Man muss ihnen immer so viel erklären. Sie verstehen ja nicht sofort. Das wurde schlecht eingerichtet bislang. Ein Brocken von 70 Kilo, und du musst wach bleiben und ihm gut zu reden, weil ihm ein Nagel fehlt und er grad nicht mehr weiß, was Gut und Böse ist. Der Verband sitzt noch relativ stramm, Rasul ist ziemlich verstört. Rauslassen mag ich ihn jetzt auch nicht mehr, obwohl er mich hier hinkend umkreist. Gut, jetzt verzieht er sich in seine kühle Ecke im Gang, gottseidank. Sehr gut.
ElsaLaska - 25. Jun, 04:10
Rasul ist zur Zeit nachts sehr gerne draußen, weil es kühl ist und eine leichte Brise weht. Ich rufe ihn herein und sehe, dass er furchtbar blutet - an der linken Wolfskralle. Die so genannte Wolfskralle ist ein archaischer Überrest, ein relativ lose sitzendes Teil ein kleines Stück weit über den Pfoten, vielleicht so etwas wie unsere Achillesferse - oder besser, so etwa, wie wenn wir einen verkümmerten Daumen oberhalb des Handgelenks sitzen hätten. Die Wolfskralle gilt oft als eine Art Gütesiegel des Kangal-Hundes - in Wirklichkeit ist sie natürlich einfach nur ein Relikt aus Urzeiten und zu nichts weiter nütze, außer eben eine erhöhte Gefahr, dass er sie sich abreißt aus Versehen. Jedenfalls also kam Rasul ins Haus zwar noch mit intakter Wolfskralle (gottseidank also keine Fleischwunde), aber der dort anhängende Nagel war aus mir schleierhaften Gründen ausgerissen und es blutete furchtbar. Sofort breitete sich im ganzen, sehr überhitzten, Haus ein süßlicher Gestank nach Blut und aufgebrochenem Wild aus. Es galt, den verstörten Hund zu verbinden, zum Desinfizieren war keine Zeit, wegen der doch immensen Blutmenge, aber ich gehe mal davon aus, dass das in Ordnung ist, weil er sich reichlich ausgeblutet hat. Im Moment relaxt er im Kühlen, die Blutung scheint gestoppt. Frauchen hat ihre alkoholfrei Diät für diese Nacht aufgegeben, um so mehr, als der blöde kleine Kläffer der Nachbarn dann vorm Schlafzimmerfenster Position bezog und in schrillsten Tönen nicht mehr aufhörte zu kläffen. Es entstand kurz eine ziemlich wüste Gemengelage in Frauchens Gemüt, weil ich auch an Sharif denken musste und an all die guten Hunde, die zu früh gehen mussten oder sich jetzt noch quälen müssen, während diese bescheuerte, komplett idiotische Töle mit ihrem dreigestrichenen hohen C fünf Stunden am Stück einem das Gehirn aus dem Schädel fräst. Aber so ist das nun mal, fast wie im richtigen Leben. Die Erzguten leiden und der Pöbel wirft die Gehirnschleifhexe an. Scheinbar wollen sie es halt einfach wissen.
"Du bist auch noch dran", denke ich düster und verfluche Töle, Nachbarn, die Hitze, das schandbare Prinzip im Leben, welches besagt, dass es nie die trifft, die es mal verdient hätten und fokussiere meine Gedanken auf Gottes Gerechtigkeit, die da irgendwo im Weltall herumwabern muss. Nicht seine Schuld, dass ich sie im Moment mal wieder nicht erkennen kann.
ElsaLaska - 25. Jun, 03:00
Eine Woche ohne (und ohne Lust auf) Alkohol, Fleisch/Wurst/ Fisch und Kaffee. (Außer vorhin zum Brunch ein Tässchen Cappuccino, weil Sonntag ist).
Ganz neues Körper- und Geistgefühl bzw. altbekanntes und gutes Gefühl.
ElsaLaska - 24. Jun, 15:28
Die Zitatfunktion (das ist im Maskeneditor die vierte von links, mit dem Sprechblasenicon), ist enttäuschend. Sie besteht einfach darin, dass der markierte Text kursiv gesetzt wird. Das kann ich genausogut auch mit der "I"-Kursiv-Icon (zweite von links) machen.
Ich möchte gerne schön abgehobene Zitate, so wie man das manchmal sieht, mit diesem weiß unterlegten Feld und den großen blauen Anführungsstrichen.
ElsaLaska - 24. Jun, 10:52
Vermutlich erst ab dem Mittelalter in regelmäßigem Gebrauch, um die Alpen über die Nord-Süd-Richtung überqueren zu können. 569 n. Chr. bauten die Langobarden eine Kettenbrücke über die Reuss. Ausbau des Weges unter Karl dem Großen für Lasttiere (Esel, Maulesel, Maultiere).
Kapelle um 1100 erbaut und 1160/76 vom Mailänder Erzbischof zu Ehren des Heiligen Godehard von Hildesheim geweiht. > Ältestes Gebäude auf der Passhöhe.
1629 errichtete Borromeo eine Herberge (ospizio), die seit 1683 von Kapuzinern betreut wird.
Heute führt die 27 km lange Passstraße von Göschenen nach Airolo.
Vier Flüße haben hier ihr Quellgebiet: Ticino, Reuß, Rhone und Rhein.
Goethe: "Der Gotthard ist zwar nicht das höchste Gebirge der Schweiz, [...] doch behauptet er den Rang eines königlichen Gebirges über alle anderen, weil die größten Gebirgsketten bei ihm zusammenlaufen und sich an ihn lehnen.“
Schiller, Wilhelm Tell:
" So immer steigend, kommt Ihr auf die Höhen
Des Gotthards, wo die Ewg'en Seen sind
Die von des Himmels Strömen selbst sich füllen
Dort nehmt Ihr Abschied von der deutschen Erde,
Und muntern Laufs führt Euch ein andrer Strom
Ins Land Italien hinab, Euch das gelobte -"
Wilhelm Heinse an Ludwig Gleim: "Bester Freund, hier ist wirklich das Ende der Welt. Der Gotthard ist ein wahres Gebeinhaus der Natur. Statt der Totenknochen liegen ungeheure Reihen von öden Steingebirgen und in den tiefen Täler aufeinander gehäufte Felsentrümmer."
>>Projekt La Claustra
ElsaLaska - 24. Jun, 10:42