Nämlich, dass die katholische Kirche die aristotelischen Erkenntnisse übernahm und diese auch tradierte, mit der Hochphase in der Scholastik. Aristoteles wiederum postulierte, die Erde müsse allein deswegen rund sein, weil ein runder Körper sich am besten für die Erdanziehung eigne. Laut dem geozentrischen Weltbild des Griechen lag die Erde im Mittelpunkt des Universums, und ziehe alles an. So erklärte man sich Gravitation; und so erschien auch ein runder Körper als beste Lösung für eine Erdform.
Es entbehrt nicht der Ironie, dass dies in einem anderen Fall nie erwähnt wird, nämlich dann, wenn es wiederum um den Fall Galilei geht. Man wirft der Kirche vor, zweimal falsch gelegen zu haben: einmal bei der Kugelgestalt und einmal beim geozentrischen Weltbild. Man müsste wenigstens so konsequent sein und darauf eingehen, dass bei den Disputen mit Galilei auch hier die Erdanziehung eine Rolle spielte.
Als Galilei nämlich das heliozentrische Weltbild verteidigte, führten nicht wenige katholische Gelehrte an, dass er damit die aristotelische Lehre der Erdanziehung in Frage stellte. Kurz: wenn die Erde nicht im Mittelpunkt des Universums stände, wie es dann mit der allumfassenden Gravitation stünde, da nun das Zentrum fehle. Galilei wusste darauf keine Erklärung (die brachte erst Newton). Es war im Übrigen auch dieses wissenschaftliche Dilemma, das in Kirchenkreise zu großer Skepsis führte, was Galileis Theorien betraf.
Allein das Beispiel zeigt, dass die Katholische Kirche immer eine runde Erdform lehrte. Aber den Kritikern wäre es ja nicht recht, wenn rauskäme, dass Galilei auch deswegen stolperte, eben weil die Kirche damals die geltenden wissenschaftlichen Lehrsätze wiedergab. Und das war Aristoteles mit seinem geozentrischen Kugelmodell und allen damit inbegriffenen Problemen.
Im Übrigen: wenn Dante und Vergil durch die Hölle reisen, und auf der anderen Erdseite wieder herauskommen, ist auch dies ein Beweis für die verbreitete Idee der Kugelgestalt. In der Göttlichen Komödie vereint sich letztendlich die gesamte mittelalterliche Gelehrsamkeit. Und auch da ist klar, dass beide auf der "Antipode" nicht herunterfallen, weil Dante seinen Aristoteles kennt und weiß, dass die runde Erde auch hier für Anziehung sorgt.
Zuletzt hat auch Marco Polo auf all seinen Reisen bis ans Ende der Welt nirgendwo Angst, er könne von einer Scheibe runterfallen. Und das, obwohl er an bestimmten Orten den Polarstern nicht mehr gesehen haben dürfte.
Zusatzfrage: wer entwarf den ersten Globus? Behaim? Auch nicht korrekt. Der erste Globus stand - in der Vatikanischen Bibliothek! Donnus Nicolaus Germanus entwarf den Erdapfel für Sixtus IV.
Spätestens das dürfte einige Aufklärer ganz schön wurmen...
Andere Renaissancefürsten müssen auf die beiden Globen - ein zweiter stellte den Sternenhimmel dar - sehr neidisch gewesen sein. Vermutlich gingen sie im Zuge des Sacco di Roma verloren.
Maerilu (Gast) - 14. Nov, 03:58
Das ist fuer mich alles extrem interessant,
V.a. Weil mein lieber Sohn ja nicht mehr so viel mit der Kirche zu tun haben will, weil Gallilei nicht geglaubt wurde, ( was eigentlich sowieso schon bekannt war) und Herr G. Ja so schrecklich gefoltert wurde und Inquisition und ueberhaupt.
Ich haette ja so gerne mehr Originalquellen, die ich ihm geben kann, um die Diskussion fortzufuehren, jedoch kenne ich mich ja selber nicht so genau aus. Und mir glaubt er ja eh nicht so, ich verblendete Glaubensromantikerin.
Die Luegen ueber die Katholische Kirche sind uferlos, denke ich so oft. Und dass die Beweise bitte mal offengelegt und auch anerkannt werden sollen, ueber die Wahrheit.
Wieviel Wissenschaft noch nicht erkundet ist, was ueber die bisherigen Erkenntnisse der Natur herausgeht, und fuer uns uebernatuerlich erscheint, obwohl es vielleicht einfach noch nicht wissenschaftlich erklaerbar ist, das beschaeftigt mich auch sehr oft. Was sind wirklich Wunder und was sind einfach noch unentdeckte natuerliche Zusammenhaenge? Ein Virus zur rechten Zeit mutiert, der Einen Darmkrebs zerstoert z. b. Und keiner bekommt es mit...
Was wissen wir schon, was sich der Schoepfergott so alles ausgedacht hat und noch weiter schoepft...
Wenn es Sie interessiert, hätte ich noch eine Anekdote zu bieten.
So hatte Galilei behauptet, dass Kometen/Sternschnuppen am Himmel nichts weiter als Lichterscheinungen seien. Die Jesuiten, die damals das römische Observatorium leiteten, widersprachen dem: Kometen seien Gesteinskörper.
Galilei veröffentlichte daraufhin den "Saggiatore", in dem er die Jesuiten hart angriff für ihre aristotelische Wissenschaft und sie lächerlich machte. Das Buch fand reißenden Absatz, Galileis "moderne" Herangehensweise wurde vielbeachtet, die Jesuiten überhäufte man mit Spott.
Dass hier die Jesuiten komplett richtig lagen, und Galilei sich geirrt hatte, wird heute auch nicht mehr erwähnt. Aber es war einer dieser "Bausteine", der den ganzen Konflikt später so eskalieren ließ. Galilei war ein hervorragender Wissenschaftler, allerdings auch ein besserwisserischer Polemiker, der sich viele Feinde mit seinen Provokationen schuf. Deshalb fehlte ihm später der Rückhalt.
Einen kurzen Überblick bietet das englische Wiki dazu, da ich gerade leider keinen besseren Link finde:
Ironischerweise sollten die Jesuiten später auch Galileis Erkenntnisse auf anderen Feldern als erste bestätigen. Man war eben sehr vorsichtig, wenn es um "revolutionäre" Erkenntnisse ging. Das hatte aber eben nicht durchweg mit Repression, sondern mit dem normalen akademischen Diskurs zu tun - neue Theorien werden immer mit Skepsis betrachtet und eingehender geprüft als alte, die sich lange bewährt haben.
Einige Anmerkungen zur Kugelgestalt...
Es entbehrt nicht der Ironie, dass dies in einem anderen Fall nie erwähnt wird, nämlich dann, wenn es wiederum um den Fall Galilei geht. Man wirft der Kirche vor, zweimal falsch gelegen zu haben: einmal bei der Kugelgestalt und einmal beim geozentrischen Weltbild. Man müsste wenigstens so konsequent sein und darauf eingehen, dass bei den Disputen mit Galilei auch hier die Erdanziehung eine Rolle spielte.
Als Galilei nämlich das heliozentrische Weltbild verteidigte, führten nicht wenige katholische Gelehrte an, dass er damit die aristotelische Lehre der Erdanziehung in Frage stellte. Kurz: wenn die Erde nicht im Mittelpunkt des Universums stände, wie es dann mit der allumfassenden Gravitation stünde, da nun das Zentrum fehle. Galilei wusste darauf keine Erklärung (die brachte erst Newton). Es war im Übrigen auch dieses wissenschaftliche Dilemma, das in Kirchenkreise zu großer Skepsis führte, was Galileis Theorien betraf.
Allein das Beispiel zeigt, dass die Katholische Kirche immer eine runde Erdform lehrte. Aber den Kritikern wäre es ja nicht recht, wenn rauskäme, dass Galilei auch deswegen stolperte, eben weil die Kirche damals die geltenden wissenschaftlichen Lehrsätze wiedergab. Und das war Aristoteles mit seinem geozentrischen Kugelmodell und allen damit inbegriffenen Problemen.
Im Übrigen: wenn Dante und Vergil durch die Hölle reisen, und auf der anderen Erdseite wieder herauskommen, ist auch dies ein Beweis für die verbreitete Idee der Kugelgestalt. In der Göttlichen Komödie vereint sich letztendlich die gesamte mittelalterliche Gelehrsamkeit. Und auch da ist klar, dass beide auf der "Antipode" nicht herunterfallen, weil Dante seinen Aristoteles kennt und weiß, dass die runde Erde auch hier für Anziehung sorgt.
Zuletzt hat auch Marco Polo auf all seinen Reisen bis ans Ende der Welt nirgendwo Angst, er könne von einer Scheibe runterfallen. Und das, obwohl er an bestimmten Orten den Polarstern nicht mehr gesehen haben dürfte.
Zusatzfrage: wer entwarf den ersten Globus? Behaim? Auch nicht korrekt. Der erste Globus stand - in der Vatikanischen Bibliothek! Donnus Nicolaus Germanus entwarf den Erdapfel für Sixtus IV.
Spätestens das dürfte einige Aufklärer ganz schön wurmen...
@Marco Gallina
Inhaltsreich und fundiert.
Herzlichen Dank!
@Elsa
Das Modell von Sixtus IV. ist leider verschollen, allerdings verwahrt der Vatikan - korrekt wie immer, wenn es ums Geld geht - bis heute die Quittung auf. Die datiert vom 11. Dezember 1477: https://upload.wikimedia.org/wikipedia/commons/6/69/Germanus.jpeg
Andere Renaissancefürsten müssen auf die beiden Globen - ein zweiter stellte den Sternenhimmel dar - sehr neidisch gewesen sein. Vermutlich gingen sie im Zuge des Sacco di Roma verloren.
Das ist fuer mich alles extrem interessant,
Ich haette ja so gerne mehr Originalquellen, die ich ihm geben kann, um die Diskussion fortzufuehren, jedoch kenne ich mich ja selber nicht so genau aus. Und mir glaubt er ja eh nicht so, ich verblendete Glaubensromantikerin.
Die Luegen ueber die Katholische Kirche sind uferlos, denke ich so oft. Und dass die Beweise bitte mal offengelegt und auch anerkannt werden sollen, ueber die Wahrheit.
Wieviel Wissenschaft noch nicht erkundet ist, was ueber die bisherigen Erkenntnisse der Natur herausgeht, und fuer uns uebernatuerlich erscheint, obwohl es vielleicht einfach noch nicht wissenschaftlich erklaerbar ist, das beschaeftigt mich auch sehr oft. Was sind wirklich Wunder und was sind einfach noch unentdeckte natuerliche Zusammenhaenge? Ein Virus zur rechten Zeit mutiert, der Einen Darmkrebs zerstoert z. b. Und keiner bekommt es mit...
Was wissen wir schon, was sich der Schoepfergott so alles ausgedacht hat und noch weiter schoepft...
@Maerilu
So hatte Galilei behauptet, dass Kometen/Sternschnuppen am Himmel nichts weiter als Lichterscheinungen seien. Die Jesuiten, die damals das römische Observatorium leiteten, widersprachen dem: Kometen seien Gesteinskörper.
Galilei veröffentlichte daraufhin den "Saggiatore", in dem er die Jesuiten hart angriff für ihre aristotelische Wissenschaft und sie lächerlich machte. Das Buch fand reißenden Absatz, Galileis "moderne" Herangehensweise wurde vielbeachtet, die Jesuiten überhäufte man mit Spott.
Dass hier die Jesuiten komplett richtig lagen, und Galilei sich geirrt hatte, wird heute auch nicht mehr erwähnt. Aber es war einer dieser "Bausteine", der den ganzen Konflikt später so eskalieren ließ. Galilei war ein hervorragender Wissenschaftler, allerdings auch ein besserwisserischer Polemiker, der sich viele Feinde mit seinen Provokationen schuf. Deshalb fehlte ihm später der Rückhalt.
Einen kurzen Überblick bietet das englische Wiki dazu, da ich gerade leider keinen besseren Link finde:
https://en.wikipedia.org/wiki/The_Assayer
Ironischerweise sollten die Jesuiten später auch Galileis Erkenntnisse auf anderen Feldern als erste bestätigen. Man war eben sehr vorsichtig, wenn es um "revolutionäre" Erkenntnisse ging. Das hatte aber eben nicht durchweg mit Repression, sondern mit dem normalen akademischen Diskurs zu tun - neue Theorien werden immer mit Skepsis betrachtet und eingehender geprüft als alte, die sich lange bewährt haben.
Danke!