"Und weiter bemerkte ich, wieviele Mühen und Plagen die Armen hatten (gemeint sind die Eheleute allgemein - Anm. v. mir). Die meisten konnte man von einer großen Schar von Kindern umgeben sehen, die sie mit Stricken an sich festgebunden hatten und die einen gewaltigen Lärm schlugen, kreischten, stänkerten, sich balgten, bisweilen erkrankten und starben, ganz zu schweigen von den Tränen, Schmerzen und Gefahren des eigenen Lebens, mit denen ihre Eltern sie zur Welt gebracht. Wenn aber eines von ihnen herangewachsen war, dann gab es doppelt so viel Arbeit: teils sie im Zaume zu halten, teils sie anzuspornen, da sie häufig zucht- und zügellos gar wunderliche Seitensprünge machten und ihren Eltern Herzeleid und Kummer bereiteten. Doch wenn sie ihre Kinder frei gewähren ließen oder diese sich ihrer Zucht entzogen, hatten die Eltern Schande, oft sogar den Tod davon. Als ich dies hie und da bemerkte, begann ich einige von ihnen zu ermahnen: die Kinder zur Tugend und die Eltern, daß sie von ihrer Affenliebe und allzu großen Nachgiebigkeit lassen möchten. Doch richtete ich wenig aus, man sah mich nur mit schelen Augen an und warf mit Steinen nach mir, ja einige drohten mir sogar mit dem Tode. Ich pries die Unfruchtbaren glücklich, denn auch solche gab es hier; doch waren sie nicht weniger traurig und verwünschten ihr Geschick, da sie ein freudloses Dasein führten, woraus ich sah, daß beides, Kinder haben und keine haben, in der Ehe allemal ein Unglück sei.
Jan Amos Komenský: Das Labyrinth der Welt und das Paradies des Herzens
ElsaLaska - 30. Sep, 20:05
laufen vom Restaurant zum Parkplatz. Vor uns hält ein französischer Kleinwagen mit HipHopGeboller, vier Jungs unter Zwanzig steigen aus. Sie nerven. Es ist eine göttliche Nacht und Autolärm ist an und für sich schon Lärm genug, auch ohne dass es herausbollert.
Elsa: "Gott, die nerven mich ja so. Sustine et abstine."
Anobella: "Wir waren auch so."
Elsa: "Natürlich waren wir auch so. Na und? Deshalb nerven sie aber nicht minder."
Anobella (weiß Elsa zu händeln): "Ja, sie nerven. Und wie."
Elsa: "Genau. Ich hab damals auch MTV geguckt. Aber da war das noch nicht so ein Scheiß mit Pimp Daddy Raff Doggy Snoop two and a half cent, der irgendwelchen barbusigen Mulattenweibern beim Anführungszeichen Casting Abführungszeichen Daumen hoch oder runter gegeben hat, je nach dem, wie gut sie Kopulation auf der Bühne simulieren können. Ich seh das immer im Fitnessstudio und es kotzt mich an. Die Helden unserer Zeit waren Little Steven und Mink de Ville, das rockte wenigstens gescheit!"
Anobella (meditativ): Ray Cokes! Damals!
Elsa (immer noch aggressiv): GENAU!
ElsaLaska - 30. Sep, 01:14
ist auch, dass sie sich über ein Thema ereifert und fix die ganze Kneipe zusammenschreit, dass sich alle Köpfe drehen.
Ich nicke stumm, warte auf meinen Einsatz oder falle ihr ins Wort, je nachdem, ob ich schon was zu trinken habe oder nicht, falle lautstark ein, referriere und werde immer lauter und - wie das Amen in der Kirche folgt die Ermahnung: Schrei doch nicht so!
ElsaLaska - 30. Sep, 00:54
hab ich mich mit anobella getroffen. Sofort nach der Begrüßung hat sie mir strahlend ein Benedetto-Bildchen überreicht. Ich könne es gut als Lesezeichen benutzen, meinte sie, oder ins Auto tun - nur so als Vorschlag.
So ist sie. Obwohl sie mit Benedetto kaum was anfangen kann.
Und dann gehe ich in mich und finde mich eine schlechte Freundin.
Warum?
Weil ich ihr immer nur Sachen schenke (n würde), die mir selbst gefallen.
Nie würde ich ihr einen neuen George- Clooney-Fankalender schenken - der alte in ihrer Küche ist glaub ich aus den Neunzigern.
*gerührt jetzt*
*nimmt sich vor, ihr zur Weihnachten einen neuen Clooney-Kalender zu kaufen, auch wenn ich vorher eine Rennie nehmen muss*
ElsaLaska - 30. Sep, 00:45