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Donnerstag, 29. Oktober 2015

Alexander Kissler: Keine Toleranz den Intoleranten

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Der Kulturjournalist und Autor Alexander Kissler, der unter anderem im Cicero und bei Focus veröffentlicht, hat sein jüngstes Buch mit einem kämpferischen Titel versehen. Keine Toleranz, das hören wir heute nicht so gerne, außer wenn es um die Bekämpfung von sexuellem Missbrauch oder Bandenkriminalität geht. Schließlich gilt "Toleranz" als (post)moderne Kardinalstugend, und niemand hört sich gerne den Vorwurf an, ein intoleranter, mithin also inakzeptabler, Gesprächspartner zu sein, sei es im privaten Bereich, sei es im gesellschaftlichen Diskurs. Es geht um die Verteidigung westlicher Werte, entnehmen wir sogleich dem Untertitel des Bandes: "Warum der Westen seine Werte verteidigen muss".
Das klingt nach Streitschrift, wenn nicht sogar nach Pamphlet: Auf dem Cover wirft eine gemalte Burkafrau der schönen, nackten Schaumgeborenen von Botticelli einen purpurnen Umhang zu.
Dass das Buch jedoch vielmehr ein angenehm und lehrreich zu lesender, längerer Essay geworden ist, liegt an der Persönlichkeit Alexander Kisslers, und an seiner Herangehensweise. Als sensibler Chronist der Gegenwart hat er Freunde Benedikts XVI. bereits mit seinem "Papst im Widerspruch"-Titel über das Pontifikat des deutschen Theologenpapstes überzeugen können, das er mit einem liebevollen Auge gleichsam mitgeschrieben hatte. Im vorliegenden Buch geht es dagegen um Meinungs- und Religionsfreiheit - selbstverständliche Grundrechte, sollte man auf den ersten Blick denken. In Europa kennen wir es schon gar nicht mehr anders. Doch warum ist das so? Weil unsere Vorfahren in einem jahrhundertelangen Prozess darum gerungen und dafür gekämpft haben. Auch das klingt geläufig, und den Allermeisten wird dabei die Zeit der Aufklärung einfallen - doch das ist nur die eine Seite der Medaille. Der Anlass, dieses Buch zu schreiben, hat für Kissler ein konkretes Datum. Er nennt es im ersten Satz seines ersten Kapitels: "Ich sehe die Welt mit anderen Augen seit dem 7. Januar 2015." An diesem Tag fand der Anschlag und das Massaker in der Redaktion der Satirezeitung "Charlie Hebdo" statt. Elf Menschen wurden per Kopfschuss hingerichtet. In den Tagen zwischen dem 7. und 9. Januar wurde Paris, wurde Frankreich, wurde Europa durch eine neue Dimension islamistischen Terrors überrascht und erschüttert. Fast zeitgleich hat ein Komplize der Brüder Kouachi in einem jüdischen Supermarkt Geiseln genommen und dabei vier jüdische Franzosen ermordet.
Es ist dies das Epizentrum, von dem aus der Seismograf Kissler es unternimmt, die Verwerfungen in der jüngsten Geschichte Europas auszuloten. Sein Buch will, wie es am Ende des Vorwortes heißt, den Westen suchen und wiederfinden, erzählen von Liberalität und Unfreiheit, von Religion und Säkularismus, von Toleranz und von deren unbedingten Grenzen, von einer überlebensnotwendigen Haltung. Kissler will sich seine große Hoffnung, wie er an der gleichen Stelle schreibt, nicht nehmen lassen. Darum ist dies auch kein düsteres und ärgerliches Buch geworden, sondern eines, das Licht hinein bringt in unser Gemüt und unseren Geist. Bei seinem Streifzug durch die Geschichte nicht nur des Abendlandes konsultiert unser Autor neben den Heiligen der katholischen Kirche und natürlich Chesterton und Belloc, unter anderem auch Voltaire, John Locke, Cicero und Raif Badawi. Und immer wieder weist er auf die drohende Gefahr eines neuen Antisemitismus, der eben nicht von "rechts" kommt, hin. Es genügt dabei praktisch schon der Hinweis auf Charlotte Knoblochs Ausspruch, der bereits Ende Juli 2014 getätigt wurde: "Was wir derzeit erleben, ist die kummervollste und bedrohlichste Zeit seit 1945." [Diese Worte, geäußert von einer Deutschen jüdischen Glaubens und ehemaligen Vizepräsidenten des Jüdischen Weltkongresses, sollten allerdings in diesen Zeiten der Bundeskanzlerin und unserem Innenminister sowie allen verantwortlichen Politikern tagein tagaus als Gute-Morgen-Aufwachen-Gruß entgegenschrillen.]
Kisslers neues Buch hat etwas mehr als 175 Seiten, die, trotz der tragischen Ereignisse, die teils darin behandelt werden, gut zu lesen weil mit leichter Feder geschrieben sind. "Ausgelesen" wird es jedoch so schnell nicht sein - "weglegen" lässt sich dieses Buch nicht mehr, wenn man es einmal in der Hand hatte: Dafür ist und bleibt es fürs Erste zu aktuell.

Alexander Kissler: Keine Toleranz den Intoleranten
Warum der Westen seine Werte verteidigen muss.
Gütersloher Verlagshaus 2015
ISBN 978-3-579-07098-8

cantare

Ich bin einfach hingerissen,
da ist so viel in diesem Monolog, von dem man oberflächlich...
ElsaLaska - 20. Aug, 19:55
Houellebecq ist ein sehr...
Wobei man jetzt keine Kristallkugel brauchte. Mir imponiert,...
Elsa (Gast) - 12. Aug, 17:50
Hui, das war aber ein...
Hui, das war aber ein wilder Ritt durchs Stadtbild...
NeonWilderness - 11. Aug, 23:45
Privet, fbtde!
Schön, von dir zu hören. Offenbar lebst du also auch...
ElsaLaska - 2. Aug, 10:27
Oha
Du lebst auch noch. Gut zu wissen!
fbtde - 2. Aug, 08:31

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