Ein intelligenter Artikel im Klerusblatt
des Klerusverbandes Bayern, auf den mich ein Leser dankenswerterweise aufmerksam gemacht hat:
Der Weg von der Oberfläche zum Kern echter Mündigkeit - eine Notwendigkeit.
Von Erzbischof em. Dr. Karl Braun.
Erzbischof em. Dr. Braun hat seinen Artikel in 4 Unterpunkte aufgeteilt. Ich hätte den Artikel gerne im Volllzitat übernommen - aber das geht natürlich nicht. So liefere ich zu jedem der vier Unterpunkte ein prägnantes Zitat, das mir aufgefallen ist.
1. Der Blick auf die Kirche in heutiger Zeit.
Der Glaubensschwund auch innerhalb der Kirche wird völlig richtig mit einer Überhandnahme des modernen Subjektivismus in Zusammenhang gebracht, EB Braun führt das ziseliert aus. Ein weiteres Phänomen, ebenfalls zutreffend geschildert:
>>Noch aus weiteren Richtungen wird der Glaube massiv bedroht: Man tut nicht selten so, als sei die Verbreitung des Glaubens vomehmlich eine Frage der Organisation, der rührigen Geschäftigkeit. Im übrigen sei es wichtig, sich psychologischer Kenntnisse, soziologischer Einsichten und am Ende gar fernöstlicher Praktiken zu bedienen. Vergessen wir nicht: Die Macht der Medien ist bis in den entlegensten Einödhof gedrungen. Sie verbreiten zusehends materialistisches und hedonistisches Gedankengut. Die Menge der Gläubigen wird durch Presse, Rundfunk und Fernsehen in hohem Maße manipulierbar. Das Glaubenswissen wird auch bei vielen engagierten Christen immer dürftiger, die Verwirrung in Glaubensfragen nimmt zu. Je dürftiger das Glaubenswissen ist, desto mehr fallen Schlagworte, Vereinfachungen, Emotionen und Aggressionen auf einen aufnahmebereiten Boden. <<
EB Braun stellt den Verlust der übernatürlichen Dimension in der Kirche fest bei all diesen Verwirrungen und Debatten, Wahrheit wird eben nicht nach Mehrheit entschieden und schließlich herrsche auch die blanke Unkenntnis der Texte des Zweiten Vatikanischen Konzils in weiten Kreisen vor.
2. Unverkürzter Glaube - das wahre Verständnis für die Kirche
Aus diesem Abschnitt die für mich bemerkenswerteste Passage:
>>Die Gläubigen haben einen Anspruch darauf, vom kirchlichen Lehramt und von den Verkündern zu erfahren, was dem Glauben der Kirche entspricht - und was nicht.
Ein Dialog, der gegen die Liebe zur Kirche - und zwar zur Kirche in all ihren Gliedern und Ordnungen, also auch zu dem von Christus eingesetzten Dienstamt - verstößt, bleibt auf der Ebene menschlicher Besserwisserei und ist niemals vom Geist des Herrn geleitet. Von Anfang der Kirche an bis heute gilt: Über all der Vielfalt christlichen Wirkens steht das Bekenntnis zur Einheit der Kirche. AIle innerkirchliche Pluralität muss auf die Einheit der Kirche bezogen sein und sich zur hierarchischen Grundordnung bekennen. Nur wenn alle Glieder der Kirche gläubig, selbstlos und zuversichtlich zusammenwirken, kann sich die Kirche erneuern und wird ihre Einheit konkrete Gestalt annehmen. Eine Glaubensgemeinschaft dagegen, die wie ein unverbindlicher Debattierclub erscheint, eine in Glaubens- und Sittenfragen verunsicherte und uneinige Kirche verliert zusehends an Glaubwürdigkeit und Anziehungskraft. Wer steigt schon in ein Boot, das aussieht, als ob es leck wäre? Ohne den Mut, gegen den Strom modischer Zeittorheiten zu schwimmen, endet der "Auszug aus dem Ghetto" am Rand jener Straße, auf der die Mächte der Selbstzersetzung voraneilen.<<
3. Sakrament und Heiligkeit - das Verstandnis echter Mündigkeit
Hier untersucht EB Dr. Braun einmal in einer tiefgehenden Analyse, was die Rede vom "mündigen Christen" (der ich häufig schon überdrüssig bin zu hören), tatsächlich bedeutet. Er leitet dies insbesondere von Aussagen Paulus' aus den Briefen an die Römer und die Epheser her und schlussfolgert aus ihnen:
>>So sind zu allen Zeiten die Heiligen die wahrhaft Mündigen.
Das Zeitalter des mündigen Christen hat deshalb nicht erst in unserem Jahrhundert begonnen. Das Mündigwerden vollzieht sich in der stets neuen Übung von Glaube, Hoffnung und Liebe, von Demut, Friedfertigkeit und Geduld, von gegenseitigem Ertragen und Streben nach der Einheit des Geistes. Wenn die Kirche deshalb zum häufigen Empfang des BuBsakramentes anhält, so beabsichtigt sie damit auch, unser Gewissen zu bilden und uns so zur wahren Mündigkeit zu führen. Sind sich alle, die sich heute lauthals als mündige Christen bezeichnen, bewusst, dass Mündigkeit mit dem emsten Bemühen um Heiligkeit einhergehen muss? Konfliktsüchtigkeit und Kontestation, sind nicht Früchte eines reifen Glaubens, wahrer Liebe zur Kirche und christlichen Strebens nach Vollkommenheit. Was an Impulsen von Gott kommt und sich durch mündiges Christsein auswirken will, verletzt nicht die Liebe, stiftet nicht Verwirrung, sät nicht Feindseligkeit und entzieht sich nicht der gottgewollten Ordnung.<<
Im Folgenden geht er noch auf die Wichtigkeit eines Lebens in den Sakramenten und in der Einheit mit dem Nachfolger Petri ein.
4. Die angemessene Antwort auf die Not der Kirche
Weil EB Dr. Braun, ich kenne ihn leider gar nicht, ein sehr guter Seelsorger zu sein scheint, fehlt auch der ermutigende und hoffnungsfrohe Ausblick am Ende seiner Analyse nicht.
Ich zitiere nun nur noch den Schlussabsatz aus diesem Ausblick:
>>Heute, da man so viel von "kritischer Mündigkeit des Christen" spricht, müssten wir vor allem auch kritisch prüfen, ob das, was in der Öffentlichkeit gesagt wird, katholisch ist und der Lehre des Konzils entspricht. Da sich wohl die heute in der Kirche miteinander diskutieren und streiten, zum Zweiten Vatikanischen Konzil bekennen, finden sie darin eine gemeinsame Basis auf der sie sich einigen konnen. Die Gesundung der Kirche wird von Christen kommen, die in der Kraft der Unterscheidung der Geister den Weg gehen uns das Konzil gewiesen hat, und sich dabei bewusst sind, dass die innere geistliche Erneuerung Vorrang vor anderen äußeren Bemühungen hat. Das bedeutet auch, dass wir der Demut und dem Gehorsam wieder den ihnen zukommenden Stellenwert einräumen. Sie dürfen nicht zu Fremdwörtern im Leben der Kirche werden, die nur die "Stillen" im Land in ihr Christsein übersetzen. Der unabdingbare Beitrag zum geschwisterlichen Miteinander ist unser Gebet für Einheit und Frieden in der Kirche, vor allem auch das Gebet für unseren Heiligen Vater. Wenn wir dies tun und Augen, Herz und Mund wieder mehr für das Positive in der Kirche öffnen, verfallen wir keiner Verzagtheit, sondern finden die Kraft, gegen alle Hoffnung voll Hoffnung zu glauben (vgl. Rom 4,18). <<
Und bedanke mich ganz herzlich für den Leserhinweis und bei Erzbischof em. Dr. Braun für diesen ebenso intelligenten wie geistlich hochkarätigen Artikel.
Der Weg von der Oberfläche zum Kern echter Mündigkeit - eine Notwendigkeit.
Von Erzbischof em. Dr. Karl Braun.
Erzbischof em. Dr. Braun hat seinen Artikel in 4 Unterpunkte aufgeteilt. Ich hätte den Artikel gerne im Volllzitat übernommen - aber das geht natürlich nicht. So liefere ich zu jedem der vier Unterpunkte ein prägnantes Zitat, das mir aufgefallen ist.
1. Der Blick auf die Kirche in heutiger Zeit.
Der Glaubensschwund auch innerhalb der Kirche wird völlig richtig mit einer Überhandnahme des modernen Subjektivismus in Zusammenhang gebracht, EB Braun führt das ziseliert aus. Ein weiteres Phänomen, ebenfalls zutreffend geschildert:
>>Noch aus weiteren Richtungen wird der Glaube massiv bedroht: Man tut nicht selten so, als sei die Verbreitung des Glaubens vomehmlich eine Frage der Organisation, der rührigen Geschäftigkeit. Im übrigen sei es wichtig, sich psychologischer Kenntnisse, soziologischer Einsichten und am Ende gar fernöstlicher Praktiken zu bedienen. Vergessen wir nicht: Die Macht der Medien ist bis in den entlegensten Einödhof gedrungen. Sie verbreiten zusehends materialistisches und hedonistisches Gedankengut. Die Menge der Gläubigen wird durch Presse, Rundfunk und Fernsehen in hohem Maße manipulierbar. Das Glaubenswissen wird auch bei vielen engagierten Christen immer dürftiger, die Verwirrung in Glaubensfragen nimmt zu. Je dürftiger das Glaubenswissen ist, desto mehr fallen Schlagworte, Vereinfachungen, Emotionen und Aggressionen auf einen aufnahmebereiten Boden. <<
EB Braun stellt den Verlust der übernatürlichen Dimension in der Kirche fest bei all diesen Verwirrungen und Debatten, Wahrheit wird eben nicht nach Mehrheit entschieden und schließlich herrsche auch die blanke Unkenntnis der Texte des Zweiten Vatikanischen Konzils in weiten Kreisen vor.
2. Unverkürzter Glaube - das wahre Verständnis für die Kirche
Aus diesem Abschnitt die für mich bemerkenswerteste Passage:
>>Die Gläubigen haben einen Anspruch darauf, vom kirchlichen Lehramt und von den Verkündern zu erfahren, was dem Glauben der Kirche entspricht - und was nicht.
Ein Dialog, der gegen die Liebe zur Kirche - und zwar zur Kirche in all ihren Gliedern und Ordnungen, also auch zu dem von Christus eingesetzten Dienstamt - verstößt, bleibt auf der Ebene menschlicher Besserwisserei und ist niemals vom Geist des Herrn geleitet. Von Anfang der Kirche an bis heute gilt: Über all der Vielfalt christlichen Wirkens steht das Bekenntnis zur Einheit der Kirche. AIle innerkirchliche Pluralität muss auf die Einheit der Kirche bezogen sein und sich zur hierarchischen Grundordnung bekennen. Nur wenn alle Glieder der Kirche gläubig, selbstlos und zuversichtlich zusammenwirken, kann sich die Kirche erneuern und wird ihre Einheit konkrete Gestalt annehmen. Eine Glaubensgemeinschaft dagegen, die wie ein unverbindlicher Debattierclub erscheint, eine in Glaubens- und Sittenfragen verunsicherte und uneinige Kirche verliert zusehends an Glaubwürdigkeit und Anziehungskraft. Wer steigt schon in ein Boot, das aussieht, als ob es leck wäre? Ohne den Mut, gegen den Strom modischer Zeittorheiten zu schwimmen, endet der "Auszug aus dem Ghetto" am Rand jener Straße, auf der die Mächte der Selbstzersetzung voraneilen.<<
3. Sakrament und Heiligkeit - das Verstandnis echter Mündigkeit
Hier untersucht EB Dr. Braun einmal in einer tiefgehenden Analyse, was die Rede vom "mündigen Christen" (der ich häufig schon überdrüssig bin zu hören), tatsächlich bedeutet. Er leitet dies insbesondere von Aussagen Paulus' aus den Briefen an die Römer und die Epheser her und schlussfolgert aus ihnen:
>>So sind zu allen Zeiten die Heiligen die wahrhaft Mündigen.
Das Zeitalter des mündigen Christen hat deshalb nicht erst in unserem Jahrhundert begonnen. Das Mündigwerden vollzieht sich in der stets neuen Übung von Glaube, Hoffnung und Liebe, von Demut, Friedfertigkeit und Geduld, von gegenseitigem Ertragen und Streben nach der Einheit des Geistes. Wenn die Kirche deshalb zum häufigen Empfang des BuBsakramentes anhält, so beabsichtigt sie damit auch, unser Gewissen zu bilden und uns so zur wahren Mündigkeit zu führen. Sind sich alle, die sich heute lauthals als mündige Christen bezeichnen, bewusst, dass Mündigkeit mit dem emsten Bemühen um Heiligkeit einhergehen muss? Konfliktsüchtigkeit und Kontestation, sind nicht Früchte eines reifen Glaubens, wahrer Liebe zur Kirche und christlichen Strebens nach Vollkommenheit. Was an Impulsen von Gott kommt und sich durch mündiges Christsein auswirken will, verletzt nicht die Liebe, stiftet nicht Verwirrung, sät nicht Feindseligkeit und entzieht sich nicht der gottgewollten Ordnung.<<
Im Folgenden geht er noch auf die Wichtigkeit eines Lebens in den Sakramenten und in der Einheit mit dem Nachfolger Petri ein.
4. Die angemessene Antwort auf die Not der Kirche
Weil EB Dr. Braun, ich kenne ihn leider gar nicht, ein sehr guter Seelsorger zu sein scheint, fehlt auch der ermutigende und hoffnungsfrohe Ausblick am Ende seiner Analyse nicht.
Ich zitiere nun nur noch den Schlussabsatz aus diesem Ausblick:
>>Heute, da man so viel von "kritischer Mündigkeit des Christen" spricht, müssten wir vor allem auch kritisch prüfen, ob das, was in der Öffentlichkeit gesagt wird, katholisch ist und der Lehre des Konzils entspricht. Da sich wohl die heute in der Kirche miteinander diskutieren und streiten, zum Zweiten Vatikanischen Konzil bekennen, finden sie darin eine gemeinsame Basis auf der sie sich einigen konnen. Die Gesundung der Kirche wird von Christen kommen, die in der Kraft der Unterscheidung der Geister den Weg gehen uns das Konzil gewiesen hat, und sich dabei bewusst sind, dass die innere geistliche Erneuerung Vorrang vor anderen äußeren Bemühungen hat. Das bedeutet auch, dass wir der Demut und dem Gehorsam wieder den ihnen zukommenden Stellenwert einräumen. Sie dürfen nicht zu Fremdwörtern im Leben der Kirche werden, die nur die "Stillen" im Land in ihr Christsein übersetzen. Der unabdingbare Beitrag zum geschwisterlichen Miteinander ist unser Gebet für Einheit und Frieden in der Kirche, vor allem auch das Gebet für unseren Heiligen Vater. Wenn wir dies tun und Augen, Herz und Mund wieder mehr für das Positive in der Kirche öffnen, verfallen wir keiner Verzagtheit, sondern finden die Kraft, gegen alle Hoffnung voll Hoffnung zu glauben (vgl. Rom 4,18). <<
Und bedanke mich ganz herzlich für den Leserhinweis und bei Erzbischof em. Dr. Braun für diesen ebenso intelligenten wie geistlich hochkarätigen Artikel.
ElsaLaska - 3. Jul, 15:43
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