hatte ich an Paulus gedacht: Prüft alles und das beste behaltet. Nicht in der Kirche: Da sind wir alle gute, lernende, offene, vertrauensvolle Kinder unserer Mutter (die ich nicht einfachhin mit ihrem geweihten oder ungeweihten Bodenpersonal gleichsetzen will). Aber wir surfen draußen herum, in Gegenden sozusagen, wo offizielle Vertreter - auch die KNA - selten auftauchen und schon gar nicht angreifbar oder kontaktierbar sind.
Laut lachen mußte ich bei Ring-Eifels Satz: "Wo nichts gedruckt wird, gibt es keine lenkende bischöfliche Druckerlaubnis (Imprimatur)", den er auf Web bezieht. Ich weiß nicht, wann ich zum letzten Mal ein theologische Buch gekauft habe, in dem ein Imprimatur stand! Hat da die KNA je geschrieen? - Das ist schon ziemlich heuchlerisch, wie da argumentiert wird, wobei Ring-Eifel sich, überraschend fast, um eine positive Würdigung bemüht.
Auch Leute wie Ring-Eifel müssen sich ganz langsam ein Bild von der Situation machen.
Denkt doch mal an die diffamierenden Anmerkungen aus Ösiland, wo welcher Server steht. So gesehen ist Ludwig Ring-Eifel zumindest auf dem Weg zu einer neutralen Sichtweise.
Warten wir ab, wie in ein, zwei Jahren über die katholische Blogoezese gesprochen/geschrieben wird.
Aber lustig ist es schon zu sehen, wie die "katholische Verspätung" diesmal aussieht. Blogs gibt es (in nennenswerter Zahl) seit sagen sechs Jahren; kath.net gibt es auch schon ewig; wer wollte, konnte katholische Blogs in den USofA auch schon etwa die gleiche Zeitspanne als einflußreich wahrnehmen; in Deutschland ist die Lage anders, aber auch da erschien der erste Artikel über die katholischen Blogs außerhalb der Szene - im "Tag des Herrn" oder wie das gemeinsame Bistumsblatt der Ostbistümer heißt - ca. 2005 oder 2006.
Kommt da zum "ideologischen" Elfenbeinturm auch noch ein professioneller?
Gib dem katholischen Journalismus der "Öffentlich Rechtlichen" etwas Zeit. Die können es einfach nicht von jetzt auf gleich zugeben, daß sie jahrelang gepennt haben. Es kommt eben - wie Du gesagt hast - mit der üblichen katholischen Verspätung.
Aber auch die Medien werden langsam aber sicher von Bloggern "unterwandert" ...
Es kommt ja noch was anderes hinzu. Wo hatte ich neulich gelesen, dass bei einer Umfrage von diesem katholischen Journalistenverband GKP die Mehrheit der Verbandsjournalisten gar nicht mehr selbst an die kirchliche und päpstliche Linie glaubte?
Ich meine, evangelische Journalisten haben wir genug. Kirchenkritiker gibts auch wie Sand am Meer. Nachdem ich selbst mich 30 Jahre lang mit Kirchenkritik mehr oder weniger intensiv befasst habe (dazu reichte ein SpiegelAbo), muss ich sagen - es nutzt sich halt auch ab. Irgendwann ist es einfach attraktiver, bei Leuten mitzulesen, die hinter dem stehen, was sie glauben.
Das ist jetzt aber eine Erkenntnis, von der Ring-Eifel et al noch weiter entfernt sind als von der, daß es noch Informationsquellen und Medien außerhalb der offiziell-offiziösen gibt. Abgesehen davon, daß ich nicht sehe, daß viele unserer Mitkatholiken so denken, fühlen und begehren wie wir. Vielleicht fehlt auch nur das Vorstellungsvermögen, daß es auch anders geht.
Warum kamen denn die ersten katholischen Blogger aus USA? Weil dort das katholische Grundgefühl nicht darin besteht, defizitär und nicht genug protestantisch zu sein.
Aber jetzt haben wir einen deutschen Blogger der ersten Stunde schon hier, jetzt will ich wissen: Warum hast du angefangen zu bloggen?
Für mich klingt das, was Ludwig Ring-Eifel schreibt, eher wie eine Apologie der KNA. In dem beschwörenden Tonfall klingeln die Millionen, die zur Subventionierung des "katholischen Journalismus" in Deutschland aufgewandt werden.
Was das Selbstverständnis des katholischen Journalisten angeht, teile ich Ring-Eifels Auffassung nicht. Der Journalist ist nicht katholisch, weil er das Katholische zum Gegenstand seiner Berichterstattung hat. Er ist katholisch, weil das Katholische das Fundament seiner Berichterstattung ist. Gerade dieses Fundament sollte es dem Journalisten erlauben, mehr zu sein als nur ein "papierner Sklave des Tages" (Nietzsche). Schließlich erschöpft sich die Aufgabe des Journalisten nicht in der Verbreitung von tagesaktuellen Informationen. Um dem Leser auch Orientierung anbieten zu können, muß er die täglichen Informationen sinnvoll in Zusammenhang stellen. Das Katholische wäre hier ein - im besten Fall offen artikulierter - möglicher Bezugsrahmen.
@1: Natürlich auch deswegen, weil die Amis offener sind für neue Technologien und eine andere (früh eingeübte) Diskussions- und Selbstartikulationskultur haben. Vieles, was in dem Spiegel-Artikel über die deutsche Bloghemmung, gilt auch für uns deutsche Katholiken.
@2: Willst Du das wirklich wissen? ;-) Also ganz kurz und ziemlich ehrlich:
- Weil ich die Technologie ausprobieren wollte;
- Weil es tatsächlich so einfach ging, wie versprochen, und dazu noch kostenloswar und ist;
- Weil es Spaß machte. Und Freude. Und Freunde.
- Weil es Vorbilder gab, bei denen ich sah, wie es ein guter Blog aussehen konnte. In St. Blog's Parish z.B. dylan von more last than star oder Fr. Bryce Sibley von Saintly Salmagundi;
- Weil ich radikal subjektiv sein konnte: keiner redet einem rein bei der Themenwahl, es gibt kein Publikationsschema, man kann nachbessern...; ich kann aufhören oder Pause machen, wenn und wann ich will; die Leserschaft wird sich finden oder auch nicht; ich _muß_ ja nichts verkaufen;
- Weil ich mir dachte: ein paar Katholiken müssen's ja auch in Deutschland tun, das Blogschreiben, und der gute GOtt wird mir schon zeigen, ob der Entschluß richtig war, ob das Gute, das sich ergibt, das Böse, das ich bewirke, überwiegt.
@Tiberius: Wir müssen den kirchensteuer-subventionierten Journalismus erhalten. Sagt der Chef der kirchensteuer-subventionierten KNA. Das Eigeninteresse für seine Wortmeldung ist nicht zu übersehen.
@Elsa: Wie Du sehe ich das große Problem des "offiziösen" Journalismus darin, daß deren Protagonisten gar nicht hinter Papst und Kirche stehen - aber das gilt ja leider nicht nur für die kirchenfinanzierte Presse.
Ich galube, daß ein weiterer Punkt für das Entstehen der papsttreuen katholischen Blogs in Amerika die dort ziemlich einflußreichen Evangelikalen sind, die aus missionarischem Eifer heraus schon lange Zeit alle vorhandenen medialen Kanäle zur Evangelisation nutzen. Deren Vorbild (und Konkurrenz) sowie einige prominente Konversionen haben die Entstehung der katholischen Blogszene in Amerika aus meiner Sicht deutlich begünstigt. (Ähnliches gilt meines Erachtens nach auch für das katechetische Material in den USA.)
Besonders Tiberius' Gedanken zum kath. Journalismus haben mir sehr gut gefallen. Es klingt nach der guten alten Schule - ich könnte mir vorstellen, dass es das einmal wirklich gegeben hat ... ;-)
Weiter dazu: Ich überlege, warum sich ausgerechnet die glaubenstreu orientierten Katholiken im Medium Internet so deutlich artikulieren.
Vielleicht weil sie sonst kein anderes angeboten kriegten?
Bee (Gast) - 19. Aug, 18:55
Weil's so einfach ist...
Ich denke, es hat viel damit zu tun, dass ein Blog innerhalb von 10 min. eingerichtet werden kann und eben vom grundsätzlichen Gedanken her ein "Ich-schreib-was-ich-denk"-Ding ist . Es ist nicht nur okay, wenn man subjektiv ist, alles andere ginge irgendwie gegen den eigentlichen Blog-Gedanken. Welches andere Medium in der (katholischen) Welt bietet das schon?
Dass grade die kirchentreue Mannschaft sich hier wohl fühlt, hat wohl auch was damit zu tun, dass eben nicht alles auf Plüsch und Flausch gedrosselt werden muss. Wirkliche Standpunkte zu beziehen, ist was gaaanz doll schwieriges in den meisten Gemeinden. Das fängt schon dabei an, dass man bestimmte Worte nicht mehr benutzt, weil sie angeblich a) von den "einfachen" Bürgern nicht verstanden oder b) mit falschen Assoziationen belastet oder c) zu antiquiert sind.
Dieses Wörter weg schnipseln findet man, imho, so ziemlich über all. Wann hat bei Euch in der Gemeinde mal jemand "Hölle" gesagt und sich nicht anschließend direkt entschulidgt?
Zu USA vllt. noch: In USA ist die katholische Kirche zwar seit einigen Jahren die größte christliche Glaubensgemeinschaft, aber man betrachtete sich stets selbst als Kirche in einem Missionsland nie als Volkskirche. Es ist also nicht nur der sehr agressiven Art der Evanglikalen- ist ja nicht so als würden die nicht schon seit Jahrenzehnten auch in Deutschland rumturnen inkl. Chick-Comics u.ä. - zu verdanken, dass man die Lehre in den Vordergrund stellt und also auch laut und deutlich das Anderssein verteidigte. Während die deutsche "Volkskirche" immer darauf bedacht war irgendwie im gesellschaftlichen Konsens zu bleiben und alles schön in der Ökumene undiskutiert zu lassen. Bei uns gilt es irgendwie als unfein auch nur zu erwähnen, dass man glaubt, dass andere nicht den wahren Glauben predigen und völlig falsche Interpretationen der Schrift vorlegen. In anderen Ländern darf man das ohne direkt aus der Diskussion ausgeschlossen zu werden.
In Deutschland gibt es nichts Schlimmeres als das katholische Getto, dem wir seit 50, 60 Jahren entkommen sind. Bloß nicht dahin zurück. Bloß keinen Kulturkampf. Bloß nicht ultramontane Vaterlandsverrräter werden. Bloß nicht wegen Rückständigkeit belächelt werden. - Konvertiten kennen diese Angst nicht. Ich spüre sie im Blut. Viele andere tragen sie im Blut, ohne sie zu spüren.
Ich verstehe immer noch nicht so ganz - ahne aber - woher diese Deckelung kam und wieso und warum? Die katholische Konfession war und ist oder sollte doch wieder jedenfalls, kulturstiftend sein? Ihr habt - wir haben - so unglaublich viel vorzuweisen an denkerischen Errungenschaften, Kunst, Kultur, Literatur, Ansätze in der Morallehre, dem Nachdenken über das Leben, der Wertschätzung der Frau in diesem Zusammenhang - aber alle lassen sich einreden, dies sei repressiv, unterdrückerisch, negativ. Während hardcore - Feministinnen zum Beispiel schon längst gegen die Pille und die Ausbeutung des Körpers der Frau durch die Reproduktionsindustrie wüten - und erstaunlicherweise mit der katholischen Auffassung konform gehen.
Beim Freibeutertum
Laut lachen mußte ich bei Ring-Eifels Satz: "Wo nichts gedruckt wird, gibt es keine lenkende bischöfliche Druckerlaubnis (Imprimatur)", den er auf Web bezieht. Ich weiß nicht, wann ich zum letzten Mal ein theologische Buch gekauft habe, in dem ein Imprimatur stand! Hat da die KNA je geschrieen? - Das ist schon ziemlich heuchlerisch, wie da argumentiert wird, wobei Ring-Eifel sich, überraschend fast, um eine positive Würdigung bemüht.
Abwarten
Denkt doch mal an die diffamierenden Anmerkungen aus Ösiland, wo welcher Server steht. So gesehen ist Ludwig Ring-Eifel zumindest auf dem Weg zu einer neutralen Sichtweise.
Warten wir ab, wie in ein, zwei Jahren über die katholische Blogoezese gesprochen/geschrieben wird.
Voll d'accord, Stanislaus
Kommt da zum "ideologischen" Elfenbeinturm auch noch ein professioneller?
Zeit
Aber auch die Medien werden langsam aber sicher von Bloggern "unterwandert" ...
Ich meine, evangelische Journalisten haben wir genug. Kirchenkritiker gibts auch wie Sand am Meer. Nachdem ich selbst mich 30 Jahre lang mit Kirchenkritik mehr oder weniger intensiv befasst habe (dazu reichte ein SpiegelAbo), muss ich sagen - es nutzt sich halt auch ab. Irgendwann ist es einfach attraktiver, bei Leuten mitzulesen, die hinter dem stehen, was sie glauben.
Aber jetzt haben wir einen deutschen Blogger der ersten Stunde schon hier, jetzt will ich wissen: Warum hast du angefangen zu bloggen?
Was das Selbstverständnis des katholischen Journalisten angeht, teile ich Ring-Eifels Auffassung nicht. Der Journalist ist nicht katholisch, weil er das Katholische zum Gegenstand seiner Berichterstattung hat. Er ist katholisch, weil das Katholische das Fundament seiner Berichterstattung ist. Gerade dieses Fundament sollte es dem Journalisten erlauben, mehr zu sein als nur ein "papierner Sklave des Tages" (Nietzsche). Schließlich erschöpft sich die Aufgabe des Journalisten nicht in der Verbreitung von tagesaktuellen Informationen. Um dem Leser auch Orientierung anbieten zu können, muß er die täglichen Informationen sinnvoll in Zusammenhang stellen. Das Katholische wäre hier ein - im besten Fall offen artikulierter - möglicher Bezugsrahmen.
@2: Willst Du das wirklich wissen? ;-) Also ganz kurz und ziemlich ehrlich:
- Weil ich die Technologie ausprobieren wollte;
- Weil es tatsächlich so einfach ging, wie versprochen, und dazu noch kostenloswar und ist;
- Weil es Spaß machte. Und Freude. Und Freunde.
- Weil es Vorbilder gab, bei denen ich sah, wie es ein guter Blog aussehen konnte. In St. Blog's Parish z.B. dylan von more last than star oder Fr. Bryce Sibley von Saintly Salmagundi;
- Weil ich radikal subjektiv sein konnte: keiner redet einem rein bei der Themenwahl, es gibt kein Publikationsschema, man kann nachbessern...; ich kann aufhören oder Pause machen, wenn und wann ich will; die Leserschaft wird sich finden oder auch nicht; ich _muß_ ja nichts verkaufen;
- Weil ich mir dachte: ein paar Katholiken müssen's ja auch in Deutschland tun, das Blogschreiben, und der gute GOtt wird mir schon zeigen, ob der Entschluß richtig war, ob das Gute, das sich ergibt, das Böse, das ich bewirke, überwiegt.
Das Alles zusammen.
@Elsa: Wie Du sehe ich das große Problem des "offiziösen" Journalismus darin, daß deren Protagonisten gar nicht hinter Papst und Kirche stehen - aber das gilt ja leider nicht nur für die kirchenfinanzierte Presse.
Ich galube, daß ein weiterer Punkt für das Entstehen der papsttreuen katholischen Blogs in Amerika die dort ziemlich einflußreichen Evangelikalen sind, die aus missionarischem Eifer heraus schon lange Zeit alle vorhandenen medialen Kanäle zur Evangelisation nutzen. Deren Vorbild (und Konkurrenz) sowie einige prominente Konversionen haben die Entstehung der katholischen Blogszene in Amerika aus meiner Sicht deutlich begünstigt. (Ähnliches gilt meines Erachtens nach auch für das katechetische Material in den USA.)
Schöne Antworten, danke @all!
Weiter dazu: Ich überlege, warum sich ausgerechnet die glaubenstreu orientierten Katholiken im Medium Internet so deutlich artikulieren.
Vielleicht weil sie sonst kein anderes angeboten kriegten?
Weil's so einfach ist...
Dass grade die kirchentreue Mannschaft sich hier wohl fühlt, hat wohl auch was damit zu tun, dass eben nicht alles auf Plüsch und Flausch gedrosselt werden muss. Wirkliche Standpunkte zu beziehen, ist was gaaanz doll schwieriges in den meisten Gemeinden. Das fängt schon dabei an, dass man bestimmte Worte nicht mehr benutzt, weil sie angeblich a) von den "einfachen" Bürgern nicht verstanden oder b) mit falschen Assoziationen belastet oder c) zu antiquiert sind.
Dieses Wörter weg schnipseln findet man, imho, so ziemlich über all. Wann hat bei Euch in der Gemeinde mal jemand "Hölle" gesagt und sich nicht anschließend direkt entschulidgt?
Zu USA vllt. noch: In USA ist die katholische Kirche zwar seit einigen Jahren die größte christliche Glaubensgemeinschaft, aber man betrachtete sich stets selbst als Kirche in einem Missionsland nie als Volkskirche. Es ist also nicht nur der sehr agressiven Art der Evanglikalen- ist ja nicht so als würden die nicht schon seit Jahrenzehnten auch in Deutschland rumturnen inkl. Chick-Comics u.ä. - zu verdanken, dass man die Lehre in den Vordergrund stellt und also auch laut und deutlich das Anderssein verteidigte. Während die deutsche "Volkskirche" immer darauf bedacht war irgendwie im gesellschaftlichen Konsens zu bleiben und alles schön in der Ökumene undiskutiert zu lassen. Bei uns gilt es irgendwie als unfein auch nur zu erwähnen, dass man glaubt, dass andere nicht den wahren Glauben predigen und völlig falsche Interpretationen der Schrift vorlegen. In anderen Ländern darf man das ohne direkt aus der Diskussion ausgeschlossen zu werden.
Klar, Bee:
Aber was hat man denn nur mit euch angestellt?