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"Und weiter bemerkte ich, wieviele Mühen und Plagen die Armen hatten (gemeint sind die Eheleute allgemein - Anm. v. mir). Die meisten konnte man von einer großen Schar von Kindern umgeben sehen, die sie mit Stricken an sich festgebunden hatten und die einen gewaltigen Lärm schlugen, kreischten, stänkerten, sich balgten, bisweilen erkrankten und starben, ganz zu schweigen von den Tränen, Schmerzen und Gefahren des eigenen Lebens, mit denen ihre Eltern sie zur Welt gebracht. Wenn aber eines von ihnen herangewachsen war, dann gab es doppelt so viel Arbeit: teils sie im Zaume zu halten, teils sie anzuspornen, da sie häufig zucht- und zügellos gar wunderliche Seitensprünge machten und ihren Eltern Herzeleid und Kummer bereiteten. Doch wenn sie ihre Kinder frei gewähren ließen oder diese sich ihrer Zucht entzogen, hatten die Eltern Schande, oft sogar den Tod davon. Als ich dies hie und da bemerkte, begann ich einige von ihnen zu ermahnen: die Kinder zur Tugend und die Eltern, daß sie von ihrer Affenliebe und allzu großen Nachgiebigkeit lassen möchten. Doch richtete ich wenig aus, man sah mich nur mit schelen Augen an und warf mit Steinen nach mir, ja einige drohten mir sogar mit dem Tode. Ich pries die Unfruchtbaren glücklich, denn auch solche gab es hier; doch waren sie nicht weniger traurig und verwünschten ihr Geschick, da sie ein freudloses Dasein führten, woraus ich sah, daß beides, Kinder haben und keine haben, in der Ehe allemal ein Unglück sei.
Jan Amos Komenský: Das Labyrinth der Welt und das Paradies des Herzens
Jan Amos Komenský: Das Labyrinth der Welt und das Paradies des Herzens
ElsaLaska - 30. Sep, 20:05
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