Hallo Elsa,
das (junge?) Magazin erscheint in sehr schönem Kleid, wobei ich bei der redaktionellen Gestaltung einiges hinterfragen möchte... nehmen wir doch den Beitrag von Navid Kermani, der doch einzig und allein um der Leserzahlen willen gebracht wir.
Wie ernst soll man einen Schriftsteller nehmen, der christliche Symbole und Werte in einer Weise reflektiert, dass ich unwillkürlich denke: Si tacuisses, philosophus...
Zwei Beispiele aus Kermanis NZZ-Beitrag, der bekanntermaßen Wellen geschlagen hat:
"…meine Tochter unterm Kreuz zu wissen, war unangenehm. Natürlich sagte ich nichts, schliesslich ist man liberal. Eingegriffen habe ich nur bei der Messe zur Einschulung, als die Kinder Hostien essen sollten, gleich welchen Glaubens. Da wünschte ich mir, die Kirche sei weniger liberal."
Der Vorfall wird schon stimmen, aber wo bitte finden derart groteske "Speisungen" statt, oder anders ausgedrückt: Vergessen wir solche Hinweise, denn das hat im Hinblick auf die Handhabung der christlichen/katholischen Glaubensvermittlung in Europa praktisch null Relevanz.
Nächstes Beispiel aus demselben Artikel:
"Die Landschaft ist christianisiert, so dass nicht die Menschen geschieden sind in Tätervolk und Opfervolk wie im Neuen Testament, sondern Himmel und Erde, Gott und die Menschen [...] Dieser Jesus ist nicht Sohn Gottes und nicht einmal sein Gesandter. Gerade weil sein Schmerz kein körperlicher ist, nicht Folge denkbar schlimmster, also ungewöhnlicher, unmenschlicher Folterungen, stirbt dieser Jesus stellvertretend für die Menschen, für alle Menschen, ist er jeder Tote, jederzeit, an jedem Ort. Sein Blick ist der letzte vor der Wiederauferstehung, auf die er nicht zu hoffen scheint."
"Dieser Jesus ist nicht Sohn Gottes und nicht einmal sein Gesandter." Gut, es handelt sich um die Beschreibung eines Gemäldes, da darf man sicherlich leise vor sich hinstammeln. "Gerade weil sein Schmerz kein körperlicher ist, ...stirbt dieser Jesus stellvertretend für die Menschen." Muss ich es jedoch veröffentlichen lassen? Und wenn ja, dann muss ich mit dem Einwand rechnen, in Bezug auf christliche Glaubensinhalte und deren Darstellung einfach nicht ernst genommen zu werden. "Sein Blick ist der letzte vor der Wiederauferstehung, auf die er nicht zu hoffen scheint." Meint der Autor auch sich selbst?
Sorry für diese lange Vorrede: Aber wozu braucht es ein Leichtgewicht in Christologie im Vatikan Magazin?
Grüße, Stefan
PS: Der Skandal des Kreuzes ist - in unserer christlichen Wirklichkeit - ein tatsächlicher und kaum schärfer denkbarer: Die Kreuzigung des Gottessohnes als grausame Tötung in nicht überbietbarer Schande.
vielen Dank für deine ausführlichen Gedanken. An Kermani scheiden sich ja bekanntlich die Geister. Wir hatten auch irgendwo auf diesem Blog eine Diskussion dazu, als Kardinal Lehmann diesen Preis ablehnte. Ich weiß, dass Kermanis Kreuzmeditation für viele unerträglich zu lesen ist - ich lese sie aber auch nicht als Unterweisung in Christologie, sondern als tatsächlich Bildmeditation, also ästhetisch-literarisch. Als solche halte ich sie für sehr gelungen. Ich verlange auch nicht von einem Muslim, dass er imstande ist, mir theologische Nachhilfe zu geben, sondern honoriere seine Subjektivität, persönliche Offenheit und die Möglichkeit, die er mir gibt, an seiner Annäherung an das Kreuz, die ihm ja zum Schluss des Artikels tatsächlich gelingt, teilzuhaben. Kermani formuliert noch dazu Vorbehalte gegen das Kreuz, die auch bei Nichtgläubigen, Atheisten oder Agnostikern zu finden - wenn nicht die Regel- sind. Aber er versucht, es als gläubiger Muslim zu erfassen und zu verstehen, die Hürde für sich zu nehmen und nicht einfach abzutun. Das finde ich wertvoll.
Ich gehe sogar noch weiter - ich wünsche mir, es würden mehr Schriftsteller, die nicht christlich sind, versuchen, sich anzunähern. Dass dies nicht einfach ist, merkt man ja in der ersten Hälfte seines Artikels, wo er zusammenfasst, wie ihm das Kreuz bislang vorkam. Dann aber zum Schluss die beachtliche Wende, und die ist für mich einfach entscheidend.
Wenn an dieser Schule sowas stattfindet (Austeilung Hostie an alle Konfessionen und Religionen), dann kann ich ihm das glauben - er ist ja auch sonst erschreckend ehrlich in diesem Artikel. Bevor wir über Kermani weiterdiskutieren, lies doch bitte auch seinen Artikel über die Maria Advocata-Ikone, solange er noch online ist- auch nicht als Unterweisung in Mariologie oder so ähnlich, sondern als eine ästhetische Annäherung. Diese fällt ihm leichter, da Maria ja auch im Islam verehrt wird.
Da wäre ich gespannt, wie du das findest.
Der Skandel des Kreuzes, genau!
das (junge?) Magazin erscheint in sehr schönem Kleid, wobei ich bei der redaktionellen Gestaltung einiges hinterfragen möchte... nehmen wir doch den Beitrag von Navid Kermani, der doch einzig und allein um der Leserzahlen willen gebracht wir.
Wie ernst soll man einen Schriftsteller nehmen, der christliche Symbole und Werte in einer Weise reflektiert, dass ich unwillkürlich denke: Si tacuisses, philosophus...
Zwei Beispiele aus Kermanis NZZ-Beitrag, der bekanntermaßen Wellen geschlagen hat:
"…meine Tochter unterm Kreuz zu wissen, war unangenehm. Natürlich sagte ich nichts, schliesslich ist man liberal. Eingegriffen habe ich nur bei der Messe zur Einschulung, als die Kinder Hostien essen sollten, gleich welchen Glaubens. Da wünschte ich mir, die Kirche sei weniger liberal."
Der Vorfall wird schon stimmen, aber wo bitte finden derart groteske "Speisungen" statt, oder anders ausgedrückt: Vergessen wir solche Hinweise, denn das hat im Hinblick auf die Handhabung der christlichen/katholischen Glaubensvermittlung in Europa praktisch null Relevanz.
Nächstes Beispiel aus demselben Artikel:
"Die Landschaft ist christianisiert, so dass nicht die Menschen geschieden sind in Tätervolk und Opfervolk wie im Neuen Testament, sondern Himmel und Erde, Gott und die Menschen [...] Dieser Jesus ist nicht Sohn Gottes und nicht einmal sein Gesandter. Gerade weil sein Schmerz kein körperlicher ist, nicht Folge denkbar schlimmster, also ungewöhnlicher, unmenschlicher Folterungen, stirbt dieser Jesus stellvertretend für die Menschen, für alle Menschen, ist er jeder Tote, jederzeit, an jedem Ort. Sein Blick ist der letzte vor der Wiederauferstehung, auf die er nicht zu hoffen scheint."
"Dieser Jesus ist nicht Sohn Gottes und nicht einmal sein Gesandter." Gut, es handelt sich um die Beschreibung eines Gemäldes, da darf man sicherlich leise vor sich hinstammeln. "Gerade weil sein Schmerz kein körperlicher ist, ...stirbt dieser Jesus stellvertretend für die Menschen." Muss ich es jedoch veröffentlichen lassen? Und wenn ja, dann muss ich mit dem Einwand rechnen, in Bezug auf christliche Glaubensinhalte und deren Darstellung einfach nicht ernst genommen zu werden. "Sein Blick ist der letzte vor der Wiederauferstehung, auf die er nicht zu hoffen scheint." Meint der Autor auch sich selbst?
Sorry für diese lange Vorrede: Aber wozu braucht es ein Leichtgewicht in Christologie im Vatikan Magazin?
Grüße, Stefan
PS: Der Skandal des Kreuzes ist - in unserer christlichen Wirklichkeit - ein tatsächlicher und kaum schärfer denkbarer: Die Kreuzigung des Gottessohnes als grausame Tötung in nicht überbietbarer Schande.
Lieber Stefan,
Ich gehe sogar noch weiter - ich wünsche mir, es würden mehr Schriftsteller, die nicht christlich sind, versuchen, sich anzunähern. Dass dies nicht einfach ist, merkt man ja in der ersten Hälfte seines Artikels, wo er zusammenfasst, wie ihm das Kreuz bislang vorkam. Dann aber zum Schluss die beachtliche Wende, und die ist für mich einfach entscheidend.
Wenn an dieser Schule sowas stattfindet (Austeilung Hostie an alle Konfessionen und Religionen), dann kann ich ihm das glauben - er ist ja auch sonst erschreckend ehrlich in diesem Artikel. Bevor wir über Kermani weiterdiskutieren, lies doch bitte auch seinen Artikel über die Maria Advocata-Ikone, solange er noch online ist- auch nicht als Unterweisung in Mariologie oder so ähnlich, sondern als eine ästhetische Annäherung. Diese fällt ihm leichter, da Maria ja auch im Islam verehrt wird.
Da wäre ich gespannt, wie du das findest.
LG
Elsa