Nun ist sie auch dem Krebs erlegen. Die Sängerin des Duos Les Rita Mitsouko, Catherine Ringer.
Wir wollten damals so wie Les Rita Mitsouko sein - französisch, schräg, Avantgarde. Verrückte Schminke, krasse Frisuren, außerirdische Klamotten.
Wer mit Billy Eilish und Taylor Swift groß geworden ist, hat null Ahnung von diesem Gefühl. Gut, wahrscheinlicher ist eher, dass ich keine Ahnung habe von Eilish und Swift, weil sie mich einfach nicht interessieren. Eine Musik kommt über das Herz, da kann sie noch so schräg sein.
Herzseitig passiert bei mir hinsichtlich zeitgenössischer Musik rein gar nichts mehr.
Also sang Catherine sich die Seele aus dem Leib. Zum Beispiel über Marcia Baila. Die ihrerseits an Krebs starb. Ich konnte lauthals das ganze Lied mitsingen auf Französisch. Menschen, die es gut mit mir meinen, bezeichnen mich als polyglott. Ich kann gut Sprachen, aber schlecht singen. Glücklicherweise wurde der Song immer sehr laut gespielt.
Catherine, ihr wart schon damals eine absolute Ausnahmeerscheinung in der Musikwelt.
Ruhe in Frieden, ma chère.
New Model Army habe ich geliebt, nicht nur in meiner linksautonomen Phase. Vermutlich hüllen sie sich aktuell auch in Palästina-Fahnen, ich google erst gar nicht, weil ja mittlerweile jeder Vollhorst sich öffentlich eine überwerfen muss. Und ja, ich bin pro Israel, weil ich so erzogen wurde, eingeräumt, ist schon länger her. Und wenn ich nicht so erzogen worden wäre, dann wäre ich jetzt trotzdem pro Israel, und zwar ab genau dem Punkt, an dem ich von den queeren Vollhorst:innen pro Palästina gelesen habe. Sehr geile Sache. Gut, mit interkulturellen Kompetenzen können sie natürlich nicht punkten, sonst wüssten sie es besser, was mit ihnen dort passieren würde, während Israel ein relativ gemütliches Land für sexualisierte Personen jeglicher Couleur ist. Das werden sie nicht verstehen, und ich bin ja nur nazi, natürlich. Sehr einfach.
Aber zurück zu New Model Army. Der Sänger ist meiner Erinnerung nach enorm hässlich, aber dafür kann er auch nichts, vielleicht hat ihn auch die Altersgnade aufgehübscht. Jedenfalls gibt es zwei Lieder, die ich wirklich liebe. Das eine ist "Poison Street", weil es so richtig zu einer guten Party passt. Motto: Wirf die Gläser an die Wand, der Morgen kann kommen, aber das ist uns egal. Das zweite Lied hat den Titel "51th State (of the USA)", und das ist richtig bezaubernd, weil es schon 1986 anti-transatlantisch war (wozu ich ebenfalls erzogen wurde. Meine Eltern fuhren aus Prinzip immer Skoda.) Dieses Lied zu posten bereitet mir tatsächlich eine stille Freude, denn um die Transatlantiker ist es seit Trump ja eher ruhig geworden. Nach Osteuropa (Polen, Tschechien, Ungarn) kann man dagegen noch zuversichtlich blicken, allerdings nur bis maximal nach Kiew, wenn überhaupt.
Genug Politik, jetzt kommen die Kracher. Zuerst 51th State:
Und jetzt also "Poison Street", am besten trinkt man mit seinem Partner, seiner Geliebten, einen Tequila Rapido dazu. Ja, so klang zu meiner Zeit der politische und persönliche WIDERSTAND. Und nicht wie der dröppelige-pieselige Folklore-Gesang der "Toten Hosen":-)
And I love you now
Like I love you always ever
Kissing in the dark
Like a couple of Kids
You gave me life
You gave me light and thunder
Like a blind man sees
For the very first time
In Poison Street we'll go cracking
Through the walls that history made for us
In Poison Street we'll spring the traps
And race away
So just a Kick
For this dark damned city of ours
And a kiss
Yeah a kiss for you
And just a drink
A toast to the days to come
Now Poison Street won't break us anymore
Keine Sorge, ich poste nicht wieder ein Lied aus diesem Album.
Ich dachte nur neulich, dass es eine guter Titel für eine Blogrubrik wäre, die sich mit Dingen beschäftigt, die vor der Zeit von den mittlerweile meisten meiner Zeitgenossen wären.
Und dabei brandaktuell - nihil novi sub sole.
Da hätten wir mal die (un)beliebte Untersparte "Stadtbild".
Hier habe ich also Massive Attack anzubieten, die Sängerin singt von Liebe, ich weiß nicht, ist das Ludwigshafen oder die Bronx - egal. Das Lied ist schön. Die Kapelle selbst wurde neulich wohl aus Singapur rausgeworfen, weil sie die Palästinaflagge auf der Bühne zeigten. Je nun, sie waren ziemlich verstört. Irgendwo weiter unten habe ich angemerkt, dass sie froh sein können, dass nicht gerade die Hamas ihr Konzert mitsamt ihren Zuschauern massakriert hat.
Aber egal, sprechendes Stadtbild.
Es haben aber noch ein paar Leute dazu einen Beitrag geliefert, und das sind die Jungs von Grandmaster Flash and the Furious Five. Ein schönes Beispiel dafür, dass schon 1982 die Leute sehr angekotzt waren von asozialer Scheiße und verdammter Verwahrlosung in ihrem Viertel.
Man sieht gleich, das Stadtbild ist kein völlig neues Phänomen (gut, in Deutschland ja schon, insbesondere weil ja das ganze Jahr lang Oktoberfest ist seit 2015 mit angeblicher normaler Vergewaltigungssaison und sowieso Messer und Macheten, die ja folkloremäßig jeder Wiesnbesucher... na, egal.)
So, jetzt kommen die großartigen Grandmaster Flash, die ohne die Kölner Domplatte auskommen, um ziemlich viel ziemlich übel zu finden.