er wende sich vertrauensvoll an mich. Ich war heute im Vorgebirge, und da hat ein holländisches Ehepaar einen Bischofssitz mit Ölmühle aus dem 17. Jh. zauberhaft renoviert, sie haben einen großen Pool, ein hinreißendes Terrain, alles in Naturstein und Holz und diese bischöfliche Villa hat eine Privatkapelle mit Tonnengewölbe, bemalten Decken, alles was man braucht. Es ist einfach unglaublich schön da. Die Besitzer vermieten wundervoll eingerichtete Appartments, alles sparsam, aber mit schönen Antiquitäten ausgestattet, und sie arrangieren auf Wunsch die komplette Hochzeit. Auch diese Leute haben einfach ihren alten Beruf, in dem sie sehr erfolgreich waren, hingeschmissen und gesagt, wir fangen was ganz Neues und Wundervolles an - und dann haben sie dieses Gebäudekomplex hingebungsvoll im Originalstil renoviert. An einer Wand hat man sogar eine Jahreszahl entdeckt, 1655.
Auch das mag ich am Leben hier, man lernt immer neue Leute kennen, die irgendwas Interessantes gekauft und einfach atemberaubend renoviert haben.
ElsaLaska - 19. Mär, 17:55
zu AIDS und Kondom:
Frage: Heiligkeit, unter den vielen Übeln, die Afrika heimsuchen, steht besonders die Verbreitung von Aids. Die Haltung der katholischen Kirche über die Art und Weise, wie das zu bekämpfen sei, wird oft als unrealistisch und wirkungslos betrachtet. Werden Sie dieses Thema während der Reise ansprechen?
Papst Benedikt XVI.: Ich möchte das Gegenteil behaupten: Ich glaube, dass die wirksamste und im Kampf gegen Aids präsenteste Organisation eben diese katholische Kirche mit ihren Bewegungen und unterschiedlichen Strukturen ist. Ich denke an die Gemeinschaft Sant' Egidio, die im Kampf gegen Aids so viel im Sichtbaren und im Verborgenen tut, ich denke an die Kamillianer und all die Ordensschwestern, die den Kranken dienen (...)
Ich würde sagen, das Problem Aids kann man nicht bloß mit Werbeslogans überwinden. Wenn die Seele fehlt, wenn die Afrikaner sich nicht selbst helfen, kann diese Geisel nicht mit der Verteilung von Kondomen beseitigt werden: Im Gegenteil, es besteht das Risiko, das Problem zu vergrößern. Die Lösung kann nur mit einem doppelten Engagement gefunden werden: Das erste ist eine Humanisierung der Sexualität, das heißt eine geistige und menschliche Erneuerung, die eine neue Art des Umgangs miteinander bringt. Und das zweite eine wahre Freundschaft auch und vor allem mit den Leidenden, die Bereitschaft, bei ihnen zu sein, auch mit Opfern und persönlichem Verzicht.
Dies sind die Faktoren, die helfen und die auch zu sichtbaren Fortschritten führen. Deshalb möchte ich sagen, ist es diese unsere doppelte Anstrengung, den Menschen innerlich zu erneuern, ihm geistige und menschliche Kraft für ein Verhalten zu geben, das dem eigenen Körper und dem des anderen gerecht wird, und diese Fähigkeit, mit den Leidenden zu leiden, da zu bleiben in den Prüfungen des Lebens. Mir scheint, dass dies die rechte Antwort ist und dass die Kirche dies tut und damit einen sehr großen und wichtigen Beitrag leistet. Danken wir all jenen, die das tun."
Man kann das natürlich in jede Richtung verkürzen, und das wird auch sicher eifrig getan, jetzt in dieser Minute. Und im Namen der Liebe zu Afrika, nicht?
[via
Martins Commentarium ]
[via
blogkon.blogspot.]
(Übersetzung von mir nicht verifiziert, sondern übernommen)
ElsaLaska - 19. Mär, 00:10
Von meinem 15. bis circa 30. Lebensjahr konnte man mich in die Riege der jungen Linksautonomen einordnen. Ich trug zerrissene Fiorucci-Jeans, völlig unmögliche Haartrachten, teilweise mit rot eingefärbtem Sowjetstern - okay, mit 30 nicht mehr - und ging an den Wochenenden in irgendwelche besetzten Häuser, um grauenvolle Dilettanten ihre Version von Punk spielen zu hören. Ich hatte diesen lila Frauenkalender, wechselte meine männlichen Freunde wie die Unterhosen, wobei die Unterhosen aber höchstwahrscheinlich noch ansehnlicher waren als die versifften Gestalten, mit denen ich Bett und Gedanken teilte. Those we're the days.
Es waren schöne Zeiten. Ich wurde im Bus beschimpft, nur weil ich auftoupierte blondierte Haare hatte, und einmal zog ich mich richtig schön wasserfest an, weil mir mein damaliger Freund ankündigte, es ginge ins linksautonome Zentrum und Skinhead-Besuch - also Kampf - war angesagt. Dann hatte er aber Karten für die Vorpremiere des Käthchens von Heilbronn am Wiesbadener Staatstheater ergattert, wir gingen spontan also dann nach dort, und so saß ich dann recht outlaw mäßig dort mit Springerstiefeln und Lederjacke.
Im schlimmsten aller Fälle rissen wir die RCDS-Plakate an unserer Uni ab, in denen irgendwelche Gesprächsrunden zu Europa oder Pro-Kernkraft angekündigt waren.
Möglicherweise glorifiziere ich diese Zeit, ich kann mich tatsächlich aber nicht daran erinnern, dass es mehr gewesen wäre als ein Spiel, ein Lebensstil, der sich eben von dem der BWL-Studenten und RCDS-Mitglieder durch vermehrte Buntheit auszeichnete - aber nicht bösartig war oder gewalttätig. Ich habe nie mit Pflastersteinen geworfen und lieber still und fein ruhig in der Bude "Die permanente Revolution" von Trotzki gelesen. Möglicherweise gab es schon damals diese absolut verkrampften Linken, die nach guter deutscher Manier die Welt verbessern wollten, wahrscheinlich sogar. Wahrscheinlich wurde auch agitiert gegen die Rechte, die Neonazis, die Skinheads, obwohl es da gar nicht viel zu agitieren gab, wenn sich halt irgendwelche im linksautonomen Zentrum blicken ließen, gab es ein bisschen emotional befreite Gewaltausagierung - viel ernsthaftes ist da nie passiert.
25 Jahre später trägt man nicht mehr nietenbesetzte Lederjacke, Che-Barett und löchrige Designerjeans, sondern großkarierte Strickweste, Schlappen und T-Shirt unter ungebügeltem Hemd. Man ist kritisch und wachsam gegen Rechts und vor allem gegen das sogenannte Rechtskatholische. Ich frage mich, was haben diese Leute eigentlich gemacht, während ich noch linksautonom war? Linksautonom können sie nicht gewesen sein, sind es vielleicht alte enttäuschte RCDSLER, die umgeschwenkt sind? Was sind das für Lebensläufe? Sollten und könnten das wirklich Leute sein, die in den Achtzigern, während meiner autonomen Phase, schon Alt-68er waren und es jetzt immer noch sind? Gibt es keine persönliche Entwicklung? Und wenn es eine gibt, wieso haben sie es so dringend nötig, andere, nicht mehr Linke, von denen es genügend gibt, in eine Reihe mit Holocaust-Leugnern, Neonazis und Kinderporno-Konsumenten zu stellen? Mit der RAF? Mit fundamentalistischen Glaubenskommandos der Taliban? Typisch deutsches Denunziantentum also, nur jetzt nach links gewendet? Im Namen von Demokratie, Freiheit, Individualismus und dem Recht, auf seine eigene Meinung zu insistieren, nur dabei möglichst die von anderen, Andersdenkenden, total zu diffamieren?
Zum ersten Mal fiel mir das so richtig in der Öffentlichkeit bei Eva Herman auf. Zu der Zeit hielt ich Eva Herman für ziemlich beknackt, aber unter ferner liefen. Was die multimediale Öffentlichkeit dann daraus gemacht hat - und was in den Achtzigern noch unter beknackt aber ferner liefen gut untergebracht gewesen wäre, - ist im 21. Jahrhundert zur stellvertretenden Gerichtbarkeit der Rechtschaffenen und Mündigen, Aufgeklärten und Antifa-Bewegten geworden, die mittlerweile, und da muss ich mich mehrmals verwundert umschauen, die öffentliche Meinung und den öffentlichen Meinungsterror stellen darf.
Irgendwas habe ich in diesen fünfzehn, zwanzig Jahren verpasst. Wo waren all diese rechtschaffenen, Autobahn-geht-gar-nicht-Proklamierer denn beispielsweise 1986? Was haben sie gemacht? Wir haben damals unserem greisen Onkel schon übers Maul gefahren, wenn er bei einem Leichenschmaus alte Stories erzählte und erklärte, Hitler hätte schließlich die tollen Autobahnen gebaut. Alle erzählten das eigentlich, und zwar ganz normale Leute, des Neonazitums völlig unverdächtig. Was habe ich gemacht?
Ich habe entweder die Schultern gezuckt, aus Liebe, wenn der Onkel gar zu alt war, wenn er noch ansprechbar war, habe ich ihm erzählt, dass das so nicht geht. Autobahnen rechtfertigen keinen Mord an religiösen Minderheiten. Der Onkel hat es dann versucht nachzuvollziehen, aber man hat sich dann trotzdem gemocht.
Und im weiteren Gespräch, angestoßen durch die Autobahnen, kam dann raus, dass er Hitler ja eigentlich total scheiße fand. Wie jeder normale und vernünftige Mensch ja auch.
Diese Regel, ich möchte sie die Leichenschmaus-Regel nennen, gilt offenbar im öffentlichen Diskurs nicht mehr.
Empörung ja, ein Gespräch deswegen anstoßen bloß nicht. Stattdessen in die Ecke stellen, diffamieren, denunzieren. Abqualifizieren. Warum? Weil niemand mehr mit dem greisen Onkel ins Gespräch kommen will. Wichtiger ist es, sich zu empören, herumzuschreien, auszugrenzen. Sich selbst zu positionieren.
Das ist übrigens der Grund, warum ich keinen Bock mehr auf Links Sein habe.
ElsaLaska - 18. Mär, 21:04
das Feld erstmal von hinten unten Süd auf und kreist die Hirten auf Abwegen großflächig ein.
Gut, er muss in weltkirchlichen Maßstäben denken, dass werde ja auch ich nicht müde zu betonen. Deshalb ist es folgerichtig, wenn er gleichmal in Kamerun die Ärmel hochkrempelt - wo Petrus ist, da ist ja die Kirche - also derzeit in Kamerun.
"Der Papst drängte die Bischöfe aber auch zur besonders engen Zusammenarbeit mit den Priestern: Sie sollten dem Klerus ein Beispiel geben – und ihm gleichzeitig auch auf die Finger sehen, ob ihr Lebensstil wirklich priesterlich ist. Benedikt hatte da wohl manche afrikanische Laxheit im Auge, die sich afrikanische Priester vor allem mit dem Zölibat leisten." (rv) Hervorhebung von mir.
[Radio Vatikan ist einfach unbezahlbar. Von dieser leisen Doppelbödigkeit in den Formulierungen, die sich da in letzter Zeit einschleicht, kann ich mir wirklich noch eine Scheibe abschneiden. "hatte da wohl manche afrikanische Laxheit im Auge" - ja, ich wüsste wirklich nicht, was für Laxheiten er sonst im Auge haben könnte ... ]
ElsaLaska - 18. Mär, 19:13
durchs anonyme und wildwuchernde Gestrüpp sogenannter katholischer Internetseiten , so genannt aus Linzer Sicht natürlich, bietet die
Kirchenzeitung Linz in diesem Artikel, in dem man kreuz.net, kath.net und gloria.tv mal schnell auf ein Niveau bringt. Besonders hervorzuheben auch dieses Zitat:
"Viele Kinderpornoseiten haben so wie gloria.tv ihre Server in Moldawien. Mit diesen begibt sich gloria.tv auf eine Stufe."
Demgegenüber bleibt von mir noch zu ergänzen:
Viele Seiten über das kanonische Recht und die Konzilstexte zur Einhaltung des Zölibats haben ihren Server in
Vatikan-Stadt. Ob sich die Diözese Linz mit diesen jemals auf eine Stufe begeben wird, bleibt weiterhin offen.
ElsaLaska - 18. Mär, 16:00