Elsas Nacht(b)revier



Francois Gérard: St. Térèse d'Avila

elsalaska[at]tiscali[punkt]it

ufficio

Du bist nicht angemeldet.
ElsaLaska - 14. Jan, 14:00

http://www.welt.de/politik/deutschland/article150982804/Rechtssystem-in-schwerwiegender-Weise-deformiert.html

Zum einen mal dieser Linkhinweis von mir, zum anderen noch der Gedanke zur AfD: Es geht hier wohl alleine darum, fürchte ich, die AfD aus dem Diskurs auszusperren. Nun kann man von der AfD halten was man will, ich habe hier noch nie AfD-Thesen vertreten oder verlinkt und werde das auch nicht tun.
Es ist aber nun mal so: Wenn 7, oder 10 Prozent der Stimmberechtigten halt AfD wählen wollen, weil sie der Meinung sind, man solle sich mal ruhig anschauen, was die politisch wirklich zuwege bringen, dann ist das eben so und in einer Demokratie völlig normal und somit hinzunehmen. Die anderen müssen ja auch mit 5 oder 7 Prozent oder wieviel auch immer von DIE LINKE leben. Bei der AfD handelt es sich um eine zwar verpönte, aber nicht verbotene oder verfassungsfeindlich eingestellte Partei. Eine Demokratie sollte das aushalten können, nein?
Und damit komme ich auf die Rede von der "Macht", die für mich übrigens auch nicht automatisch negativ konnotiert wird - in dem Fall, wo etablierte Parteien, die größtenteils in der politischen Führung versagt haben (diese Meinung muss man jetzt nicht teilen) - versuchen wollen, eine neue Partei niederzuhalten oder gar zu verhindern, weil "rechts von ihnen nichts sein kann", wie jemand hier zitiert hatte, dann muss ich sagen, wenn das zutrifft, ist das undemokratisch. Geschähe das mit einer weiteren linken Partei, die sich neuformierte und ähnliche Ziele hätte - ja, das ginge sogar theoretisch - dann herrschte aber ziemlich breite Empörung.
Aber ich sage das natürlich so gelassen, weil ich es von Italien gewohnt bin, dass wirklich ein ganzes Spektrum von den hier agierenden Parteien abgedeckt wird und dabei niemand etwas groß dabei findet - außer natürlich die von Linksaußen die Rechtsaußen scheiße finden und die von Rechtsaußen die Linksaußen und so weiter, das ist aber wohl halt normal.

ksu (Gast) - 14. Jan, 16:05

@Elsa

"Geschähe das mit einer weiteren linken Partei, (...) dann herrschte aber ziemlich breite Empörung"
Naja, das war in den 90-er bei den Linken bzw. deren Vorläufer PDS genau so der Fall. Die hatten (hier im Westen) einen ähnlichen Status wie derzeit die AfD. Niemand wollte sie zu Talkshows einladen, und wenn, dann nur, um sie vorzuführen. Und als vor wenigen Jahren der erste Linke Ministerpräsident eines Bundeslandes wurde, da war die Empörung auch entsprechend groß.

Ich sehe das aber genauso wie Du: Solange eine Partei nicht verboten ist, muss man sich inhaltlich mit ihr auseinandersetzen. Aber genau das wollen die sogenannten etablierten Parteien oft nicht. In beiden Fällen - Linke und AfD - sind die Parteien ja gerade deshalb so groß geworden, weil die etablierten Parteien eine Politik gemacht haben, mit der sie sich von ihren Wählern entfernt haben - um das mal freundlich auszudrücken. Und das würde dann nicht nur heißen, dass man sich inhaltlich mit den Positionen der neuen Partei auseinandersetzen muss, sondern auch, dass man vielleicht die eigene Politik kritisch prüfen sollte...
ElsaLaska - 14. Jan, 16:14

@ksu

Richtig, ich schrieb ja aber "mit einer weiteren linken Partei" und gehe vom aktuellen Zustand aus, aber das ist eh klar gewesen.

Eigene Politik kritisch prüfen? Wozu? Dafür bräuchte es praktisch einen vorgezogenen ersten Schritt, nämlich sich zunächst einmal der Tatsache zu stellen, dass der Souverän das Volk ist :D
Glücklicherweise haben wir ja im Zweifel jetzt sogar eine EU-Kommission, die überprüft, ob es sich bei einem Mitgliedsstaat noch um einen Rechtsstaat handelt oder nicht .... *tongueincheek*
ksu (Gast) - 14. Jan, 16:43

@Elsa

Leider hat sich ein Teil des Souveräns im Sommer von der allgemeinen Euphorie anstecken lassen und am Bahnhof mit Fähnchen gewinkt, als hätten wir gerade die WM gewonnen. Die Medien taten das ihrige und die Kanzlerin sah sich bestätigt.
Auch damals gab es schon Leute, die diese Entwicklung kritisch sahen und warnend den Zeigefinger hoben. Aber die konnte man gut in die rechte Ecke stecken, oder es waren frustrierte und gesellschaftlicher Verlierer.
Und jetzt ist es eben für die Kanzlerin sehr schwer einzugestehen, dass sie einen Fehler gemacht hat und - entgegen ihrer sonstigen Natur - mit dem Bauch und nicht mit dem Kopf entschieden hat. Und da versucht sie das Problem - in bester Tradition ihres Ziehvaters H.Kohl - einfach auszusitzen.
Christoph (Gast) - 14. Jan, 16:49

@KSU:

Kohl - man muss ihn ja nicht mögen, aber mit seiner viel belästerten Methode des Aussitzen ist er einer der erfolgeichsten Kanzler gewesen, die wir je hatten. Wie immer man seine Politik in einzelnen beurteilt.
Vier Wahlen hintereinander gewinnen, das muss ihm Merkel erst noch nachmachen...
ElsaLaska - 14. Jan, 17:24

@ksu

Nun, Menschen ohne Habe und auf der Flucht am Bahnhof freundlich zu begrüßen ist wirklich nichts Schlimmes, sondern etwas sehr Schönes.
Das Problem dabei ist nur, dass diese Menschen bereits aus sicheren Staaten gekommen sind - zettbe aus Österreich, und somit gar nicht einreiseberechtigt waren. Und das weitere Problem dabei ist, dass Merkel die Arme weit ausgebreitet hat und signalisiert hat, es sei jetzt also absolut jeder Mensch weltweit hier willkommen (außer natürlich die Leute, die eh schon da sind und deshalb Bedenken trugen).
Insofern teile ich deine Einschätzung nicht, dass sich "der Souverän" oder ein Teil davon geäußert hatte. Ich hatte derweil mit einem "Teil des Souveräns" in Deuschland zu tun, der nicht an Bahnhöfen herumlungerte, und dessen Aussagen waren bereits vor Silvester mehr als aufgebracht über die Gesamtsituation. Unter anderem wurde ich in Deutschland - als stadtbekannte Journalistin, Christin und Katholikin - dazu angefahren, dass ich ja Christin sei und deswegen diese Verantwortungslosigkeit unterstützen würde. Da war man aber bei mir an der falschen Adresse, weil ich mir über den Rechtsbruch schon ziemlich sicher war - und sowieso im Klaren, dass da eben nicht nur "echte" Flüchtlinge kommen würden.
Christoph (Gast) - 14. Jan, 18:01

@Elsa:

Da haben Sie in vielem Recht. Nur: Das "Dublin-System", auf das Sie sich berufen, ist ja ehrlicherweise eine ziemlich himmelschreiende Ungerechtigkeit. Noch gar nicht mal Ländern wie Österreich gegenüber, sondern v.a. denen an der "Außengrenze" Europas, also Ihr Italien, Spanien, derzeit v.a. Griechenland. Ich habe mich immer gefragt, wo der Hirnschmalz geblieben war, als die EU das seinerzeit so beschlossen hat. Wir in D waren jahrelang richtig fein raus damit. Das war ähnlich ungerecht den anderen, davon viel mehr betroffenen EU-Ländern gegenüber, wie etliche EU-Länder sich jetzt unsolidarisch uns gegenüber verhalten.

Im übrigen: bei allem Verständnis, das man - zumal nach Silvester, das wirklich viel verändert hat - für alle Rufe nach Grenzschließung etc.pp. haben kann: das Problem als solches wird damit ja Null komma Null einer Lösung zugeführt. Es ist dann das pure St. Florians-Prinzip. Klar, man kann sagen: wir haben ein, zwei Jahre lang das Gegenteil gelebt, jetzt gehts halt nicht mehr, sollen die anderen EU-Länder jetzt mal ran! Schön wäre es ja. Aber das werden die anderen EU-Länder nicht tun. Was aber wird dann mit den Zahllosen, die sich immer noch auf den Weg nach Europa machen? Werden die aufhören zu fliehen und mit einer 10, 20%-Überlebenschance unter Bomben und IS-Terror spekulieren? Ich mag daran nicht glauben...
ElsaLaska - 14. Jan, 18:22

@Christoph

Wissen Sie, das selbe habe ich auch schon gedacht: Dass es eigentlich ziemlich heftig ist, den "Außenstaaten" am europäischen Raum das aufzubürden.
Aber es ist nun mal so vorgesehen gewesen, und ich bin eine große Freundin der Theorie, dass Staaten sich nun einmal über Territorium definieren müssen und dieses Territorium sich über seine Grenzen, auch wenn die innereuropäisch offen sind. De facto existieren sie ja weiter. Wir haben ja nicht wie bei Freund Erdogan "moving borders" bei Syrien/Türkei, an der Grenze zu sagen wir mal, Deutschland und Dänemark.

Es gibt aber noch einen gewaltigen Unterschied: Niemand wird bestreiten, dass Italien nicht ein zutiefst christlich-katholisches Land ist.
Es wird auch niemand bestreiten, dass Italien schon seit vielen Jahren mit dem "Flüchtlingsproblem" zu kämpfen hat, wobei das mehrheitlich Wirtschaftsflüchtlinge aus Nordafrika sind als Kriegsflüchtlinge, Ausnahme wohl Libyen und einige andere Staaten, ZAR ist auch sehr übel.
Man hat hier tatsächlich einiges zu stemmen gehabt und stemmt es weiterhin, wobei sich die gesamte Gesellschaft engagierte, unter Führung insbesondere natürlich der Kirche.
Aber niemand war hier, mit Verlaub, so sagenhaft SAUBLÖD, die potentiellen illegalen Immigranten auch noch öffentlich medial dazu aufzufordern, doch bitte ganz ganz dringend nach Italien zu kommen, sie bekämen hier nämlich ganz leicht alles, was sie dringend bräuchten - und das noch mit einer besonderen Anmutung von "Christlichkeit" serviert. So saublöd kann man gar nicht sein. Und übrigens hat man das, selbst wenn so blöd gewesen wäre, das selbstverständlich auch deshalb nicht gemacht, weil man dann auch noch die Verantwortung für NOCH MEHR Tote im Mittelmeer auf sich hätte nehmen müssen - ein Aspekt, der bei der "reinen Menschenfreundlichkeit" Merkels leider unterging, im Wortsinne.
Und deshalb frage ich mich, was eigentlich mit Angela Merkel los ist. Denn dass sie eine "heilige Gottesnärrin" sei à la Filip Neri oder so, dazu tendiere ich eher nicht.

PS: Man entschuldige meine Wortwahl, aber sie ist dem direkten Vergleich zwischen den Zuständen Italien und Deutschland geschuldet. Und noch ein PPS: Wenn man schon halb Syrien aufnehmen will, weil dort Krieg herrscht, dann muss man eben dabei auch sicherstellen, dass auch wirklich betroffene Menschen aus Syrien kommen, aber das wurde ja von Anfang an nichteinmal im ANSATZ versucht, irgendwas zu kontrollieren, zu registrieren oder sicherzustellen.
Christoph (Gast) - 14. Jan, 18:47

Elsa:

Ob Angela Merkel - was immer mit ihr "los" sein mag, wer weiß das schon? - die Flüchtlinge aufgefordert hat, "ganz dringend" zu uns zu kommen, weil sie hier "ganz leicht alles bekommen", dazu kann man schon mehrere Meinungen haben. Ich nehme an, Sie spielen auf ihr vieldiskutierte Aussage an, "Wenn ich..., dann ist das nicht mehr mein Land." Kann man mit Gründen kritisieren, diesen Satz, und das haben ja nicht nur Sie, sondern viele auch getan. Man kann ihn auch mit Gründen respektabel finden, ich räume ein, dass ich eher dazu tendiere. Sei's drum.
Wie auch immer, aber eine dringliche Aufforderung à la "Kommet her zu mir alle, die ihr mühselig und beladen seid, ich will euch erquicken" ist das fairerweise dann doch nicht gewesen. Es war ja auch in einen sehr bestimmten Kontext von ihr gesagt, nämlich zu und kurz nach "München" im September, und als Reaktion auf die heftige Kritik Seehofers an der Entscheidung von ihr und Faymann.

Mann kann darüber wohl endlos diskutieren. Viel wichtiger ist für mich die oben aufgeworfene Frage, was denn bei einer "Grenzschließung" mit all denen wird, die noch auf der Balkanroute umherirren, die irgendwo in der Türkei gerade sind, oder die immer noch in Syrien morgens aufwachen und nicht wissen, ob sie am Abend noch am Leben sein werden. Was passiert mit denen, wenn nun auch wir dicht machen? Sie sind ja (wenn ich die Lehre der Kirche richtig verstehe, ich bin theologisch wenig bewandert) wenn nicht Kinder, so doch Geschöpfe Gottes.
ElsaLaska - 14. Jan, 18:59

`@Christoph

Was Sie vielleicht nicht so bemerkt haben, kam bei den Syrern sehr wohl an: Wir gehen nach Deutschland und die bauen uns da Häuser, Tante Merkel hat uns nämlich eingeladen. Das ist übrigens aus einem Videointerview eines nicht zweifelhaften Mediums, aber ich kann es nicht mehr extra nachverfolgen.
Das zum einen.
Zum anderen: Die Türkei mitsamt dort herumirrenden Flüchtlingen, wie Sie es ausdrücken, ist - immer noch - ein sicheres Land in dem man wirklich sehr gut leben kann. Frau Claudia Roth kann das sicherlich bestätigen, sie soll ein Ferienhaus dort haben.
Zum Anderen: Frau Merkel ist nicht die protestantische Mutter Teresa, und selbst Mutter Teresa hat nicht versucht, die ganze Welt und alle Gottesgeschöpfe darin retten zu wollen, sondern sie hat vor Ort dort agiert, wo DIREKT Not am Mann war und sie wirklich helfen konnte. Alles andere ist einfach Quark. Ich kann noch so christlich inspiriert sein, wenn ich eben nur ein Gästezimmer mit einem Doppelbett darin habe in meiner Hausgenossenschaft, dann kann ich halt nicht gleich ganz Kalkutta darin aufnehmen, ohne dass meine eigene Familie zu schaden kommt, sonst fällt mir nämlich die Bude über dem Kopf zusammen - das ist doch einfach selbstredend, ich verstehe eigentlich nicht, was daran so schwer zu kapieren ist. Unter den jetzigen, mittlerweile unhaltbaren Zuständen, leiden übrigens vermehrt auch christliche Flüchtlinge bei uns - Gottesgeschöpfe, mit Ihren Worten - also sollen die noch mehr bei uns leiden, damit noch mehr Gottesgeschöpfe herkommen und sie drangsalieren können?

Entschuldigen Sie bitte meine Polemik, ich weiß nicht, wie alt Sie sind, ich gehe auf die Fünfzig zu, viele Dinge habe ich in jüngeren Jahren auch weitaus idealistischer gesehen.
Hildebrandt (Gast) - 14. Jan, 19:00

Zu Ihrer Frage am Ende:
Sorry, aber wir können nicht aller unserer Menschenbrüder Hüter sein. Klingt ernüchternd und wenig hochherzig, ist aber die Wahrheit.

Und ich weigere mich, mein Gewissen damit zu belasten, dass Menschen sehr weit weg in einer Not sind, die ich in keiner Weise zu verantworten habe.
Im übrigen sprach Jesus von der Nächsten-, nicht von der Fernstenliebe.
ElsaLaska - 14. Jan, 19:10

@Hildebrandt

Leider falsch. Es ist durchaus in Ordnung, sich dazu ein Gewissen zu machen. Aber es zeugt von völlig verfehltem taktischen Denken, zu meinen, man könne über seine Kapazitäten hinaus etwas bewirken. Ich kann nur direkt Not lindern und direkt helfen und handeln, wenn ich weiter hilfefähig und handlungsfähig bleibe (n möchte). Alles andere ist unrealistische Schwärmerei. Wohlfeil, klingt gut, salbungsvoll, pathetisch. Aber eben nicht effizient.

Name

Url

Meine Eingaben merken?

Titel:

Text:


JCaptcha - du musst dieses Bild lesen können, um das Formular abschicken zu können
Neues Bild

 

cantare

Ich bin einfach hingerissen,
da ist so viel in diesem Monolog, von dem man oberflächlich...
ElsaLaska - 20. Aug, 19:55
Houellebecq ist ein sehr...
Wobei man jetzt keine Kristallkugel brauchte. Mir imponiert,...
Elsa (Gast) - 12. Aug, 17:50
Hui, das war aber ein...
Hui, das war aber ein wilder Ritt durchs Stadtbild...
NeonWilderness - 11. Aug, 23:45
Privet, fbtde!
Schön, von dir zu hören. Offenbar lebst du also auch...
ElsaLaska - 2. Aug, 10:27
Oha
Du lebst auch noch. Gut zu wissen!
fbtde - 2. Aug, 08:31

attenzione

la bocca

 

About Elsa
All time favourites
Best of Benedict XVI
Blogozesanes
Breviarium Romanum
Christenverfolgung
Cooperatores veritatis
Deutschland pro Papa
Deutschland-Blog
Die Blognovela
Disclaimer
Dossier UR-FRÖDS
Eat Love Pray
Elsa fragt-Leser antworten
Gastbeiträge
Gebetszettel
... weitere
Profil
Abmelden
Weblog abonnieren