Elsas Nacht(b)revier



Francois Gérard: St. Térèse d'Avila

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Der schlimmste Traum meines Lebens

Ich war wohl 17 oder 18 und wachte eines Nachts auf, heulte los und schrie das ganze Haus zusammen. Ich sollte mich lange nicht mehr beruhigen.
Jahrelang hatte ich Angst davor, dass dieser Traum sich wiederholen würde, eben deshalb, weil ich regelrecht von ihm besessen war und immer wieder an ihn dachte und schlicht Angst hatte.
Er wiederholte sich nie.
Ich sitze in einem kleinen dunkelroten Auto, vielleicht ein Golf, und betrachte immer wieder bewundernd die Fahrerin, die mich zu einer Party fährt. Sie ist ICH, wie ich weiß, aber ein äußerlich perfektes Ich. Sie trägt die Haare wie meine Haare idealer nicht zu tragen wären. Sie ist toll angezogen, ein schwarzes enges Kleid, sie hat meine Gesichtszüge, nur noch einen Tick perfekter und einen makellosen Teint. Sie ist mein ideales ICH.
Diese Frau ist das, was ich sein könnte. Wenn man meine Unvollkommenheiten wegnähme. Sie setzt mich vor einem Neubau ab, da sind ganz frisch Straßenlaternen gesetzt worden und säumen diesen typischen 80er-Jahre-Pflasterweg zum entweder unverputzten oder schlicht weiß verputzten Bungalow, in dem eine Party stattfinden soll. Ich steige aus und betrachte bedauernd ihr Profil, weil sie nicht mitkommen will. Sie wird warten. Es gibt eine Blende. Ich laufe diesen Pflasterweg zum Haus hin, dann laufe ich ihn in einer Sekunde wieder zurück. Die Party bleibt ausgespart. Ich sehe mich also in ein und demselben Moment hinlaufen, dann wieder zurück zum Auto kommen.
Ich lege die Hand auf die Klinke der Autotür und schaue erwartungsvoll in das Innere. Da liegt sie, quer über den beiden Vordersitzen, mit aufgeschnittener Kehle, eine klaffende, blutige, weit gähnende Wunde unter ihrem Kinn. Alles ist voll Blut. ICH selbst liege da. Irgendjemand ist gekommen und hat sie abgeschlachtet, und ich weiß nicht warum und wieso.

Ich wache auf und kann nicht mehr aufhören zu weinen.

Nachtrag: Ich hatte eine Zeitlang einen roten Golf, allerdings nicht zur Zeit des Traumes. Ich habe versucht ihn loszuwerden und eine abergläubische Furcht davor, in rote Autos einzusteigen, seither.
zuckerwattewolkenmond - 4. Feb, 00:40

Das wär Stoff für einen Mystery-Thriller. ;o)

ElsaLaska - 4. Feb, 00:47

Das war auch schön

so in diesem ganzen Blue Velvet-80er - Setting insgesamt, von der Atmosphäre her, obwohls den Film glaub ich gar noch nicht gab, bzw. ich ihn definitiv noch nicht gesehen hatte zu der Zeit.

schmollfisch - 4. Feb, 01:06

Das ist ja gräuslich. Und klingt doch so logisch und stringent (oder wie das Wort heißt), dass es wie durch einen Dichterfilter gegangen aussieht ...
Mach eine Geschichte draus, der Stoff schreit danach.
*neidvoll guckt*
schmollfisch
zuckerwattewolkenmond - 4. Feb, 01:22

ja, ich wollte vorher auch schreiben, dass mich die Szene an einen Lynch-Film erinnert, allerdings hatte ich zuerst am "Mulholland Drive" gedacht. ;o)
svashtara - 4. Feb, 01:13

Ich finde nicht, dass man da

eine Geschichte draus machen kann. Ich finde auch nicht, dass man das sollte, aber man kann es auch einfach nicht. Es ist ein regelrechter Horrortraum, entsetzlich, böse und zum fürchten. Hast du den nie wieder geträumt? Wie sahen deine Träume danach aus? Weißt du das noch?
Meistens will uns das Unterbewusstsein ja was mitteilen, und manchmal ist es darin erstaunlich platt... zumindest meines... :-)

ElsaLaska - 4. Feb, 01:26

Nein,

das war wie man so schön sagt, eine Singularität.
Ich hatte Verweise darauf erwartet, Wiederholungen, eben weil ich mich so fürchtete, aber es gab nichts. Auch danach nicht. Dieser Traum steht da wie ein Fels in meinem Leben. Wie ein Findling. Und ich möchte auch nichts mehr darüber wissen, ich bin eigentlich jede Nacht froh, wenn er mich NICHT verfolgt. Ich hatte ihn nur so im Rahmen ausgegraben, weil ich mir so meine Gedanken gemacht hatte, wenn ich zuckers Traumtagebuch lese.
mehrLicht - 5. Feb, 16:27

schade,

dass ich dich dann wohl nie im Auto mitnehmen kann ;)

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cantare

Ich bin einfach hingerissen,
da ist so viel in diesem Monolog, von dem man oberflächlich...
ElsaLaska - 20. Aug, 19:55
Houellebecq ist ein sehr...
Wobei man jetzt keine Kristallkugel brauchte. Mir imponiert,...
Elsa (Gast) - 12. Aug, 17:50
Hui, das war aber ein...
Hui, das war aber ein wilder Ritt durchs Stadtbild...
NeonWilderness - 11. Aug, 23:45
Privet, fbtde!
Schön, von dir zu hören. Offenbar lebst du also auch...
ElsaLaska - 2. Aug, 10:27
Oha
Du lebst auch noch. Gut zu wissen!
fbtde - 2. Aug, 08:31

attenzione

la bocca

 

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