem. Dies war einstmals der „Soundtrack“ zum Aufbau einer großartigen Kultur, die nun auf dem besten Wege scheint, nicht nur ihr Herz, sondern auch noch ihre Seele zu verlieren - in einer Zeit, in der für viele nur noch ein plötzlicher Regenschauer Anlass ist, in einer Kirche Zuflucht zu suchen. Doch da geschieht etwas: Die eben noch aufgeregt herumschnatternden Touristen oder ausgelassen scherzenden Schüler werden mit einem Mal ruhig. Der laute Schlaf der Welt fällt von ihnen ab – man kann dabei zuschauen. Mit langsamen, fast ehrfürchtigen Bewegungen, nehmen sie in den Kirchenbänken Platz.
Das neue Europa ist noch nicht erwacht – aber es hatte gerade einen ebenso flüchtigen wie kostbaren Moment der Erinnerung.

Dienstag, 21. Februar 2012

Fastenzeit

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Die Vorsätze stehen, auch wenn ich im einzelnen noch unschlüssig bin. Lieb gewordene Gewohnheiten aufgeben - mein ganzes Leben besteht aus lieb gewordenen Gewohnheiten, so könnte ich glattweg resignieren. Glücklicherweise geht es beim geistlichen Fasten um mehr: Die Schönheit des Evangeliums neu entdecken, den Geist der Reue und Buße erwecken, für das, was nicht so gut gelaufen ist zwischen mir und dem Herrn seit letztem Jahr.
Alle Hände voll zu tun. Und manchmal scheint es sogar mir, als sei Katholischsein in der Hauptsache eher anstrengend. So viel zu unterlassen, dies nicht sagen, jenes nicht tun, anderes nicht denken, immer alle Gebote erfüllen.
Dabei ist das gar nicht so. Es fühlt sich halt nur manchmal so an.
Wir haben die Fülle der Sakramente, wir haben die persönliche Begegnung mit Jesus Christus in der Hl. Eucharistie, wir haben - ganz plakativ gesagt - das Ewige Licht vor dem Tabernakel. Und Seine Heilige Kirche.

Hier mein garantiert untheologischer Beitrag für das kath.net - Buch "Liebesbriefe an die Kirche", worin sich auch verschiedene Bischöfe sowie namhafte Journalisten geäußert haben. Das Vorwort stammt von S. Em. Kurt Kardinal Koch.

Ein Schatz, der fast zu groß für diesen Erdball ist. Von Barbara Wenz.

Wenn die Kirche eine Frau ist, die Braut Christi, dann denke ich an eine edle Jugendstildame aus einem Gemälde von Gustav Klimt – hochbeinig, feinknochig, mit üp-pigem Haar und in einem goldübersäten Kleid. Wenn die Kirche ein Mann ist, der mystische Leib Christi, dann denke ich an einen königlichen Krieger in einer Rüstung aus Licht, der imstande ist, demütig vor einem leprakranken Bettler die Knie zu beugen. Wenn die Kirche ein Kind ist, dann ist sie ein Knabe mit Goldlocken, der mit einem zahmen Löwen spielt; ein Mädchen in einem weißen Kleid mit zimtfarbenen Haaren und einem Kranz aus Feuerlilien um die Stirn. Wenn die Kirche die Menschen sind, dann denke ich an Apostel, Jünger, Heilige, Mystikerinnen, Gottesnarren, große bekehrte Sünderinnen und Sünder, mutige Märtyrer und feige Soldaten Christi, hassende Liebende und liebende Hassende, Mütter und Väter, Asketen und Häretiker, Wüstenväter und Straßenbahnschaffner, KZ-Insassen und LKW-Fahrer, Ehebrecherinnen und Pharisäer, und das alles in allen Hautfarben und international.
Wenn die Kirche der Gesang eines Vogels ist, dann gleicht sie dem Lied der Amsel mit seiner träumerischen Melodie, die sich hinauf in die Ewigkeit verzweigt. Wenn die Kirche ein Gewässer ist, dann denke ich an einen rauschenden Bach, dessen Ufer umstanden sind von Weiden, in deren Kronen Harfen hängen. Und wenn die Kirche ein Sternbild ist, dann gleicht sie dem Gürtel des Orion. So könnte ich endlos Bilder finden, die meine Liebe zu unserer Kirche umschreiben. Gott hat sie eingesetzt in einem Feuersturm seiner Liebe mit der Aussendung des Heiligen Geistes auf eine Handvoll Menschen, die in einem Speisesaal in Jerusalem im Gebet ausharrten. Ich liebe sie, weil sie ein Mysterium ist – kein Mensch, und sei er noch so schöpferisch begabt oder intelligent, hätte sich dieses Gebilde ausdenken können, das heilig ist, weil es von Gott kommt, und das nur ihm alleine gehört. Ich liebe die Kirche, weil sie an das glaubt, was unsichtbar ist, in einer Zeit, in der die Gesellschaft besessen ist von Offensichtlichkeiten. Weil sie das Leben radikal achtet und schützt und sich weigert, darüber zu verhandeln. Weil sie ihre Toten nicht alleine lässt – mit Gebeten, Lichtern, Weihwasser, Sterbeämtern und Gedenktagen. Weil ihre Priester Männer sind, die von Gott die Vollmacht erhalten haben, Segen zu spenden, Dämonen auszutreiben und Sünden zu vergeben – sogar solche, die man sich kaum selbst vergeben kann.
Die Kirche trägt einen Schatz an Gnaden, Liebe, Heilung und Vergebung mit sich, der fast zu groß für diesen Erdball ist. Und deshalb macht sie sich manchmal ganz klein – dann bittet sie den Herrn flehentlich, auf ihren Glauben zu sehen und nicht auf ihre Sünden.
Ich liebe die Kirche, weil sie nicht den Aufstand der An-Ständigen inszeniert, sondern jederzeit ihre Knie beugt vor dem, der unermesslich größer ist als sie. Die Kirche mahnt, erinnert, streitet, weint, trauert, jubiliert, psalmodiert und schreitet dabei voller Mut und unablässiger Zuversicht der Wiederkunft ihres Herrn entgegen.
Wie könnte ich sie nicht lieben.

Petra Knapp, Roland Noé (Hrsg)
Liebesbriefe an die Kirche
Verlag Kathshop.at
ca. 160 Seiten
978-3-902686-30-5
9,80 EURO
Das Buch kann im KATHSHOP.at bestellt werden.

cantare

noch einen Hölderlin,...
An die Unerkannte (gekürzt) Kennst du sie, die...
Johannes (Gast) - 16. Mai, 17:37
Auf dem Film aus N-R....
Auf dem Film aus N-R. wimmelt es geradezu von BloggerkollegInnen.
johannes (Gast) - 16. Mai, 07:48
Hw. Jolie rockt!
Und das sage ich gern jedem, der es hören will....
Gertie (Gast) - 15. Mai, 22:43
Schade, dass sie den...
Schade, dass sie den hochwürdigsten Herrn Prälat...
sophophilo (Gast) - 15. Mai, 22:23
Hölderlin Nachtisch???...
Hölderlin Nachtisch??? Aber dennoch, gern ;-)...
L. A. (Gast) - 15. Mai, 21:14
Traurig schön. Oder...
Traurig schön. Oder schön traurig.
Il capitano (Gast) - 15. Mai, 20:15
schnief!
und zum Nachtisch bitte einen Hölderlin.
Johannes (Gast) - 15. Mai, 19:43
@ Gast es stimmt!
Ich habe hier neben mir eine Printausgabe des Programms...
Ester (Gast) - 15. Mai, 19:26
Schade
Oh schade. Wäre sehr gern bei der heiligen Messe...
Johannes (Gast) - 15. Mai, 18:37
Tja, so isses.
Eine heilige Messe als "geistliches Angebot" (stimmt...
@Ester (Gast) - 15. Mai, 18:37
@all
Ja wirklich herzlichen Dank allen für die schöne...
ElsaLaska - 15. Mai, 17:20
Beuys versucht auf durchsichtige...
Beuys versucht auf durchsichtige Weise, die Rede vom...
Damian (Gast) - 15. Mai, 17:06

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