Eineinhalb Stunden hatte ich fleißig trainiert und war danach auf einem recht stabilen nervlichen Niveau, was die CT-Hirnuntersuchung morgen früh betrifft.
Betrete relativ ausgeglichen, jedenfalls gegen vorher, die Sauna.
Es sind lauter grauhaarige Damen anwesend.
Sie erzählen sich Geschichten von Leuten, die Hirntumore haben. Der eine ist statt in die nächste Stadt bis nach Ulm gefahren, ohne es zu merken und wurde dort verwirrt aufgegriffen.
Der andere fiel in der Unibibliothek wegen eines epileptischen Anfalls um, den der Tumor ausgelöst hatte.
Der dritte hätte fast eine Horde Schulmädchen zusammen gefahren, weil er solche Kopfschmerzen hatte. Bei der Untersuchung kam das dann raus, mit dem Tumor.
Ich denke, das ist doch jetzt eine lustige Volte des Schicksals, ausgerechnet heute in diese Gesprächsrunde zu geraten und bekämpfe das beginnende nervliche Flattern mit Kaltwassergüssen.
Wo ich jetzt darüber nachdenke, könnte die Botschaft aber auch lauten:
Du hast weder epileptische Anfälle, noch landest du in Ulm, obwohl du nach Heidelberg wolltest. Auch im Straßenverkehr fällst du noch nicht dadurch auf, dass du planlos auf Schulkinder zuhältst.
Mach dir also keine Sorgen.
Verbessere dein Karma unheiliges Leben, in dem du im Geiste Brigitte Mohnhaupt umarmst, oder, noch besser, George W. Bush. Nimm auch Peter Handke mit in diese Umarmung hinein, wenn grad kein Leprakranker aufzutreiben ist.
Aber nur dann.
ElsaLaska - 5. Feb, 21:05
Ungefragt soll man niemandem antworten und auch nicht, wenn man ungehörig gefragt wird; der Weise bleibt in solchem Falle, auch wenn er die Sache kennt, ruhig sitzen wie ein Dummer.
ElsaLaska - 5. Feb, 15:56
lag die Bild am Sonntag aus. Tu mal was für deine Fitness, wenn die ober-Super-Wahnsinnsschlagzeile lautet: Unser Planet stirbt!
Das ist wie in den 80ern, denke ich, wo sie uns die Hölle heiß gemacht haben mit dem Waldsterben.
Dann denke ich: Okay, Leute, BEVOR unser Planet stirbt, geht die Bildredaktion den Bach runter. Erstmal sterbt IHR, und natürlich WIR.
Dann der Planet.
Oder nein, ich gehe davon aus, dass dieser Planet sich noch ein paar Karten in der Hinterhand behält. Also erstmal sterben WIR. Dann kann man weitersehen, ob der Planet sich nochmal erholt.
Ich bin da aber optimistisch, um ehrlich zu sein. Was den Planeten betrifft, jedenfalls.
ElsaLaska - 5. Feb, 00:13
Jede italienische Tageszeitung ist voll mit Nachrichten aus dem Kirchenstaat. Alle schauen auf den Papst. Immer gibt es Meldungen aus dem Kirchenlager. Das gehört einfach dazu.
So war es dann wieder selbstverständlich, dass, während Italien von einer neuen Fußballtragödie geschüttelt wird, sich die Jungs aus Rom einmischen. Und wie immer finde ich, haben sie Bedenkenswertes beizutragen.
Während des Spiels Catania-Palermo wurde ja ein Polizist getötet.
Nun äh, merkt man ja schon auf, dass es nicht Juve-Mailand war oder so, sondern eben Catania-Palermo. Das heißt, wenn da jemand getötet wurde - nun gut, ohne jetzt die Hintergründe zu kennen - denke ich mir schon was.
Also, Tarcisio Bertone, einer der großen tifosi im Kirchenstaat, ist schwer erschüttert und schlägt etwas vor, was natürlich erstmal rigoros und schwerst übel klingt, aber ich finde, er hat recht:
Über die Gewalt in italienischen Fußballstadien, die kürzlich in Catania zum Tod eines Polizisten führte, ist auch der Vatikan besorgt. Kardinalstaatssekretär Tarcisio Bertone, ein erklärter Fußballfan, begrüßte den nach dem Polizistentod verhängten eintägigen Spielstop - diese Maßnahme reiche allerdings nicht aus. Die italienische Gesellschaft brauche auf politischem Niveau wie in den Familien eine Erziehung zum Gewaltabbau. Die Vatikanzeitung “L`Osservatore Romano” setzt sich gar für eine einjährige Spielpause oder für Spiele ohne Zuschauer während eines Jahres ein, um den “Calcio” zu reinigen und “von Grund auf neu zu durchdenken”. (varie)
EIN JAHR!!! Ohne Fußball
!!!
Das hält kein Italiener aus. Bertone sollte verlangen, dass alle Italiener einmal die Woche in die Kirche gehen und Buße tun. Vor jedem Ligaspiel eine Messe gelesen wird. Sie würden sich auf alle Forderungen einlassen - hauptsache, es wird weitergespielt.
ElsaLaska - 4. Feb, 23:03
Gib mir noch eine kleine Weile Zeit:
ich will die Dinge so wie keiner lieben
bis sie dir alle würdig sind und weit.
Ich will nur sieben Tage, sieben
auf die sich keiner noch geschrieben,
sieben Seiten Einsamkeit.
Wem du das Buch gibst, welches die umfasst,
der wird gebückt über den Blättern bleiben.
Es sei denn, dass du ihn in Händen hast,
um selbst zu schreiben.
ElsaLaska - 4. Feb, 01:39
Ich war wohl 17 oder 18 und wachte eines Nachts auf, heulte los und schrie das ganze Haus zusammen. Ich sollte mich lange nicht mehr beruhigen.
Jahrelang hatte ich Angst davor, dass dieser Traum sich wiederholen würde, eben deshalb, weil ich regelrecht von ihm besessen war und immer wieder an ihn dachte und schlicht Angst hatte.
Er wiederholte sich nie.
Ich sitze in einem kleinen dunkelroten Auto, vielleicht ein Golf, und betrachte immer wieder bewundernd die Fahrerin, die mich zu einer Party fährt. Sie ist ICH, wie ich weiß, aber ein äußerlich perfektes Ich. Sie trägt die Haare wie meine Haare idealer nicht zu tragen wären. Sie ist toll angezogen, ein schwarzes enges Kleid, sie hat meine Gesichtszüge, nur noch einen Tick perfekter und einen makellosen Teint. Sie ist mein ideales ICH.
Diese Frau ist das, was ich sein könnte. Wenn man meine Unvollkommenheiten wegnähme. Sie setzt mich vor einem Neubau ab, da sind ganz frisch Straßenlaternen gesetzt worden und säumen diesen typischen 80er-Jahre-Pflasterweg zum entweder unverputzten oder schlicht weiß verputzten Bungalow, in dem eine Party stattfinden soll. Ich steige aus und betrachte bedauernd ihr Profil, weil sie nicht mitkommen will. Sie wird warten. Es gibt eine Blende. Ich laufe diesen Pflasterweg zum Haus hin, dann laufe ich ihn in einer Sekunde wieder zurück. Die Party bleibt ausgespart. Ich sehe mich also in ein und demselben Moment hinlaufen, dann wieder zurück zum Auto kommen.
Ich lege die Hand auf die Klinke der Autotür und schaue erwartungsvoll in das Innere. Da liegt sie, quer über den beiden Vordersitzen, mit aufgeschnittener Kehle, eine klaffende, blutige, weit gähnende Wunde unter ihrem Kinn. Alles ist voll Blut. ICH selbst liege da. Irgendjemand ist gekommen und hat sie abgeschlachtet, und ich weiß nicht warum und wieso.
Ich wache auf und kann nicht mehr aufhören zu weinen.
Nachtrag: Ich hatte eine Zeitlang einen roten Golf, allerdings nicht zur Zeit des Traumes. Ich habe versucht ihn loszuwerden und eine abergläubische Furcht davor, in rote Autos einzusteigen, seither.
ElsaLaska - 4. Feb, 00:26