ElsaLaska - 7. Dez, 00:01
und wie auch immer dein Tag war, und wenn du ihn selbst neben einhundert kreischenden Tischsägen verbringen musstest, deine Ohren bluten, dein Hirn fast gerinnt und dein Kreuz dich direkt umbringt:
Vor dir sitzt ein kranker Mensch. Er ist alt, aber dafür kann er schließlich nichts. Er begreift nichts mehr von dem, was du ihm mitteilst. Er ist in seiner eigenen Welt befangen. Aber auch dafür kann er nichts. Und er hat es nicht verdient, dass du ihn angehst, weil du in DEINER Welt befangen gewesen bist. Er hat es vielmehr verdient, dass du aufhörst, in diesen weltlichen Kategorien zu denken, sondern liebevoll und zärtlich mit ihm bist.
Auch wenn du dich gerade außerstande fühlst. Du bist ein Mensch, verdammt nochmal, also gib einem Menschen, insbesondere dem, dem du dein Leben verdankst und der dich unter Schmerzen geboren und unter Mühsal großgezogen hat, ein gutes Wort.
Und das Wort heißt nicht: "Weißt Du, Mamma du kannst schon sehr anstrengend sein!"
Das Wort heißt vielmehr:
"Komm, ich hab den Tisch gedeckt und les dir dann auch was vor. Soll ich dir was vorschneiden? Auf was hast du Lust?
Schlaf schön, Mamma!
Guten Morgen! Wie machst du nochmal diese tolle Currysoße? Sollen wir auf den Friedhof rollern? Kerzen anzünden? Und magst du zu Weihnachten in die Kirche gehen? Weißt Du noch Mamma? Du hast immer den tollen Hasenbraten für uns geschmort. Magst du noch ein bisschen Weißbrot? Bitte trink noch, du musst mehr trinken.
Wie hast du die Garnelen immer so lecker angemacht? Den Zwiebelrostbraten für Papa so wunderbar auf den Punkt geschmort?
Bitte trink noch, du musst mehr trinken.
ElsaLaska - 6. Dez, 20:08
Die letzten Tage hatte ich besondere Träume, die Tage zuvor eigentlich Alpträume, wie so häufig. Aber in den letzten Tagen träumte ich jedesmal von Situationen, ganz alltäglich, so wie etwa, ich stehe am Heck des Kombis und will etwas einladen, und Mamma kommt ganz normal zu mir, so wie sie war, noch vor über einem Jahr, und sagt etwas zu mir. So wie vor knapp einem Jahr.
Und ich stehe da und will etwas erledigen, und ich wundere mich. Doch in erster Linie freue ich mich. Sie geht und spricht. Das ist innerhalb dieses Traumes so ein wunderschönes Gefühl, so, als sei etwas, was unwiederbringlich kaputt gegangen geglaubt war, wieder heil geworden.
Dann wache ich auf.
Und nichts mehr ist heil.
ElsaLaska - 6. Dez, 17:38
Christoph, Rupprecht, Nikolaus
Ich kenn drei gute, deutsche Geselln
Mit großen Händen und Beinen schnelln;
Mit dicken Säcken auf breitem Buckel
Stampfen sie eilig durchs Land mit Gehuckel;
Haben Eis im Bart
Und grimmige Art,
Aber Augen gar milde;
Führn Äpfel und Nüsse und Kuchen im Schilde
Und schleppen und schleppen im Huckepack
Himmeltausendschöne Sachen im Sack.
All drei sind früher Heiden gewesen.
Der erst heißt Christoph: Auserlesen
Hat er in einer eisgrimmigen Nacht
Das Christkindel übers Wildwasser gebracht.
Rupprecht der zweite ist genannt:
Der fuhr voreinsten übers Land
Tief nächten in Gespenstergraus
Als Heidengott. Den Nikolaus,
Als wie der dritte ist geheißen,
Tät man als einen Bischof preisen.
Das ist nun all Legend und Mär.
Ich übernehme nicht Gwähr,
Daß just genau es so gewesen.
Habs nicht gesehn, habs nur gelesen.
Auf Schildereien jedermann
Die dreie freilich sehen kann.
Da ist der Rupprecht dick beschneet
Und derb gestiefelt fürder geht.
Drei Aepfel trägt der Nikolaus,
Sieht väterlich und ernsthaft aus.
Und Christophor im langen Bar
Ist heidenmäßig dick behaart,
Hat einen roten Mantel an
Und ist ansonst ein nackter Mann.
Die dreie nun, dass ihr es wisst,
Verehre ich als Mensch und Christ.
Sie sind so lieb und ungeschlacht
Und ganz aus deutschem Mark gemacht.
Mildherzig rauh, kratzhaarig lind,
Des deutschen Gottes Ingesind.
Die guten Knechte, reichen Herrn!
Sie dienen gern und schenken gern,
Wolln keinen Dank, wolln keinen Lohn,
Sind in sich selbst bedanklohnt schon.
Grüß Gott ihr dreie miteinand
Im lieben weiten deutschen Land!
Christoph, Rupprecht, Nikolaus!
Schüttet eure Säcke aus,
Schüttet sie mit Lachen,
Blickt mit hellen Augen drein
Und lasst wohl gesegnet sein
Eure Siebensachen.
Otto Julius Bierbaum.
ElsaLaska - 6. Dez, 08:09