"Halkes [die feministische Theologin Catharina Halkes] plädiert dafür, Gott als eine dynamische Wirklichkeit zu begreifen, ihn nicht als Person und erst recht nicht in patriachalischer Sprache als Gottvater zu bezeichnen [da kommen wir jetzt natürlich in Kalamitäten bezüglich der Empfängnis Jesu, wenn kein männliches Prinzip über Maria kam, wenn schon in menschlichen Kategorien denken, dann stringent], sondern nach neuen Bildern zu suchen, die auch der weiblichen Gotteserfahrung gerecht werden. [Die weibliche Gotteserfahrung hat ausreichend viele Bilder durch tausend Jahre Frauenmystik, aber okay] Als neue, für weibliche Erfahrungen offene Gottesbilder bietet sich die biblische Rede von der Henne oder der Adlerin an, die ihren Nachwuchs beschützt , (Dtn 32,11; Mt 23,37) [soweit, so prima]. Als weibliche Eigenschaft Gottes ist die Barmherzigkeit herauszustellen, zumal das hebräische Wort für barmherzig (rachum) mit dem Wort für Gebärmutter (rechem) verwandt ist. [Das ist originell!] [...] Jesus, der ja unzweifelhaft ein Mann war, lässt sich in Anknüpfung an frühchristliche Christologien als sophia oder Weisheit bezeichnen - mit einem weiblichen Begriff also. [Dann passt es vielleicht auch wieder mit der Gebärmutterbarmherzigkeit? Wenn man Jesus feminisiert? Als ob die hl. Dreieinigkeit nicht auch schon so kompliziert genug wäre ...]"
Martin H. Jung: Einführung in die Theologie.
ElsaLaska - 29. Jul, 20:15
Neben dem ontologischen, dem teleologischen, dem kosmologischen und moralischen Gottesbeweis kennt die Theologie (des 20. Jahrhunderts) den Gedanken, dass das Überleben des Volkes Israels nach zweitausend Jahre voller Verbannung, Zerstreuung und letztlich nach der Shoah, - also nach Ereignissen, die jedes andere kleine Volk längst in die endgültige Auslöschung getrieben hätten - die Existenz Gottes bezeuge.
Eng damit verbunden ist auch die so genannte "Theologe nach Auschwitz", die spannenderweise in Form eines jüdisch-christlichen Dialogs stattfand und stattfindet, zunächst auf die Inititave von einzelnen Personen zurückgehend, dann immer weitere Kreise ziehend.HIer sind vor allem auf jüdischer Seite Robert Raphael Geis, Schalom Ben-Chorin und Pinchas Lapide zu nennen, auf katholischer Seite Johann Baptist Metz, Gertrud Luckner und der evangelische Theologe Friedrich-Wilhelm Marquardt, meistenteils kritisiert oder schlicht ignoriert von seinen Kollegen. Seine Antwort auf die Frage "Wo war Gott in Auschwitz? Wie konnte er das zulassen?" ist eine Gegenfrage: "Wie konnten
wir das zulassen ist die einzige Frage, die gilt, wenn Gott noch lebt und gerecht ist in seinem Schweigen."
Marquardt empfahl den Christen letztlich, nach Gott zu schreien und sich neben Israel zu stellen.
Ein anderer Name verdient hier unbedingt Erwähnung:
Emil Ludwig Fackenheim, ein Schüler Martin Bubers, und sein Postulat, dass Denken die Form des Widerstandes annehmen muss, die Widerstand als eine ontologische Kategorie begründet.
"In einer Unwelt, dessen einziges und äußerstes Charakteristikum ein System von Demütigung, Folter und Mord war, ist das Bewahren eines Zipfels von Menschlichkeit durch die Opfer nicht nur die Basis des Widerstands, sondern bereits ein Teil von ihm. In einer solchen Welt . . . muss Leben nicht erst geheiligt werden: es ist bereits heilig. Hierin liegt die Definition von Widerstand, nach der wir so lange suchten." (Aus dem verlinkten Artikel von Christoph Münz).
ElsaLaska - 29. Jul, 10:48
bleibt einem vor Staunen der Mund offen. Die lieben Kleinen, und ich muss jetzt leider hinzusetzen, deutschen Kleinen oder, sagen wir, Kinder in Deutschland.
Ich hatte heute Abend ein nettes Dorffest besucht - wieder in Deutschland für kurze Zeit - und da waren jede Menge Kinderchen in Schweinsteiger-Trikots, einer im Ronaldo-Trikot (dem hab ich nachgerufen, ob er ein MÄDCHEN ist, weil er so ein Trikot tragen muss *hehe*) und einer lungerte in einem Croatia-Trikot herum. Ich bin ja schnell genervt ab der Anwesenheit von maximal einem Kind, aber die waren eigentlich ganz nett und entspannt und wollten zwar dauernd irgendwas von Rasul, der an einer fest verschraubten Bank angeleint war, aber das sah ich eher so als Rasuls Problem und nicht als meines an. Dann kam also dieser Croatia-Junge, der mir schon eine ganze Weile vorher aufgefallen war, weil er sich partout nicht merken konnte, wie der Hund heißt.
Auf der Bank mit der Leine von Rasul lag ein Regenschirm.
Dann kommt der also zu einer Bank von Erwachsenen, die er gar nicht kennt. Wohlgemerkt, kein Kleinkind, sondern vielleicht so zehn Jahre alt, also durchaus im vernunftfähigen Alter. Geht her und fängt an, an diesem Regenschirm rumzumurksen. Der Besitzer des Regenschirms gab sofort eine klare Ansage heraus, die ich gerne getoppt hätte, aber man war mir schon zuvorgekommen. Gut, Regenschirm liegt rum, vielleicht ist das einem Kind nicht einsichtig, dass der im Besitz von irgendwelchen Erwachsenen ist, die direkt daneben sitzen.
Aber dann verlegte sich CROATIA darauf, an Rasuls Hundeleine herumzumachen und ihn loszubinden.
Noch bevor ich ihm androhen konnte, dass ihm Rasul gleich den Hals abbeißt wieder eine klare, allerdings sehr sachliche Ansage von meinem Bekannten. Schade.
Ich hätte dem Kleinen ja gerne noch ein nachhaltiges Trauma verpasst. Ich finde es nämlich absolut unmöglich und eigentlich kaum zu fassen, dass es derart unerzogene Kinder gibt, die offensichtlich nicht imstande sind zwischen Dingen, die sie nicht anzurühren haben, weil sie anderen Leuten gehören, und Dingen, die ihnen gehören, zu unterscheiden. Fassungslos gemacht hat mich diese absolute Selbstverständlichkeit, mit der das geschah. Kleine Kinder fingern öfter mal an Rasuls Leine rum, die fragen dann aber meistens, darf ich den losmachen? Oder: Warum ist der angebunden? Oder sonst irgendetwas. Aber Croatia geht hin, die Welt gehört mir, mir kann ja auch keiner was, ich bin nämlich ein Kind und darf alles.
Toll. Dass es auch anders geht, konnte ich ja sehen auf dem Fest, es kamen ja immer mal wieder Eltern und schauten nach ihrem Nachwuchs, unterhielten sich mit ihnen, setzten sich mit ihnen auseinander.
Gut, vielleicht ist er ja auch Bürgerkriegsvollwaise, man weiß das ja immer alles nicht. Aber wie wird das in 10 Jahren, wenn er jetzt schon keine Ahnung davon hat, was man anzufassen hat und was nicht?
ElsaLaska - 27. Jul, 23:49