vernahm ich endlich einen Vogelschrei. Seit Monaten beobachte ich ein Greifvogelpaar, die hier ihr Revier haben, und ich dachte immer, dass es eine kleine Sorte Adler sei, aber die Flugsilhouette sah nicht nach Adler aus. Die zwei jagen und spielen vor dem Haus, über den Feldern und Armandos Weinberg, und endlich rief mal einer der beiden etwas Identifizierbares, nämlich ein langgezogenes "Wiiiiieeeeeeh". Klingt nicht nach Adler, dachte ich.
Es gibt ja Vogelstimmen im Internet, da hab ich mich dann zwischen den Putzrunden mal durchgeklickt (so eine Wolke macht ja gottseidank nicht viel Dreck) und endlich fiel der Groschen:
Es sind
Mäusebussarde. Zwar nicht so spektakulär wie Adler, aber ebenso erhebend anzusehen.
Und jetzt fahr ich ins Städtel und guckmal, ob meine neue Barentdeckung heute Abend auch wieder diese himmlische Pizza da portare via anbietet ...
ElsaLaska - 28. Okt, 18:02
hatte ich eine Wolke im Zimmer. Sie kam durch das offene Fenster hereingeweht, Stückchen für Stückchen. Es gab Einbußen in Form von Wassertröpfchen, die im Fliegengitter hängen blieben, so dass es am Ende eine recht zerfledderte Wolke war.
ElsaLaska - 28. Okt, 15:12
geworden.
Unter welchen Verhältnissen entstand zum ersten Mal Kunst? Wenn ich an die prähistorischen Höhlenzeichnungen denke, an die antiken Mysterienspiele, die eine Vorform des neuzeitlichen Dramas bilden, dann lautet die Antwort: Die Tierseele überreden und wenn das nicht möglich, beschwören, ihr Leben hinzugeben, um den Fortbestand der Sippe zu gewährleisten und das eigene Überleben zu sichern. Kunst war ein Attribut, eine Abfallserscheinung der Magie. Oder wählen wir ein anderes Wort, da Animismus oder Naturreligion nicht streng genommen mit Magie gleichzusetzen ist. Man wollte Mächte beschwichtigen, die man als übernatürlich empfand. Ebenso in den Mysterienspielen der Antike: Die Götter besänftigen, auf dass man überleben konnte.
Kunst war in diesem Zusammenhang überlebensnotwendig. Sie war von Ehrfurcht erfüllt. Das Unsichtbare zu respektieren und mit KUNST zu ehren, konnte für das eigene Überleben entscheidend sein.
Sehen wir die gesungenen Heldensagen, bevor sie schriftlich niedergelegt wurden, als Vorform der Literatur bzw. der literarischen Kunst, dann stellen wir fest: Es ging dort um Menschen, die in jeder Hinsicht außergewöhnlich waren. Wir erfahren von Günstlingen der Götter, wir erfahren von Männern und Frauen, die den Unmut der Götter erregt hatten. Für beide, Günstlinge wie Herausforderer der Götter aber galt: Ihr Schicksal war berichtenswert, ihr standing angesichts Glück oder Unglück, das die Götter beschieden, war der Gradmesser für ihre Beliebtheit an den Lagerfeuern. Kunst war in diesen Zusammenhängen gesehen abhängig von Metaphysik und human interest zu gleichen Teilen.
Helden ergriffen ihr Glück beim Schopfe und inspirierten uns. Unglücksvögel kämpften gegen die Widrigkeiten des Fatums und ihres von den Göttern eingefädelten Ungeschicks und inspirierten uns gleichermaßen. Kunst gab uns psychologische Anleitung, um das Leben zu überleben und eine Verbindung zu den Göttern bzw. zu Gott.
Der Künstler war sich dieser Tatsache wohlbewusst. Er erntete kurzlebigen Ruhm während seines gelungenen Vortrags am Lagerfeuer. Er war zu bescheiden, zu scheu oder zu demütig, um seine Zeichnung auf Höhlenwänden zu signieren.
Er leistete seinen Beitrag zum Wohle der Allgemeinheit.
Wie komme ich auf diese sicher zu diskutierenden und bestreitbaren Thesen?
Ich las in der letzten Ausgabe der Zeit zwei Artikel über den modernen Film, die mir sauer aufgestoßen sind. Es ging um ein Filmfestival in Südkorea. Der Verfasser konstatierte für alle Filme den Hang zu drastischen Bildern: Da wird gerächt, da wird gefoltert, da werden Gliedmaßen mit Gartenscheren abgeschnitten. Weiter war, darüber, die Kritik irgendeines als künstlerisch gelten wollenden Pornofilmes zu lesen, mit Einstellungen, wie Ejakulat auf irgendwelche Bilder irgendeines zeitgenössischen amerikanischen Künstlers tropft. Super Kunst. Ejakulat! Gipfel künstlerischer Raffinesse.
Das war eigentlich der Moment, in dem ich mir dachte: Bestell doch die Zeit eigentlich einfach ab. Es bringt mich ja nicht weiter. Ich werde nie freiwillig Filme anschauen, in denen Ejakulat auf wasimmer gespritzt wird und bedeutsam dahinschliert. Wenn ich Ejakulat sehen möchte, habe ich alle Möglichkeiten dieser Welt. Aber ich möchte es nicht künstlerisch besprochen haben wollen. Ich möchte, dass Kunst mich erhebt, mich inspiriert. Mich daran erinnert, dass ich überleben wollen muss. Dass ich nicht dem Tod anheimgefallen bin.
Ich möchte nicht diese Daueronanie der Feuilletons.
Ich möchte nicht diese geisteskranken modernen Inszenierungen.
Ich will Rückbindung an das, was Kunst einmal war.
Das, was wir zum Überleben brauchen, wenn wir nicht vor die Hunde gehen wollen.
Auf diese Mutation, die mir täglich begegnet, diese Höllengeburt und Verselbstherrlichung von koyaanisquatsi, darauf kann ich wirklich verzichten.
Dann bin ich halt konservativ und rückwärtsgewandt und reaktionär.
ElsaLaska - 27. Okt, 20:56
der Hinweis auf einen wirklich gelungenen satirischen Beitrag von castagir
zur aktuellen Leichenschändungs-Debatte Afghanistan. castagir nervt manchmal mit seinen hohlen eindimensionalen Frauenabziehbildern (aber nur mich, also macht es nichts, und ich liebe ihn ja sowieso trotzdem), aber dieser Beitrag hat Titanic-Qualitäten.
Und nein, mir ist nicht nach political correctness momentan, hat vielleicht schon der eine oder andere bemerkt, aber ich sags noch mal extra dazu.
ElsaLaska - 27. Okt, 20:42
wenn ich mir anschaue, wer alles so im Internet unterwegs ist - WAS mich wundert ist, dass man ja, im Gegensatz zum Fernsehen, wenigstens noch Lesenkönnen muss dabei.
Von allen kranken, perversen und, sagen wir es offen, saudummen Suchanfragen über Google ("kostenlos pornofilm anschauen sofort", "frauenfolter brüste", "tante fickt neffe") ist mir doch heute jener ins Auge gestochen, der, warum auch immer, den Besucher auf mein Erdbeben-Blog geführt hat:
"lese hits of the fortis adolf hittler" (SIC!)
Ist
Unterschichtenfernsehen irgendwie aus der Mode gekommen? Wir haben doch diese tolle Einrichtung, also NUTZT sie doch bitte auch! Anstatt mich anzunerven ...
ElsaLaska - 27. Okt, 20:07
Eben war ich noch al bar für einen aperitivo, der barista, sonst recht schweigsam, guckt TV, Rai Due und erklärt mir, dass gerade Cobra Undici läuft, eine deutsche Serie, die er leidenschaftlich gerne schaut. Ich hätte das gar nicht als deutsche Serie erkannt. Die Schauspieler wirken italienisch, das Ambiente auch und wenn alle Italienisch sprechen - jedenfalls wollte ich eine Stange Zigaretten kaufen, da muss er immer ins Lager und so schnell hab ich ihn noch nie Zigaretten holen sehen, schließlich will er nichts von dieser Serie verpassen. Naja, wenn man ansonsten an die Qualität des italienischen Fernsehens denkt, hat Cobra 11 wahrscheinlich Hollywoodniveau.
Dann noch oben bei den Nachbarn vorbei, den Sohn getroffen. Seinem Vater gehe es sehr schlecht, er hat einen Tumor im Rücken, er ist schwach, verwirrt, sie sind Tag und Nacht bei ihm. Ich soll ihn doch lieber nicht besuchen, sondern mich an ihn erinnern, so wie er war. Das will ich tun. Ich gebe zu, mit solch schlechten Nachrichten habe ich dann doch nicht gerechnet. Die nonna, sie sei sehr stark, aber natürlich ist es für alle schwierig, diese Situation zu akzeptieren. Das Leben ist so, sagt er. Und ich muss an seinen Vater denken, wie er im März noch vor mir stand: Mamma mia, la vita è bella. Ich krame aus meiner Hosentasche ein Holzbildchen mit dem Volto Santo und einem italienischen Segen drauf, es ist zum Aufklappen, hervor, erkläre, dass ich gestern dort war, er kennt Manoppello, und dass das ein kleines Souvenir sei. Die Geste scheint sehr gut angekommen zu sein, mehrmals klappt er das Bildchen auf, schaut hinein, und sagt zu mir: Wenn die Medizin nicht mehr hilft, vielleicht dann das hier.
Ich bin froh, daran gedacht zu haben. Manchmal hat man vielleicht doch etwas zu geben, wenn man denkt, man habe eigentlich gar nichts, und zwischendurch kam es mir lächerlich vor, das kleine Andenken überhaupt überreichen zu wollen.
Ich dachte mir, ich sollte es auf jeden Fall tun, weil es eben nicht einfach ein Bildchen auf Holz ist. Sondern der Ausdruck für etwas, was ich mit Worten nicht sagen kann. Vielleicht war es doch eine gute Idee.
ElsaLaska - 27. Okt, 18:31