Elsas Nacht(b)revier



Francois Gérard: St. Térèse d'Avila

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eine flasche varnelli für die bis-nonna

Update:
Heute bei der Ladeneröffnung meiner Nachbarn. Wird hier stets mit Priester gefeiert, der das neue Geschäft einsegnet. Bevor er den Laden betritt, kommt er an der 16jährigen Tochter vorbei, die im sechsten Monat schwanger geht (was natürlich für einige Wallung in der Familie gesorgt hatte, siehe unten).
Im Vorübergehen legt er ihr lächelnd die Hand auf den Bauch und sagt "Wie schön!" zu ihr.

******************************************************
Die älteste Enkelin backt etwas mit ihr, was ich mir nicht merken kann. Es sieht für deutsche Augen aus wie ein Christstollen. Aber von dem Laib Teig werden kleine Stücke abgeschnitten und nochmals extra gerollt und aufs Backblech gelegt.
"Eh, allora, Barbara..." sagt die Enkelin. "Meine Schwester ist schwanger. Es gibt ein Kind."
"Come?" - Das ist die italienische Version von "Häh???"
"Ein Kind, ja."
"Aber ... Wie alt ist sie nochmal?"
Ich meine, ich kenne beide, da konnten sie nicht mal laufen.
"16... "
Die nonna schaltet sich ein. Sie ist arrabiata. Auf den Typen. "Zwanzig Jahre alt! Und schwängert die!"
Ich, hm, ja, was soll ich sagen, ich verstehe natürlich den Ärger.
"Aber alle sind gesund, nonna, das ist doch das wichtigste. Sie sind doch gesund?"
La nonna knurrt.
Ja, sind gesund. *grunzt*
Prima, sie sind gesund, du bist doch glücklich zu nennen!
Nonna - grunzt.
Ich versuche es mit der Enkelin: Und du wirst bald Tante, ist das nicht großartig!
Sì, das Mädchen nickt begeistert.
La nonna - grunzt.
Aber, hör mal... Ist das nicht ein Glück? Das Baby ist gesund, deine Enkelin ist gesund. Tu sei felice!
Sie: ....
Okay ich verstehe das, von einem Zwanzigjährigen hätte man verlangen können - liebe Katholiken, bitte mal weghören - dass er sich was überstülpt, um nicht gerade so ein junges Mädchen zu schwängern und dazu noch, soweit ich das richtig verstand, auch noch davon zu laufen.
Naja, egal, wie auch immer. Ich freue mich - verstehe natürlich den Ärger und die Sorge - aber ich freue mich auf das neue Menschenkind.
Als ich mich verabschiede sage ich zur großen Schwester: Tanti saluti für deine kleine Schwester. Man sieht ihr die Freude an, dass jemand nicht schimpft, sondern es einfach nur gut mit ihrer kleinen Schwester meint.
Und das ist vielleicht auch ein bisschen Ostern.
clamormeus (Gast) - 25. Mär, 00:51

Ja, ein bißchen Ostern.

Nehme an, Du mußtetst niemand deswegen eigens an die Schuhe.

Eh besser,jemand konkret zu helfen, als zu versinnbildlichen, daß man jedem zu helfen hätte.

Ja, ich hab Deinen Post jetzt mißbraucht.

Dennoch ein bißchen Ostern, find ich prima!

Summorum Pontificum (Gast) - 25. Mär, 17:17

So schön es ist, dass das kleine Menschenkind das Licht der Welt erblicken darf, aber das, was dem voranging, mit einem "liebe Katholiken, bitte mal weghören" zu verniedlichen, stösst mir als Katholik bitter auf.

Es ist und bleibt nun mal eine äußerst schwere Sünde, so lehrt es die Kirche. Von den ganz konkreten Umständen, die einem jungen Leben den Start in dasselbe dadurch unendlich schwerer machen, nicht zu reden.

Als Gleichnis für "ein bisschen Ostern" - also dem triumphalen Sieg über Sünde, Tod und Teufel - scheint mir diese "Geschichte" nicht zu taugen.

Supersansa (Gast) - 25. Mär, 23:09

Jaaa...

Dass sie das Kind überhaupt bekommt, ist mutig und keine Selbstverständlichkeit. Ich würde sehr jung sicher keine Schwangerschaft mehr austragen. Und ich nehme an, das meint Elsa mit "Ostern" - das ist sicherlich kein besonders triummphaler Sieg über den Tod, aber es ist ein Sieg über den Tod, mit dem nicht unbedingt zu rechnen gewesen wäre.
Darüber kann man sich durchaus freuen und sich österlich fühlen.

Der jungen Frau wünsche ich alles, alles Gute.
Mariae Gloria (Gast) - 25. Mär, 23:44

Aber Sünde bleibt Sünde, und muss auch beim Namen genannt werden. Oder darf man das im vatikanischen Barmherzigkeitsrausch nicht mehr?

Per Mariam ad Christum.
Supersansa (Gast) - 26. Mär, 00:04

Sünde

Keine Ahnung, ich habe keinen vatikanischen Barmherzigkeitsrausch.

Ich meine halt (aus eigener Erfahrung), die junge Frau bekommt momentan wahrscheinlich ohnehin von allen Seiten auf den Deckel und es wird ihr klar sein, dass sie in einer völlig bescheidenen Situation ist und sie massiven Blödsinn gemacht hat; es ist mir unklar, was es bringen soll, ihr jetzt noch ganz viel über ihr sündhaftes Verhalten zu erzählen. In so einer Situation braucht man eher jemanden, der einem den Rücken stärkt - und so wie's aussieht, sind solche Rückenstärker selbst in ihrer Familie eher rar.
Mit ihrer freundlichen Reaktion hat Elsa ihr wahrscheinlich mehr geholfen als mit einem Vortrag über die Sündhaftigkeit von vorehelichem Sex.
Summorum Pontificum (Gast) - 26. Mär, 00:24

Ohne Gerechtigkeit keine Barmherzigkeit. Ohne Gottes Zorn keine Liebe Gottes.
ElsaLaska - 26. Mär, 08:47

Liebe supersansa,

herzlichen Dank für Ihre Kommentare, die mir aus der Seele gesprochen haben und nebenzu verhinderten, dass ich diesen Eintrag hier für Kommentare schließe. (das gilt natürlich auch für clamor)

Ich wünsche Ihnen frohe Ostern.

Alle anderen hier wünsche ich außer Frohe Ostern dringend, dass es endlich klappt mit dem Per Mariam ad Christum und es ist nicht beim Konditional bleibt.
nerone (Gast) - 26. Mär, 19:49

Liebe Elsa, ich freue mich die Geschichte zuende gelesen zu haben. Ben fatto. Buona pasqua.
ElsaLaska - 26. Mär, 20:18

@nerone

Dir auch Den Frieden und die Freude des auferstandenen Herrn für dich und alle deine Lieben. Und sowieso schöne Feiertage.
Danke.
Supersansa (Gast) - 26. Mär, 22:17

Liebe Elsa, danke für die Osterwünsche, auch Ihnen gesegnete Tage!

Ich musste gestern noch lange an die junge Frau denken und überlegte mir, was mir in einer ähnlichen Situation vor vielen Jahren geholfen hätte. Es hätte mir sicherlich gut getan, Input und Austausch mit einer lebenserfahrenen Person außerhalb der Familie zu finden. Selbst in einer prinzipiell sehr lieben, hilfsbereiten Familie wird man in so einer Situation ja irgendwie doch durch den Filter "Dummes Kind, das alles verkackt" gesehen. Da hätte mir der Austausch mit einer Person, mit der ich nicht so abhängig-konfliktträchtig-familiär verbandelt gewesen wäre, wahrscheinlich viel Beruhigung und Mut geben können.
Ich weiß ja nicht, wie eng Sie mit der Familie zu tun haben, aber vielleicht ergibt sich ja mal die Gelegenheit, der jungen Frau einfach mal ein offenes Ohr zu leihen.
Alles Gute.

Maria Lena (Gast) - 26. Mär, 23:17

Brava!

Buona pasqua per tutti.

Märilu (Gast) - 27. Mär, 01:57

Ich kann schon verstehen,

Dass die Mutter ihre Tochter vor dieser Verletzung, die der Schwangerschaft vorausging, beschützen wollte. Ich finde auch, dass Gesetze dies tun sollten. In Arizona z.B. wäre der junge Mann anzuzeigen, weil er das Schutzalter des Mädchens nicht geachtet hat. Dem müsste man schon mal gehörig in den A. treten. Mal unkatholisch gesprochen.

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Ich bin einfach hingerissen,
da ist so viel in diesem Monolog, von dem man oberflächlich...
ElsaLaska - 20. Aug, 19:55
Houellebecq ist ein sehr...
Wobei man jetzt keine Kristallkugel brauchte. Mir imponiert,...
Elsa (Gast) - 12. Aug, 17:50
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Hui, das war aber ein wilder Ritt durchs Stadtbild...
NeonWilderness - 11. Aug, 23:45
Privet, fbtde!
Schön, von dir zu hören. Offenbar lebst du also auch...
ElsaLaska - 2. Aug, 10:27
Oha
Du lebst auch noch. Gut zu wissen!
fbtde - 2. Aug, 08:31

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