Zwischen den Jahren zu sein
ist jedesmal, als entdeckte ich Häute
zwischen meinen Zehen.
Um mich herum schwimmt die Nacht
in einem See aus vergessener Milch.
Zwischen den Lorbeerblättern
hörnt der Mond, als entdeckte er
gerade, dass er bittriger sein müsste
in der Erinnerung an seine Fülle.
Zwischen den Zeiten sitze ich,
als ob ich mich darin einrichten sollte.
Und jedes Mal die Frage,
ob Ich eine Zeit ist
oder nicht doch ein Ort.
ElsaLaska - 27. Dez, 22:22
schaut die schwarz weiße Katze zur Küchenfenstertüre rein. Was ist los? Wieso ist der Napf noch leer? Also geht man raus mit dem Katzenfutter und einer Tüte Milch.
Mir bricht schon jetzt das Herz, wenn ich daran denke, dass ich im Januar ja für ein zwei Wochen nicht hier sein werde und meine Streunerkatze vergeblich um Futter bitten wird.
Noch habe ich ihr keinen Namen gegeben. Wohlweislich.
Einem persönlichen Aberglauben zufolge beginnt bei mir alles mit dem Namen. Dann haben sie dich in ihren Hundeklauen, Katzenkrallen.
Sobald du sie benennst, bist du verloren.
ElsaLaska - 27. Dez, 21:47
ist falsch, grundfalsch, ein Riesenfehler und ich habe lange überlegt, ob das aus meiner weihnachtlichen Grundhaltung her entsteht, ich plötzlich zur Menschenrechtsaktivistin mutiert bin oder ob mich dieser Mann wirklich "dauert". Nein, er dauert mich nicht.
Da er aber angekündigt hat, als Märtyrer sterben zu wollen, werden sie ihm durch dieses Urteil Unsterblichkeit verleihen.
Man sollte ihn leben und an einem schönen, satten Prostatakrebs zugrunde gehen lassen, vielleicht bestünde (abgesehen davon, dass das natürlich ein sehr unfrommer Wunsch ist), dann die Möglichkeit, dass er mal Einblick in gewisse menschliche Grundkonditionen bekommt, die ihm offenbar trotz seines hohen Alters noch nicht gewährt wurden.
Die Kategorie "Unmenschen" dieser Welt reflektiert nicht auf ihr Potential, noch so viele Völkerschaften hinzumorden und noch so viel Leid in die Welt bringen zu können. Die Kategorie Unmensch bezeichnet verstockte, böse alte Männer, die offenbar noch nie Angst vor dem eigenen Tod hatten, die noch nie durch eine herbe midlife-crisis gehen mussten, die zu EGOMANISCH sind, um überhaupt eine solche zu haben und die noch nie eine schlaflose Nacht wegen Dingen verbracht haben, die sie gesagt und getan haben.
Und genau deshalb ist die Bezeichnung "Unmensch" gar nicht mal so untragbar.
ElsaLaska - 27. Dez, 20:50
Eine persönliche Weihnachtsnachlese.
Allegra hatte wohl das kosmopolitischste Weihnachten in mehreren Stationen, vielleicht nicht gerade besinnlich, aber mit eindrucksvollen Momenten, und wenn schon nicht mit Freunden, dann wenigstens mit lieben Kollegen.
>
hier und >
hier und >
hier. Und >
dort.
Und eben musste ich grad mal schlucken wegen einer Nachricht aus Pakistan. Pakistan ist ja das Land, in das ich nie mehr verschlagen werden möchte. Karachi ist so ungefähr mein persönliches Synonym für HÖLLE, was natürlich auch an mir liegt, nicht nur an Karachi.
Aber jedenfalls hat ein junger pakistanischer Moslem in seiner Heimatstadt überall Plakate mit guten Weihnachtswünschen aufgehängt.
Summer Adeel wollte seinen christlichen und muslimischen Mitbürgern die Friedensbotschaft vermitteln. Weil er glaubt, dass sein Land Frieden braucht.
Und das ließ mich auch noch an ein marokkanisches Weihnachten zurücksinnen, das so schräg und verrückt und dabei so weihnachtlich war (wir waren ebenfalls bei Muslimen zu Gast. Es gab einen Weihnachtsbaum und Geschenke, eine Gnaoua-Musiktruppe verbreitete infernalischen Lärm und ein circa 60jähriger Onkel war zu meiner persönlichen Betreuung abgestellt, das heißt, er hatte die wichtige Aufgabe, dafür zu sorgen, dass mein Rotweinglas IMMER bis zum Rand gefüllt war - während er sich seinerseits gemächlich einen Joint nach dem anderen genehmigte).
ElsaLaska - 27. Dez, 19:30
einem castello in der Nähe noch die presepe vivente, die "lebendige Krippe". An einem Hang unterhalb der Stadtmauer haben sie lauter kleine Steinhäuschen aufgebaut, natürlich auch einen Stall, es brennen Lagerfeuer und es gibt Handwerker, Hirten, alles was zu Bethlehem halt so dazu gehört, Ochs und Esel, und so weiter. Natürlich auch einen Erfrischungsstand mit Glühwein und piadina.
Um diese Zeit Krippen all überall. Alljährlich auch immer die Figurenkrippe auf dem Balkon des Altersheims. Heute war ich in einer Kirche, die ich gerne von weitem bewundere, und die zu einem Städtchen gehört, auf das ich immer wieder sehnsuchtsvoll blicke. Zwei stumpfe Kirchtürme, ein filigran spitzer und eine runde Kuppel krönen die Silhouette des Städtchens, über das ich einmal auf meinem alten Blog, im letzten Dezember, schrieb:
Die Nachtluft ist klar und frisch, nicht wie wie im Frühling oder Sommer mit Düften geschwängert. Es ist dunkel hier ums Haus, Straßenbeleuchtung gibt es nicht. Und die Glühwürmchen, die mir sonst leuchten, sind im Winterschlaf. Die Silhouetten der Olivenbäume sind in das Dunkel gemeißelt. Im Osten glimmt ein heller Schein über dem Meer, im Westen die kosmische Schwärze des Gebirges. Perlenschnüre von Lichtern ziehen sich über die Hänge und wie ich so laufe, ersteht mein Traumgesicht zwischen den Oliven, fleißig habe ich Ausschau gehalten nach dem uralten spitztürmigen Castello, das vor dem Panorama der Berge und der Hügelketten emporsteigt wie eine vergoldete Hochzeitstorte, schwebend vor der Schwärze des hohen Gebirges wie eine Galaxis im All. Funkelnd und blinkend in der Nachtluft steht sie da, meine Schöne. Ihre Türme schwingen sich empor, treiben in der Unendlichkeit einer ewigen Landschaft, beglänzt und übergossen, und wie jedes Mal, wenn ich in der Nacht vor die Tür trete, ist da ein Innehalten und ein Staunen über die Schönheit der Welt. Und tiefe Ruhe über allem.
ElsaLaska - 26. Dez, 23:49
Manchmal hat man dauernd nur irgendwelche Freaks in den Kommentaren und auf der Mail und erwägt ernsthaft, nie mehr ins Internet zu gehen, und manchmal ist es wie ein Wunder:
Man geht morgens online und freut sich.
ElsaLaska - 26. Dez, 22:50
werde ich noch definitiv Vegetariererin, nicht dass ich nicht schon solche Phasen hatte.
Aber wenn man vor einer köstlichst zubereiteten Wachtel sitzt und sie nicht runterkriegt ("Sind so kleine Füße ...")
*Feldsalat. Ananas*
ElsaLaska - 26. Dez, 21:24
muss ich an mich
halten, nicht sofort Bescheid zu wissen und auszurasten.
Vielleicht sollte man in diesem Land - oder sagen wir besser in Deutschland - die Kinder wieder menschenwürdig benennen, vielleicht geschähen dann viele Dinge NICHT. Abstruser Ansatz, aber einen Versuch wert.
ElsaLaska - 26. Dez, 00:02