Vatican-Magazin Doppelheft August-September

Die aktuelle Ausgabe des Vatican-Magazin steht ganz unter dem Zeichen des Papstbesuchs in Deutschland.
Guido Horst hat in seinem Editorial "Zeigt es dem Apparat!" so ziemlich alles auf den Punkt gebracht, was den Katholiken, die sich ehrlich auf den Besuch des Heiligen Vaters freuen und schon seit Monaten dafür rödeln, sei es durch unablässiges Gebet, durch Aufopfern, durch ehrenamtliche Arbeit usw. auf der Seele brennt.
Hier ganz zu lesen. Ich zitiere nur das Fazit:
>>Statt aber Priestern und kirchlichem Personal einzuschärfen, dass der Missbrauch von Schutzbefohlenen schlicht und einfach Sünde ist, will man in einem „strukturierten Dialog“, der bis 2015 anhalten soll, ganz andere Ziele erreichen. Seit Mannheim, wo der Dialog begann, wissen wir, worum es geht: Die Kirche im Lande Luthers soll protestantischer werden. Was die Lutheraner schon haben – Verheiratete und Frauen am Altar, Anerkennung homosexueller Partnerschaften, Aufhebung der Unterschiede zwischen Priestern und Laien, Zulassung der wiederverheirateten Geschiedenen zur Kommunion, ökumenische Gastfreundschaft und so weiter – soll auch in der deutschen Nationalkirche katholischer Provenienz Einzug halten. Das sind Forderungen, die der deutschen Gremienkatholizismus, eine in der Bundesrepublik gesellschaftlich nicht relevante Größe, seit Jahren und Jahrzehnten mit Bittermiene von sich gibt. Den normalen Katholiken interessiert das nicht die Bohne. Aber der Gremienkatholizismus beherrscht die innerkirchliche Kommunikationskultur, präsentiert sich den Bischöfen als repräsentativer Vertreter des Kirchenvolks (was natürlich falsch ist) – und versucht, auch bei der Vorbereitung des Papstbesuchs die Fäden zu ziehen. Es wird also nicht ganz einfach, wenn der Freisinger Bär in Papst Benedikts Wappen mit dem Berliner Bär sein Tänzchen tanzt. Die Freude und Gelassenheit, mit denen italienische Regionen oder Länder wie zuletzt Kroatien oder Spanien „ihren“ Papst empfangen haben, dämpft in Deutschland der kirchliche Apparat. Also werden es die mündigen Katholiken sein müssen, die dem Apparat zeigen sollten, das Katholisch-Sein ohne den Nachfolger Petri nicht zu haben ist – auch im Lande Luthers.>>
Ebenfalls online als pdf ist Martin Mosebachs Titelbeitrag zu haben "Ein deutscher Papst in fremder Ferne" - >Lesebefehl.
In meiner Rubrik "Heiligtümer der besonderen Art" gibt es noch einen Beitrag über Norcia, den heiligen Benedikt von Nursia und das zähe Ringen Benedikts XVI., um das Abendland wieder zur Besinnung zu bringen.
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ElsaLaska - 17. Aug, 12:34
"Zeigt es dem Apparat!"
Die Strecke, die unser Heiliger Vater im Papamobil zurücklegt und die einzige Möglichkeit für die Freiburger, ihm zuzuwinken, ist eine Mini-Strecke. Vom Martinstor bis zur Münsterstraße, das legt ein Gehbehinderter mit Gehhilfe in wenigen Minuten zurück. Mir ist das ein Rätsel. Mehr bekommen die Bürger Freiburgs vom Papst nicht zu sehen. Es sei denn, sie gehören zum erlauchten Kreis der vom erzbischöflichen Ordinariat Eingeladenen. 1500 für das Freiburger Konzerthaus, wobei der EB die 300 "Dialogisierer" eingeladen hat, und 3500 Eingeladene, wenn der Hl. Vater das Münster besichtigt und ein Grußwort an die "Freiburger Stadtbevölkerung" richten wird. Diese 3500 Eingeladenen, die "Freiburger Stadtbevölkerung", können natürlich den Münsterplatz nicht füllen. Scharen von jubelnden Menschen können die Kameras nicht einfangen. Die Zahlen habe ich vom Ordinariat. Der Münsterplatz ist weiträumig abgesperrt.
Die Sicherheit des Papstes geht vor. Nur, wenn der Papst von der Bevölkerung abgeschnitten ist, ist das kleine Freiburg dann die richtige Stadt? Die Bürger werden sich auch ärgern. Straßen werden gesperrt, doch weil aus Sicherheitsgründen die Routen des Papstes nicht bekannt sind, bleiben sie leer. Das lässt keine schönen Bilder erwarten. Absperrungen und Polizei, kein Papst, keine ihm zuwinkenden Menschen. Medien können tendenziöse Bilder in die Welt verbreiten.
@cuppa
Die Forderungen nach mehr "Transparenz in Kirche" wirken je mehr grotesker, je genauer man sich das Gesamtbild einmal anschaut.
Das Dialogwochenende in Mannheim etwa war ein hermetischer Zirkel, es gab weder Twitter noch Livestream noch irgendeine Art von Dokumentation in Echtzeit. Anstatt sich um die Missstände - wie die von Dir geschilderten - endlich zu kümmern, jetten die Episkopen wichtig nach Rom bzw. Castel Gandolfo, um den Heiligen Vater einen Monat VOR seinem Besuch (!) über die herausragenden Ergebnisse zu informieren, die in diesem Provinz-Zirkel erzielt worden sind. Dazu gibt es dann am Ende lediglich eine dürre Pressemitteilung der DBK. Den Rest kann man sich dann selber denken. Mehr Partizipation, mehr Transparenz in "Kirche". Gerne. Und weniger Realsatire und Bizarrerien, bitte.