Unsere Kostbarsten.

Ich hatte ja Elsas best of 2010 nicht mehr fortgeführt, weil andere Themen dazwischen kamen.
Aus aktuellem Anlass veröffentliche ich aber nochmals meine literarisch angehauchten Impressionen von Anfang Oktober 2010 bei der Hl. Messe zur Eröffnung der Nahostsynode im Petersdom. Seither ist mein Blick auf diesen Teil unserer heiligen Kirche geweitet worden. Und das ist auch der Grund, warum es hier thematische Schwerpunkte zu Bagdad und Alexandria gibt. Auch wenn es hier meist nur um die ganz großen Anschläge gegangen ist, ich habe dabei die Not der Christen im Sudan oder in Nigeria immer im Blick. Und natürlich eben auch die Christen, die nicht mit uns uniert sind, selbstverständlich. Zu diesem konkreten Anlass trafen sich jedenfalls damals in Rom die katholischen und unierten Bischöfe der verfolgten Kirche im Nahen bzw. Mittleren Osten. Ein Auszug aus meinem Eintrag:
>>Diese Bischöfe sind natürlich ein Bild für sich. Winzig klein und weiß, oder schwarz wie die Nacht und riesig, gebeugt vom Amt und ganz bunt geschmückt, cremefarben, ganz in scharlach als nähme man sie gerade mitsamt zwei-Meter-Tiara vom Feuerofenrost, karmesin bis zum Boden wallend, als hüllte sie das Blut der ersten Märtyrer ein, überdeckt und behängt mit Marien- und Herz-Jesu-Bildnissen, orthodox anmutende Holzkreuze vor die Brust gepresst, aufrecht, löwenmähnig, souverän. Auch: Hutzelig, klein, superbunt. Olivfarben, ebenh0lz, elfenbein - wow! was für eine Truppe! Die Truppe unserer Elite: Die Bischöfe der Christen, die in ihren Heimatländern vergewaltigt, gefoltert, verstümmelt und getötet werden. Die Besten der Besten. Unser Herzblut. Sie alle kommen in einer Synode in Rom zusammen, um sich zu vergewissern, dass die heilige, katholische apostolische undsoweiter sie nicht vergessen hat. Ganz ehrlich sieht es aus, als zögen Kaspar, Melchior und Balthasar in den Petersdom ein. Wir hatten die Messe aller Messen. Wenn es je einen Turbo-Novus-Ordo gepaart mit syro-aramäischen Huldigungen gab, das war es ...[]
Okay, nach der Messe. Auszug. Diese ganze Bischöfe der Synode, ob hochgewachsen löwenmähnig, ob kugelig-klein und kulleräugig, zogen wieder aus. Ich stand an der Bande im Mittelgang und wir waren sehr erhoben durch die päpstliche Messe. Es kam dann so, dass wir uns nicht nur segnen ließen mit den beigebrachten Brustkreuzen, sondern unsere Hände ausstreckten, Handflächen nach oben offen. Die meisten Bischöfe - du musst sie sehen, sie haben diese biblischen Gesichtszüge, sie sind schwarz und schön wie das Hohelied Salomos, olivfarben mit dunklen, ausdrucksvollen Augenbrauen - legten im Vorübergehen segnend ihre Hände in die unsrigen. Wir ließen uns die Innenflächen unserer geöffneten Hände bestreichen, wir ließen uns klassisch segnen, einige Bischöfe erhoben das bunte Holzkreuz, das sie vor der Brust gepresst gehalten hatten, und schwenkten es über uns - vor Europäern, Brasilianern, Mexikanern, Spaniern, Italienern, Syrern, Persern und so weiter. Und dann kam er.
Er hatte Augenbrauen wie von Tusche gezogen, seine Wangen waren oliv und seine Augen so schwarz wie eine süße Dattel. Ich hielt meine Hände ausgestreckt über die Bande, die Handflächen nach oben, und er strich mit seinen Fingerspitzen darüber, um sich zu versichern. Dann blickte er mir, auf dem Haupt diese unwahrscheinliche Krone eines orientalischen christlichen Fürsten, in die Augen, lächelte gazellenhaft und sagte leise, aber inständig, zu mir an der Bande:
Pregate per noi! - Betet für uns!
Und ich erwiderte diesen Brüdern, die mir heute so nahe in der Liebe wurden: Preghiamo per voi!
Wir beten für euch.<<
Als aktuelle Ergänzung zu diesem Bild noch eine Aussage von Papst Shenouda III, dem Heiligen Vater der koptisch-orthodoxen Kirche, die mich sehr beeindruckt hat:
>>Das ist der Boden, auf dem die Kirche in Wahrheit hat überdauern können, durch die Verfolgung der Geschichte hindurch. Darin liegt vielleicht ihr größter Ruhm. Es war ihr Kreuz. "Sie war die Kirche, die das Kreuz trug ihre gesamte Geschichte hindurch, seit der Zeit des heiligen Markus, und die alle Generationen und Jahrhunderte der Christenheit durchläuft, und sie blieb fest, streng in ihrem Glauben, bis jetzt."<<
[Dabei ist mir aufgefallen, dass die Kopten tatsächlich keine Kreuze umhängen haben, sondern sie in der Hand TRAGEN.] [Bei dem hier angefügten Bild handelt es sich aber eventuell nicht um einen Kopten, ich bin mir nicht ganz sicher, welcher Gemeinschaft der abgebildete Bischof zugehört.]
ElsaLaska - 5. Jan, 18:36