Elsas Nacht(b)revier



Francois Gérard: St. Térèse d'Avila

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Montag, 21. April 2014

Im März

bin ich übrigens auf der Rückfahrt von Deutschland nach Italien in Sursee am Sempacher See, in der Schweiz, mit dem Auto liegen geblieben.
Ich möchte jetzt keinesfalls ausdrücken, dass es bessere oder schlechtere Orte gibt, an denen man liegen bleiben kann. Jeder Ort dieser Welt, an dem man strandet und seine Reise nicht wie eigentlich geplant fortsetzen kann, ist kein guter Ort - jedenfalls in diesem Moment.

Das letzte Mal, als ich wo hängenblieb und es kaum entrinnen gab, war übrigens Karachi. Aber das ist eine andere Geschichte.

Nun dachte ich, mach das Beste draus, schau dir die Altstadt an und geh fein essen. Unbezahlbar übrigens, irgendwann hat der Euro gegenüber dem Franken stark nachgelassen, ich schätze mal, im Jahr 2002. Jedenfalls schlenderte ich so durch die Altstadt und blieb vor einem Haus mit einer imposanten Hausmadonna stehen. Ich hätte es wissen können. Im Erdgeschoss war ein Handtaschenladen untergebracht, der von einer Familie KÜNG geführt wurde. Begeistert schaute ich zur Madonna an der Fassade empor. Mein Blick senkte sich und ich las interessiert die Aufschrift auf dem Plexiglasschild, welches über die Geschichte des Hauses informierte.
Tatsächlich stand ich also vor dem Geburtshaus von Hans Küng, der auch noch Ehrenbürger von Sursee ist, wie ich der Aufschrift entnahm.
Wenigstens die Madonna an der Fassade haben sie stehengelassen.
Leider gibt es beim deutschen ADAC keine Sonderbehandlung für Autopannen im Verbund mit spirituellem Notfall. Also besuchte ich noch die dortige Klosterkirche, welchen Ordens auch immer. Es war die erste Klosterkirche überhaupt ohne Bänke, sondern mit moderner Stapelstuhlbestuhlung, ohne Kniemöglichkeit, die ich gesehen habe. Und ich habe mittlerweile viele Klosterkirchen gesehen.
Gut, dachte ich, das ist eigentlich das, was man intrinsisch nennt, also in der Umgangssprache: Das kommt von das.
Und weil ich zwei Tage lang erleben musste, wie enorm teuer das Leben in der Schweiz sein kann, verstehe ich Hans Küng jetzt auch besser. Von einem Handtaschengeschäft kann man gewiss nicht leben. Wenn man mal ins spanische Tapas-Restaurant gehen will und oder mehr als ein "Dezi", das ist nichtmal ein Viertel Wein! - außer Haus trinken will, muss man ziemlich viele Bücher und Artikel schreiben.
Und in Karachi, letztendlich, gab es nicht mal für alles Geld der Welt ein "Dezi" Rioja. Insofern...

Flannery O'Connor's Conversations with God

O'Connor gehört bei mir zu den wenigen Schriftstellern, von denen ich ausgesprochen viel halte, deren Lektüre mich aber sehr unfroh macht. Ihre Kurzgeschichten sind brillant, sie ist eine ausgezeichnete Autorin - doch ihre Charaktere sind für mich - menschlich betrachtet - schwer aushaltbar. Was eigentlich ein Gütezeichen ist, denn, ein guter Autor ist ja eben deshalb ein guter Autor, weil er - unter anderem - nicht über "Shiny Happy People" schreibt, sondern die Abgründe der menschlichen Natur zu durchmessen in der Lage ist.

Das erste Zitat, das mir von ihr bekannt wurde, lautete, in Bezug auf die Realpräsenz Christi in der konsekrierten Hostie, also dem Allerheiligsten: "If it's just a symbol, to hell with it!" Und wendete sich natürlich gegen diejenigen, die diese Realpräsenz leugnen und ständig die Rede darüber führen, dass es ja nur ein "Symbol" sei, das Stück Brot, das weiter keine Bedeutung hätte.

Nun ist also ihr "Prayer Journal" auf Englisch erschienen und es gibt eine kurze Besprechung dazu auf den Seiten des National Catholic Register.
Dort wird übrigens auch erwähnt, dass ich wohl nicht die einzige bin, die ihre Schwierigkeiten mit den O'Connorschen Charaktern hat - was mich einerseits beruhigt hat, andererseits aber bestimmt niemanden vom Lesen ihrer Kurzgeschichten abhalten sollte, denn es wird auch prägnant ausgeführt, warum das eigentlich so ist:

>>Still, her stories shocked many readers who didn’t understand their grotesque characters and unsettling scenes of violence. To O’Connor, it was all part of her vocation as an author with a distinctly Catholic vision, who was writing about the fallen world — and the workings of grace in “territory largely held by the devil.”

For her, the devil was an actual being, not a symbol, as many pundits claimed. Even in her 20s, she acknowledged the danger of reducing religious realities to the vagaries of the human mind. She underscored that sin was a reality, not a psychological problem.<<

Ich verstehe aber durchaus, warum sie so schreiben musste, wie sie es tat und worum es ihr dabei ging. Und es ist auch ganz großartig. Nur, schwer zu ertragen.
Aber mir geht es jetzt eigentlich eher um diese Ausgabe ihres "Prayer Journals", das einen berührenden Einblick gibt auf die Art und Weise, wie sie mit Gott sprach und sich über ihr literarisches Schaffen mit ihm austauschte:

>>Like most fledgling writers, O’Connor was keen to see her work published, and there’s nothing unusual there. But when a story actually begins taking shape in her imagination, she immediately expresses gratitude to the source: “Don’t let me ever think, dear God, that I was anything but the instrument for your story.”<<

Die ganze Besprechung findet sich hier.

Leider steht nicht zu erwarten, dass sich für ihr Prayer Journal ein deutscher Verleger finden wird, auch wenn wir es uns wünschen dürfen. Nicht nur für katholische Autoren wäre das eine schöne Inspiration. Ich habe noch nicht konkret geschaut, aber vielleicht kann Amazon wenigstens die englische Ausgabe besorgen.
Nebenzu mag es vielleicht für den einen oder anderen auch eine Anregung sein, ein eigenes "Prayer Journal" anzulegen.

I don't know why...

cantare

Ich bin einfach hingerissen,
da ist so viel in diesem Monolog, von dem man oberflächlich...
ElsaLaska - 20. Aug, 19:55
Houellebecq ist ein sehr...
Wobei man jetzt keine Kristallkugel brauchte. Mir imponiert,...
Elsa (Gast) - 12. Aug, 17:50
Hui, das war aber ein...
Hui, das war aber ein wilder Ritt durchs Stadtbild...
NeonWilderness - 11. Aug, 23:45
Privet, fbtde!
Schön, von dir zu hören. Offenbar lebst du also auch...
ElsaLaska - 2. Aug, 10:27
Oha
Du lebst auch noch. Gut zu wissen!
fbtde - 2. Aug, 08:31

attenzione

la bocca

 

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