Elsas Nacht(b)revier



Francois Gérard: St. Térèse d'Avila

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Dienstag

Giulia hieß Rogler vor einem der heruntergekommensten Viertel von ganz Rom vorfahren. Das Rolltor, das den Hinterhofeingang verunzierte, hing schief und abgewrackt auf halber Höhe und sah aus, als würde es uns beim Hindurchgehen auf der Stelle guillotinieren. Auf dem Hof selbst hatte wohl in der Nacht eine türkische Party stattgefunden, er war übersät mit Plastikbechern, Kebabspießen und Zeitungsfetzen von Hürriyet und Milliyet. Die Töpfe mit dahinkümmerndem Oleander quollen vor Zigarettenkippen über. Rogler stapfte wachsam hinter uns drein. Ich fragte Giulia, wo zum Teufel sie mich da hinführe, aber sie lächelte nur sphinxhaft und murmelte „Toutes les belles petites choses!“.
„Du hast mir irgendwas vom angesagtesten Schneideratelier Roms erzählt, Giulia, und jetzt steh ich hier mitten in der Dritten Welt, was soll das?“ Unbeirrt strebte sie zu einer schief in den Angeln hängenden Holztüre zu, deren dunkelgrüner Anstrich schon längst vor der römischen Sonne kapituliert hatte und majestätische Blasen warf. Wir traten ein.
„Giulia Farnese! Schöner denn eh und je! Du siehst bezaubernd aus, meine Liebe!“ begrüßte uns eine wahrhafte Walküre in einer lila Latzhose, die den fruchtbar gewölbten Leib eher betonte, als verschleierte. „Und Sie müssen die beneidenswerte junge Dame sein, die das Privileg hat-“ fuhr sie in so anzüglichem Tonfall fort, dass ich ihr eilig ins Wort fiel.
„Zu Kardinal Farneses Cocktailparty geladen zu sein, richtig! Und das Problem dabei ist ...“
„Das Problem ist“, fiel Giulia ein, “liebe Madame T., dass strenge Kleidervorschriften für uns gelten. Sie kennen das ja. Bedeckte Knie, Schultern, auf keinen Fall Dekolleté. Was also, ich frage Sie, könnte die Freundin meines – meine Freundin tragen, was einerseits züchtig, andererseits aufregend zugleich wäre? Ihre Kreativität ist gefragt!“, lächelte Giulia und nahm dankbar eine Erfrischung in Form eines Gläschens mit Champagner entgegen.
Madame T. griff hungrig nach einem Teller mit Erdbeerkuchen und versetzte ihrer Praktikantin einen scharfen Rüffel, die heimlich nach Georg-Gänswein-Bildern gegoogelt hatte.
„Eine Herausforderung, wie ich sie liebe“, kaute sie. „Beim Essen kann ich am Besten denken. Mögen Sie auch ein Stück? Mein Mann hat ihn gebacken!“ Wir lehnten höflich ab und harrten gespannt der Dinge.
„Ziehen Sie Ihre Bluse aus!“, forderte sie mich schließlich auf, was Rogler das Blut in die Wangen trieb. Er bemühte sich um souveräne Professionalität, die darin bestand, dass er hektisch den Blick zwischen mir und seinen Schuhspitzen wandern ließ.
„Aber das ist – perfetto! Momentchen, ich habe hier einen Ballen maulbeerfarbene Seide, eine fast SAKRALE Farbe, aber das violett geht fast ins Schwarze über, mit Goldbordüren ...“ Madame T. wischte sich die Hände ab. „Sensationell. Das wird sensationell. Ich kann es vor mir sehen. Streifen Sie das hier über!“ Sie warf mir ein Leibchen in der selben Farbe zu, mit langen Ärmeln, das mir bis über die Hüfte reichte und begann, den Stoff in Falten zu drapieren.
„Ich sollte darin GEHEN können, ohne dass es auseinanderfällt!“, wagte ich zu bemerken.
„Oh, Sie werden darin gehen können. Jede Frau kann darin gehen. Dieses Kleidungsstück vereinigt unvergleichliche Vorzüge! Sie sind an allen wesentlichen Stellen bedeckt und sehen aus wie eine Königin! Der Sari macht jede Frau zu einer wahren Göttin!“ Sie schlang mir die Stoffbahn über die Schulter und drehte mich zum Spiegel. Rogler stand der Mund offen. Giulia klatschte begeistert in die Hände. „Du kommst auf die Titelseite von ‚CHI’ mit dem Ding! Für mich bitte auch so ein Modell, aber in smaragdgrün, liebe Madame T. ! Francesco wird es mir nach der Party vom Leib reißen!“, seufzte sie und verdrehte die Augen.
Madame T. lachte ein sonores Lachen. „Ja, die Mitglieder der Kurie, regelrecht ausgehungert nach Exotik und dem verwirrenden Mysterium ewiger Weiblichkeit!“
„Aber nicht was Sie denken, Madame T.“, erwiderte Giulia lächelnd. „Ich gehe doch nicht mit einer von diesen röckchentragenden Memmen ins Bett! Francesco ist ein deutscher Kommissar! Großgewachsen, breitschultrig, und auch sonst ... ich kann nicht klagen!“
„Lorenzo ist nun auch nicht gerade kümmerlich und missgestaltet!“, entgegnete ich scharf und ordnete beiläufig die Falten an meinem neuen, traumhaften Gewand.

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WilderKaiser - 30. Mai, 22:49

*Lachanfall* "Mein Mann hat ihn gebacken!" - super!!

ConAlma - 30. Mai, 22:52

GG

Mon Dieu, jetzt macht sich G.G. auch schon im Farnese-Komplott breit! Und maulbeerfarbene Seide - fehlt nur noch, dass als Bordüre der Don Giorgio-Button eingestickt ist!

ElsaLaska - 30. Mai, 22:55

*hüstel*

das Leitmotiv "Maulbeerfarben" ist aber schon länger aktuell, aber gut, es sind jetzt ja auch schon 120 Folgen ... Ich vergebe dir!
:)

WilderKaiser - 30. Mai, 22:58

Aber...

...ich darf doch festhalten, dass der Button als maulbeerfarben identifiziert wird!
ConAlma - 30. Mai, 23:00

um ebendiesen Zusammenhang ging's ;-)
ElsaLaska - 30. Mai, 23:01

ganz links außen ja,

aber ohne wirklich schwarz zu sein, ein tiefes, unglaublich SINNLICHES dunkelviolett :)
WilderKaiser - 30. Mai, 23:37

Wenn Don Giorgio im September nach Regensburg kommt, werde ich ihn diskret auf dein Blog hinweisen. Mir schwebt da eine 5 x 5 m große Fahne vor: "Das führende Georg-Gänswein-Tennis-Blog! Elsas Nacht(b)revier - elsalaska.twoday.net", die ich Benedetto - und natürlich IHM - um die Nase wehen lasse! *weg vom Dogmatismus, auf zu neuen Ufern* *Glasnost im Vatikan?*

ElsaLaska - 30. Mai, 23:44

das wirst du tun?

*ist jetzt zu tränen gerührt*!!!
Trixiie - 31. Mai, 07:59

Liebe, hoch geschätzte Elsa!

Ich hab eben gelacht, bis ich Tränen in den Augen hatte! Du hast das ja SO TOLL geschrieben, es ist nicht zu fassen. Die Azubine hat diese Episode inzwischen vor sich liegen und gluckst auch schon in sich hinein, und der Göttergatte wird vor Stolz platzen, wenn er hört, dass Du seinen Erdbeerboden in Dein Farnese-Komplott eingebaut hast.

Herrlich, herrlich, wirklich! Ich bin total von den Socken! Und ich konnte nicht anders, ich musste das alles mal vertrackbacken (what a word!)...

Dir einen tollen Mittwoch! Und nochmal vielen Dank!!

gez. Madame T. *g*

rosmarin - 31. Mai, 10:56

hach.... ein fulminanter text... so fängt mein tag gut an. sari.... eine süper idee.... ob es wohl möglich wäre hier ein foto von der frisch frisierten elsa im maulbeerfarbenen sari zu sehen?? und was ist aus den maulbeerfarbenen dessous geworden??? ach ja, die blieben glaub ich ungekauft.... schöööön, wieder im farnesekomplott zu lesen.

Trixiie - 31. Mai, 11:15

Leider fehlt mir ja zur originalgetreuen Darstellung die frisch frisierte Elsa, aber farblich könnte sowohl dieser Sari, als auch dieser passen...

;-)
rosmarin - 31. Mai, 11:20

seufz..... der zweite gefällt mir eindeutig besser. ob die seide auch etwas luftiger geht????
oder ob es auch saris aus chiffon gibt?? nein, das wäre ja unmöglich bei diesen gastgebern.
feix
Trixiie - 31. Mai, 11:30

Also, nachdem der Sari für Elsa ja ohnehin maßgeschneidert wird, kann sie selbstverständlich nicht nur die exakte Farbe auswählen, sondern auch die Qualität. Chiffon wäre freilich etwas ZU freizügig, aber ich könnte mir auch sehr schön einen maulbeerfarbenen Sari aus Semi-Organza vorstellen, oder aus einer besonderen Art von Satin. Wenn man nämlich in Kett- und Schussrichtung zwei verschiedene Violett-Töne einwebt, dann schimmert der Satin traumhaft schön! Das sieht dann seeehr edel und verrrry verführerisch aus. Ich konnte mich übrigens auch mit den mit Goldstickereien abgefassten Säumen anfreunden. Das ist ja ein bisschen das Tüpfelchen auf dem "i". Dazu kaum Schmuck, dafür aber eine herrlich verrucht-erotische Frisur, vielleicht etwas Glimmerspray dazu, und natürlich umwerfend tolle Schuhe...
rosmarin - 31. Mai, 11:32

stimmt, die schuhe.... sehr wichtig..., sie müssen die zierlichen füsse betonen und dennoch bequem sein. deine beschreibung des saris aus semi-organza klingt sehr verlockend. ich persönlich finde ja auch die farbe des folgenden saris sehr hübsch....

http://www.exoticindiaart.com/product/VA31/
ElsaLaska - 31. Mai, 12:23

je nun,

da muss ich erst zu anastasio, das KOMMT ja noch. frisiert bin ich noch nicht.
die saris sind allesamt zu bläulich, es geht schon mehr ins rote, so ähnlich wie oben mein header vielleicht.
und die goldbordüre ist ganz dezent.
kein schmuck, bis auf ein einziges, leise klingelndes goldenes fusskettchen.
schuhe ganz schlicht.
*grübel*
da kann lorenzo eigentlich nur daneben bestehen, wenn ich ihn in vollen ornat schmeiße, sonst wirkt dat nicht ...
Trixiie - 31. Mai, 13:30

@ rosmarin: ich find Deinen Sari auch klasse. Die Farbe ist die Wucht, halt nur leider kein Maulbeer. :-/ Also, ich tät den anziehen. Glattweg.

@ Elsa: Oh, ja, ein klingelndes Fußkettchen, das hat was. Und NEI-EN!! Lorenzo geht NICHT im vollen Ornat. Abgesehen davon, dass ich ihn mir in einer ausgewaschenen Jeans mit einem leger getragenen weißen Hemd super vorstellen könnte, geht der Herr im schwarzen Smoking. Ganz dezent, kein Firlefanz außenrum. Der Smoking muss aus einem dezent schimmernden Material sein, dazu ein weißes Hemd. Die Krawatte/Fliege könnte z. B. maulbeerfarben sein... ;-) Da muss ich noch überlegen.
Jata - 31. Mai, 13:21

Hervorragende Einführung eines neuen Charakters und auch noch so aus dem Leben gegriffen! Man sieht sie ja direkt vor sich!!!

VlG
Jata

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trixie.twoday.net - 31. Mai, 07:53

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