aber einen besseren Dichter als Rilke hat es nie gegeben.
ElsaLaska - 26. Jan, 23:13
O wo ist der, der aus Besitz und Zeit
zu seiner großen Armut so erstarkte,
daß er die Kleider abtat auf dem Markte
und bar einher ging vor des Bischofs Kleid.
Der Innigste und Liebendste von allen,
der kam und lebte wie ein junges Jahr;
der braune Bruder deiner Nachtigallen,
in dem ein Wundern und ein Wohlgefallen
und ein Entzücken an der Erde war.
Rilke. Aus dem Stundenbuch.
Bildquelle: Wikipedia Commons.
ElsaLaska - 26. Jan, 23:04
steht auf dem Überweisungsschein für die tomografische Untersuchung.
Wenn ich nicht die Geschichte von meiner Patentante, oder besser Cousine, erzählt hätte, die elend daran zugrundeging, stünde vielleicht einfach nur drauf: "neuralgische Schmerzen einseitig, hinter dem linken Auge".
Mein Bruder Salamander eben.
Ich hätte es ja auch nicht erzählen brauchen.
ElsaLaska - 26. Jan, 00:46
ist, dass die Bezeichnung für die real existierenden Dinge, Namen für Orte, an den Gräueltaten begangen wurden, Namen für Pflanzen, Hecken, Sträucher, Blumen, Bäume, Tiere immer mehr schrumpfen.
Die Sprache verarmt deswegen nicht. Lampreten bleiben trotzdem Lampreten, auch wenn keine Sau sie mehr kennt.
Aber unser Bewusstsein verarmt. Ich spekuliere jetzt, aber ich bin mir fast sicher, dass wir mittlerweile mehr Wörter für Dinge geläufig haben, die gar nicht wirklich existieren.
Das Wort "Hund" etwa, ist arm.
Es kann nie und nimmer die Fülle und Diversität dieser Rasse, die verschiedenen, teilweise völlig konträren Charaktereigenschaften einzelner Hunde beschreiben. Unsere Erfahrungswelten mit ihnen.
Er war ein Owtscharka, ein deutscher Schäferhund, ein Trüffelhund, ein Windhund, ein Afghane, ein Gebirgshund, ein Suchhund, ein Leichenspürhund - die ganze Vielfalt der Wahrnehmung, wie sich ein solches einzelnes Lebewesen dann gebärdet, wird doch gar nicht erfasst.
Wenn die Leute langsam nicht mehr wissen, wie sie eine Eiche erkennen können, dann geht ihnen doch auch mehr als das verloren.
Dann geht auch das verloren, wofür die Eiche steht.
Dann wird unser Bewusstsein zum Big Brother - Container - kontainiminiert.
ElsaLaska - 26. Jan, 00:06
Manchmal sitze ich da und überlege mir, wo alles noch hinführen soll. Der Anlass ist folgender: Ich schrieb gerade " er rauchte eine Sobranie".
Soll ich das jetzt echt mit Pall Mall ersetzen, nur weil wahrscheinlich keiner mehr weiß, dass Sobranie eine russische Edel-Zigarettenmarke ist?
Neulich strich mir anobella Palas an: Das wisse ja keiner, alle würden denken, ich hätte mich vertippt und PalasT schreiben wollen.
Wenn ich Leo Perutz lese, stoße ich auf Wörter, die ich überhaupt nicht kenne (Lampreten). Und dabei habe ich einen relativ großen, naja, verhältnismäßig großen Wortschatz.
Es gibt mit Sicherheit Leute, die Perutz lesen und kaum noch die Hälfte verstehen. Schuld hat auch nicht der Sprachverfall, die Sprache existiert ja immer noch: Das Wort Lampreten gibt es und wenn man es nicht weiß, kann man es nachschlagen. Es meint besonders schmackhafte Fische, ich glaube Neunaugen.
Mitte der Neunziger traf ich einen Jurastudenten, dem das Wort Lidice nichts sagte. Das war aber vor zehn Jahren schon.
Letzten Sommer fragte ich im Scherz eine Freundin, was das wohl für ein Ast sei (es war der Ast einer Eiche mit Eicheln dran!) - sie wusste es nicht.
Ich weiß wirklich nicht, wo das alles noch enden soll. Es ist doch nicht so, dass man keine Zeit mehr hätte, wir haben doch elend viel Freizeit in Europa, Geld genug, Zugang zu allen Medien - ich war in meiner Kindheit noch einzig und alleine auf die Stadtbücherei angewiesen - und auf die Sendung mit der Maus!
Und auf meinen Willen, zu lernen.
Vielleicht ist es das.
ElsaLaska - 25. Jan, 21:11
vor seinem Fleischkäs mit Bratkartoffeln und Salat und meinte:
Das ist ja aber alles nicht so schön gewürzt wie unser Essen gestern.
Ich würd dem ja gerne meine superwahnsinns bengalischen roten Linsen machen, aber das Rezept ist in Italien.
ElsaLaska - 25. Jan, 20:25
den ich je gesehen habe. Die, die ich bisher kannte, residieren in irgendwelchen Glaspalästen, verkaufen nebenher Handys, tun unheimlich wichtig und bevor sie irgendwas reparieren, probieren sie es auf jeden Fall mal mit einem Antivirustest, der alleine schon eine Stunde dauert.
Danach wissen sie, dass ich schon wieder keinen Virus habe, das ist dann aber alles. Und das durfte ich immer schön mitbezahlen, also dieses try-and-error-Spielchen.
Heute ritt ich in irgendein düsteres Gewerbegebiet mit einem absolut lächerlichen Namen, an dessen Eingang ein verglaster Kiosk "Asia Imbiss" platziert war. Danach wurde es immer schrottiger. Schließlich fuhr ich fast an meinen neuen Helden vorbei. Ein winziges, schäbiges Schild wies auf den Service hin, im Hof standen ausrangierte Imbisswägen. Das Haus war gar kein Gewerbebau, sondern ein arg abgewracktes Einfamilienhaus.
Man musste konspirativ läuten.
Danach stand ich in einem riesigen Raum, der eher an einer Tischlerwerkstatt als an ein Computerlabor erinnerte. Also von wegen staubfreie Atmosphäre - naja, das braucht man sowieso wohl nur bei der Platinenproduktion ...
Mein Notebook wurde begutachtet: Ach, die ganze rechte Tastaturhälfte? Interessant! Neulich hatten wir einen, bei dem war nur das "T" ausgefallen, dem haben wir transparente Tasten gemacht, das T ist jetzt transparent und wird von unten bläulich angeleuchtet.
Gut sage ich, kann ich bitte schwarze Tasten haben? Wenn es nicht anders geht, nehm ich aber auch die durchsichtigen bläulichen ...
Ein Bär von Kerl kommt dazu, zerzauste graumelierte abstehende Haare, Vollbart, könnte eher ein Senner sein, als ein PC-Spezialist und grinst. Sie schreiben sich die Modellnummer auf: "Kannst du schwarz auf schwarz lesen? Guckmal?" Sie ist tatsächlich schwarz auf schwarz hinten drauf. Sie melden sich dann.
Und was soll ich sagen? Das ist wie bei gewissen Zahnärzten. Du gehst aus der Praxis und weißt genau: Das ist jetzt was fürs Leben.
ElsaLaska - 25. Jan, 20:10
bald freiwillig ab. Also dass in Italien nur noch Verrückte auf den Straßen sind, kann ich ja verstehen - der viele Espresso und so.
Aber hier in Deutschland - das ist ja der Hammer. Heute war ich die einzige, die anhielt, wenn ein parkendes Auto auf ihrer Seite war und den Gegenverkehr passieren ließ. Alle anderen, also wenn die dann das Auto auf IHRER Seite hatte, gaben extra noch Gas, anstatt zu warten und zwangen mich zum Abbremsen.
Ich dachte, die Gesellschaft vergreist? Dann sollten doch bitte schön alle mal auch so fahren.
ElsaLaska - 25. Jan, 19:15