Hausmitteilungen
was das Schreiben angeht.
Wenn du Zeit hast, dich um dein Liebhaberprojekt - einen Vatikankrimi- zu kümmern, dann kommen gaaaanz viele Auftragsanfragen rein.
Wenn du deine Auftragsarbeiten erledigt hast, dann bist du so fertig, dass du nie mehr eine Zeile schreiben willst.
Wenn du deine Auftragsarbeiten erledigt hast und du bist wieder SO fit, dass du dich um einen Vatikankrimi kümmern könntest, geschehen persönliche Katastrophen. Hatte ich schon erwähnt, dass ich Weltmeister der persönlichen Katastrophen bin?
Wenn du deine persönliche Katastrophen hinter dir gelassen hast, und dich endlich mal wieder um deinen Vatikankrimi kümmern könntest, kommen gaaanz viele Aufträge rein.
Wenn du dann wieder Zeit hast, dich um dein Projekt zu kümmern, kommen gaaaanz viele persönliche Katastrophen oder wahlweise Auftragsanfragen rein.
Wenn du dir Sorgen machst, dass nie mehr Geld rein kommt, weil niemand mehr Aufträge anfrägt, dann kannst du nicht mehr unbeschwert an deinem Vatikankrimi arbeiten.
Wenn du deine ganzen Aufträge erledigt und alle deadlines gemanagt hast, und genüsslich denkst, super, jetzt schaff ich an dem Krimi, dann musst du putzen, weil Besuch kommt.
Wenn du fertig bist, hast du endlich wieder Zeit, dich an den Krimi zu setzen.
Wenn du dich dann an den Krimi setzen kannst, und dich schon fragst, wovon du die nächsten Monate leben sollst, kommen gaaaanz viele Auftragsanfragen rein.
Wenn keine Anfragen reinkommen, ist zwar Zeit, sich um den Krimi zu kümmern, aber irgendjemand hat Geburtstag und du musst zehn Gänge kochen und abspülen.
Wenn du danach Zeit hast, dich wieder dran zu setzen, bist du völlig blockiert, weil keine Auftragsanfragen mehr reinkommen.
Das ist ein circulus vitiosus.
ElsaLaska - 5. Apr, 00:53
dass ich nicht gut genug Italienisch spreche, um ihn zu verstehen.
Da murmelte er heute " sei un tesoro!", als wir Arm in Arm gingen. Und irgendwie, ich denk mir manchmal schon. Naja, bin ich seine späte Liebe?
Es ist aber auch so, dass ich das Gefühl habe niemand aus seiner Familie versteht ihn. Heute meinte ich: Guck diese Landschaft- deine Landschaft, du kennst sie, jeden Tag andere Farben, jeden Tag wechseln die Farben dieser Landschaft. Und so kenne ich ihn. Noch bevor ich ein Wort Italienisch konnte, traf ich ihn bei seinen Reben und er pries die Sonne, die Luft, die leichte Brise, den Anblick des Meeres weiter unten.
Komme ich dann hoch zu ihm, da sitzt seine Frau in einem düsteren Kabuff, die Läden sind zugeklappt, und alles was ich erzählt bekomme sind Stories von Dieben, drogensüchtigen Einbrechern, wer krank wurde, wer gestorben ist. Klaustrophobische Atmosphäre.
Man sehnt sich schon nach was anderem, glaube ich.
Na eigenlich ist Armando schon ein Poet. Wie er die Sonne beschwört, wie er lacht, wenn ich sage: Ach, ich hab dich wieder gesehen, wenn du deine Reben KONTROLLIERST.
Oft umarmen wir uns und er scheut sich dann nicht, mich seitlich an den Rippen zu streicheln, mit seinen über Siebzig, wo ich dann auch nicht mehr sagen will - HEY!
Ich meine, er ist ein alter Mann, krebskrank, ist es so schlimm, ihm hin und wieder die Gelegenheit zu geben, mir seitlich um den Busen zu fuscheln?
Ich frage mich das manchmal schon, aber wenn ich dann wieder erlebe, wie er - so alt und so verliebt, mich anhimmelt, sei un tesoro, nein, dann mag ich nicht politisch korrekt und sexuell korrekt sein. Wobei er gar nicht aufdringlich ist, das will ich hiermit klar und in aller Deutlichkeit sagen.
Aber er ist ein Dichter, ein sehr sinnlicher Mann und ich habe das Gefühl, dass das bei ihm zuhause irgendwie unter den Tisch fällt. Dass er da verkümmert. Sonst würde er nicht so auf mich und ich auf ihn abfahren.
Er ist schon ganz und gar mein italienischer Vater. Ein sehr sinnlicher Mann und ein echter Poet. Ein sehr sinnlicher Mann. Noch jetzt.
Und ich bin froh darum. Denn das ist der Armando, den ich kenne und kennen gelernt hatte.
ElsaLaska - 3. Apr, 00:07
Schon längere Zeit wundere ich mich darüber, wieso mein Bier immer so schnell leer, das Weinglas immer in der Neige steht, ohne dass ich auch nur eine Idee hätte, davon besonders viel getrunken zu haben.
Irgendwo sitzt einer mit einem riesigen Rüssel und säuft meine Getränke leer, diesen Verdacht habe ich längst.
Hier ist er:
>>
Der Dickmaulrüssler. Ein gefürchteter Schädling.
Von wegen Blätter, Blüten, Knospen!
*guckt skeptisch in ihr Glas*
ElsaLaska - 2. Apr, 21:36
Der Persische Ehrenpreis besitzt ganz winzige, blaue Blüten, die am Grund gelb sind >
hier ein schönes Foto
und erfreut mich zur Zeit mit seinen schönen Sprenkeln in meinem (leicht verwilderten) Garten. Er ist ein Ausreißer, angeblich im 19. Jahrhundert aus dem Karlsruher Botanischen Garten abgehauen, sich weiterverbreitet und jetzt also hier und heute, Frühjahr 2007, auf meinem Grundstück in den Marken anzutreffen.
*über ihrem Pflanzenbestimmungsbuch*
ElsaLaska - 1. Apr, 19:19
und sagt, es ist in Ordnung so. Morgen fährt sie mit ihrer besten Freundin zum Brunch, ich habe gesagt sie solle sich ablenken. Das Leben genießen. Dass sie kein schlechtes Gewissen haben darf. Weil niemand mehr die Treppe herunterpoltert, nach dem Essen herrscht, verlangt zu wissen, wo sie jetzt schon wieder war und wieso sie in der Apotheke seine Medikamente nicht endlich besorgt hat.
Ich komme eh in eine Urne, gib mich einfach dazu.
Mama, bist du wirklich sicher, dass du bei ihm liegen willst?
Wieso, da ist doch der Deckel eh schon drauf, er kann mich nicht mehr "deckeln" - und mach dann mit einer Platte das Grab zu.
Darauf ich: Auf meines Vaters Grab kommt keine Platte. Das wäre das allerletzte. Ich sorge dafür.
Also habe ich mit diesem Steinmetz gesprochen und es gibt jetzt roten Sandstein, wie er für die Gegend typisch ist. Keine Platte, eine unregelmäßige Grabumrandung - und meiner Mutter Asche, wenn es so weit ist, mit dazu.
Vielleicht lasse ich die Urne auch einfach mitgehen und versenke sie unter den Bäumen bei Sharifs Grab, wenn es so weit ist.
Erst aber soll sie hier in Italien für meine Rosen sorgen.
Das Einkaufen und Kochen besorge ich ja. Und dass niemand mehr mit ihr schimpft. Auch wenn sie eine solche Königin ist, der mal einer die Leviten lesen sollte. Mama.
Gute Gene habe sie, unsere eigene Mutter ist über 90 geworden. So beschwört meine Sorge ihre ältere Schwester.
Eine Frau ist sie, die ich überreden musste, die "Große Stille" auf DVD mit anzuschauen.
"Nicht reden mit den Menschen, das ist unnatürlich, das ist ungesund."
"Es tut aber gut, Mama, von Zeit zu Zeit. Es kann sehr wohltuend sein!"
"Nie. Wer nicht redet, ist tot."
Hättest du nicht mit mir geredet, hätte ich nicht Lesen gelernt. Würdest du nicht sprechen mit deinen Pflanzen, sie gediehen nicht. Du kannst alles pflanzen, was du möchtest, sie hören auf dich. Und wachsen. Und tragen Frucht.
Diese Frau hat Kaninchen davor bewahrt, dass ihnen die Augen abstarben. Sie hat jeden Tag zehn Kaninchen die Augen mit Kamillentee gewaschen und ihnen zugeredet. Die Augen war weg, ausgetrocknet in leeren, blutunterlaufenen Höhlen. Nach einem Monat konnten ihre Kaninchen wieder sehen. Denen sind die Augen nachgewachsen. Durch Zureden.
Eine solche Frau ist meine Mutter.
ElsaLaska - 30. Mär, 01:17
die Wahrheit über den (erst verrissenen, dann aber natürlich im Interesse des cashflows wieder) hochgelobten neuen Bond, und dann stellt sie die Kommentare ab, weil es ihr so bitterbös ernst mit der Wahrheit ist, dass sie nicht drüber diskutieren will. Dabei wollte ich nur JOU-JOU! sagen, obwohl ich den Casino Royale noch gar nicht gesehen habe - mir ihn aber GENAU wegen dieses Eintrags von Zucker auch sparen werde -
was sie schreibt ist genau meine Auffassung von Bond. Ich will keine Action! Ich will Selbstironie, Eleganz und Nonchalance! Ich will Noblesse, Kosmopolitentum, Polyglottie und KENNERSCHAFT! Ich will Sean Connery!
ElsaLaska - 29. Mär, 23:52
eine Geschmacksverirrung aus einem Billigmöbelcenter, dunkelblau, aber es war die GRÖSSTE, die zu haben war. Ein Sechssitzer.
Rasuls bevorzugter Aufenthalt bei Schlechtwetter.
Wäre die Couch nicht BLAU, sondern sandfarben, könnte man ihn aufgrund seiner Reglosigkeit, seinem WIE-FESTGESCHWEISST-DARAUF-sein, gar nicht mehr WIEDERFINDEN.
Ich würde ständig den Hund suchen.
ElsaLaska - 29. Mär, 23:41
als ich am Sonntag vor der Beerdigung dachte, guck ich mal den Tatort in der ARD - ich habe viel ferngesehen, fernsehen ist eine super Ablenkung, wenn man trauert - und dabei festgestellt, dass es jetzt nur noch rechtsmedizinische Serien, Expertenteams, Cracks, CSI, RSI und GSG 9 (heißen die überhaupt noch so?) im Fernsehen gibt. Also das boomt irgendwie.
Jedenfalls also dachte ich an diesem Sonntag, es war der 11. März, hm, guck halt mal wieder Tatort. Der Tag morgen wird irgendwie schwer genug, lenk dich doch einfach ab. Ist zwar nicht dein Lieblingsteam, aber was soll's auch ...
Super.
Ich steige also in den Tatort ein und ein Beerdigungsunternehmer wird in der Friedhofshalle erschlagen aufgefunden. Ich hatte einen sehr netten Beerdigungsunternehmer, was das Ganze irgendwie nicht besser machte. Von Friedhofshallen wollte ich auch nichts wissen.
Und dann verhören sie also seine Ehefrau in dem Sarglager, das er hat, und ehrlich, ich konnte JEDEN Sarg, jedes Modell, das ins Bild kam, benennen: Eiche geschnitzt, Buche, das ist ein Einäscherungssarg, das eine Sonderanfertigung, ich kannte sie ALLE.
Wirklich eine TOLLE Ablenkung war das. Sogar Papas Sarg war im Bild - Buche, mit diesen schwarz-messing -geflammten Griffen, ohne Schnitzerei. Daneben das Modell, das ich auch noch in Erwägung zog, auch Buche, aber mit Holzgriffen.
Ich konnte mal wieder SO RICHTIG ABSCHALTEN, ehrlich.
ElsaLaska - 29. Mär, 22:49
Neben den üblichen Skandalen um Vorstände und Betriebsräte laufen ja noch ganz andere Dinger ab. Seit ein paar Jahren, oder einem Jahrzehnt, oder meinetwegen einem Jahrfünfzehnt ist es Usus im Hause Siemens, ganze Abteilungen zu verselbstständigen und an irgendwelche Scheinfirmen zu verkloppen - mitsamt den Angestellten. Da wechseln also die solcherart Ausgelagerten ein- zweimal den Besitzer, geloben dann, wegen der ach so prekären wirtschaftlichen Lage auf Urlaubs- und Weihnachtsgeld zu verzichten, drei oder vier Schichten oder was noch zu fahren ohne Rücksicht auf Verluste - den Arbeitern bzw. Angestellten wird weis gemacht, aufgrund dieses Notopfers retteten sie "ihren" Betrieb - und danach werden sie abgewickelt. Advantage Siemens: Man spart sich hohe Abfindungskosten für die in Mehrzahl langjährig (ehemaligen) Beschäftigen. Wer seit ein zwei Jahren für einen Ami schafft, anstatt für Siemens, hat keinen Anspruch mehr auf eine Siemensabfindung. Und nach außen wirkt das auch gut - man hat ja keine Leute entlassen müssen, deutscher Traditionskonzern mit sozialer Verantwortung, der man ist.
Das Beispiel
Sanmina SCI,nur eines von vielen, kommt erst gar nicht in die überregionale Presse, sind ja nichtmal 300 Beschäftigte, die hier mal wieder über die Klinge springen durften. Fast 300 Siemensabfindungen gespart, Arbeitern und Angestellten mit Familie (meinetwegen auch ohne) was vorgelogen und auf Solidarität (Euer Verzicht rettet euren Betrieb und euren Arbeitsplatz!) gekackeiert, dafür aber irgendwelchen Betriebsrätlern 20, 30 Millionen oder meinetwegen dreistellige Millionenschmiergeldsummen gezahlt.
Irgendwo hörts mal auf.
Enteignet Siemens!
Achso, dass "Mutter Sanmina SCI" in den Staaten fette Gewinne AUCH an der Börse einfährt, überrascht natürlich nicht. Da kommen die Verluste in Deutschland eigentlich bilanztechnisch gesehen doch wirklich zum rechten Zeitpunkt. Merkwürdig auch, dass die Leiterplattenbranche in Deutschland boomt und 10 Prozent Umsatzzuwachs hatte. Nur bei Sanmina Deutschland halt nicht.
ElsaLaska - 29. Mär, 22:08
Das Nacht(b)revier ist ja nicht gerade für seine feinsinnigen wirtschaftswissenschaftlichen Analysen bekannt - auch auf anderen Gebieten sind meine Einlassungen wahrscheinlich nicht gerade subtil - und das Banner für mehr soziale Gerechtigkeit sollen bitte andere hochhalten, aber im Falle von Siemens habe ich mir, nach den jüngsten Meldungen (es sollen ja über 34 Millionen Euro Schmiergeld sein - wobei das wurscht ist, über 24 Millionen oder über 34 Millionen sind ja nun wirklich nicht mehr relevant), etwas äußerst Feinsinniges und Plausibles einfallen lassen:
VERSTAATLICHT DEN SCHEISSLADEN DOCH EINFACH! Enteignet SIEMENS!
Und VW gleich noch mit dazu, die tragen ihre Vorstandsgehälter sowieso nur zu osteuropäischen Mädchenhändlern und Prager Zwangsprostituierten.
Die Siemensler aber bestimmt auch. Mindestens ihre tollen Betriebsräte.
ElsaLaska - 29. Mär, 19:49