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Literarisches Blog

Samstag, 24. Oktober 2009

Die Vladmirskaja genannte

Theotokos_of_Vladimir
berühmte Ikone, die im Jahre 1131 von Konstantinopel nach Russland geschickt wurde und heute in Moskau in der Tretjakow-Galerie hängt, ist übrigens eine typische Darstellung der Panagia eleousa - der zärtlichen Gottesmutter. Der Typus der Panagia eleousa soll zuerst in Syrien zwischen dem 5. und 6. Jahrhundert aufgetaucht sein.





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Dienstag, 13. Oktober 2009

...

>>"Die Dissidenten verstoßen eindeutig gegen die Ordnung, aber sie haben doch einige wichtige Fragen aufgeworfen, die bedenkenswert sind."
"Und das wären?"
"Wenn ich offen sein darf, Eure Heiligkeit, dann ist es das Problem der Kollegialität."
"Was genau ist das Problem?"
"Vertrauen wir dem Heiligen Geist oder vertrauen wir ihm nicht genügend, um den Weg zu demokratischeren Strukturen zu öffnen?"
"Das Papsttum stellt sich also dem Wirken des Heiligen Geistes in den Weg?"
"So kann man das nicht sagen. Wir befinden uns gegenwärtig in einer Periode des Übergangs und deswegen ist mit den normalen Schwierigkeiten zu rechnen, wenn die Kirche sich an ein neues Paradigma anpassen muss."
"Welche Sicht haben Sie von diesem Paradigma?"
"Ich möchte klarstellen, Heiliger Vater, dass ich mich nicht so sehr auf meine eigenen Ansichten beziehe als auf die Meinungen dieser Gruppe. Sie sind der Ansicht, dass die Nationalkirchen effektiver arbeiten und den Prozess der Inkulturation realistischer vollziehen könnten, wenn wir unsere schwindenden Ressourcen nicht dafür verbrauchen würden, ein monarchistisches Modell der Kirche aufrecht zu erhalten."
"Hat sich das Konzil zu diesem Punkt nicht eindeutig geäußert? Der Papst ist PETRUS. Er ist der erste der Apostel. Seine Mitbrüder im Bischofsamt üben ihr Hirtenamt nur dann gültig aus, wenn sie in Einheit mit dem Stuhl Petri stehen."
"Ich bin völlig Ihrer Ansicht. Die Bischöfe wollen nur fragen, ob die Struktur der Autorität nicht auch mit größerer Autonomie aufrecht erhalten werden kann."
"Haben sie aus der Geschichte gelernt?"
"Wie bitte?"
"Haben sie das vierte Jahrhundert in der Kirche in Betracht gezogen, als sich fast alle Bischöfe dem Willen eines arianischen Kaisers gebeugt haben? Nur der Papst und eine Handvoll Bischöfe, die mit ihm vereint waren, haben die christliche Botschaft der Evangelien erhalten. Was sagt uns das über den Heiligen Geist?"

[Aus "Father Elijah" von Michael O'Brien.]

Mittwoch, 7. Oktober 2009

Vorschau auf die Oktoberthemen des VATICAN-Magazin.

Guido Horst gibt uns heute wieder einen appetizer resp. aperitivo auf die Themen des Oktoberheftes, das sich bereits in der Post und auf dem Weg zu den Abonnenten befindet. Ab 14. Oktober sollte es auch wieder im Bahnhofsbuchhandel erhältlich bzw. beim Zeitschriftenhändler, wenn nicht vorrätig, so bestellbar sein:

>>"Da hat es einer gewagt, eine über siebenhundert Seiten lange Biografie zu schreiben – über niemand Geringeren als Jesus Christus. Peter Seewald ist als Autor der beiden Interview-Bücher mit Kardinal Joseph Ratzinger bekannt („Salz der Erde“ und „Gott und die Welt“) – doch jetzt hat er nach den Sternen gegriffen. Sieben Jahre hat er an dem Mammut-Projekt geschrieben. Und im Exklusiv-Interview mit dem VATICAN-magazin gibt der Journalist und Bestseller-Autor offen und ehrlich zu, wie man sich bei so etwas fühlt. Über eines ist er sich heute sicher: Dass das Evangelium die größte Geschichte aller Zeiten enthält. Und noch etwas ist ihm in die Knochen gefahren: Dass alles wahr sein könnte, was in den Evangelien steht.

Wie immer ist die neue Ausgabe des VATICAN-magazins ein bunt gemischter Cocktail: Die deutsche Kirchensteuer ist angezählt, vermutet mal Alexander Kissler. Die deutsche Kirche hat sich auf einen Streit mit dem Freiburger Kirchenrechtler Hartmut Zapp eingelassen, der zwar aus der deutschen Körperschaft des öffentlichen Rechts „Katholische Kirche“ ausgetreten ist, aber als auf ewig Getaufter in seiner Kirche bleiben will. Ein Freiburger Gericht hat dem Rebellen jetzt erst einmal Recht gegeben. Geht das so weiter, dann „Gute Nacht Marie“.

Auch wird der geheimnisvolle Rückzugsort Kardinal Ratzingers und der engsten Mitarbeiter des jetzigen Papstes enthüllt: Eine Benediktinerinnen-Abtei in der Toskana. Die Reihe „Das Wunder der Berufung“ führt diesmal in die peruanischen Anden und die Debatten-Reihe „Disputa“ zeichnet den turbulenten Weg der Habilitationsschrift des jungen Theologen Joseph Ratzinger über den heiligen Bonaventura nach: Ein Drama in vier Akten.

Auch die Diskussion über den Zustand des katholischen Journalismus geht im neuen Heft weiter, diesmal wieder zum Verlust der Deutungshoheit durch die kirchenoffiziellen Medien auf den katholischen Seiten im Internet. Und über das Leben der letzten Christen in Jerusalem zwischen Abrissbaggern und Mauerfluchten berichtet Johannes Zang. Dass es diesmal die Punk-Sängerin Nina Hagen war, die die berühmten zehn Fragen an Papst Benedikt stellen wollte, hat sich mittlerweile schon herumgesprochen. Aber noch vieles mehr ist im neuen VATICAN-magazin nachzulesen - nicht zuletzt, wie sich die Machtverhältnisse im vatikanischen Staatssekretariat im vergangenen Sommer schlagartig geändert haben."<<

Und nein, Guido Horst würde nie, auch nicht in der Vorschau, verraten, in welchem römischen Lokal diesmal die Redaktionskonferenz zu Mittag gegessen hat. Ein bisschen Spannung muss schließlich sein!

[Homepage des Vatican-Magazin mit Bestellmöglichkeit für Probehefte]

Freitag, 25. September 2009

Gudrun Sailer: Vatikan. Der christliche Reiseführer.

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Insidertipps verspricht uns das Signet auf dem Buchcover von Gudrun Sailers "Vatikan. Der christliche Reiseführer" und die werden auch dringend benötigt, wenn man nicht in einer Reisegruppe, sondern als Einzelner unterwegs ist oder gar selbst eine Gruppe leiten soll.
Gudrun Sailer arbeitet seit Februar 2003 als Redakteurin bei Radio Vatikan und die Idee, einen solchen Reiseführer zu schreiben, war eine gute. In den meisten Rom-Führern nimmt der Vatikan mal mehr, mal weniger Platz ein, je nachdem, wieviel Raum Architektur und Kunstgeschichte dort gegeben wird. Bildbände und Kunstführer über Rom gibt es wie Sand am Meer. Nach der Lektüre ist der Leser vermutlich in der Lage, blind den Veronikapfeiler im Petersdom aufzufinden. Was aber ist zu tun, wenn man dort einfach still beten möchte? Wohin kann man sich wenden, wenn man an einem Papstgottesdienst oder einer Audienz teilnehmen möchte und wie stelle ich es als frischgebackenes Ehepaar an, den persönlichen Segen des Papstes zu erhalten? Kann ich als normaler Besucher die Ausgrabungen unter dem Dom oder den deutschen Friedhof besuchen? Gudrun Sailer gibt viele hilfreiche Tipps und Hinweise dazu. Und weil sie ihr journalistisches Handwerk gut versteht, ist das Buch auch noch vergnüglich zu lesen und voller Anekdoten über Päpste, Künstler, Gardisten und ganz normale Vatikanbewohner. Natürlich fehlen auch nicht die klassischen Informationen für Touristen wie der Rundgang durch den Petersdom - der aber angereichert mit für katholische Christen relevante Dinge wie etwa eine Zeichnung über die Sitzordnung bei Papstmessen, die Beichtzeiten oder auch, ganz profan, wann in der Kuppel am wenigsten Gedränge herrscht.
Über die Vatikanischen Museen, die vatikanischen Gärten und das vatikanische Geschäftsviertel gibt es eigene Kapitel und zum Schluss auch eine kleine zusammengefasste Baugeschichte der Vatikanstadt.

Freude machen an diesem Reiseführer auch die vielen Fotos und Grafiken, die wunderschöne und genaue Vatikankarte im Innenumschlag sowie der flexible (weih)wasserfeste Einband. Im Anhang gibt es in Kurzform nützliche Adressen und Informationen.

Ein Reiseführer, den jeder christliche Vatikanbesucher besitzen sollte.

Gudrun Sailer: Vatikan. Der christliche Reiseführer.
ISBN: 978-3-7462-2661-3
9,90 Euro
Erhältlich beim St. Benno-Verlag, Leipzig.

Donnerstag, 24. September 2009

Nach Da Vinci Code und The Lost Symbol

Noch schneller, noch thrilliger, noch baufälliger geplottet:

The Forgotten Cipher!

A long-forgotten labyrinth deep beneath the streets of Jerusalem.
A ruthless cult determined to protect it.
A desperate race to uncover the International Olympic Committee's darkest secret.

When celebrated Harvard symbologist Robert Langdon is summoned to the Shrine of the Book to analyze a mysterious ancient script—etched into the floor next to the disemboweled corpse of the head docent—he discovers evidence of the unthinkable: the resurgence of the ancient cult of the Lucifori, a secret branch of the International Olympic Committee that has surfaced from the shadows to carry out its legendary vendetta against its mortal enemy, the Vatican.

Langdon's worst fears are confirmed when a messenger from the Lucifori appears at the Dome of the Rock to deliver a fateful ultimatum: Turn over the archbishop, or one cherub will disappear from the Sistine Chapel every day. Racing against the clock, Langdon joins forces with the bosomy and quick-witted daughter of the murdered docent in a desperate bid to crack the code that will reveal the cult's secret plan.

Embarking on a frantic hunt, Langdon and his companion follow a 900-year-old trail through Jerusalem's most sacred buildings and venerable monuments, pursued by a pigeon-toed assassin the cult has sent to thwart them. What they discover threatens to expose a conspiracy that goes all the way back to Demetrius Vikelas and the very founding of the International Olympic Committee.

[via The interactice Dan Brown Plot Generator]
Probiert auch mal die Randomfunction :-)

Mit Dank an Scipio.

Dienstag, 8. September 2009

Leseeindrücke meiner Konversionsgeschichte.

David hat meine Konversionsgeschichte aus dem Vatican-Magazin gelesen und auf seinem Blog "Gott sei Dank!" einen Eintrag mit seinen Eindrücken dazu gemacht.

Auch Rosenkranz-Atelier hat einen ganz lieben Blogeintrag nach der Lektüre dazu geschrieben.

Vielen herzlichen Dank euch beiden. Ich habe mich sehr gefreut.

Und da wo steht: den Tod von JPII im Mai in Italien erlebt, da streicht ihr bitte Mai und setzt selbstverständlich April ein. Da hatte sich leider der falsche Monat eingeschlichen. Scusi deswegen.

Dafür gibt es jetzt schon den Titel des Buches mit Konversionsgeschichten, der im Oktober im MM-Verlag erscheinen soll. Die Lektorin hat mir gerade gemailt, dass das Buch den Titel tragen wird: "Wenn Gott anklopft".
Sobald ich das Cover habe, werde ich es hier auch präsentieren.

Montag, 7. September 2009

"Die Prophezeiung" auf dem iPod.

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Bloggerkollege David liest meinen historischen Kurzkrimi "Die Prophezeiung" auf seinem iPod im Bett und genießt es, so auch im Dunkeln lesen zu können. Klingt irgendwie atmosphärisch. Damit ich es mir besser vorstellen kann, hat er hat mir einen Schnappschuss geschickt, wie sich der Kurzkrimi auf dem iPod-Bildschirm präsentiert.

Doch, gefällt mir!

Danke, ich konnte mir das bisher auch nicht vorstellen, aber der Umstand, zum Lesen kein Licht zu benötigen, der hat was, vor allem bei historischen Krimis.

Donnerstag, 3. September 2009

Die Prophezeiung [V]

Schwester Gunhild hatte Richmodis sofort nach ihrer Rückkehr zur Abtissin geleitet - mit rotgeweinten Augen wie ein krankes Kaninchen, und ebenso verschreckt und stumm.
Margitta lag mit ausgebreiteten Armen bäuchlings vor dem großen Holzkreuz, das ihr Privatgemach zierte. Richmodis blieb vorsichtshalber stehen und betete dreimal hintereinander still den Psalm Dominus pascit me, ihr persönliches Notfallgebet. Gerade wollte sie ein viertes Mal beginnen, den Herrn als Hirten anzurufen, als Margitta endlich würdevoll aufstand und sich noch einmal verbeugte, bevor sie sich zu ihr umdrehte. Sie machte sich auf einen Schwall von Vorhaltungen gefasst, doch Margitta hob beschwichtigend die Hand.
„Es ist gut, dass du da bist“, sagte sie nur und lud mit einer müden Bewegung der Hand ein, Platz zu nehmen.
„Wo immer du auch warst, du schuldest dem Allerhöchsten Dank dafür, dass Er in Seiner Güte dir das Schauspiel erspart hat, das sich heute erneut in unserer Basilika zugetragen hat.“ Margitta bedeckte mit zittriger Hand kurz ihre Augen. „Die Neueinweihung ist missglückt. Mehr noch, wir müssen davon ausgehen, dass Satan selbst unsere Basilika besetzt hält. Ich habe beim ehrwürdigsten Erzbischof um die Aussendung eines Exorzisten nachgesucht.“
Richmodis spürte, wie alles Blut in ihrem Körper hinunter zum Herzen strömte. In ihren Ohren dröhnte es. Sie bekreuzigte sich hastig. Die Oberin schilderte knapp und ohne auf ihre Verstörung zu achten, den Verlauf der Ereignisse.

Die Zeremonie sollte mit dem festlichen Einzug des Priesters, der Messdiener und einiger Brüder aus St. Gereon beginnen. Dem Zug voraus lief ein junger Oblate, der das Prozessionskreuz trug. Bleich wie sein Leinengewand sei er gewesen.
Alles ging gut, bis zu dem Moment, als sie das Querschiff erreichten, wo immer noch ein riesiger dunkler Fleck auf dem Steinboden, der trotz aller Bemühungen nicht verschwinden wollte, an das schreckliche Ende von Bruder Fulbert gemahnte.
Der Jüngling, - Margitta beschrieb ihn als zartgliedrig, von ausgesprochen weibischem Aussehen mit großen, glutvollen Augen, - sackte auf der Stelle in Krämpfen zusammen, wand sich wie ein Wurm, schrie, heulte und knirschte mit den Zähnen zum Gottserbarmen, bis er sich geräuschvoll erbrach.
Die eine Hälfte der Anwesenden verharrte wie vom Blitz getroffen, die andere brach in helle Panik aus, die von dem Volk, das kreischend hereingeströmt kam, weil sie glaubten, ein Dämon wüte in ihrer Kirche, noch geschürt wurde. Derweil versuchte der Priester sein Heil in der Flucht. Der Anblick des fliehenden Priesters versetzte die Schwestern in noch heilloseren Schrecken und so versuchten die einen, verzweifelt hinauszudrängen, während andere von draußen hereinströmten. Die wenigen, die löblicherweise aufgesprungen waren, um dem leidenden Jungen zu helfen, mussten mitansehen, wie er sich zuguterletzt das Prozessionskreuz mit der scharfen Spitze voran in den Rachen rammen wollte. Der Versuch schlug fehl, die Spitze glitt ab, durchbohrte sein linkes Auge und drang in den Vorderschädel ein.
An dieser Stelle des Berichtes schlug sich Richmodis, vom Grauen überwältigt, die Hände vors Gesicht und brach in Schluchzen aus.
„Heilige Muttergottes, hilf uns, steh uns bei!“, stammelte sie. „Lebt er denn noch?“
„Du hast Recht, sie anzurufen. Es ist alleine der gütigen Jungfrau zu danken, der Schlangenzertreterin, dass nicht noch mehr passiert ist. Der Junge lebt und liegt auf der Krankenstube, in der Obhut von Schwester Irmengard. Sie sorgt sich um ihn wie um ihren eigenen Sohn. Aber das Auge ging unwiederbringlich verloren, der Bader hat die Höhle ausbrennen müssen. Schwester Irmengard wacht nun und versucht das einsetzende Fieber zu senken. Der Herr helfe ihr und uns, arme Sünderinnen, die wir sind.“

Es war nicht nur die caritas, die Richmodis hinüber zur Krankenstube trieb, einem Stall, den man ausgebaut hatte und dessen Kräuter- und Gewürzdüfte es nie vollständig schafften, den Duft nach Heu und Pferden zu verdrängen. Sie beabsichtigte, sich von Schwester Irmengard einen schönen Becher mit Branntwein verordnen zu lassen, um etwas gegen das Ohrensausen zu tun, das sie seit dem Bericht der Oberin befallen hatte. Doch dann siegte ihre Neugier über ihre Schwäche und sie bat Irmengard, eine vollbusige Matrone mit Watschelgang und weichen, heilkundigen Händen, sie an das Lager des Schwerverletzten zu geleiten.

Gernots Schädel war bandagiert und er lag bereits im Fieber. Richmodis rührten seine schmächtige Gestalt und die Reinheit seiner Züge an, soweit sie unter dem Verband noch zu erkennen waren. Dann und wann wälzte er sich unruhig, die schmalen Hände mit den dünnen Fingern bewegten sich spinnenhaft- Richmodis erinnerten sie an die Weberknechte, die über die Wände ihres Zimmers huschten.
„Er leidet schwer. Kannst du ihm die Schmerzen nicht nehmen?“, wandte sie sich an die gütige Irmengard, die ihm mit Weihwasser die Lippen netzte. Zu ihrem Erstaunen zwinkerte die Heilkundige ihr zu. „Das Fieber bringt ihm süßere Träume, als meine Mittel es je könnten.“ Sie wies mit dem Kinn auf die deutliche Erhebung in der Mitte seines Leibes. „Unser Spatz steht in Flammen, aber es ist die Glut der Liebe, die ihn durchströmt. Wenn es nicht weiter steigt, ist es förderlich für ihn, denn sein Körper fühlt nicht die Schmerzen, sondern jene Freuden, die der Liebestraum beschert. Fast könnte man ihn beneiden ...“ Schwester Irmengards rundes Gesicht lief rosig an.
Richmodis dankte dem Herrn insgeheim, dass er sie nicht zur caritas, sondern zur Schreiberei berufen hatte. Jedoch, es war ersichtlich, die Fieberträume des Jungen erleichterten sein Los.

„Und hat er etwas gesagt?“
Irmengard zündete umständlich eine weitere geweihte Kerze an und platzierte sie am Fußende von Gernots Lager. Dann nickte sie langsam. „Immer wieder, immer das Gleiche. Wie eine Taube nach dem Täuberich ruft. Horch!“
Und Richmodis horchte. Wie Gernot sehnsüchtig immer wieder und wieder nach Fulbert rief.

Nach der Vesper genehmigten sich die Mutter Oberin und Richmodis zwei, drei Becherchen von Irmengards Branntwein, natürlich aus medizinischen Gründen. Endlich konnte sie auch die Ergebnisse ihres Besuches bei der Edlen Hroswitha zusammenfassen.
„Und deshalb“, schloss sie, „meine ich, ehrwürdige Mutter, dass Anselmus den Mord begangen hat. Fulbert und Gernot waren ein Liebespaar. Oh, hättet Ihr doch nur hören können, wie der Junge nach ihm schmachtete. Die Trauer muss ihn überwältigt haben. Der Anblick der Blutflecken, der Ort, an dem an seinem Geliebten ein grauenhaftes Verbrechen begangen wurde – eh, natürlich auch ein unvergleichlicher Frevel an den Gebeinen der Hl. Ursula und ihrer Gefährtinnen – da fiel es mir wie ein Schleier von den Augen. Hatte ich eben noch erwägt, dass Anselmus voller Trauer sei? Nein, ich sage Euch, die Umkehr von Hroswithas Enkel geschah aus Schrecken und Furcht vor den Konsequenzen seiner furchtbaren Tat. Die teuflische Fratze der Eifersucht hat ihn überwältigt. Anselmus hat Fulbert nicht geliebt. Gernot schon!“
Sie lehnte sich hochzufrieden in ihrem Stuhl zurück und griff zerstreut nach dem Branntweinkrug. Margitta räusperte sich und schob ihren Becher mit einer nachdrücklichen Geste über den Tisch. Richmodis fuhr zusammen und beeilte sich, ihrer Oberin nachzuschenken.
„Alles wäre perfekt, wenn es nicht ausgerechnet der Enkel unserer Wohltäterin wäre, den du des Eifersuchtsmordes verdächtigst.“ Margitta unterdrückte einen Schluckauf. „Jedoch, wir werden alles unserem Herrgott und der Heiligen Muttergottes anempfehlen. Sie wissen, was zu tun ist. Wir gehen zu Bett. Von der Vigil bist du heute entbunden, aber sprich die Komplet mit Eifer und unter inbrünstiger Anrufung um Rat und Hilfe an alle Heiligen. Möge Gott dich segnen, geliebte Tochter.“

Richmodis vergaß nicht, diesen nächtlichen Wunsch ihrer verehrten Äbtissin zu erfüllen. Zur Vigil hätte sie tatsächlich nicht einmal dann aufstehen können, wenn in ihrer Stube Feuer ausgebrochen wäre.

Zur Laudes am nächsten Morgen erreichte sie die Nachricht, dass man Anselmus’ Leiche im Rhein treibend aufgefunden hatte. Obwohl alle von einem Unfall ausgingen und Anselmus in geweihter Erde begraben wurde – unverdient, wie Richmodis befand – versäumte sie es doch nie, für ihn, Hroswitha mit ihrer Familie und schließlich auch für den armen Gernot, der allmählich genas, jede Woche sieben Bußpsalmen zu beten. Von Ketzern aber träumte sie nie mehr.

[Ende]

[Beginn der Geschichte hier: Teil I]

Mittwoch, 2. September 2009

Die Prophezeiung [IV]

Hroswitha von Merstetten wohnte in der Hohe Pforte genannten Straße, in der Nähe von St. Maria im Kapitol. Auf dem Weg durch das winterliche Köln kam sie an Schänken und Backstuben, Fleischhauerständen, Maroniröstern, Wasserträgern und Wachsziehern, Schildermalern und Wappenschmieden vorbei. Die Luft war eisig, der Himmel milchig. Bald würden die ersten Flocken fallen. Richmodis freute sich nicht über die Kälte, aber auf den Schnee. Sie wollte Hroswitha einen harzig duftenden Kranz aus frischen Tannenzweigen bringen, der auf dem Reliquienschrein der Hl. Ursula geweiht worden war.
Als sie in die Hohe Pforte einbog, erschrak sie. Ein Leichenzug, angeführt von Ministranten mit Vortragekreuz und Weihrauchkesseln, gefolgt vom Priester, von Klageweibern, Verwandten und Freunden kam ihr entgegen, so dass sie fürchtete, die betagte Gönnerin des Ursulastiftes sei verstorben.
Um sich zu versichern, trat sie in das dreistöckige Haus mit dem mächtigen Ziergiebel ein. Sie fand die 84jährige Hroswitha kreuzfidel auf ihrem Krankenlager unter dem Dachstuhl vor.
Hroswithas Ähnlichkeit mit einem Zwetschgenmandl wurde durch die Lebhaftigkeit ihrer kleinen schwarzen Augen noch verstärkt. Kaum, dass sie Richmodis begrüßt, den geweihten Kranz achtlos beiseite gelegt und drei Mal kräftig geniest hatte, setzte sie die Totenklage über die Frau ihres achten Enkelsohnes fort.
Richmodis Vorschlag, gemeinsam für die im Kindbett Verstorbene zu beten, stieß auf wenig Gegenliebe.
„Wieviel Silberdenare bekommt ihr frommen Fräuleins im Jahr von mir, he? Und wofür? Damit ihr euch Schleckwerk und Honigwein kaufen könnt? Was denkst du? Antworte!“
Richmodis beeilte sich zu versichern, dass für sie und ihre Familie täglich gebetet werde und dies selbstverständlich auch nach ihrem Ableben, welches hoffentlich noch in allerweitester Ferne stünde, fortgeführt werde. Die Greisin ließ sich schwer atmend in ihr Kissen zurücksinken.
„Bilhildis war eine dumme Gans! Was lässt sie sich gleich von diesem Hanswurst und Protzlackel bespringen und ein Kind machen? Die Herren der Schöpfung! Wenn sie zu den Mauersteherinnen und Schankmägden gehen, wissen sie doch auch, wie sie’s anstellen müssen!“ Sie hieb mit der flachen Hand auf ihre Strohmatratze, dass der Staub aufwirbelte. Richmodis rätselte noch über die Bedeutung des letzten Satzes nach, da wurde die Alte deutlicher.
„Dem jüngsten Sohn meines jüngsten Sohnes, Anselmus, dem wär das nicht passiert. Der lässt sich keinen drallen Weiberarsch entgehen. Was reißt du die Augen auf, Täubchen? Weißt du immer noch nicht, wofür ihr das viele Geld von mir bekommt?“ Hroswitha fuhr sich mit der Zunge über die rissigen Lippen. Richmodis reichte ihr mit gesenktem Blick einen Becher Wasser. Die andere nahm einen großen Schluck, bevor sie fortfuhr.
„Vitium contra naturam!“ Es klang, als spräche sie von ihrer Leibspeise. „ Das Laster wider die Natur! Mit den Weibern vollzogen macht das drei Jahre Buße nach dem liber poenitentialis des Regino von Prüm. Anselmus hat noch eins draufgesetzt – ein weißes, schmales Mönchsärschlein aus St. Gereon musste es sein. Konnte gar nicht genug von ihm kriegen. Macht dann sieben Jahre Buße, Kindchen. Also betet, betet ohne Unterlass für die alte Hroswitha und ihre Familie! Ich will was haben für mein Geld!“
Richmodis zögerte keine Sekunde, sie fiel auf die Knie und stimmte einen Bußpsalm an, um Hroswitha bei Laune zu halten und Zeit zum Nachdenken zu gewinnen.
War es möglich, dass Anselmus und Fulbert ...? Richmodis wollte sich in die Art und Weise ihres Verhältnisses nicht zu sehr vertiefen, nicht beim Psalmenbeten. Aber wenn sie einmal mit der Folgemagd von Anselmus ein Wörtlein redete? Hiltrud war ein hübsches und verständiges junges Ding. Und wenn Anselmus mit ihr auch? Contra naturam? Rasch versammelte sie ihre ausschweifenden Gedanken wieder auf die letzten Abschnitte des Miserere mei, Dominus und schloss mit einem inbrünstigem Amen. Hroswitha war mit einem zufriedenen Lächeln auf den eingefallenen Lippen in einen tiefen Schlaf gesunken.

Hiltrud bürstete gerade einen glänzendbraunen Biberpelzumhang aus, der vermutlich Anselmus gehörte und hatte vor Anstrengung Schweißperlen auf der Stirn. Sie grüßte Richmodis freundlich. Hin und wieder hatte sie der Schreiberin frische Gänsekiele oder eine schöne Kerze in den Stift gebracht, als Geschenk ihrer Hausherrin. Jedesmal hatte sie etwas zu trinken und eine Scheibe Musbrot oder einen Kanten Käse bekommen. Dass sich eine der Stiftsfrauen für ihren Herren interessierte, war aber noch nie vorgekommen. Hiltrud räumte dem Fräulein keine Chance auf die Gunst ihres Herren ein – zu mager, befand sie. Doch beneidete sie Richmodis um deren silbrig-blau leuchtenden Augen unter der hohen und schön gewölbten Stirn.
„Der Herr kasteit sich dieser Tage“, gab sie wichtig zur Antwort, weil sie glaubte, dass dies dem edlen Fräulein wohl gefallen würde. „Er isst nichts, hin und wieder einen Kanten Brot. Dem Wein war er noch nie zugetan. Er schläft nicht, sondern betet viel. Besonders drüben in St. Gereon. Möglich wär’s, dass er in den Stift eintreten will. Aber gehört hab ich noch nichts darüber ...“ Hiltrud hob bedauernd die Schultern, weil sie meinte, dass dieses Vorhaben Anselmus in den Augen von Richmodis anziehender machen müsste.
„Es freut mich zu hören, dass dein Herr so ein frommer Mann ist, Hiltrud. So ist er also in sich gegangen und hat sich bekehrt. Jaja, die Predigten unserer ehrwürdigen Mutter Hildegard vom Rupertsberg haben schon so manchen zur Umkehr gebracht. Danken wir dem Allerhöchsten, der aus ihr spricht.“ Sie schaute Hiltrud in die treuherzigen Augen. Prompt begann die Zimmermagd zu strahlen. „Ehre und Dank dem Allerhöchsten, und der guten und ehrwürdigen Mutter Hildegard. Bald nach dem Tag, an dem Eure Abschrift ihrer Predigt bei uns im Hause verlesen wurde, war mein Herr wie ausgewechselt. Er bewahrt sie zusammen mit seinen wertvollsten Unterlagen auf.“
Richmodis strahlte aufrichtig zurück und drückte ihr als Dank eine der begehrten Tuchreliquien in die Hand, die auf dem Schrein der Hl. Ursula geweiht wurden. Sie verabschiedeten sich herzlich.

Die Predigtkopie war also tatsächlich in Anselmus’ Händen gelandet. Er bewahrte sie sogar für die ganze Familie auf. Jetzt musste Richmodis nur noch herausfinden, ob Anselmus ein Trauernder, der Mörder - oder gar beides war.

Richmodis gehobene Stimmung hielt nicht lange an. Auf dem Rückweg rutschte sie auf einer Handvoll Fischgekröse aus und wäre fast hingefallen. Außerdem stellte sie fest, dass sie es zur Sext bestimmt nicht mehr schaffen würde – die Mittagsstunde, in der heute die Neueinweihung der St. Ursula Kirche erfolgte. Was Mutter Margitta dazu sagen würde, konnte sie sich lebhaft ausmalen.
Aber es sollte alles noch weitaus schlimmer kommen.

[wird fortgesetzt]

[zurück zu Teil III]

[zurück zum Anfang von Die Prophezeiung]

Montag, 31. August 2009

Die Prophezeiung [III]

Margitta befand sich in der Gesellschaft des Vorstehers von St. Gereon, Liudger von Amsperk. Obwohl alles nach einem gemütlichen Beisammensein aussah – das flackernde Feuer, eine Schale mit den letzten frischen Trauben des Jahres – waren die Mienen der beiden ernst. Abt Liudger, ein kleiner Mann mit Säbelbeinchen, war stark abgemagert, seit Richmodis ihn das letzte Mal gesehen hatte. Faltige Hängebacken waren ihm geblieben, die durch nach unten gezogene Mundwinkel noch verstärkt wurden. Der ungünstige Eindruck wurde abgerundet durch ein Paar Segelohren, die sich auffallend über der Halskrause erhoben und sich Richmodis zuwendeten wie zwei große, bleiche Kohlblätter. Die Äbtissin forderte sie mit einer Handbewegung auf, Platz auf dem Hocker neben sich zu nehmen. Richmodis folgte ihrer Anweisung schweigend und legte die Seite der Abschrift in ihren Schoß.
„Vater Liudger und ich erörtern gerade den Mord an Bruder Fulbert – der Herr schenke seiner Seele ewige Ruhe! Welche Neuigkeiten hast du für uns, liebe Tochter?“
Richmodis versicherte sich mit einem Seitenblick auf Margitta, dass sie frei sprechen dürfe und verlas die Abschrift mit der Klerikerschelte der Hildegard vom Rupertsberg, um dann auf ihre eigenen Schlussfolgerungen zum Zustand der Leiche zu kommen. Margitte hörte ihr mit ausdrucksloser Miene zu. Abt Liudger zog hin und wieder schmerzlich die Augenbrauen zusammen oder rieb sich mit einem Sacktuch den Schweiß aus dem Gesicht. Nachdem sie geendet hatte, war nur noch das schwere Schnaufen Abt Liudgers zu vernehmen, das Flackern des niederbrennenden Feuers und ein leise einsetzender, aber zunehmend stärker werdender Graupelschauer, der gegen die mit Ölhaut bespannten Fenster prasselte.
Abt Liudger nahm mit zittrigen Händen noch eine Traube und verschluckte sich prompt.
„Ihr meint also“, keuchte er, nachdem er sich wieder erholt hatte, „dass der Mörder die Leiche bewusst so zugerichtet hat, wie es die verehrte prophetissa in ihrer erhebenden Predigt beschrieben hat?“
Margitta nickte ein paar Mal nachdenklich. „Natürlich, Vater Liudger, warum denn nicht? Es ist die einzige Erklärung, die wir für den Zustand von Bruder Fulbert haben! Bedenkt doch nur das klaffende Loch zwischen seinen Beinen, wo das Werkzeug seines gotteslästerlichen Tuns mit Stumpf und Stiel herausgerissen wurde!“
An dieser Stelle verfärbten sich Abt Liudgers Ohren hin zur Farbe von Rotkohl. Er nahm einen kräftigen Schluck Hirsebier. „Damit kommen wir leider nicht weit. Hunderte, vielleicht sogar Tausend Menschen kennen die Predigt, die unsere verehrte prophetissa auf den Stufen von Maria im Kapitol gehalten hat“, gab er zu bedenken. „Selbst wenn die Rede Hildegards der Schlüssel für die Verstümmelung ist, für Ruß im Mund und Münzen in der Hand – wie können wir wissen, ob der Täter ein Ketzer war, der aus Feindschaft gegen den rechten Glauben an diesem Mönch gefrevelt hat? Oder ein Rechtgläubiger, der das Gericht Gottes gegen einen liederlichen und unzüchtigen Bruder vorwegnehmen wollte?“
Richmodis wechselte einen Blick mit ihrer Äbtissin. Die ehrwürdige Mutter hatte es auch bemerkt! Obwohl Abt Liudger eben die Originalstelle und ihre Schlussfolgerungen dazu gehört hatte, sprach er von Ruß im Mund statt in der Nase und Münzen in der Hand anstatt im Mund. Wie mochte es einem da ergangen sein, der inmitten der Menschenmenge die Predigt gehört hatte? Niemand hätte diese Details so genau memorieren können, befand Richmodis, wenn er nicht in einer Abschrift der Predigt hatte nachlesen können! Und damit engte sich der Kreis der möglichen Täter auf wenige Personen ein.
Sie sprang auf, erntete einen tadelnden Blick und entschuldigte sich mit einer Ausflucht. Richmodis war zuversichtlich, späteren Vorhaltungen von Mutter Margitta mit greifbaren Ergebnissen bei der Suche nach dem Mörder begegnen zu können. Mit fliegenden Röcken eilte sie zurück in ihre Schreibstube, wobei sie ausgerechnet in den Höhepunkt des Eisregenschauers geriet. Von Kopf bis Fuß durchnässt und mit den Zähnen klappernd langte sie in ihrer Stube an und musste sich als erstes umziehen.
Mutter Margittas Empörung konnte ihre Neugier nicht verhehlen – keine zehn Minuten später erschien sie in Richmodis’ Schreibstube, um sie zur Rede zu stellen und ihr drei Vaterunser aufzuerlegen, davon eines für Abt Liudger, eines für das Seelenheil von Bruder Fulbert und eines zur Sühne für ihre Hoffart. Richmodis wollte gehorsam mit den aufgetragenen Gebeten beginnen, doch Margitta unterbrach sie: Nicht jetzt, natürlich, sondern später, nach der nächsten Frühmesse, zum Beispiel. Und erst n a c h d e m sie ihr erklärt hätte, was ihr bei Abt Liudgers Bemerkungen eingefallen wäre. Richmodis beeilte sich, ihre Liste mit den Empfängern vorzulegen:

√ Kanzlei Erzbischof Rainald von Dassel
Philipp von Heinsberg, Domdekan
Reginlind, Äbtissin vom Stift Maria vom Kapitol
√ Luidger, Abt von St. Gereon
√ Hroswitha, WohLThäterin
√ HAdwig Von WIETH, ÄBtissin von Gerresheim
ADALBERT, WOHLTHÄTER

„Ehrwürdige Mutter, es ist Euch aufgefallen, dass Abt Liudger, der doch vor Maria im Kapitol dabei war, als unsere verehrte prophetissa gesprochen hat, sich die Einzelheiten nicht gemerkt hat? Obwohl ich die Rede eben vor ihm nochmals verlesen hatte? Und auch mir ist die Zuordnung des Rußes, der Münzen, des – nun, des Zustandes von Bruder Fulbert erst bei wiederholtem Lesen der Predigt aufgefallen. Deshalb bin ich mir sicher, ehrwürdige Mutter, dass der Mörder nicht unter jenen zu suchen ist, die vor Maria im Kapitol die Rede der Hildegard anhörten, sondern unter den wenigen Personen, die Zugang zu einer Abschrift haben!“
Margitta ballte beide Hände zu Fäusten und ging aufgeregt auf und ab. „Du hast Recht! Das ist ein Fingerzeig Gottes durch Abt Liudger gewesen! Und du, meine Tochter, stehst in Seiner Gnade. Mit IHM und Seinem Beistand werden wir diesen schändlichen Frevler der Reliquien Seiner heiligen Jungfrauen und Seiner geliebten heiligen Tochter Ursula zur Strecke bringen!“
Zur Bekräftigung umklammerte sie mit der Rechten das Kruzifix, das sie um den Hals trug, küsste es und trat nochmals herzu, um sich die Liste eingehender zu betrachten.
„Den Erzbischof können wir wohl ausschließen“, murmelte sie und rückte ihr Brustkreuz wieder zurecht. „Und die Edle Hroswitha ist steinalt und kann ihr Lager nicht einmal mehr für den Abort verlassen.“
Richmodis heuchelte Zustimmung, nahm sich aber vor, niemanden von der Verdächtigenliste zu nehmen, solange sie nicht noch einmal selbst Erkundigungen zu jedem Einzelnen eingeholt hatte. Und weil sie nicht wusste, wie sie in das Erzbischöfliche Palais vordringen oder sich im Stift von Abt Liudger unauffällig umtun konnte, beschloss sie, mit der Edlen Hroswitha anzufangen.

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cantare

@ mxx Es ist doch vor...
@ mxx Es ist doch vor allem Blödsinn, dass das...
christian (Gast) - 7. Nov, 09:39
Was wäre denn...
zum Beispiel ein atheistisches Symbol? ("Angenommen...
Yon (Gast) - 7. Nov, 00:28
"Und es ist zum Beispiel...
"Und es ist zum Beispiel kein religiöses Gefühl,...
Mxx (Gast) - 6. Nov, 23:39
Verbesserung zur Erziehung:...
Verbesserung zur Erziehung: "etwas tun kann", nicht...
Imrahil (Gast) - 6. Nov, 22:38
>>Interessant ist...
>>Interessant ist ja immer, dass die Kirche die...
Imrahil (Gast) - 6. Nov, 22:33
"Die Werte des Grundgesetzes...
"Die Werte des Grundgesetzes beruhen nicht auf den...
Mxx (Gast) - 6. Nov, 21:46
Die Werte des Grundgesetzes...
Die Werte des Grundgesetzes beruhen nicht auf den Menschenrechten,...
Imrahil (Gast) - 6. Nov, 19:57
Ob Bildung oder Erziehung
darüber müssen wir uns nicht streiten. Ich...
ElsaLaska - 6. Nov, 19:04

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