rettet die ganze Welt - dieser Spruch des Talmud steht auf dem Ring, der Oskar Schindler als Dankesgabe von Überlebenden überreicht wurde.
Oskar Schindler, bekannt durch den Spielberg-Film Schindlers Liste, hat über 1200 Juden (steht auf einer Gedenktafel), im Dritten Reich das Leben gerettet. Sein privater Lebensstil war nicht immer über Zweifel erhaben - darum geht es nicht. Menschen, die in sich gebrochen sind, sind häufig diejenigen, die über sich selbst hinauswachsen, wenn es darauf ankommt.
Schindler ist als ein "Gerechter unter den Völkern" in Yad Vaschem aufgeführt. Nun gibt es genügend Menschen, die im Dritten Reich das Leben ihrer jüdischen Mitbürger geschützt haben, sie versteckt haben, ihnen Essen gaben, die nicht in Yad Vaschem vermerkt sind. Ich glaube auch nicht, dass das nötig ist, denn ihre selbstlosen Taten haben ja bereits die ganze Welt gerettet.
Von daher ist es mir auch egal, ob Yad Vaschem seine Sichtweise auf Papst Pius XII. ändert oder nicht. Yad Vashem ist "nicht meine Baustelle". Ich habe darüber nicht zu befinden.
Dagegen ist die Verleihung des "heroischen Tugendgrades" an Papst Pius XII., - mir selbst jahrzehntelang durch die indoktrinierende Schul-Lektüre des drittklassigen Machwerks eines viertklassigen Schriftstellers als großer Antisemit und feiger Widerling ein Begriff - bis ich mich einfach mal mutig selbst aufklärte - , ganz und gar meine Baustelle. Und zwar ganz besonders, wenn wieder ein Herr Kramer vom Zentralrat darüber die Contenance verliert. Die katholische Kirche würde ihre eigene Geschichte schreiben wollen und historische Fakten der NS-Zeit deutlich umkehren, höre ich da von einem wütenden und traurigen Kramer.
Die katholische Kirche?
Gehört Sir Martin Gilbert, ein jüdischer Holocaust-Forscher, etwa der katholischen Kirche an seit neuestem, - habe ich was VERPASST? - der davon ausgeht, dass Pius XII. wenigstens 100.000 Juden gerettet hat?
Laut Wikipedia arbeitet Sir Gilbert unermüdlich daran, um Holocaust-Leugnern einfach durch das Zusammentragen einer schieren Faktenfülle die Grundlage entziehen zu können. Das sollte aber auch in die andere Richtung hin gut funktionieren. In die Richtung nämlich, historische Personen nicht einfach denunzieren zu dürfen? Auch nicht als Mitglied des ZdJ.
Was ist mit Pinchas Lapide, der gar von 700.000 spricht? Der Jesuit Gumpel gibt sich bescheidener und spricht von vier Fünfteln der jüdischen Gemeinde in Rom. [Gilbert und Gumpel-Zahlen aus diesem
Badde-Artikel]
Zugegeben, es fällt manchmal schwer, gewisse Stimmen zu respektieren, weil sie nicht der eigenen Glaubensgemeinschaft angehören. Vermutlich teile ich dieses Problem bisweilen - aber nicht immer - mit Herrn Kramer.
Deshalb tue ich ihm den Gefallen und führe noch ein paar jüdische Stimmen zur Person von Pius XII. auf. Falls es ihm überhaupt um Pius geht, und nicht vielmehr darum, sich einfach mal wieder auf breiter SpON-Front gegen den deutschen Papst zu echauffieren (und sich dabei - natürlich nicht in der breiten Öffentlichkeit, aber bei einer wachsenden Minderheit - vollständig lächerlich machen) zu können.
Ich habe dafür bei Alipius geplündert und hoffe, das ist in Ordnung. Der hat sich nämlich schonmal die Mühe gemacht, um
eine eindrucksvolle Zitatesammlung zusammenzutragen, die ich hier auch nur in Auszügen wiedergebe. Einige Äußerungen hat er selbst übersetzt - ich merke das nicht extra an. [Nächstes Essen geht dafür auf meine Kappe.]
Als da wären:
"Der Heilige Stuhl bietet seine mächtige Hilfe überall an, wo es ihm möglich ist, das Los meiner verfolgten Religionsgenossen zu lindern."
Chaim Weizmann über Pius XII., 1943
"Die wiederholten Interventionen des Heiligen Vaters zugunsten der Jüdischen Gemeinschaft in Europa haben bei Juden überall auf der Welt die tiefsten Gefühle der Wertschätzung und Dankbarkeit hervorgerufen."
Rabbi Maurice Perlzweig in einem Schreiben an Mgr. Amleto Cicognani, Apostolischer Delegat in Washington, 1944
"In den schwierigsten Zeiten, welche die Juden Rumäniens zu überstehen hatten, war der großzügige Beistand des Heiligen Stuhls entscheidend und heilsam. Es ist nicht einfach für uns, die richtigen Worte zu finden, um die Wärme und Tröstung auszudrücken, die wir erfuhren aufgrund der Besorgnis des Pontifex Maximus, der große Summen an Geld bot, um das Leid der deportierten Juden zu erleichtern... Die rumänischen Juden werden diese Tatsachen von historischer Tragweite nie vergessen."
Dr. Alexandru Șafran, rumänischer Oberrabbiner von 1939 bis 1948, in einem Schreiben an Mgr. Andrea Cassulo, Apostolischer Delegat in Rumänien, 1944
"Der Nazismus hat keinen schärferen Tadel erfahren als durch Papst Pius XI und seinen Nachfolger, Papst Pius XII." Rabbi Louis Filkenstein, 1944
"Das Volk von Israel wird nie vergessen, was Seine Heiligkeit für unsere unglücklichen Brüder und Schwestern in dieser höchst tragischen Stunde unserer Geschichte tut. Das ist ein lebendiges Zeugnis der göttlichen Vorsehung in dieser Welt."
Oberrabbiner Isaak Herzog, 1944
"... danke (dem Papst) für die Rettung von Juden vor faschistischer und nationalsozialistischer Verfolgung... (und) das, was sich die Kirche zu tun bemüht und tatsächlich für unser verfolgtes Volk getan hat"
Dr. Leon Kubowitzky, Generalsekretär des Jüdischen Weltkongresses, 1945
"Ich sagte ihm (dem Papst), daß es im Namen der jüdischen Öffentlichkeit meine erste Pflicht sei, ihm und durch ihn der katholischen Kirche für alles zu danken, was sie in den verschiedenen Ländern getan hat, um die Juden zu retten."
Mosche Scharett, der spätere zweite Ministerpräsident Israels, über eine Audienz bei Papst Pius XII nach dem Ende des Zweiten Weltkriegs
"Sechs Millionen meiner Religionsgenossen wurden von den Nazis ermordet, doch es hätte noch viel mehr Opfer gegeben ohne die wirksamen Interventionen Pius XII."
Dr. Raffael Cantoni, Präsident der Union Jüdischer Gemeinden in Italien" (Der 17. April 1955 wurde von Italiens Juden zum „Tag der Dankbarkeit“ für die Hilfe des Papstes erklärt)
"Als unser Volk im Jahrzehnt des Naziterrors ein fürchterliches Martyrium erlitt, hat sich die Stimme des Papstes erhoben, um die Henker zu verurteilen und um Mitgefühl für die Opfer zum Ausdruck zu bringen. Unsere Epoche ist durch diese Stimme bereichert worden, die sich im Namen der großen sittlichen Werte über dem Tumult und den täglichen Konflikten erhob."
Golda Meir, Außenministerin und spätere Premierministerin Israels, 1958
"Im Namen der jüdischen Gemeinde Englands danke ich Eurer Heiligkeit für die Rettung zehntausender von Juden."
Israel Maurice Edelman
"Ich bitte um eine Minute des Schweigens zum Tode eines wahrhaft großen Mannes: Papst Pius XII."
Leonard Bernstein, zu Beginn eines Konzerts mit den New Yorker Philharmonikern, 1958
"Die katholische Kirche ermöglichte unter dem Pontifikat Pius' XII. die Rettung von 700.000, wahrscheinlich sogar 860.000 Juden vor dem gewissen Tod durch die Hände der Nationalsozialisten."
Pinchas Lapide, Theologe und Diplomat. Israelischer Konsul in Mailand.
"Wir hatten die Gelegenheit, die große, mitfühlende Güte und Großherzigkeit Papst Pius' XII zu erleben, während der unglücklichen Jahre der Verfolgung und des Terrors, als es schien, daß es für uns kein Entkommen mehr gab."
Elio Toaff, Oberrabbiner in Rom zwischen 1951 und 2001.
Was ist das? Was sollen wir denn nur davon halten? Faktenverdrehung? Leugnung historischer Tatsachen, noch dazu von der katholischen Kirche? Etwa von Rabbinern?
Aber das war es nicht, was ich eigentlich aussagen wollte.
Ich wollte eigentlich nur sagen, vollständig im Einklang mit dem Talmud:
Ein einziges Leben genügt.