Wie @Imrahil schon sagte, gibt es den Angriff, die Verteidigung und die Verzögerung. Nichts von alledem gilt jedoch in Afghanistan, weil die drei genannten Begriffe für konventionelle Kriege mit einem klaren Lagebild gelten. Dennoch gibt es immer die Strategie, die Operation und die Taktik. Auch für Afghanistan. An der Spitze steht im internationalen Rahmen die Geostrategie. Diese sieht vor, die Konflikte dort in den Griff zu bekommen, wo sie ausbrechen. Die Operation ist der Einsatz der Koalitionstruppen der ISAF zur Stabilisierung der Sicherheitslage in Afghanistan. Hierfür gibt es ein entsprechendes Mandat der Vereinten Nationen. Darüber hinaus befindet sich die Koalition auf Wunsch der legitimen Staatsregierung Afghanistans am Hindukusch, die Bundeswehr als Parlamentsarmee verfügt zusätzlich über ein Mandat der Legislative, das von fünf der sechs im Bundestag vertretenen Parteien mitgetragen wird.
Ziel des Einsatzes deutscher Soldaten ist nicht der militärische Sieg über eine gegnerische Streitmacht, denn eine Letztere gibt es nicht. Es gibt eine regional operierende Guerilla, die mit Mitteln des Terrorismus die Macht über Afghanistan an sich bringen will (und bereits inne hatte). Was dank des früheren Verteidigungsministers zu Guttenberg heute auch im offiziellen Sprachgebrauch gern als Krieg bezeichnet wird, ist keiner. Im Grunde genommen kann ich mich hier @Ichwesen anschließen, denn in der Tat handelt es sich beim ISAF-Einsatz eigentlich um Aufgaben, die in den Bereich der Polizei fallen würden - so es denn eine Polizeitruppe gäbe, die in ihrer Struktur und Ausstattung in der Lage zur internationalen Terrorbekämpfung wäre. Diese gibt es aber nicht.
Die Hauptaufgabe der Koalitionstruppen ist die Stabilisierung der Sicherheitslage und die Vorbereitung der Übergabe der Verantwortung an die Afghanen. Hierbei wurden Fortschritte erzielt, so dass ein Abzugstermin nunmehr anvisiert werden kann. Keine Aufgabe der Koalition ist hingegen die Entschleierung von afghanischen Provinzschönheiten, die Einmischung in kulturelle Fragen, die Vorgabe einer politischen Zukunft oder die Etablierung westlicher Normen. Lediglich die Durchsetzung der Rechtsstaatlichkeit als wesentliche Grundlage für Frieden, Ordnung und Sicherheit kann im Interesse der westlichen Welt liegen. CIMIC-Leistungen (Zivil-Militärische Zusammenarbeit) werden von der Bundeswehr zusätzlich erbracht.
Was der Komma-Autor mit seinen Ausführungen über das Denken mitteilen möchte, entschließt sich mir. Weder in Deutschland noch in Afghanistan wird das Denken durch Militäreinsätze hergestellt. Recht hat er mit der Aussage, es gäbe keine Klarheit über grundlegende Fragen. Wenn man vier Verantwortliche fragt, bekommt man vier verschiedene Antworten. Allerdings zeichnet von der Brüggen das Bild einer Armee, für die der Tod zum bitteren Alltag geworden ist, und das Bild eines Krieges, der massenhaft gefallene Soldaten fordert.
Die Zahlen: Seit Bestehen der Bundeswehr starben etwa 3.000 Soldaten durch Suizid. Etwa ebenso viele kamen in Friedenszeiten in der Heimat ums Leben, z.B. bei den großen Manövern zu Zeiten des Kalten Krieges. 100 deutsche Soldaten starben bei Auslandseinsätzen, darunter 52 in Afghanistan, hiervon 34 durch Fremdeinwirkung. Insgesamt verlor die Koalition in Afghanistan 3.250 Soldaten durch Tod, weitere 18.215 wurden verwundet.
Und außerdem: Seltsamerweise erregen die Einsätze der Bundeswehr in Bosnien und im Kosovo, die bereits länger andauern als der Afghanistan-Einsatz und deren Ende nicht absehbar ist, geringe Aufmerksamkeit und weniger Unmut. Wird das deutsche Denken oder Nichtdenken also in Sarajevo oder in Pristina verteidigt?
Meines Erachtens ist der Inhalt des Artikels ein Konglomerat aus national-konservativen Ansichten und christlichen Lebensschutz-Werten, angereichert mit der Bedienung der Mehrheitsmeinung, die da heißt: »Bundeswehr raus aus Afghanistan.« Gerade als Angehörige einer Weltreligion sollte man aber den Weltfrieden im Blick haben. Der weltweite Terrorismus und die fortschreitende Islamisierung weiter Teile des Globus bedrohen den Frieden unter den Völkern dieser Welt. Daher kann es nicht deutsches Interesse sein, dem Morden von Extremisten zuzusehen und fröhlich von der Aufgabe der Bundeswehr zur bloßen Landesverteidigung a la 1985 zu fabulieren. Dies wird der augenblicklichen Weltlage nicht gerecht. Somit wiederhole ich noch einmal: Konflikte sollten vor Ort gelöst werden, bevor sie sich zum Flächenbrand auswachsen. Das gilt für Afghanistan ebenso wie - aktuell - für Mali.
ksu (Gast) - 19. Feb, 15:37
" Konflikte sollten vor Ort gelöst werden, bevor sie sich zum Flächenbrand auswachsen. Das gilt für Afghanistan ebenso wie - aktuell - für Mali."
Die Frage ist, ob die Einmischung ausländischer Armeen dabei hilfrei ist.
a) 1980 haben die Amerikaner die Olympischen Spiele in Moskau boykotiert, weil die SU einen Hilferuf der (einer) Regierung millitärisch einmarschierte. Sie haben 10 Jahre versucht, eine von ihr installierte Regierung zur Macht zu verhelfen. Ergebnis der Niederlage der Russen (auch auf Grund der massiven Militärhilfe der Amerikaner) war die Errichtung eines islamischen Staates.
b) 2001 marschierten plötzlich die Amerikaner in Afganistan ein, um gegen genau diesen islamischen Staat zu Felde zu ziehen und eine ihrerseits installierte Regierung ohne jeglichen Rückhalt außerhalb der Haupstadt zu unterstützen. Dieser Einsatz endet gerade ähnlich erfolglos wie der der Russen.
Ich sehe keinen großen Unterschied zwischen a) und b). Trotzdem halten wir den einen Krieg für ungerechtfertigt und den anderen für gerechtfertigt. Seltsam, oder?
Wenn die Konflikte vor Ort gelöst werden sollen, dann müssen wir uns soweit irgend möglich raushalten. Und - wenn es die Sicherheitslage zulässt - das technische Hilfswerk schicken, auf das es Brunnen bohre und Brücken baue. Insofern hat der Ursprungsartikel durchaus Recht...
Il capitano - 19. Feb, 15:59
Wo habe ich geschrieben, ich würde den einen Krieg für gerechtfertigt halten und den anderen nicht? Sorry, aber ich habe geschrieben, dass es in Afghanistan keinen Krieg im eigentlichen Sinn gibt, sondern einen Stabilisierungseinsatz. Wie andere Leute - ob mit oder ohne Amt - diesen Einsatz bezeichnen, ist mir relativ egal, um ehrlich zu sein.
Leider lässt die Sicherheitslage eben nicht zu, allein das THW nach Afghanistan zu schicken. Überhaupt werden Mitarbeiter des THW, die in solche Gebiete gesendet werden, zuvor bspw. im Verhalten für den Fall einer Geiselnahme geschult. Warum nur? Sollte uns das mal zu denken geben? Außerdem hat Afghanistan nicht unbedingt ein Problem mit Brunnen und Brücken, sondern mit Terrorismus und Drogenanbau. Das 'Brunnenbohren' ist kein aktuelles Problem am Hindukusch, sondern vielmehr ein Relikt des Somalia-Einsatzes der Bundeswehr Anfang der 1990-er.
Vielleicht hat der Artikel dann auch recht, ein paar Oberstudienräte in die afghanischen Bergdörfer zu schicken?
Ich bleibe dabei, dieser Artikel ist simple Polemik gegen die 'Partei- und Staatsführungen'. Ohnehin eine seltsame Terminologie, oder?
Es ist auch nicht Aufgabe der Koalition darüber zu entscheiden, ob Karsai Rückhalt außerhalb Kabuls hat oder nicht. Er ist der gewählte Staatschef, einen anderen gibt es nicht. Eine Vorgabe, welches politische System das Land einst haben wird, ist nicht die Sache der westlichen Welt. Die Stabilisierung einer gefährdeten Region, die vorher nicht in der Lage war, ihre Angelegenheiten bezüglich der Sicherheit selbst zu klären, ist allerdings aus meiner Sicht dann doch eine Gesamtaufgabe für die internationale Staatengemeinschaft. Aber natürlich, Augen zu und raushalten, typisch deutsch.
Imrahil (Gast) - 19. Feb, 18:18
Lieber @ksu, an Deiner Zusammenstellung sind zwar durchaus entscheidende Dinge falsch.
1. Dieselbe Regierung, die angeblich um Hilfe gerufen hat, wurde von den Sowjets sofort nach dem Eintreffen umgebracht.
2. Bei den Mudschaheddin des Kriegs gegen die SU handelt es sich im großen und ganzen um diejenigen, die auch 2001 (als Nordallianz) auf seiten der Amerikaner gekämpft haben. Einen Bruchteil des Staates haben sie immer kontrolliert und 2002 dann ihre Macht an Karsai frei abgegeben.
Es gab dann noch eine Verfassungsgebende Versammlung, für die auch die Anerkennung des alten Königs erreicht werden konnte.
ksu (Gast) - 19. Feb, 18:36
"Die Stabilisierung einer gefährdeten Region, die vorher nicht in der Lage war, ihre Angelegenheiten bezüglich der Sicherheit selbst zu klären, ist allerdings aus meiner Sicht dann doch eine Gesamtaufgabe für die internationale Staatengemeinschaft. Aber natürlich, Augen zu und raushalten, typisch deutsch."
Mhhh - wir stabilisierern aber ja nicht alle gefährdeten Regionen ganz selbstlos, sondern wir wählen sehr konkret aus, wo wir einmarschieren. Warum wohl?
So wird "befreundeten Diktatoren" kein Haar gekrümmt, aber wenn Öl im Spiel ist, dass ggf. amerikanischen Zugriff entzogen werden soll oder gar kommunistische (wahlweise auch islamistische) Gefahr droht, dann schlagen wir schon mal schneller zu.
Es geht in (fast) jedem Krieg um wirtschaftliche Interessen und politischen Einfluss. Sowohl im Irak als auch in Afganistan war das der Fall.
Il capitano - 19. Feb, 18:54
Wenn es nur angebliche Gefahren gibt @KSU, hätte ich gern mal eine Antwort auf die Frage, weshalb bspw. aktuell in Mali die selbst problembehafteten Nachbarstaaten die malische Regierung und die Franzosen tatkräftig unterstützen. Weil sie die angeblichen Gefahren ansonsten bald tatsächlich am eigenen Leibe spüren würden? Sicher spielen auch wirtschaftliche Gründe eine Rolle, aber gewiss nicht als einziges Kriterium.
Ob es in einer Region Stabilität gibt oder nicht, hängt nicht von den Gesellschaftssystem ab. Diktaturen können sehr wohl Stabilitätsgaranten sein. Dass man dann gern ein Auge zudrückt, wie bspw. gegenüber Saudi-Arabien, weiß jeder, da kann man sich die Debatte auch sparen - was ich für mich in Anspruch nehme, auch um mich nicht ständig wiederholen zu müssen. Wir kommen da eh nicht 'unter einen Hut.' Und ich bin nun mal auch keine Blogdiskussionsvollzeitkraft ... ;-)
ksu (Gast) - 20. Feb, 11:22
Wenn es um Stabilität geht, dann war Jugoslawien in den 70-er und 80-er deutlich stabiler als in den 90-er. Und die SU abenfalls....
Aber Du hast Recht, wir kommen nicht zusammen. Wahrscheinlich nicht mal bei einer solch simplen Wahrheit, dass es in (fast) jedem Krieg vorrangig um wirtschaftliche Interessen und politischen Einfluss geht. Wer das (an)erkennt, der hat eine ganz andere Grundlage für die Bewertung der verschiedenen Kriege.
Elsa fragt, ich antworte (2)
Ziel des Einsatzes deutscher Soldaten ist nicht der militärische Sieg über eine gegnerische Streitmacht, denn eine Letztere gibt es nicht. Es gibt eine regional operierende Guerilla, die mit Mitteln des Terrorismus die Macht über Afghanistan an sich bringen will (und bereits inne hatte). Was dank des früheren Verteidigungsministers zu Guttenberg heute auch im offiziellen Sprachgebrauch gern als Krieg bezeichnet wird, ist keiner. Im Grunde genommen kann ich mich hier @Ichwesen anschließen, denn in der Tat handelt es sich beim ISAF-Einsatz eigentlich um Aufgaben, die in den Bereich der Polizei fallen würden - so es denn eine Polizeitruppe gäbe, die in ihrer Struktur und Ausstattung in der Lage zur internationalen Terrorbekämpfung wäre. Diese gibt es aber nicht.
Die Hauptaufgabe der Koalitionstruppen ist die Stabilisierung der Sicherheitslage und die Vorbereitung der Übergabe der Verantwortung an die Afghanen. Hierbei wurden Fortschritte erzielt, so dass ein Abzugstermin nunmehr anvisiert werden kann. Keine Aufgabe der Koalition ist hingegen die Entschleierung von afghanischen Provinzschönheiten, die Einmischung in kulturelle Fragen, die Vorgabe einer politischen Zukunft oder die Etablierung westlicher Normen. Lediglich die Durchsetzung der Rechtsstaatlichkeit als wesentliche Grundlage für Frieden, Ordnung und Sicherheit kann im Interesse der westlichen Welt liegen. CIMIC-Leistungen (Zivil-Militärische Zusammenarbeit) werden von der Bundeswehr zusätzlich erbracht.
Was der Komma-Autor mit seinen Ausführungen über das Denken mitteilen möchte, entschließt sich mir. Weder in Deutschland noch in Afghanistan wird das Denken durch Militäreinsätze hergestellt. Recht hat er mit der Aussage, es gäbe keine Klarheit über grundlegende Fragen. Wenn man vier Verantwortliche fragt, bekommt man vier verschiedene Antworten. Allerdings zeichnet von der Brüggen das Bild einer Armee, für die der Tod zum bitteren Alltag geworden ist, und das Bild eines Krieges, der massenhaft gefallene Soldaten fordert.
Die Zahlen: Seit Bestehen der Bundeswehr starben etwa 3.000 Soldaten durch Suizid. Etwa ebenso viele kamen in Friedenszeiten in der Heimat ums Leben, z.B. bei den großen Manövern zu Zeiten des Kalten Krieges. 100 deutsche Soldaten starben bei Auslandseinsätzen, darunter 52 in Afghanistan, hiervon 34 durch Fremdeinwirkung. Insgesamt verlor die Koalition in Afghanistan 3.250 Soldaten durch Tod, weitere 18.215 wurden verwundet.
Und außerdem: Seltsamerweise erregen die Einsätze der Bundeswehr in Bosnien und im Kosovo, die bereits länger andauern als der Afghanistan-Einsatz und deren Ende nicht absehbar ist, geringe Aufmerksamkeit und weniger Unmut. Wird das deutsche Denken oder Nichtdenken also in Sarajevo oder in Pristina verteidigt?
Meines Erachtens ist der Inhalt des Artikels ein Konglomerat aus national-konservativen Ansichten und christlichen Lebensschutz-Werten, angereichert mit der Bedienung der Mehrheitsmeinung, die da heißt: »Bundeswehr raus aus Afghanistan.« Gerade als Angehörige einer Weltreligion sollte man aber den Weltfrieden im Blick haben. Der weltweite Terrorismus und die fortschreitende Islamisierung weiter Teile des Globus bedrohen den Frieden unter den Völkern dieser Welt. Daher kann es nicht deutsches Interesse sein, dem Morden von Extremisten zuzusehen und fröhlich von der Aufgabe der Bundeswehr zur bloßen Landesverteidigung a la 1985 zu fabulieren. Dies wird der augenblicklichen Weltlage nicht gerecht. Somit wiederhole ich noch einmal: Konflikte sollten vor Ort gelöst werden, bevor sie sich zum Flächenbrand auswachsen. Das gilt für Afghanistan ebenso wie - aktuell - für Mali.
Die Frage ist, ob die Einmischung ausländischer Armeen dabei hilfrei ist.
a) 1980 haben die Amerikaner die Olympischen Spiele in Moskau boykotiert, weil die SU einen Hilferuf der (einer) Regierung millitärisch einmarschierte. Sie haben 10 Jahre versucht, eine von ihr installierte Regierung zur Macht zu verhelfen. Ergebnis der Niederlage der Russen (auch auf Grund der massiven Militärhilfe der Amerikaner) war die Errichtung eines islamischen Staates.
b) 2001 marschierten plötzlich die Amerikaner in Afganistan ein, um gegen genau diesen islamischen Staat zu Felde zu ziehen und eine ihrerseits installierte Regierung ohne jeglichen Rückhalt außerhalb der Haupstadt zu unterstützen. Dieser Einsatz endet gerade ähnlich erfolglos wie der der Russen.
Ich sehe keinen großen Unterschied zwischen a) und b). Trotzdem halten wir den einen Krieg für ungerechtfertigt und den anderen für gerechtfertigt. Seltsam, oder?
Wenn die Konflikte vor Ort gelöst werden sollen, dann müssen wir uns soweit irgend möglich raushalten. Und - wenn es die Sicherheitslage zulässt - das technische Hilfswerk schicken, auf das es Brunnen bohre und Brücken baue. Insofern hat der Ursprungsartikel durchaus Recht...
Leider lässt die Sicherheitslage eben nicht zu, allein das THW nach Afghanistan zu schicken. Überhaupt werden Mitarbeiter des THW, die in solche Gebiete gesendet werden, zuvor bspw. im Verhalten für den Fall einer Geiselnahme geschult. Warum nur? Sollte uns das mal zu denken geben? Außerdem hat Afghanistan nicht unbedingt ein Problem mit Brunnen und Brücken, sondern mit Terrorismus und Drogenanbau. Das 'Brunnenbohren' ist kein aktuelles Problem am Hindukusch, sondern vielmehr ein Relikt des Somalia-Einsatzes der Bundeswehr Anfang der 1990-er.
Vielleicht hat der Artikel dann auch recht, ein paar Oberstudienräte in die afghanischen Bergdörfer zu schicken?
Ich bleibe dabei, dieser Artikel ist simple Polemik gegen die 'Partei- und Staatsführungen'. Ohnehin eine seltsame Terminologie, oder?
Es ist auch nicht Aufgabe der Koalition darüber zu entscheiden, ob Karsai Rückhalt außerhalb Kabuls hat oder nicht. Er ist der gewählte Staatschef, einen anderen gibt es nicht. Eine Vorgabe, welches politische System das Land einst haben wird, ist nicht die Sache der westlichen Welt. Die Stabilisierung einer gefährdeten Region, die vorher nicht in der Lage war, ihre Angelegenheiten bezüglich der Sicherheit selbst zu klären, ist allerdings aus meiner Sicht dann doch eine Gesamtaufgabe für die internationale Staatengemeinschaft. Aber natürlich, Augen zu und raushalten, typisch deutsch.
1. Dieselbe Regierung, die angeblich um Hilfe gerufen hat, wurde von den Sowjets sofort nach dem Eintreffen umgebracht.
2. Bei den Mudschaheddin des Kriegs gegen die SU handelt es sich im großen und ganzen um diejenigen, die auch 2001 (als Nordallianz) auf seiten der Amerikaner gekämpft haben. Einen Bruchteil des Staates haben sie immer kontrolliert und 2002 dann ihre Macht an Karsai frei abgegeben.
Es gab dann noch eine Verfassungsgebende Versammlung, für die auch die Anerkennung des alten Königs erreicht werden konnte.
Mhhh - wir stabilisierern aber ja nicht alle gefährdeten Regionen ganz selbstlos, sondern wir wählen sehr konkret aus, wo wir einmarschieren. Warum wohl?
So wird "befreundeten Diktatoren" kein Haar gekrümmt, aber wenn Öl im Spiel ist, dass ggf. amerikanischen Zugriff entzogen werden soll oder gar kommunistische (wahlweise auch islamistische) Gefahr droht, dann schlagen wir schon mal schneller zu.
Es geht in (fast) jedem Krieg um wirtschaftliche Interessen und politischen Einfluss. Sowohl im Irak als auch in Afganistan war das der Fall.
Ob es in einer Region Stabilität gibt oder nicht, hängt nicht von den Gesellschaftssystem ab. Diktaturen können sehr wohl Stabilitätsgaranten sein. Dass man dann gern ein Auge zudrückt, wie bspw. gegenüber Saudi-Arabien, weiß jeder, da kann man sich die Debatte auch sparen - was ich für mich in Anspruch nehme, auch um mich nicht ständig wiederholen zu müssen. Wir kommen da eh nicht 'unter einen Hut.' Und ich bin nun mal auch keine Blogdiskussionsvollzeitkraft ... ;-)
Aber Du hast Recht, wir kommen nicht zusammen. Wahrscheinlich nicht mal bei einer solch simplen Wahrheit, dass es in (fast) jedem Krieg vorrangig um wirtschaftliche Interessen und politischen Einfluss geht. Wer das (an)erkennt, der hat eine ganz andere Grundlage für die Bewertung der verschiedenen Kriege.