macht doch euren Ethikunterricht. Ich bin prima damit gefahren, ich hatte einen erstklassigen Ethikunterricht in der MSS, nachdem ich diesen unsäglichen Religionsmist abgewählt hatte. In der Unterstufe und Mittelstufe hat man mir in Reli eigentlich nichts weiter beigebracht, keine Fragen beantwortet, sondern mich mit Hinduismus, Judentum und Islam vertraut gemacht. Die Evangelischen hatten sowieso nichts mehr zu vermitteln, die Katholischen auch nicht, weil bei denen wurde der Unterricht von abgefallenen Priestern gestaltet, die mittlerweile geheiratet hatten. Also wählte ich Ethik. Da hatten wir einen wundervollen Lehrer, der mit uns alle relevanten Philosophen gelesen hat im Originaltext, ich habe den Mann geliebt. Wir haben ohne Ende diskutiert.
Ich war Kommunistin und Materialistin, er hat idealistisch dagegen gehalten. Und obwohl ich nicht seiner Meinung war, habe ich eine sehr gute Note immer bekommen. Ich denke an meinen Ethikunterricht, obwohl der zweifelsohne nicht mehr die Qualität hat, was sie uns in Berlin da aufschaffen wollen, immer gerne zurück.
Und nach ganz viel Ethik und ganz viel Jaspers und Heidegger-Lektüre, habe ich dann erkannt, dass ich katholisch werden möchte.
Und nachdem ich jetzt bei einigen "brights" mitgelesen habe, die sich für wahnsinnig intelligent halten, intelligenter als alle anderen, und doch nicht kapieren, dass zum Beispiel die Evolutionslehre nicht dem Glauben an Gott und Christus konträr ist, und im Endeffekt NICHTS kapieren, aber das ist wohl das Gütesiegel der "brights", die so verständig und intellektuell sind, sag ich vollen Herzens, ja zum Ethikunterricht. Mir hat er nicht geschadet. Den "brights" wünsche ich ein paar nette Originaltexte und ein bisschen mehr Offenheit für die Wurzeln ihrer beschränkten Weltsicht.
ElsaLaska - 27. Apr, 21:22
"Wir sollten mal gespannt am 25. April nach Trier sehen", schrieb johannes Anfang März
im Kommentarbereich als Antwort auf den Hinweis eines von Tiberius
verlinkten Zeitungsartikels, wonach sich die so genannte "Kirche von unten"-Organisation über die Ansetzung eines solchen Gottesdienstes im Rahmen der Heilig-Rock-Wallfahrt empörte ("Ein Skandal").
Vorhin entnehme ich dem Blog "Motu proprio"
die erfreuliche Nachricht, dass sich an die 300 Gläubige bei dieser Feier in Trier einfanden, darunter auch auffällig viele Familien mit Kindern.
Ja, das ist mal ein echter Skandal, liebe "Kirche-von-unten"-Gruftis.
Da muss ich euch Recht geben.
ElsaLaska - 27. Apr, 12:44
"Die Zeit der lutherischen Reformation und katholischen Restauration war eine Zeit des "entsiegelten Abgrunds" (Offb 6): Krieg, Not, Tod, Erdbeben, bis die Hölle selbst zu rasen schien, da die Menschheit Teufel und Besessene überall sah und im Kampf gegen sie selber einer angstgejagten Besessenheit der Grausamkeit verfiel. Dann schlug die Zeit der Hexenbrände jäh in die Zeit der Aufklärung um, wo derselben Menschheit dies alles so sehr entschwand, dass auch der lebendige Gott ihr entschwand, da nur noch die "Ideen" der enzyklopädischen "Natur, Vernunft, Moral" und der revolutionären "Gleichheit, Freiheit, Brüderlichkeit" einen Himmel bildeten, der von einer utopisch "glücklichen Erde" sich nicht unterschied. Aber die letzten Fanale der Hexenbrände düsterten doch noch bis in die erste Hälfte des 19. Jahrhunderts, - und das beginnende 20. Jh. zeigt bereits die ersten Spuren einer neuen Zeit des "entsiegelten Abgrunds": Psychoanalyse und Individualpsychologie entstehen als der verzweifelte Versuch, der neurotische Besessenheiten Herr zu werden, die der Erfolg der aufklärerischen Vernunftreligion sind.
Die Aufklärung hat alles aufgeklärt, bis auch der Abgrund wieder klar ist. Von der lutherischen Heilsgewissheit zur Descartschen Selbstgewissheit ... geht der verzweifelte Versuch der Menschheit, jener dämonischen Angst Herr zu werden, die den Begründer der Reformation, Luther, schüttelte. Dieser Versuch ist heute in die Philosophie Martin Heideggers geendet, für die eben diese Angst Wesen des Sein ward, weil das hoffnungslos absolute Nichts Untergrund des Sein ist.. Dann aber kündet sich in der Art, wie diese Angst-Metaphysik Heideggers die Angst-Mystik der kleinen Blanche in Gertrud Le Forts "Letzte am Schafott" gegenübersteht, auch die Erneuerung des Letzten, was die Zeit der lutherischen Reformation und katholischen Restauration kennzeichnet. Im Durchleiden dieser letzten Angst, die nicht mehr eigentlich "Angst vor" ..., sondern "Angst schlechthin" [ist] - hierin gehen die großen Persönlichkeiten der lutherischen Reformation und katholischen Restauration noch einige: Luther, Bach auf der einen Seite, Ignatius von Loyola und Teresa von Avila auf der anderen. Aber dann scheiden sich die Wege jäh."
Erich Przywara, SJ: Humanitas. Der Mensch gestern und morgen.
ElsaLaska - 27. Apr, 11:04
Amica von
Magnificat anima mea Dominum war zu Silja Walters 90. Geburtstag in der Schweiz bei den Benediktinerinnen und Benediktern und hat neben Silja Walter auch Abprimas Notker Wolf getroffen.
Schöner Artikel, danke dafür.
ElsaLaska - 26. Apr, 16:07
"Im Werke Gertrud Le Forts steht Rom als Wirklichkeit und Gleichnis. Es ist Rom, wie es eine stolze, heidnische Klassik in einer aufgebrochenen Romantik innerlich überwindet. Es ist Rom, wie es die Sehnsuchts-Halbheit einer siechenden Romantik sterben lässt in eine übernatürliche Klassik des "Kindes der Heiligen Kirche". Es ist Rom, wie es erst dem aufgerissenen Blick eines Eschatologismus sichtig wird, der durch die Schauer der letzten Nächte schritt. Es ist Rom, wie es das Dämonische dieses Eschatologismus zur Kraft der Kindlichkeit umopfert.
In der Gestalt der Großmutter der kleinen Veronika ist das Rom Stefan Georges einheitliches Bild, einheitlich seiner ruhenden Majestät, einheitlich in seinen geheimen, eine unaufhörlich blutende Wunde hüllenden Verkleidungen einheitlich in seiner letzten Todes-Schwermut, in die die Peterskuppel fern hineindämmert. In der Zerrissenheit Enzios dunkelt ds Rom der ungeheuren Gräber-Nacht, seine Ewige Unendlichkeit des Chaotischen, die unter den Trümmern wühlt, einheitlich in der Größe der Durchbrechung aller schränkenden Formen, einheitlich in den Steppen-Weiten ihrer Grenzlosigkeit, einheitlich im Weinen ihrer Einsamkeit.
Die zerbrechliche und doch unglaublich zähe Kristallizität Tante Edelgards spricht von der spitzenfeinen Subtilität eines rein unsichtbaren Rom, Rom rein geistiger Religiösität, das zurückbebt vor dem wuchtend sichtbaren Rom der "Monstranz" der Peterskuppel, zurückbebt in einer letzten Selbsttäuschung des "ich bin nicht würdig", zurückbebt in einer letzten dämonischen Anfechtung des "sich auch gegen Gottes allzu große Nähe wahren müssen", zurückbebt schließlich in einem Ausbruch, der alle Subtilität dämonisch-leidenschaftlich zerfetzt, um in diesem Ausbruch als selig tödlich getroffenes Wild dem göttlichen Jäger der Liebe in die Arme zu sinken, im Atem eines rücksichtslosen, alle Türen des Hauses geheimnisvoll aufbrechenden Confiteor."
Erich Przywara, SJ: Humanitas. Der Mensch gestern und morgen.
ElsaLaska - 26. Apr, 13:00