Elsas Nacht(b)revier



Francois Gérard: St. Térèse d'Avila

elsalaska[at]tiscali[punkt]it

ufficio

Du bist nicht angemeldet.

Die Regensburger Rede

14631

Ein Gastbeitrag von Olaf Tannenberg

Der byzantinische Kaiser Manuel II. Palaiologos war ein gelehrter Mann. Er herrschte über Byzanz zu einer Zeit, während der das einstige Riesenreich nur noch als ein Schatten seiner vormaligen Größe bestand, eine aus drei kleinen Teilgebieten zusammengesetzte Enklave unter osmanischer Oberhoheit. Vermutlich 1391 im Winterlager zu Ankara führte der griechisch-orthodoxe Kaiser ein Gespräch mit einem gebildeten Perser über das Christentum und den Islam, beider Wahrheit und den Zusammenhang von Religion und Vernunft. In einer Schärfe, die heute an der politischen Korrektheit kläglich scheitern würde, konfrontierte der christliche Kaiser den muslimischen Gelehrten mit der Aussage:
»Zeig mir doch, was Mohammed Neues gebracht hat, und da wirst du nur Schlechtes und Inhumanes finden wie dies, dass er vorgeschrieben hat, den Glauben, den er predigte, durch das Schwert zu verbreiten«.
Damals blieb diese Aussage folgenlos.

Auch Papst Benedikt XVI. ist ein großer Gelehrter und gilt zurecht als der wohl brillanteste Theologe unserer Tage. Keinesfalls war er der prunkvolle Barock-Papst, wie heute gerne kolportiert wird, sondern ein bescheidener, beinahe schüchterner »Arbeiter im Weinberg des Herrn«, unermüdlich die Theologie verfeinernd und stets darauf bedacht, seine Worte und Zitate mit Umsicht auszuwählen und ihre mögliche Wirkung abzuwägen. Papst Benedikt war sich der Macht seines Wortes durchaus bewusst und ließ gerade deshalb eine ganz besondere Sorgfalt walten.

Auch die nach dem Ort seines Vortrags am 12. September 2006, der Magna Aula der Universität Regensburg, benannte Regensburger Rede war das Ergebnis höchstmöglicher Gelehrtheit und sorgsamster Abwägung. Was später als Beleidigung des Islam interpretiert wurde, war eine ausgezeichnete Rede, mit der Papst Benedikt sich an die Wissenschaftler wandte. Es ging, schlicht gesagt, um die sanfte Gewalt des Wortes, des Arguments und um die Autorität des Logos, der von Gott kommenden Vernunft. Die Wissenschaft, so Benedikts eindringlicher Appell, möge sich nicht lossprechen vom Wort Gottes, sondern nach der Einheit von Logos und Logik streben und die Grenzen der menschlichen Vernunft beachten, die am Logos gemessen stets unvollkommen bleiben müsse.

Bei den anwesenden Wissenschaftlern kamen die päpstlichen Ausführungen intellektuell an.
Zumindest wurden sie verstanden.
Nun ist nicht jeder Mensch mit einem Hochschulabschluss gleich ein Gelehrter. Sonst wäre nämlich der Welt vieles erspart geblieben. Denn kaum war der Applaus verhallt, fanden sich in den Medien erste Schlagzeilen, wie »Deutscher Papst beleidigt den Islam« oder »Papst unterstellt Muslimen Gewaltbereitschaft«. Dass Papst Benedikt lediglich Kaiser Manuel II. zitiert hatte, spielte keine Rolle mehr.
›Wir‹ waren plötzlich nicht mehr Papst, ›wir‹ wollten nicht mehr Papst sein.

Während in Deutschland der Papst von einer Anzahl Medienmacher als islamophob abgestempelt wurde, kam es in der islamischen Welt nicht nur zu verbalen Angriffen. Es gab Unruhen, Christen wurden bedroht und angegriffen; Kirchen wurden beschädigt, in Afghanistan, im Iran, in den Palästinensergebieten und anderswo. Wie bereits wegen der Mohammed-Karikaturen setzten auch diese Ausschreitungen zeitverzögert ein. Der angebliche ›gerechte Zorn der Rechtgläubigen‹ musste nämlich zuerst von den Hasspredigern geschürt werden und da nicht jedes muslimische Dorf über eine eigene Fahnenmanufaktur verfügt, musste auch eine gewisse logistische Vorbereitung getroffen werden.

Jedenfalls schienen mancherorts gewaltbereite Muslime den Beweis für die Worte Kaiser Manuels erbringen zu wollen. Mit unsäglicher Gewalt und großem Hass ging man auf die christlichen Nachbarn los, prügelte, vergewaltigte, brannte, mordete.
Demnächst wird von der italienischen Ordensschwester Leonella Sgorbati berichtet, deren gewaltsamer Tod im Zusammenhang mit den Ausschreitungen nach der Regensburger Rede vermutet wird.

Wenn wir heute nach Syrien oder Ägypten blicken, stehen wir auch einer Welle der Gewalt gegenüber. In weiten Teilen der westlichen Welt herrscht heute großes Unverständnis hinsichtlich der Geschehnisse in der arabischen Welt. Vom ›Arabischen Frühling‹ redet kaum noch jemand. Niemand unter den Verantwortlichen in Europa hat auch nur irgendeinen Rat, geschweige denn einen richtigen. So werden in Ägypten Entwicklungshilfeprojekte gestoppt, diplomatische Beziehungen überprüft, einseitig die Übergangsregierung kritisiert. Gewaltverzicht und Dialog werden eingefordert.

Doch die übliche Anwendung europäischer Maßstäbe, die Forderung nach Gespräch und Versöhnung, ist im gegenwärtigen Moment zwar theoretisch nicht gänzlich verfehlt, praktisch jedoch völlig illusorisch: Es ist zu spät, denn die Eskalation fand bereits statt, und es ist zu früh, denn der Hass aufeinander ist derzeit weitaus größer als der Einigungswille.

Fehl am Platz ist indes eine Positionierung auf der Seite der Muslimbrüder. Die Unterstützung dieser Gruppierung, oft verharmlost als eine Art konservativ-islamische Partei, ist abenteuerlich. Damit würde dem Radikalislamismus erneut das Schwert in die Hand gegeben, ein Schwert, das sich gegen die Minderheiten richtet, vor allem aber gegen die Kopten und andere Christen.

Da ist sie plötzlich wieder aktuell, die hoch bewunderte und viel geschmähte Regensburger Rede Papst Benedikts. Ich möchte meinen Beitrag mit einigen Worten beenden, die Manuel II. ausgesprochen und Benedikt XVI. zitiert hat: »Gott hat kein Gefallen am Blut.« Und damit dürfte alles gesagt sein.

Der Herr segne den Erdkreis und behüte seine Kinder.


Die komplette Rede zum Nachlesen:
http://www.vatican.va/holy_father/benedict_xvi/speeches/2006/september/documents/hf_ben-xvi_spe_20060912_university-regensburg_ge.html


Das Foto findet sich auf den Seiten von www.domradio.de
ElsaLaska - 25. Aug, 02:58

Lieben Dank dafür!


Gerd (Gast) - 25. Aug, 09:06

Ein sehr guter Artikel. Ich verfüge über keinen Hochschulabschluss, dennoch war ich der Meinung, dass es einen "arabischen Frühling" nie gegeben hat. Der steht noch aus und unsere Generation wird den nicht mehr erleben. Momentan können wir als Christen nur beten, dass der Herr die Sache letztendlich zu einem Frühling werden lässt. Säen wir!

TheAdmiral - 25. Aug, 09:38

"nachdem er so dreingeschlagen hat..."

War übrigens der Satz direkt nach dem kritisierten Zitat (bei der mündlichen Version).

Das ist meiner Meinung nach eine klare Wertung des Zitats und jeder der das mit in die Überlegungen einbezieht wird wohl keine Beleidigung sehen, sondern nur ein historisches Zitat.

Aber viele wollen ja nur das sehen, was sie sehen wollen.....,

clamormeus (Gast) - 25. Aug, 11:20

Danke auch!

Das Manuelzitat war in der Rede auch nur der Ausgangspunkt für sehr grundlegende Gedanken zu Glaube und Logos, allerhöchstens zweitrangig ging es darin um den Islam. (und neben dem vom Admiral gesagten, wies Benedikt schon beim Zitieren auf verschiedene, sich widersprechende Suren zur Zwaqngsbekehrung hin). Wer sich darüber echauffieren wollte, hat halt einen Grund gesucht, oder war halt, wie die hiesige Presse teilweise, einfach zu doof.
Auch bei den Mohammedkarikaturen mußte ein deutscher Imam mit selbstgemalten Schweinchen nachhelfen, bis man unter Anstrengung ein paar Analphabeten aufhetzen konnte,

Die ganze Rede als Video hier:

http://einfachentfachend.wordpress.com/2013/08/21/die-regensburger-rede/

Gertie (Gast) - 26. Aug, 14:48

»Gott hat kein Gefallen am Blut.« Und damit dürfte alles gesagt sein.

In der Tat. Diesen Worten - und natürlich dem ganzen, wie immer brillanten Artikel des captain - ist nichts hinzuzufügen. :-)

Taras Sirko - 26. Aug, 23:11

Na klasse!

Jetzt war ich zwei Tage lang so sehr mit Fidelis am Debattieren, dass ich meinen eigenen Beitrag nicht mitbekommen habe. Ich wollte mich schon beschweren :-))))

Danke für die lobenden und zustimmenden Kommentare!

clamormeus (Gast) - 26. Aug, 23:19

Ja echt, lies den endlich mal mal in Ruhe durch. Kann sich doch sehen lassen! :)
Taras Sirko - 26. Aug, 23:21

Dabei habe ich gar keine Ahnung

von Papstredendeutungen ;-)
clamormeus (Gast) - 26. Aug, 23:24

Ich auch nicht, aber was gäbe es denn da zu deuten, so eindeutig (sic!) wie diese ist! :-)
Taras Sirko - 26. Aug, 23:25

Mein Problem ist,

dass ich bei Reden eigentlich nie zuhöre ... Dafür klatsche ich immer ganz eifrig :-))
clamormeus (Gast) - 26. Aug, 23:30

Umso mehr zeigt sich Dein Talent!

(womit ich nicht meine, daß es generell keine Reden gibt, bei denen sich das Zuhören lohnt, die gehört dazu :-)
Taras Sirko - 26. Aug, 23:31

Ach was, du bist ein talentierterer Schreiber.

Ich mach immer nur so als ob, weil ich mich nicht blamieren möchte :-))
clamormeus (Gast) - 26. Aug, 23:51

Also wenn Du tatsächlich ausgerechnet mich für einen talentierten Schreiber hältst, hast Du Dich jetzt voll blamiert :-)
Taras Sirko - 26. Aug, 23:59

Für einen

talentiertEREN als mich, hab ich gesagt. Dazu bedarf es keines großen Talents ;-)
clamormeus (Gast) - 27. Aug, 00:01

Und warum nicht? :-)
Taras Sirko - 27. Aug, 00:02

Weil ich als Schreiber völlig talentfrei bin :-))
clamormeus (Gast) - 27. Aug, 00:11

Gut, dann opfern wir jetzt unsere nicht vorhandenen zwei Talente oder Denare auf, für ein Getränk samt Toast irgendwann wird's schon reichen, bis dahin schreiben wir blamiert aber ungeniert weiter, oder...?
Taras Sirko - 27. Aug, 00:14

Wir könnten auch arbeitsteilig vorgehen: Du schreibst, ich lese ;-)
clamormeus (Gast) - 27. Aug, 00:39

Arbeitsteilig? Ich bestelle, Du rufst den ersten Toast aus!

Ansonsten: ich werde jedenfalls Sirko immer gern lesen und bestehe talentfrei drauf, daß er weiterschreibt, richte ihm das aus!
Taras Sirko - 27. Aug, 11:37

Der Sirko treibt sich derzeit lieber mit dem Rasin im Wald und in der Schenke herum, weil das wieder dem Meer entstiegene Idiotistan immer noch nicht genug abgetrocknet ist, um betreten werden zu können ... :-/ :-))

Trackback URL:
https://elsalaska.twoday.net/stories/453146080/modTrackback

cantare

Ich bin einfach hingerissen,
da ist so viel in diesem Monolog, von dem man oberflächlich...
ElsaLaska - 20. Aug, 19:55
Houellebecq ist ein sehr...
Wobei man jetzt keine Kristallkugel brauchte. Mir imponiert,...
Elsa (Gast) - 12. Aug, 17:50
Hui, das war aber ein...
Hui, das war aber ein wilder Ritt durchs Stadtbild...
NeonWilderness - 11. Aug, 23:45
Privet, fbtde!
Schön, von dir zu hören. Offenbar lebst du also auch...
ElsaLaska - 2. Aug, 10:27
Oha
Du lebst auch noch. Gut zu wissen!
fbtde - 2. Aug, 08:31

attenzione

la bocca

 

About Elsa
All time favourites
Best of Benedict XVI
Blogozesanes
Breviarium Romanum
Christenverfolgung
Cooperatores veritatis
Deutschland pro Papa
Deutschland-Blog
Die Blognovela
Disclaimer
Dossier UR-FRÖDS
Eat Love Pray
Elsa fragt-Leser antworten
Gastbeiträge
Gebetszettel
... weitere
Profil
Abmelden
Weblog abonnieren