Der Geist der caritas und die Kategorien der natürlichen Liebe
[Aus Stanislaw T. Zarzycki: Spiritualität des Herzens. Die philosophisch-theologischen Grundlagen bei Dietrich von Hildebrand.]
>>Jetzt wollen wir die einzelnen vom Autor [gemeint ist DvH] erwähnten Kategorien der natürlichen Liebe kurz betrachten: die bräutliche Liebe, die eheliche Liebe, die Liebe der Eltern zu ihren Kindern, die Liebe der Kinder zu ihren Eltern, die Geschwisterliebe, die Freundesliebe, die "Liebe schlechtweg" zu einem als liebenswürdig angesehenen Menschen sowie die Liebe aufgrund gemeinsamer Überzeugungen (...)
a) Die bräutliche Liebe
Der Autor schlägt vor, die Betrachtung der einzelnen Arten von Liebe mit der bräutlichen Liebe zu beginnen, die er als Paradigma der Liebe für ihre anderen Arten versteht. Denn in ihr treten die verschiedenen Merkmale der Liebe auf einzigartige Weise in Erscheinung. Das Thema der bräutlichen Liebe sind zwei Personen unterschiedlichen Geschlechts, die einander gleichsam gegenüberstehen, einander gleichsam zugewandt sind im Ineinanderblick der Liebe. In diesem Blick erkennen sie sich als einmalig, unwiederholbar und liebenswürdig. Die Tatsache, daß die Personen hier füreinander als einmalig und unwiederholbar in Erscheinung treten, und zwar nicht nur im Sinne der Fähigkeit, die Wertgegebenheit des anderen zu erfassen, sondern daß sie ihre gegenseitige Beziehung in einem zutiefst affektiven Ausmaß erleben, ermöglicht die Besonderheit dieser Form der Liebe zu erkennen, nämlich ihre Exklusivität. Der Mensch kann zu ein und demselben Zeitpunkt nur eine Person mit bräutlicher Liebe lieben und ihr die erste Stelle in seinem Herzen zuerkennen. Die sich hier abzeichnende Ausschließlichkeit macht deutlich, daß diese Kategorie der Liebe von keinem Gebot erfasst werden kann, jeden Menschen so zu lieben. Auch treten die zwei für jede Liebe typischen Merkmale hier deutlich in den Vordergrund: die intentio unionis und die intentio benevolentiae. Das zweite gründet sich in der bräutlichen Liebe auf ein tiefes Interesse am Wohlergehen und Glück der geliebten Person und auf ihre ständige Beschenkung. Die intentio unionis dagegen äußert sich in der Vereinigung (unio) der Herzen in der gegenseitigen Liebe. Die Erfahrung des Wesens der Liebe in diesem Sinne bedeutet für die Personen den Beginn einer neuen Daseinsweise. Die bräutliche Liebe öffnet nicht nur die Augen für die Gesamtschönheit der geliebten Person, sondern sie erlaubt auch eine neue Art der Berührung mit der Welt der Werte, die von jetzt an in einem neuen Licht gesehen werden. Sie ist immer ein tiefer Quell der Beglückung. <<
[Hiermit möchte ich gleichzeitig auch Phil und Hedda, die seit diesem Wochenende - als wahrscheinlich erstes Paar der Blogoszese - offiziell verlobt sind, herzlich gratulieren. Die Passage mit der ehelichen Liebe folgt als nächstes.]
>>Jetzt wollen wir die einzelnen vom Autor [gemeint ist DvH] erwähnten Kategorien der natürlichen Liebe kurz betrachten: die bräutliche Liebe, die eheliche Liebe, die Liebe der Eltern zu ihren Kindern, die Liebe der Kinder zu ihren Eltern, die Geschwisterliebe, die Freundesliebe, die "Liebe schlechtweg" zu einem als liebenswürdig angesehenen Menschen sowie die Liebe aufgrund gemeinsamer Überzeugungen (...)
a) Die bräutliche Liebe
Der Autor schlägt vor, die Betrachtung der einzelnen Arten von Liebe mit der bräutlichen Liebe zu beginnen, die er als Paradigma der Liebe für ihre anderen Arten versteht. Denn in ihr treten die verschiedenen Merkmale der Liebe auf einzigartige Weise in Erscheinung. Das Thema der bräutlichen Liebe sind zwei Personen unterschiedlichen Geschlechts, die einander gleichsam gegenüberstehen, einander gleichsam zugewandt sind im Ineinanderblick der Liebe. In diesem Blick erkennen sie sich als einmalig, unwiederholbar und liebenswürdig. Die Tatsache, daß die Personen hier füreinander als einmalig und unwiederholbar in Erscheinung treten, und zwar nicht nur im Sinne der Fähigkeit, die Wertgegebenheit des anderen zu erfassen, sondern daß sie ihre gegenseitige Beziehung in einem zutiefst affektiven Ausmaß erleben, ermöglicht die Besonderheit dieser Form der Liebe zu erkennen, nämlich ihre Exklusivität. Der Mensch kann zu ein und demselben Zeitpunkt nur eine Person mit bräutlicher Liebe lieben und ihr die erste Stelle in seinem Herzen zuerkennen. Die sich hier abzeichnende Ausschließlichkeit macht deutlich, daß diese Kategorie der Liebe von keinem Gebot erfasst werden kann, jeden Menschen so zu lieben. Auch treten die zwei für jede Liebe typischen Merkmale hier deutlich in den Vordergrund: die intentio unionis und die intentio benevolentiae. Das zweite gründet sich in der bräutlichen Liebe auf ein tiefes Interesse am Wohlergehen und Glück der geliebten Person und auf ihre ständige Beschenkung. Die intentio unionis dagegen äußert sich in der Vereinigung (unio) der Herzen in der gegenseitigen Liebe. Die Erfahrung des Wesens der Liebe in diesem Sinne bedeutet für die Personen den Beginn einer neuen Daseinsweise. Die bräutliche Liebe öffnet nicht nur die Augen für die Gesamtschönheit der geliebten Person, sondern sie erlaubt auch eine neue Art der Berührung mit der Welt der Werte, die von jetzt an in einem neuen Licht gesehen werden. Sie ist immer ein tiefer Quell der Beglückung. <<
[Hiermit möchte ich gleichzeitig auch Phil und Hedda, die seit diesem Wochenende - als wahrscheinlich erstes Paar der Blogoszese - offiziell verlobt sind, herzlich gratulieren. Die Passage mit der ehelichen Liebe folgt als nächstes.]
ElsaLaska - 5. Dez, 19:01