Ewiges Leben
Aus dem zweiten Jesus-Buch des Heiligen Vaters:
>>Sehr deutlich erscheint diese Bedeutung von "ewigem Leben" im Kapitel über die Auferweckung des Lazarus: "Wer an mich glaubt, wird leben, auch wenn er stirbt, und jeder, der lebt und an mich glaubt, wird auf ewig nicht sterben" (Joh 11,25 f.) "Ich lebe und ihr werdet leben", sagt Jesus beim Abendmahl zu seinen Jüngern (Joh 14,19) und zeigt damit noch einmal, dass es für den Jünger Jesu kennzeichnend ist, dass er "lebt", - dass er also über das bloße Dasein hinaus das eigentliche Leben, nach dem alle auf der Suche sind, gefunden und ergriffen hat. Die frühen Christen haben sich von solchen Texten her einfach "die Lebenden" (hoi zontes) genannt. Sie hatten gefunden, was alle suchen - das Leben selbst, das volle und daher unzerstörbare Leben.
Aber wie kommt man dazu? Das Hohepriesterliche Gebet gibt eine vielleicht überraschende, aber im Kontext des biblischen Denkens schon angelegte Antwort: Das "ewige Leben" findet der Mensch durch "Erkenntnis", wobei der alttestamentliche Begriff von Erkennen vorausgesetzt wird: Erkennen schafft Gemeinschaft, ist Einssein mit dem Erkannten. Aber natürlich ist nicht irgendwelche Erkenntnis der Schlüssel zum Leben, sondern "dich, den einzig wahren Gott, zu erkennen und Jesus Christus, den du gesandt hast (17,3). Dies ist eine Art Kurzformel des Glaubens, in der der wesentliche Gehalt der Entscheidung zum Christsein sichtbar wird - die Erkenntnis, die uns der Glaube schenkt. Der Christ glaubt nicht vielerlei. Er glaubt letztlich ganz einfach an Gott, daran, dass es nur einen einzigen, wirklichen Gott gibt.
[...] Gott zeigt sein Angesicht in seinem Gesandten, endgültig in seinem Sohn.
"Ewiges Leben" ist also ein Beziehungsereignis. Der Mensch hat es nicht aus sich selbst, für sich allein genommen. Durch die Beziehung zu dem, der selbst das Leben ist, wird auch er ein Lebender.
Zu diesem zutiefst biblischen Gedanken kann man Vorstufen auch bei Platon finden, der sehr unterschiedliche Überlieferungen und Reflexionen zum Thema Unsterblichkeit in sein Werk aufgenommen hat. So gibt es bei ihm auch die Vorstellung, der Mensch könne unsterblich werden dadurch, dass er sich selbst mit dem Unsterblichen verbindet. Je mehr er Wahrheit in sich aufnimmt, sich der Wahrheit verbindet und ihr anhängt, desto mehr ist er auf das bezogen und von dem erfüllt, was nicht zerstört werden kann. Soweit er sich sozusagen selber an die Wahrheit anhängt, soweit er getragen wird durch das, was bleibt, darf er des Lebens nach dem Tod - eines heilvollen Lebens - sicher sein.
Was hier nur tastend gesucht wird, erscheint in Jesu Wort in großartiger Eindeutigkeit: Der Mensch hat das Leben gefunden, wenn er sich an den anhängt, der selbst das Leben ist. ... Die Beziehung zu Gott in Jesus Christus: Sie gibt jenes Lebens, das kein Tod zu nehmen vermag.
Es ist klar, das mit diesem "Leben-in-Beziehung" eine ganz konkrete Weise der Existenz gemeint ist; dass Glaube und Erkenntnis nicht irgendein im Menschen auch vorhandenes Wissen sind, sondern die Form seiner Existenz. Auch wenn an dieser Stelle von Liebe nicht die Rede ist, so ist doch eindeutig, dass die "Erkenntnis" dessen, der selbst die Liebe ist, zu Liebe wird in der ganzen Weite ihrer Gabe und ihres Anspruchs.<<
Joseph Ratzinger/Benedikt XVI.: Jesus von Nazareth. Teil II. Vom Einzug in Jerusalem bis zur Auferstehung. (4. Kapitel, S. 101-103).
>>Sehr deutlich erscheint diese Bedeutung von "ewigem Leben" im Kapitel über die Auferweckung des Lazarus: "Wer an mich glaubt, wird leben, auch wenn er stirbt, und jeder, der lebt und an mich glaubt, wird auf ewig nicht sterben" (Joh 11,25 f.) "Ich lebe und ihr werdet leben", sagt Jesus beim Abendmahl zu seinen Jüngern (Joh 14,19) und zeigt damit noch einmal, dass es für den Jünger Jesu kennzeichnend ist, dass er "lebt", - dass er also über das bloße Dasein hinaus das eigentliche Leben, nach dem alle auf der Suche sind, gefunden und ergriffen hat. Die frühen Christen haben sich von solchen Texten her einfach "die Lebenden" (hoi zontes) genannt. Sie hatten gefunden, was alle suchen - das Leben selbst, das volle und daher unzerstörbare Leben.
Aber wie kommt man dazu? Das Hohepriesterliche Gebet gibt eine vielleicht überraschende, aber im Kontext des biblischen Denkens schon angelegte Antwort: Das "ewige Leben" findet der Mensch durch "Erkenntnis", wobei der alttestamentliche Begriff von Erkennen vorausgesetzt wird: Erkennen schafft Gemeinschaft, ist Einssein mit dem Erkannten. Aber natürlich ist nicht irgendwelche Erkenntnis der Schlüssel zum Leben, sondern "dich, den einzig wahren Gott, zu erkennen und Jesus Christus, den du gesandt hast (17,3). Dies ist eine Art Kurzformel des Glaubens, in der der wesentliche Gehalt der Entscheidung zum Christsein sichtbar wird - die Erkenntnis, die uns der Glaube schenkt. Der Christ glaubt nicht vielerlei. Er glaubt letztlich ganz einfach an Gott, daran, dass es nur einen einzigen, wirklichen Gott gibt.
[...] Gott zeigt sein Angesicht in seinem Gesandten, endgültig in seinem Sohn.
"Ewiges Leben" ist also ein Beziehungsereignis. Der Mensch hat es nicht aus sich selbst, für sich allein genommen. Durch die Beziehung zu dem, der selbst das Leben ist, wird auch er ein Lebender.
Zu diesem zutiefst biblischen Gedanken kann man Vorstufen auch bei Platon finden, der sehr unterschiedliche Überlieferungen und Reflexionen zum Thema Unsterblichkeit in sein Werk aufgenommen hat. So gibt es bei ihm auch die Vorstellung, der Mensch könne unsterblich werden dadurch, dass er sich selbst mit dem Unsterblichen verbindet. Je mehr er Wahrheit in sich aufnimmt, sich der Wahrheit verbindet und ihr anhängt, desto mehr ist er auf das bezogen und von dem erfüllt, was nicht zerstört werden kann. Soweit er sich sozusagen selber an die Wahrheit anhängt, soweit er getragen wird durch das, was bleibt, darf er des Lebens nach dem Tod - eines heilvollen Lebens - sicher sein.
Was hier nur tastend gesucht wird, erscheint in Jesu Wort in großartiger Eindeutigkeit: Der Mensch hat das Leben gefunden, wenn er sich an den anhängt, der selbst das Leben ist. ... Die Beziehung zu Gott in Jesus Christus: Sie gibt jenes Lebens, das kein Tod zu nehmen vermag.
Es ist klar, das mit diesem "Leben-in-Beziehung" eine ganz konkrete Weise der Existenz gemeint ist; dass Glaube und Erkenntnis nicht irgendein im Menschen auch vorhandenes Wissen sind, sondern die Form seiner Existenz. Auch wenn an dieser Stelle von Liebe nicht die Rede ist, so ist doch eindeutig, dass die "Erkenntnis" dessen, der selbst die Liebe ist, zu Liebe wird in der ganzen Weite ihrer Gabe und ihres Anspruchs.<<
Joseph Ratzinger/Benedikt XVI.: Jesus von Nazareth. Teil II. Vom Einzug in Jerusalem bis zur Auferstehung. (4. Kapitel, S. 101-103).
ElsaLaska - 22. Jul, 14:51
Eine gute Idee
Eisern unterdrücke ich die Versuchung, zu klagen, mit welch abseitigen Themen sich die Kirche in Deutschland beschäftigt. Und gebe der Hoffnung Ausdruck, dass Bücher und Worte ihre Leser und Hörer finden, für die sie bestimmt sind.