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Italien Blog

Samstag, 7. November 2009

Um auch mal Bruder Paulus zu zitieren:

>>Wie wir Menschen uns auch organisieren: Es braucht das Zeichen des Kreuzes, damit es das Fenster anzeigt, das alle geschlossenen Denksysteme brauchen, um menschlich zu bleiben. Ein Staat, der in seine Amtsräume ein Kreuz hängt, macht sich die Demut zu eigen, niemandes Weisheit letzter Schluss sein zu können. Lehrer, die unterm Kreuz unterrichten, bedeuten ihren Schülern, dass es noch andere Sichtweisen gibt auf die Dinge, die sie unterrichten, als jene, die sie bewusst oder unbewusst mitunterrichten. Und der Richter, zu dem der Angeklagte blickt, braucht das Kreuz über sich, da es auf eine Gerechtigkeit verweist, die kein Urteil dieser Welt geben kann.
Die Gemeinwesen des Abendlandes haben ihre Werte aus der Botschaft des Kreuzes empfangen. Diese zu verkünden, ist Aufgabe derer, die ihr Glauben schenken. Die Werte, die daraus folgen, sind auch ohne diesen Glauben gültig. Deren Zeichen ist das Kreuz. Wer es verbannen will, sollte gut befragt werden, welche Freiheit er damit in Anspruch nimmt. Es ist jedenfalls nicht jene, die der Staat sich bewahrt, der Respekt vor dem Kreuz hat. Er hilft sich damit, demütig zu bleiben und niemals Gottes Stelle vertreten zu wollen.<<

Quelle Bruder Paulus Terwitte: The European

Freitag, 6. November 2009

...

"Das Kreuz vertritt alle Menschen. Aber auf welche Weise? Niemand - vor Jesus - hat gesagt, dass die Solidarität mit den Menschen im Mittelpunkt unserer Existenz stehen muss und dass es allen zustoßen kann, dass sie verkauft, verraten, gequält und für die eigene Überzeugung getötet werden.
Es scheint mir, dass es gut ist, dass unsere Jugendlichen und die Kinder das von den Schulbänken an wissen.
Jesus Christus hat das Kreuz getragen. Alle - Katholiken, und die, die sich diesem Glauben nicht verbunden wissen - tragen wir die Last eines Unglücks, wir werden Tränen vergießen und versuchen, nicht zusammenzubrechen. Das sagt uns das Kreuz.
Es sagt es allen."

Natalia Ginzburg, 1916-1991, italienische Schriftstellerin aus jüdischer Familie, Kommunistin.

Donnerstag, 5. November 2009

Widerständige Christen.

Nach dem Kruzifix-Urteil des Europäischen Gerichtshofes für Menschenrechte in Strasbourg hat Italien reagiert.
Die Italiener waren schon immer kreativer als die Deutschen, wenn es um das Formulieren von Widerstand und um die Veranstaltung subversiver Aktionen ging.
Wenn Strasbourg sagt, es dürfen keine Kruzifixe im öffentlichen Raum hängen, dann gibt es für Italiener darauf nur eine einzige Antwort: NOCH MEHR Kruzifixe im öffentlichen Raum.
[Abgesehen davon, dass das Urteil vollständig lächerlich ist - an den öffentlichen Straßen steht alle hundert Meter ein Kreuz, ein Bildstock oder eine Madonnina.]

Sogar die Kulturschaffenden machen mit. Hier ist die Fassade des Bellini-Theaters in Catania zu sehen. Der Superintendent Fiumefreddo hat dort aus Protest ein Kreuz anbringen lassen.

bellini-th-catania

[gesehen auf blogsicilia.it]

Für die meisten Italiener stellt das Urteil einen Angriff auf ihre kulturelle Identität, ihre Traditionen und natürlich auf ihren Glauben dar.

Auch bei kath.net gibt es dazu einen lesenswerten Artikel.

[Ich hatte mein Hauskruzifix auch abgehängt, solange Mieter hier zu Gast waren und habe es jetzt anlässlich des Urteils rausgesucht und feierlich wieder aufgehängt.]

Update: Der Bürgermeister von Loreto hat einen kommunalen Erlass vorgesehen, der entgegen des Urteils aus Strasbourg die Kreuze in den Schulen belassen wird. Pieroni ist der Meinung, dass das Kreuz nicht nur ein religiöses Symbol sei, sondern vielmehr einen Teil der kulturellen Identität und Geschichte Italiens darstelle.

Dienstag, 3. November 2009

Langsam

aber sicher komme ich an. Es war ein bisschen schlimm mit der Rückreise am Sonntag. Erstmal habe ich alle Feiertage verpasst, aber wenigstens den Angelus und die Messe am Sonntag mithören können im Autoradio - dank Radio Mater (ich dachte, die heißen Radio Maria, aber gut). Am Montag warf mich ein Kreislaufproblem aufs Lager - alles ein bisschen viel. Mamma ist dabei mit ihren 76 Jahren, die drei Katzen (Mimi, Benjamin, Enzo), der Rasul, wir alle wollen hier über Weihnachten bleiben. Trotz allem konnte ich mein Schreibpensum einhalten, aber jetzt ist das Warmwasser in der Küche ausgefallen. Nicht dramatisch, aber ärgerlich, weil hiesige Handwerker hier im Elferteam auftreten und alle erstmal ziemlich rumpalavern, rauchen, telefonieren und alles Mögliche machen müssen, nur nicht, sich um das konkret vorliegende Problem zu kümmern.
Als nächstes steht Aqualagna auf dem Programm, die riesige Trüffelmesse, danach die Alte Messe in Campocavallo, davon habe ich Mamma bereits vorgeschwärmt. Zwischendurch Loreto - ja ich muss da immer wieder hin. Es ist so sensationell, es ist so exorbitant, Loreto ist einfach, ja, ich kann es nicht beschreiben.
Viel Zeit hatte ich nicht, um mich online umzusehen, aber das Statement von Martin hat mich jedenfalls enorm gefreut.
Daneben war es gut, zur Stammbar zu gehen und einen Cappu zu trinken, dazu ein Brioche con crema, im Supermarkt-Discount duften die Tomaten noch richtig nach Tomate und ich habe ein Bündel bildschönen Mangold gekauft, um morgen ein Essen mit Krabben, Pinienkernen, Rosinen, Olivenöl und Knoblauch plus Reis damit zu zaubern.
Life is good. Vorerst.

Dienstag, 27. Oktober 2009

Ich überlege gerade, was schlimmer ist.

Dass das Pilgerrestaurant mit Kaffeebar neben dem Santuario in Manoppello zu hat - oder dass die Scientology sich dort ansiedeln wollen.
Kath.net veröffentlicht die Adresse des Bürgermeisters. Ich denke, ich schick ihm eine Protestnote zu BEIDEM.

Donnerstag, 8. Oktober 2009

Berlusconi verliert seine Immunität.

Einen sehr guten Kommentar dazu, der circa zu 80 Prozent meine eigene Einschätzung der Situation wiedergibt, habe ich auf den Seiten des Handelsblatt gefunden:

"Warum Berlusconi unersetzlich bleibt."

Widerspruch aber bei der pauschalen Behauptung zu Korruption in Italien. Die italienische Gesellschaft funktioniert völlig anders als die deutsche, man tauscht sich öfter und intensiver miteinander aus, es wird viel mehr miteinander gesprochen, sich Zeit füreinander genommen. Deshalb würde ich das lieber etwas neutraler bezeichnen. Schon im antiken Rom gab es das so genannte "Klientelwesen" und im Allgemeinen würde ich sagen, ist man einfach gesellschaftlich vernetzter. Empfehlungen finden meist mündlich statt, man redet miteinander, berichtet ein Anliegen oder ein Problem und der jeweilige Gesprächspartner kennt fast immer einen Dritten, der das Problem lösen kann. Dass ein solches System der Vernetzung wiederum tatsächlich anfälliger ist für Korruption, liegt in der Natur der Sache. Nur miteinander zu reden und sich gegenseitig helfen zu wollen, ist aber noch nicht gleich Korruption. Es gibt also Abstufungen, die man wahrnehmen sollte.

Komisch auch der Satz, Italiener seien zwar katholisch, aber keine Moralisten. Das stimmt zwar in dem Sinne, aber die katholische Kirche ist nicht in erster Linie eine Moralinstanz, auch wenn es von außen so aussieht.

Samstag, 3. Oktober 2009

Messina versinkt in einer Schlammlawine

Nach einem katastrophalen Schlechtwettereinbruch auf Sizilien graben die Hilfskräfte verzweifelt im Schlamm nach weiteren Überlebenden.

Bisher starben 19 Menschen, 34 sind vermisst, 75 verletzt und 400 obdachlos geworden.

Hier geht es zu der Seite mit Videoberichten von der Unwetterkatastrophe von Corriere della Sera.
Hier die Fotostrecke dazu.

Und ... "Berlusconi in arrivo".

[Vor einem Monat hatten wir hier in der Region auch wieder einen starken Erdstoß. Die Erde bebt hier weiter. Wenigstens sieht es mit dem Wetter noch ganz passabel aus.]

Freitag, 18. September 2009

Päpstliche Pfarrei Sant' Anna

Die Kirche nahe bei einem der Eingänge in den Vatikan, der Porta Sant'Anna, stellt sich auf ihren wunderschön gemachten Internetseiten vor, die leider momentan nur auf Italienisch zu haben sind, dafür aber mit zahlreichen Fotos.
Für deutsche Besucher habe ich einfach schnell mal den Gottesdienstplan der Kirche übersetzt - es muss ja nicht immer eine Messe im Petersdom sein:

Öffnungszeiten sind vormittags von 5:45 - 12:00 und nachmittags von 16:00 - 19:30.

Frühmessen an Wochentagen jeweils 6:00, 7:00 (mit Laudes), 8:00, 9:00. Rosenkranz um 17. 30. Abendmesse dann 18.30 im Sommer, 18.00 im Winter, mit Vesper.
Jeden Freitag um 17 Uhr Stille Anbetung für die Familie, jeden ersten Freitag im Monat 17 Uhr Stille Anbetung um Berufungen.

An Sonn- und Feiertagen findet Hl. Messe statt zu folgenden Uhrzeiten: 6:00, 7:00, 8:30, 10:00, 11:00, 12:15
und nachmittags eine Messe in Englisch um 15. 30 Uhr. Rosenkranz um 17.30. Abendmesse wie an den Wochentagen.

Dienstag, 1. September 2009

Die schmutzige Affäre um Dino Boffo.

Schon seit dem Frühjahr steht es mit dem Verhältnis Berlusconis zur katholischen Kirche nicht mehr zum Besten. Als der Ministerpräsident wegen seiner Affären mit blutjungen Frauen von sich reden machte, hoben auch mehr und mehr Kirchenvertreter den Zeigefinger. Der mildeste Tadel lautete noch, er mache sich lächerlich. Meiner Einschätzung nach hat dies die Mehrheit der Italiener nicht weiter beeindruckt, höchsten im positiven Sinne. Immerhin bewies Berlusconi noch in fortgeschrittenem Alter virilità, ein echtes Anliegen für die meisten italienischen Männer, besonders im Rentenalter. Virilità, das hat nicht unbedingt in erster Linie etwas mit "Potenz" oder "sexueller Leistungskraft" zu tun, virilità beweisen bedeutet vielmehr, noch Charme und Anziehungskraft auf Frauen zu haben, liebenswürdig sein, flirten zu können. Inwieweit es zum Ehebruch bei Berlusconi kam, kann ich nicht beurteilen, das habe ich nicht mehr verfolgt. Es ist wohl eher ein Thema, das er mit seiner Frau und seinem Priester besprechen sollte.
Nun aber hat die Auseinandersetzung eine für Italien völlig neue Qualität erhalten. Auf Il giornale, dem Hausblatt Berlusconis, erschien am Freitag ein Artikel des Chefredakteurs Feltri mit der Überschrift "Der Supermoralist", in dem Dino Boffo, seines Zeichens wiederum Chef von "Avvenire", der Zeitschrift der italienischen Bischofskonferenz, mundtot gemacht werden sollte. Boffo hatte wohl die schärfsten Attacken gegen Berlusconi geritten und wird im Artikel von Feltri als Homosexueller bezeichnet, der von einem Gericht in Terni wegen Belästigung zu 516 Euro Strafe verurteilt worden sei. Zum Beweis druckte Il Giornale ein zweiseitiges Dokument ab: Eine Seite besteht aus einem gerichtlichen Briefbogen mit dem Urteil gegen Dino Boffo, die zweite Seite ist ein anonymer Brief, der das Urteil und Boffos Homosexualität erklärt. Dieser habe ein homosexuelles Verhältnis zu einem verheirateten Mann unterhalten und die Ehefrau mehrfach durch beleidigende Telefonate etc. nötigen wollen, ihren Mann freizugeben. Ein Dokument, das praktisch an alle italienischen Bischöfe verschickt worden ist.
Dino Boffo seinerseits hat heute auf Avvenire einen Artikel veröffentlicht, der das Urteil und den anonymen Brief ebenfalls nocheinmal abbildet und versichert, es handle sich um eine Fälschung. Weiter schreibt er, dass der zuständige Ermittlungsrichter in Terni zur Faktenlage offiziell bestätigt habe, dass es zu dem vorliegenden Urteil keinerlei Bezug auf sexuelle Hintergründe gebe.
Noch bevor Boffo diese Stellungnahme veröffentlicht hatte, erklärte sich die Bischofskonferenz Italiens solidarisch und sprach ihm als Chef von Avvenire erneut das Vertrauen aus.
In dem publizistischen Krieg, der jetzt in vollem Gange ist, fragt zum Beispiel Ezio Mauro, der Chef von La Repubblica, ob man angesichts einer solchen medialen Verleumdungskampagne, die gegen eine der Regierung unbequemen Person gestartet worden ist, noch davon sprechen könne, in einer Demokratie zu leben. Er sagt weiter: Nach diesem öffentlichen Lynchmord, der an Boffo verübt worden ist, und aus dem er vermutlich nur deshalb mit heiler Haut davonkommen wird, weil die Macht der Kirche hinter ihm steht - wie soll sich derjenige gegen solche Attacken verteidigen, der die Kirche nicht hinter sich weiß?

Wir hatten heute eine Minidiskussion via Twitter dazu. Ein Einschätzung des Falles scheint schwierig. Eines jedoch ist sicher: Die Kirche Italiens kann sich nun der Unterstützung kirchenferner Berlusconi-Gegner sicher sein. Die Linksparteien in Italien und die Kirche sind sich bereits einig in ihrem Widerstand gegen die Flüchtlingspolitik der (Ultra)Rechten. Eine Allianz der Linken kann Silvio aussitzen. Eine Allianz der Linken mit der Kirche und kirchentreuen Katholiken kann er sich schlicht und einfach nicht leisten.
Ich bin gespannt, wie diese Affäre weitergehen wird.

Update: Dino Boffo, der gestern Abend nach Rom gereist war, hat heute seinen Rücktritt eingereicht. Sein langer Brief dazu ist eine einzige Anklageschrift. Für alle, die Italienisch können, hier z. B. auf tiscali.it nachzulesen (ich würde es übersetzen, aber ich hab im Moment nicht allzuviel Zeit).

Sonntag, 26. Juli 2009

Tridentinische Messe in Italien.

Laut einem Artikel in Il giornale gibt es bei der italienweiten Betrachtung der Verteilung von Alten Messen ein Nord-Süd-Gefälle. Etwa werden in der Toskana oder der Lombardei deutlich mehr Messen im "rito antico" gefeiert, als im Süden Italiens. Angerissen werden in dem Artikel auch Schwierigkeiten und Probleme, etwa Bischöfe, die selbst auf Nachfragen der Gläubigen und mit Verweis auf Summorum Pontificum (dem Motu proprio des Papstes, welches die Feier der Alten Messe ausdrücklich wieder zulässt), die Einrichtung einer solchen Messfeier in ihrem Bistum verweigern. Ein weiteres Problem besteht in der Kommunikation: traditionell gibt es keine Pfarrblätter mit Gottesdienstordnung in Italien, wann Messe ist "weiß man", oder es wird zentral an einem einzigen Ort ausgehängt (der überall sein kann, nur nicht vor der betreffenden Kirche) (ist mir selbst schon negativ aufgefallen). Darum wissen auch die Gläubigen relativ schlecht Bescheid darüber, wann und wo eine Alte Messe gefeiert wird - auch hier ist das Internet beispielgebend.
Il giornale weist ausdrücklich darauf hin, dass mit dem Auftreten der Alten Messe auch die Berufungen am jeweiligen Ort signifikant gestiegen sind (!).

Der Artikel hier - wenn noch mehr Übersetzung (quick and dirty) gewünscht wird, bitte anmerken.

cantare

Hallo str, Erzbischof...
Hallo str, Erzbischof Zollitsch hat schon wieder eine...
Milena (Gast) - 8. Nov, 01:06
Nur kurz zum Knien
ich fühle mich wohler damit, wenn mir eine Gelegenheit...
ElsaLaska - 7. Nov, 23:26
Völlig in Ordnung,...
Elsa, es ist ja auch völlig in Ordnung, daß...
str (Gast) - 7. Nov, 23:11
Das
verübele ich auch niemandem. Es ist außerdem...
christian (Gast) - 7. Nov, 23:11
Nerone., wer ist den...
Nerone., wer ist den "Stg"? Und warum "liebes"? Liebes...
str (Gast) - 7. Nov, 22:47
Das kann man niemandem...
dass er diese Symbolik nicht wahrhat. Ich möchte...
ElsaLaska - 7. Nov, 22:41
Zufälle
Die EMRK, auf der das Urteil beruht, wurde 1950 ausgerechnet...
christian (Gast) - 7. Nov, 22:22
Laut dem Buch "Geschäft...
von Alexandra Maria Linder sind an einem abgetriebenen...
ElsaLaska - 7. Nov, 21:12

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